Böhm Orgel St. Martin Kirche Heilbad Heiligenstadt im Eichsfeld
ev. Kirche Eichsfeld
Orgelbauer:
Rudolf und Gerhard Böhm (Gotha)
Baujahr:
1973
Datum des Erstbesuchs:
April 2025
Disposition und Spielhilfen
Sanierte, neobarocke Böhm-Orgel ev. St. Martin Kirche Heilbad Heiligenstadt, Eichsfeld, Nord-Thüringen, 2 M, 27 R
„Zentralstelle für Orgelbau beim Evgl. Konsistorium der Kirchenprovinz Sachsen 1973“
Besonders gut gefallen hat mir das Kupferprästant 16 und der Pommer im HW. Die Akustik ist eher trocken. Die Bank lässt sich nicht verstellen und ist eher für Männer eingestellt.
Das vollmechanische Schleifladen-Instrument hoch oben auf der Westempore klingt in der Gesangs-Akustik dieser großen Kirche schön. Über ihr schwebt die große Fensterrosette. Das Gehäuse hat 9 Pfeifenfelder. Die gotische dreischiffige Basilika ist mit Klang zu füllen.
Böhm war eine Orgelbauer-Dynastie; Vater Gerhard und Sohn Rudolf bauten die Orgel. In Gotha steht die größte Böhm-Orgel.
Das Bad ist nicht mit Heiligenstadt in Oberfranken zu verwechseln, wo ich schon 2 x spielte. Dem Heilbad gelang es um 1810, ein Bad zu werden, um Verwechslungen zu vermeiden.
Es ist meine erste Böhm Orgel.
Die ehemalige katholische Stiftskirche St. Martin neben dem kath. Bergkloster ist die größte evangelische Kirche im Eichsfeld und damit evangelische Hauptkirche der Stadt und der Region.
Sie war ursprünglich die sogenannte katholische Mutterkirche und wurde 1804 an die evangelische Kirche durch die Preußen überlassen, was für Aufruhr sorgte, denn sie ist die größte Kirche der Stadt.
In einer Nacht-und Nebelaktion wurden 1803 die katholischen Kostbarkeiten von St. Martin inklusive Kanzel und Figuren von den Katholiken in die kath. Marienkirche überführt. Jedoch bekam die Kirche vor kurzem nagelneue teure, helle Bänke eines berühmten Architekten-Ehepaars der Gegend, die auch Eisenach gestaltet haben. Die Martinskirche ist stets sehr gut beheizt.
Die erste Orgel in St. Martin war romantisch und wundervoll und wurde 1831 von Johann Schulze aus Paulinzella erbaut, jedoch 1949 neobarockisiert und verunstaltet in der Orgelbewegung.
Die neue, neobarocke Orgel wurde 1973 vom Gothaer Orgelbauer Rudolf Böhm erbaut und von Orgelbau Brode gereinigt und saniert, deren Orgel ich im Marcel Callo-Haus spielte.
In der eleganten Akustik wäre besonders eine romantische Orgel eine Ohrenweide und Hochgenuss. Es gibt noch einen schönen Saal mit einem alten Flügel.



HW I
Pommer 16′
Prinzipal 8′
Rohrflöte 8′
Oktave 4′
Spitzflöte 4′
Rohrquinte 22/3‘
Prinzipal 2′
Mixtur 5f 2′
Trompete 8’
BW II
Gedackt 8′
Quintatön 8′
Prinzipal 4′
Gedacktflöte 4′
Blockflöte 2′
Terz 13/5‘
Nasat 11/3‘
Oktävlein 1′
Scharff 4f 1′
Krummhorn 8’
Tremulant
Pedal
Kupferprästant 16′
Subbaß 16′
Oktabaß 8′
Baßflöte 8′
Choralbaß 4′
Hintersatz 4f
Posaune 16′
Clarine 4′

Die Tasten sind aus schwarzem Piacryl, das Pedal ergodynamisch, alle Stimmen vornehm zurückhaltend, nie zu laut. Für diese große Kirche ist die Orgel fast etwas zu klein.
Die Säulen der Kirche erinnern mich an Keksstangen.
Spielhilfen & Koppeln |
II/I, I/P, II/P |
Klang und Akustik

Eine ausgesprochen schöne Akustik, besonders für Chöre und Gesang. Daher waren schon viele Chöre der ganzen Welt hier im Konzert, die Thomaner, Göttinger Knabenchor usw.
Das Besondere ist, dass der Tremulant ein Piston ist! Also ein Fußtritt wie die Koppeln! Das ist doch eher selten.
Persönliche Note

Mein Konzert hier in Heiligenstadt war sehr schön. Es war das Eröffnungskonzert der Reihe. Ich habe hier Konzert, Andacht und Gottesdienst gespielt. Ich habe dieses Wochenende 4 x konzertiert. Zudem spielte ich die Orgel in der Kapelle des Bergklosters und im Marcel Callo-Haus. Auch die Nonnen des Klosters samt ihrer Oberschwester waren im Konzert. Ich habe viele neue wundervolle Leute kennengelernt, mit denen wir lecker essen waren.
Im Eichsfeld konzertierte ich schon in Worbis, Duderstadt, Leinefelde und Heiligenstadt. Eichsfeld grenzt an den Vorharz mit Bleicherode und Nordhausen. Heiligenstadt mit ca. 18000 EW ist malerisch mit seinen süßen, bunten, schiefen Fachwerkhäuschen und dem Flüßchen, der jungen Lede oder Geislede und der Leine.
Die Fachwerkhäuser hier erinnern mich an Hundertwasser-Kunst, nur echt, unschuldig und natürlich.
Viele Menschen kennen sehr schöne deutsche Orte wie Eichsfeld, die Uckermark, Pommern, Brandenburg und alles hinter Dresden nicht.
Die Männer können ihre Frauen in Heiligenstadt an der Leine laufen lassen..
In Heiligenstadt lebte Richter und Dichter Theodor Storm 8 Jahre, bekannt durch „Schimmelreiter“ (nicht Erlkönig!) und Knecht Rupprecht; ich war im sehr schönen Museum. Allerdings war er seiner Frau untreu, die er dennoch unentwegt schwängerte, so dass diese entkräftet nach 7 Schwangerschaften beim siebten Kind an Kindbettfieber starb. Sofort heiratete Storm seine Affäre. Immerhin machte er Hausmusik.




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