Friese Orgel Georgenkirche Parchim St. Georgen Kirche
ev. Kirche (1229)
Orgelbauer:
J. Friedrich Friese III (Schwerin)
Baujahr:
1871 / 1925 / 1955 / 2001
Datum des Erstbesuchs:
Juli 2025
Disposition und Spielhilfen
Historische, norddeutsche, romantische Friese Orgel Georgenkirche Parchim am Wockersee: St. Georgen Kirche bei Schwerin, 2 M, 45 R, 3 Sperrventile, Strahlenmechanik, mechanische Schleifladen, Löffeltritt
Das neugotische Gehäuse mit seitlichen Pfeifenfeldern, Mittelfeld mit hohem Giebel, Schwellkasten mit Jalousien und Ornamenten steht auf der Westempore, mit dahinter liegenden Windladen. Die mechanische Manualtraktur führt ohne Wellenbrett über die Strahlenmechanik zu diesen Windladen.
Im Turm der gotischen großen Kirche mit Fünfergeläut befindet sich die Balganlage, zwei Magazinbälge und zwei Keilbälge.
Die Orgel hat einige Veränderungen erlebt und durchlitten:
1925 wurden noch pneumatische Zusatzladen und neue Pfeifen eingebaut.
1955 erweiterte Barnim Grüneberg aus Greifswald die Orgel. Dann kam die Firma Jehmlich 1961 und erneuerte die Register Mixtur, Oboe 8’, Cimbel
3fach, die Aeoline 8’ und das Larigot 1 1/3’.
Schließlich kam noch Wolfgang Nußbücker, dessen Orgeln ich in Greifswald kennengelernt habe, und veränderte Register.
Endlich 2001 erfolgte die Rekonstruierung und Restaurierung auf den originalen Zustand der Erbauungszeit durch Wegscheider (Dresden) und Arnold (Plau).
Es ist meine erste Friese-Orgel.
I. Hauptwerk / C-f3
Bordun 16’
Principal 8’
Doppelflöte 8’
Gamba 8’
Gemshorn 8’
Octave 4’
Spitzflöte 4’
Quinte 2 2/3’
Octave 2’
Mixtur 5fach (Rekonstruktion)
Trompete 8’
II. Oberwerk (SW) / C-f3
Lieblichgedackt 16’
Geigenprincipal 8’
Salicional 8’
Lieblichgedackt 8’
Octave 4’
Rohrflöte 4’
Octave 2’
Oboe 8’ (Rekonstruktion)
Pedal / C-d1
Principalbaß 16’
Subbass 16’
Principal 8’
Violoncell 8’ (Rückführung)
Bassflöte 8’
Posaune 16’






Spielhilfen
Pedalkoppel I-P / Manualkoppel II-I /
Sperrventil Hauptwerk / Sperrventil Oberwerk /
Sperrventil Pedal / Calcant / Evacuant
Klang und Akustik

Die dreischiffige, rote und neunjochige Backsteinkirche besitzt ihre erste Orgel von 1564 von Fabian Peters. Die Kanzel ist von 1580. Brillante Akustik. Besonders schön der Altarretabel von 1421. Der Spieltisch mit funktionierendem Calcant, geschnitztem Pult und Registergesichtern ist eine Augenweide.
Die langen Züge sind schwer zu bewegen und quietschen etwas. Der Nachhall ist stark und majestätisch in der großen Kirche.
Persönliche Note

Ich bin in beautiful Parchim im Norden angekommen. Nach der langen Reise duschte ich erst mal im Hotel. Es war sehr schön, hier zu spielen. Spieltisch und Prospekt erinnern mich an eine Mischung Ladegast-Rühlmann.
Das Konzert war schön und stand unter dem Motto Wein und Orgel. Man durfte trinken und zuhören. Manche liefen mit ihrem Weinglas ruhig in der Kirche umher und bestaunten unter meinen Klängen die Kunstschätze. Draußen tobte ein Gewitter.
Parchim wird liebevoll Pütt genannt und hat ca. 20.000 EW. Als ich die Stadt voll Backsteingotik und Fachwerkhäusern betrat, kam sie mir wie eine Geisterstadt vor: Viele Häuser und Geschäfte stehen leer, auch die Strassen, dafür ein Dönerladen nach dem anderen, und aus den Türen der Häuser traten verschleierte Frauen.
Das Rathaus in Parchim stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die kleinere, ältere Marienkirche von 1270 mit jüdischen Grabsteinen aus dem Mittelalter wird gerade renoviert, ebenso die romantische Orgel. Es ist eine wertvolle Faber-Orgel von 1908, die vor ein paar Wochen ihren Geist aufgab. Die Kirche erinnert mich sehr an die „dicke Marie“ aus Greifswald (Marienkirche).
Die Georgenkirche besitzt einen Möckelaltar von 1898, Gewölbezwickel, den Leptzowaltar von 1421, Drolerien, Ratsgestühl 1608, große blaue Fenster und in der Winterkirche eine kleine neobarocke Sauer-Orgel von 1973. Der Turm ist 53 Meter hoch mit Spitze.
Das evangelische Parchim hat auch eine kleine katholische Kirche.

Gelungene Orgelnews: besonders deine Bilder und die Videos. Klasse und Danke!