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Eule Orgel Trier Konstantin Basilika

ev. Erlöserkirche Konstantin Basilika

Orgelbauer:

Hermann Eule (Bautzen) Opus 664

Baujahr:

2014 (IV/80)

Datum des Erstbesuchs:

19.11.2021

Disposition und Spielhilfen

Eule Orgel Trier Konstantin Basilika: Römische Konstantin Basilika Erlöserkirche, Rheinland-Pfalz. Größte Orgel Triers an der Mosel. Trier ist eine wunderschöne Stadt. 87 Register, 4 Manuale, 6006 Pfeifen, 32 Koppeln, 6 Klangwerke. Die Orgel wurde in den majestätischen Raum hinein komponiert. Drei große Kuben, in die Nischen der Südfenster. Archaische Schmucklosigkeit. Eule Orgelbau seit 1872. Denken in großen Dimensionen.

Die neue, große, sinfonische Hauptorgel schließt den Wiederaufbau der Basilika nach dem Zweiten Weltkrieg ab. Perfekt für Musik der deutschen und französischen Orgelromantik, hohe Intonationsqualität. Die im Krieg zerstörte Ibach-Weigle-Orgel an der Rückwand der Kirche wurde durch Eule ersetzt. Das Land Rheinland-Pfalz zahlte. In zwei Auswahlverfahren, Orgelbau und Architekturwettbewerb für Design, welche die auch Gestaltung der Orgel in Raum zum Gegenstand hatte, wurde am Wiederaufbau gearbeitet. Die Orgel sollte nicht ebenerdig sein, der Spieltisch schon. Die äußere Gestaltung wurde von dem Architekturbüro Auer & Weber (München/Stuttgart) komponiert: Drei mächtige und doch schmale Orgelkörper an der roten Rückwand hängend, im dunkelgrauen Gehäuse, perfekt zwischen die Fenster passend. Eine lange, graue, zierliche Wendeltreppe führt zum oberen Spieltisch im mittleren Orgelkörper. Zwischen unterem, mobilen Spieltisch und den Orgelkörpern könnten es locker 30 Meter sein. Die Orgel wirkt edel, kühl, mächtig, distanziert, beinahe sachlich.

Die neue Hauptorgel hat 82 Register, über 6.000 Pfeifen, 5 extendierte bzw. transmittierte Register im Pedal, verteilt auf vier Manualwerke und Pedal. Die Orgel ist die größte Orgel in Trier und eine der größten Orgeln in Rheinland-Pfalz.

Die Registertraktur ist elektrisch, die Spieltraktur mechanisch und wird teilweise durch Barkermaschinen unterstützt (Schwellwerk, Orchestral, Pedal). Die Hochdruckstimmen werden elektrisch angespielt, schwellbares Solowerk mit Hochdruck-Registern (u. a. eine Tuba imperialis), Winddruck von 380 mm Ws.

Das Hauptwerk (I. Manual) ist im Stile deutscher hoch- und spätbarocker Orgeln disponiert, das Schwellwerk (II. Manual) deutsch-romantisch und das schwellbare Récit (III. Manual) französisch-romantisch. Vom IV. Manual aus lassen sich zwei Werke anspielen. Es gibt auch einen Streicherchor.

Bedrohlich und fremd wirken die Orgel-Quader nicht auf mich, aber sie könnten so empfunden werden.

Vorne rechts, weit weg, guckt noch eine hübsche, kleine Schuke Chororgel mit spanischen Trompeten frech und schüchtern aus dem Gestein.

Fast 8 Sekunden Nachhall.

Danke an Martín Bambauer

I Hauptwerk C–c4
 
1. Prästant 16′
2. Gedackt 16′
3. Principal major 8′
4. Principal minor 8′
5. Gambe 8′
6. Flûte harmonique 8′
7. Rohrflöte 8′
8. Erzähler 8′
9. Octave 4′
10. Gemshorn 4′
11. Quinte 22⁄3
12. Octave 2′
13. Mixtur major V 2′
14. Mixtur minor III 11⁄3
15. Cornet II–V 22⁄3
16. Trombone 16′
17. Trompete 8′
18. Clairon 4′
II Schwell-Positiv C–c4
 
19. Lieblich Gedeckt 16′
20. Geigenprincipal 8′
21. Konzertflöte 8′
22. Zartgedackt 8′
23. Quintatön 8′
24. Salicional 8′
25. Aeoline 8′
26. Vox coelestis 8′
27. Geigenoctave 4′
28. Fugara 4′
29. Flauto traverso 4′
30. Waldflöte 2′
31. Progressio III–V 2′
32. Harmonia aetherea III–IV 2′
33. Aeoline 16′
34. Clarinette 8′
35. Oboe 8′
36. Celesta 8′
Tremulant

 

Pedalwerk C–g1

 

. Majorprincipal (Ext. Nr.72) 32′
71. Untersatz (Ext. Nr. 74) 32′
72. Principalbass 16′
73. Violonbass 16′
74. Subbass 16′
75. Gedacktbass (= Nr. 37) 16′
76. Salicetbass(= Nr. 55) 16′
77. Open wood 16′
78. Octavbass 8′
79. Violoncello 8′
80. Bassflöte 8′
81. Octave 4′
82. Großcornett IV 51⁄3
83. Hintersatz IV 22⁄3
84. Kontraposaune (Ext. Nr.85) 32′
85. Posaune 16′
86. Trompetenbass 8′
87. Clarine 4′
III Récit expressif C–c4
37. Quintaton 16′
38. Diapason 8′
39. Flûte traversière 8′
40. Cor de nuit 8′
41. Viole de Gambe 8′
42. Voix célêste 8′
43. Octave 4′
44. Flûte octaviante 4′
45. Nasard 22⁄3
46. Octavin 2′
47. Tierce 13⁄5
48. Piccolo 1′
49. Plein jeu V 22⁄3
50. Bombarde 16′
51. Trompette harmonique 8′
52. Basson-Hautbois 8′
53. Voix humaine 8′
54. Clairon harmonique 4′
Tremulant
IV Orchestral C–c4 (schwellbar)

 

55. Contra Gamba 16′
56. Orchestral Viola 8′
57. Viola célêste 8′
58. Clarabella 8′
59. Violine 4′
60. Harmonic flute 4′
61. Flautino 2′
62. Cornett d’ violes III 31⁄5
63. Cor anglais 16′
64. Clarinet 8′
65. French Horn 8′
IV Solo C–c4 (nicht schwellbar)

 

. Principalis romanus 8′
67. Konstantin-Flöte 8′
68. Tuba imperialis 8′
69. Chimes
Koppeln
Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, IV/II, IV/III; I/P, II/P, III/P, IV/
Superoktavkoppeln: II/I, II/II, III/I, III/III, IV/I, IV/III, IV/IV, II/P, III/P, IV
Suboktavkoppeln: II/I, II/II, III/I, III/III, IV/I, IV/IV
Orchestral/Solo: jeweils frei an I, II, III, IV, P
Spielhilfen
Registriercrescendo (5fach programmierbar)
elektronische Setzeranlage; MIDI-Schnittstelle und Replay-System.

Klang und Akustik

Unglaublich schöne singende Gambe 8’ im Schwellwerk in Clair de Lune (Vierne), was ich heute spielte. Ich war die einzige Frau, die spielte. Wunderschöne sanfte Flöten und Zungen. Grandiose Hochdruck-Register. Extrem powerful und auch extrem zart: Alles möglich! Orgeln, die nicht leise singen können, fehlt etwas Wichtiges. Diese mächtige Orgel aber singt gefühlvoll. Trotz ihrer kühlen (starren) Fassade singt sie sehr musikalisch und verführerisch.
Man tritt in den beinahe leeren, halligen Raum mit den Bänken, die verschluckt erscheinen, dreht sich um und sieht – eine riesige, edle Orgel, die dennoch zart wirkt in diesem mächtigen Saal, in einer Dreieinigkeit hängend wie ein Kreuz. Wie ein Mahnmal.

Persönliche Note

Der Meisterkurs war genial. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Die Basilika in Trier ist sehr groß, schlicht, hoch, mit enormer Akustik. Von allen Seiten klingt die Orgel anders. Ja, die Orgel!

„Eine gute Orgel muss in den Kirchenraum hinein komponiert werden. Gerade das Zusammenspiel mit dem Raum – optisch und akustisch – macht das Besondere, Individuelle, Unikate einer jeden Orgel aus. Es formt sie zu einer charaktervollen Persönlichkeit.“ (Jiri Kocourek)

Ich habe wieder Lust auf die französische Musik bekommen. Nicht alles gefällt mir, manches wirkt etwas langweilig und zu sehr nach Zirkusmusik, da fehlt mir irgendwie der „deutsche Geist“ von Brahms und Schumann usw., aber die zweite Sinfonie von Vierne ist herrlich, besonders 2., 3. und 4. Satz. Und die Fantasiestücke! Klasse! Und gerade seine zarten Werke gefallen mir.
Wunderschönes Pedalspiel macht den Klang aus. Danke an Kantoren Bambauer, Still und an Vincent Dubois und Jiri Kocourek.

 


3 Antworten auf “Eule Orgel Trier Konstantin Basilika”

  1. Andreas Friedrich

    Sehr ausführliche und informative Beschreibung der Orgel mit gelungener persönlicher Einschätzung. Gut gemacht!

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