Liebe: mit demselben Zeichen ein Herz setzen. Keine Launenden mehr sein.

Tuchfühlung mit Klanggedanken

Die Gedichte entstehen auf Konzertreisen, sind musikalische Brückenbauer. Poesie erweitert Sinne und Geisteskraft, Empfindungen und den Spiegel der Seele. Sie ist Rhythmus ohne Lärm, ohne Verschwendung von Worten, ist Kadenz. Die Kunst der Sprache ist wie die Kunst der Fuge Handwerk, Entdeckung, Klangwert und Vokabular.

Ich bin Pianistin, Komponistin und Lyrikerin und schreibe meine Gedichte meist am Instrument, am Klavier. In meinen Gedichten geht es um das Leben, Liebe, Gott, Musik, auch Gesellschaft und Politik. Meist vergleiche ich das Leben aus der Perspektive des Instruments oder des Tons, der Melodie oder der Musik, als wären sie ein Sinnbild für unser Leben oder eine Person.

Aufgrund meiner intensiven Ausbildung als Musikerin und Konzertpianistin und da ich in einer Musikerfamilie aufgewachsen bin, sind meine Sprache und meine Vorstellungskraft intensiv, auch von meinen Bildern, Symbolen und Rhythmen her: Melancholie, Symbolik, Wortspiele, Ambivalenz, Hoffnung, Schönheit, Tatsachen.
Ich komponiere und male, alles fließt für mich in Lyrik ein, Lyrik die Hauptkunst, nicht Musik, nicht Malerei. Lyrik in allem.
Lyrik ist in allem.

 

Ich liebe es, die Musikstile zu verbinden, damit auch junge Leute wieder klassische Musik hören. Auf meinen Konzerten spiele ich daher neben Bach, Chopin und Beethoven Piano Improvisationen zu den Städten, in denen ich auftrete, dazu meine Lieder, die ich am Flügel singe, und Klavierkompositionen aus meinen CDs wie der CD Himlasång — Himmelslieder, schwedische Klavierkompositionen (da meine Mutter Schwedin und ich beinahe dort geboren). Ich spreche fließend Deutsch, Englisch und Schwedisch und schreibe auch in allen drei Sprachen meine Lieder, wobei Melodie und Text meist in einem Guss aus mir heraus kommen. Deutsche Texte liegen mir dabei besonders am Herzen, dass sie lyrisch und tief sind und dennoch berühren und ansprechen. Ich habe alle Diplome im klassischen Klavierspiel, die man an den deutschen und ausländischen Musikhochschulen bekommen kann, Instrumentalpädagogik-Diplom, Reifeprüfung, Künstlerisches Diplom, Master of Music aus USA, Meisterklassendiplom, dazu Magister für Musikwissenschaften und Musikpädagogik an der Universität Würzburg, momentan Promotion an der Universität Leipzig zu Bachs Kunst der Fuge. Ich spiele mind. 60 Konzerte im Jahr. Da ich meine Konzertprogramm mit meinen Liedern und Kompositionen zur klassischen Musik mische, kommen auch viele junge Leute zu meinen Konzerten, die meist erstaunt sind, wie wunderschön Bach und Chopin sind, was sie vorher nie gedacht hätten. Meine Lieder und Kompositionen in einem Grenzbereich zwischen Filmmusik und Solokonzert hilft ihnen dazu, neu zu hören, ohne Vorurteile und überrascht. Ich schreibe Lyrik, seit ich 8 Jahre alt bin. Meine Gedichte, Lieder, Liedtexte und Kompositionen sind voneinander getrennt und doch eins.

Der Nacht-Schwan so anders als der weiße am Tag.

Einheit in Dreiklang. Lyrik, Musik, Kunst.

Weilenklang

Ein Weilenklang ist schön,
dauernd;
ein Wellenklang auch:
rückkehrend aus Trümmern;
Aufstöhnen gehört von Blinden, von Tauben.

Das Alte wieder ganz neu,
erblüht aus Ferne hin zu Nahem.
Nachts schweigt die Dauer
Sprossen von Klang
ins Gegenteil von Evolution.

Spült nicht klingende Weile
fort laufenden Schritt,
singen Lieder geduldig Eingang und Ausgang?
Stummer, anhängender Ton
sucht Verschmelzen und Gebären.

Geboren. Komm heim.

am Bodensee

Flügelworte Textbild Ann-Helena Schlüter

bündnis

mein anblick bist du
zurück zuhause
augen der heimatlosigkeit geheilt
die brieftaube schon unterwegs
die brieftaube schon die nachricht an sich
deine dunkelheit hat viele farben
breitet sich funkelweise aus in licht
meine dunkelheit mit vielen fragen
dein gesicht hängt in mir
sehnsucht prunkt
ohne notbremse grolleuchtet die not
singt meine seele im chor auf notenpapier
bundbrücke geht hell in erfüllung
zurück nach hause

Eußenheim

Behörde

Da steht sie,
Dastehen,
denn auf gesunden Rücken Menschenverstand
kann sie ihr Geld nicht schnallen.

Da sitzt er,
Schlangensitzen –
und versteht in jeder Himmelsrichtung
kein Wort seiner eigenen Sprache.

Da warten sie alle,
Schandwarten,
weil das verzweifelt soziale System ihr Land
unter Kontrolle hat?

Stuttgart

Flügelworte Textbild Ann-Helena Schlüter

Love Parade

An die Ecke! Aus der Ecke!
schreit sie mich an,
verzweifelt, die Mauer.
In der Ecke?
In der Ecke … ich klettere und falle,
noch einmal,
sehe Hände, ausgebreitet,
oben Hände, dort Hände, unten Hände,
weit entfernt, sie greifen,
die nach mir suchen,
wer alles greift nach mir?
Die Masse, sie tritt.
Ich packe zu, ins Leere, in die Masse gegriffen.
Mit vollen Händen,
Masse Menschen angegriffen.
Auch wenn ich gar nicht da gewesen bin.

Leipzig

Mali

Gesicht dort dunkle Hitze.
Trockenweich rissige Tränen.
Kinder klingen den Tod hindurch.
Sonne singt dunkel.
Farbig gemischte Zeit rinnt.
Westliche Kälte verlodert erneut.

Terror tropft weiter.
Tongesetzt Rot. Dickes Blut.
Mangel hellweinend.
Aus Rauch gestiegen ferner Schrei.
Unerhört, Hals ausgeschrien? Ausgespuckt.
Reich, einsam der Rest.

Erkennt der schwarze Kontinent weiß
Den Rhythmus der Wüste, wo Wolken
Scharfe Finger der Dürre zeichnen?
Welt, was verarmst du vor unseren Augen!
Die Zeit regnet wenigstens und redet.
Es ist ein durstiges Wort.

Frankfurt

Der tasmanische Tiger aber lächelt

Mein Herz ist geschwollen, verwundet vom Stoß,
wo es schlägt.
Noch immer, so lang.
Hochgehoben über dem Nebel:
Dort, wo es seufzt, schmiegt es sich.
Zwei Herzen rollen an,
kleben nicht mehr an mir.
Mütze voll Hitze im Gesicht.
Finde mich zwischen den Fingern wieder.
Wie Taubheit liege ich auf meiner Haut.
Herz schlägt auf.
Der Rettungsschirm nicht stolpert noch loslässt.
Ich habe mich nicht selbst gestrickt,
gehe und komme durch Schmerz.
Der tasmanische Tiger aber lächelt.

Hobart, Tasmanien, Australien

Bachfuge

aus meinem Lachen wurde
Hunger wir warteten
Ungläubig die Neugier
ein Echo in der Hand
Aschenputtel hat von Czerny gestohlen

schwarz vor Pupille
das Helle im Horizont
schürt Feuer in der Wolke und
wird Tag triolisch
ein flimmriges Wiederkehren in der Luft

Konfrontation Bach

Wie auf Beutejagd, wenn ich Bach spiele.
Sammle Noten wie Frösche.
Schmetterlingsfängerin mit großem Netz!
Schätze! Fingersätze!
Küsse ich die Notenfrösche,
wird mehr als einer ein Prinz