Rieger Orgel Universitätskirche Budapest Ungarn
kath. Kirche Kisboldogasszony-templom
Orgelbauer:
Rieger
Baujahr:
1791 / 1915 / 1972 / 2003 / 2020
Datum des Erstbesuchs:
August 2026
Disposition und Spielhilfen
Große historisch-ungarische Rieger Orgel kath. Universitätskirche Egyetemi templom in Pest, V. Bezirk, Budapest Ungarn, 4 M, 71 R, 5200 Pfeifen, Schweller, Celest, Walze
In dieser mystisch-dunklen, reich mit Gold geschmückten Kirche steht hinten die wuchtige und sehr edel-alt wirkende Orgel mit Engeln in einer Wolke von Klang unter Deckengemälden. Sie hat eine intensive Geschichte hinter sich.
Die Akustik ist durch die vielen verschiedenen Kuppeln sehr anziehend.
Das ursprüngliche spätbarocke Orgelgehäuse vorne an der Emporenbrüstung ist von 1791.
Diese erste Orgel der Universitätskirche wurde also 1791 fertiggestellt, 15 Jahre nach der Vollendung des Kirchenbaus, mit mechanischer Traktur, zwei Manualen, Pedal und Schleifladen.
Dieses ursprüngliche Barockgehäuse an der Emporenbrüstung ist heute noch da und zu bestaunen.
Leider gingen die Pfeifen der ursprünglichen Orgel im Laufe der Zeit vollständig verloren, wurden gestohlen oder zerstört.
Auch die Disposition, also das klangliche Registerverzeichnis, dieser Orgel ist leider nicht überliefert worden, was sehr traurig und unverständlich ist. Es ist leider nicht bekannt, wer der Orgelbauer ist.
Die erste umfassende Erweiterung begann in den 1910er Jahren und wurde 1915 abgeschlossen.
Daraus entstand die mächtige, große Orgel im hinteren Gehäuse. Die Disposition stammt von dem Organisten Aladár Zalánffy. Erbaut wurde dieses Instrument von der Orgelbaufirma Rieger. Die Firma damals war eine ganz andere als die heute:
Das Unternehmen wurde 1845 von Franz Rieger im schlesischen Jägerndorf (heute Krnov, Tschechien) gegründet und blühte als Familienbetrieb (später Gebrüder Rieger) in der österreichisch-ungarischen Monarchie auf.
Wegen der geografischen und wirtschaftlichen Bedeutung gab es damals auch in Budapest eine Niederlassung bzw. Vertretung (historisch oft als Rieger Ottó oder ungarisch Rieger Orgelgyár bezeichnet).
Dieser ungarische Teil Rieger Orgelgyár baute diese Orgel. Historisch gesehen gehören sie zusammen und gehen auf dieselbe Stammfirma zurück.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung der Eigentümer im Jahr 1946 wurde das ursprüngliche Stammwerk in Jägerndorf (Krnov) verstaatlicht und später unter dem Namen Rieger-Kloss weitergeführt.
Von dieser Firma habe ich auch schon einige Orgeln gespielt, die mir gut gefallen haben, auch in Deutschland.
Die Familie Rieger bzw. das Unternehmen zog nach Österreich um und betreibt heute als Rieger Orgelbau den Betrieb mit Sitz im vorarlbergischen Schwarzach, den ich schon gesehen habe. Es ist jedoch recht unvorstellbar geworden, dass eine solche schöne Orgel wie hier von dieser heutigen Firma mit ihrem jetzigen Vorstand gebaut werden würde. Viele Orgeln sind sehr aggressiv und laut.
Diese pneumatische Orgel 1915 hat einen süffigen, leicht neobarocken Touch, drei Manuale, Pedal und 57 Register.
Das ursprüngliche spätbarocke Gehäuse an der Vorderseite wurde in dieser Zeit nicht genutzt und blieb leer.
Anschließend wurden im Laufe der Zeit weitere kleinere Restaurierungs- und Erhaltungsarbeiten an der Orgel durchgeführt.
Während des Zweiten Weltkriegs, 1941–42, erfuhr die Orgel eine Teilmodernisierung sowie eine leichte Veränderung ihres Klangcharakters nach Plänen des Organisten Ferenc Gergely.
Dabei wurden vor allem Register und Pfeifenreihen ähnlichen Charakters und gleicher Lautstärke miteinander ausgetauscht.
Ziel war es, im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten einen helleren, brillanteren Klang zu erzielen.
Die letzte große Umgestaltung und Erweiterung erfolgte zwischen 1970 und 1972. Die Ausführung der Arbeiten übernahm die Orgelbauwerkstatt des städtischen Kunsthandwerksbetriebs in Budapest.
Im Zuge dieser Maßnahme wurde das zuvor leere Orgelgehäuse im vorderen Bereich mit sieben neuen Registern bestückt, wodurch die Orgel zu einem viermanualigen Instrument wurde.
Dieser Teil – das nunmehr vierte Manual bzw. Rückpositiv – befindet sich an der Emporenbrüstung.
Bei der Renovierung 1972 wurde die pneumatische Traktur teilweise beseitigt und die Spieltraktur elektrifiziert.
Neben den bereits erwähnten sieben Registern im vorderen Gehäuse kamen zehn neue Zungenregister hinzu. Somit umfasste das 1972 fertiggestellte Instrument insgesamt 70 Register, davon 14 Zungenregister.
2003 wurde die Orgel einer umfassenden Überholung unterzogen – einschließlich Reinigung, Intonation und Stimmung –, die von der ungarischen Orgelbauwerkstatt Pécs durchgeführt wurde: Pécsi Orgonaépítő Manufaktúra.
Dabei wurde das Pedalwerk um ein 8′-Trompetenregister erweitert, für das der Platz bereits vorgesehen war.
Das heutige Instrument ist eine viermanualige Orgel mit elektrischen Koppeln; sie verfügt über 71 Register – davon 15 Zungenstimmen – und rund 5.200 Pfeifen. Die Orgel ist etwas zu groß für den Raum. Aber man muss die vielen schönen Klänge ja nicht gleichzeitig nutzen!
Ihr Klang ist warm, mit vielen Zungen, Pistons, einem Glockenspiel, Tremulanten, feste Kombinationen, romantischen Flöten und 8-Füßen, singende 4-Fuß-Flöten, reich bestücktes Pedal, sehr hübsche Streicher, universaler Touch in Romantik und (französischem) Neo-Barock.
Das RP ist das erste Manual, das HW das zweite, das Schwellwerk das dritte und oben ist das vierte Manual Brust-Positiv mit vielen extra Solostimmen.
Unten gibt es noch einen weiteren freien Spieltisch, der direkt zu dieser Orgel führt. Er ist kleiner, zwei Manuale, nur HW und SW und einen Teil des Pedals. Dieser steht als Chororgel unten ebenerdig rechts vor dem Chorraum. Die Registerzüge haben ungarische Namen.
Im Pedal wurden unten einige Register zusammengefasst, wie 16 und 8 in einem Register.
Die Kirche wurde 2020 renoviert.
Die Disposition ist hier zum ersten Mal deutsch im Netz, zum Teil zum ersten Mal überhaupt.
PEDALWERK
Bourdon 32’
Prinzipalbass 16’
Violinbass 16’
Subbass 16’
Grossquint 10 2/3’
Oktavbass 8’
Cello 8’
Pommer 8’
Gedacktquint 5 1/3’
Choralpfeife 4’
Nachthorn 2’
Hintersatz 5 sor 5 1/3’
Mixtur 4 sor 2’
Kontrafagott 32’
Pousane 16’
Trompete 8’
Clairon 4’
Ped. + I.
Ped. + II.
Ped. + III.
Ped. + IV.
Ped. + I. super
Ped. + III. super
I. Manual: POSITIVWERK
Gedackt 8’
Quintadena 8’
Gemshorn 4’
Hohlflöte 4’
Nasat 2 2/3’
Oktav 2’
Terz 1 3/5’
Scharff 4 sor 1 1/3’
Rankett 16’
Krummhorn 8’
Celesta 4’
I. + III.
I. + IV.
Tremolo
II. Manual: HAUPTWERK
Prinzipal 16’
Gedackt 16’
Prinzipal 8’
Querflöte 8’
Gemshorn 8
Salizional 8’
Oktav 4’
Rohrflöte 4’
Quint 2 2/3’
Superoktav 2’
Kornett 3-4 sor 2 2/3’
Mixtur 5 sor 2’
Mixtur 3 sor 1’
Fagott 16’
Trompete 8’
Helle Trompete 4’
II. + I.
II. + III.
II. + IV.
II. + III. sub.
II. + III. super
III. Manual: SCHWELLWERK
Stillgedackt 16’
Hornprinzipal 8’
Konzertflöte 8’
Gamba 8’
Vox celestis 8’
Pommer 8’
Oktav 4’
Waldflöte 4’
Gemsnasat 2 2/3’
Kleinoktav 2’
Spitzflöte 2’
Terz 1 3/5’
Oberton 2 sor 1 1/7’ + 8/9’
Mixtur 4 sor 1 1/3’
Terz-Zimbel 3 sor 2/5’
Bordun 16’
Franzözische Trompete 8’
Schalmey-Oboe 8’
Vox humana 8’
Rohrschalmey 4’
III. + IV.
Tremolo
IV. Manual: BRUST-POSITIVWERK
Flötgedackt 8’
Prinzipal 4’
Blockflöte 2’
Superquint 1 1/3’
Sifflöte 1’
Quint-Zimbel 3 sor 1/2’
Knopfregal 8’
Tremolo







Der Spieltisch unten: HW:
17 klingende Register
7 Principál 8
8 Haránt-fuvola 8
9 Oktáv 4
10 Csöves fuvola 4
11 Szuperoktáv 2
12 Mixtura 8 x 2
Der Spieltisch unten: SW:
17 klingende Register
13 I+II
14 I+II sub
15 I+II super
16 Kürtiprincipál 8
17 Pommer 8
18 Oktáv 4
19 Erdei fuvola 4
20 Csúcsos fuvola 2
21 Sesquialtera 2 2 2/3 + 1 3/5
22 Kis mixtura 4 x 1 1/3
23 Oboa 8
Der Spieltisch unten: Pedal:
17 klingende Register
1 Principalbass 16 + 8
2 Subbass 16
3 Korálsip 4 + 2 (Choralstimme)
4 Ped + I
5 Ped + II
6 Ped + II super

Die Universitätskirche ist eine schöne einschiffige Wandpfeilerkirche mit geschlossenen Seitenkapellen und einer Schwarzen Madonna von 1720.
Um die Kirche herum befindet sich das ehemalige Paulinerkloster.
Da der Paulinerorden jedoch 1786 von Joseph II aufgelöst wurde, stand das Kloster ab diesem Zeitpunkt leer und wird aber bereits seit 1805 von der theologischen Fakultät der Ungarischen Universität Budapest genutzt. Die Uni hier in Budapest ist sehr groß und renommiert.
Es befindet sich eine lebendige Gemeinde mit Familien in dieser Kirche. Die Messe habe ich sehr genossen.
Klang und Akustik

Es war sehr heiß oben auf der Empore. Das ist so ungewöhnlich. Sehr schön ist das Knopfregal, das Celest im HW, das den Zimbelstern wundervoll ersetzt, die Zungen und der süffige Klang. Das Pedal ist leicht geschwungen.
Sehr gut gefallen haben mir auch das Gemsnasat, die Franztrompete, die Konzertflöte und Gamba!
Persönliche Note

Für mich war es eine sehr schöne Erfahrung, hier zu spielen! Die Orgel ist phantastisch und bietet viele Möglichkeiten.
Die Kirche und diese Rieger-Orgel sind völlig anders als die Barockkirche St. Anna und ihre Jehmlich-Orgel, und genau das ist das Spannende und Wundervolle an Orgeln mit ihren sakralen Räumen.
Es ist meine erste ungarische Orgel. Ihr Cockpit ist sehr ästhetisch. Oben sitzt man wie hinter einem Schrank, ähnlich mit Alkmaar, in einer eigenen Welt, abgeschirmt von Raum und Rest.
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