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Jedoch dieses Insistieren, mal vollmundig, mal zart, ist das Schönste bei Bach, das typisch Bache- dieser Nachdruck, die Intention. (AHS)

Sehr gute Registrierung ist komplexer als ich dachte, vor allem bei langen und großen Werken. Gestern und vorgestern habe ich mich den ganzen Tag mit Registrierung beschäftigt an einer neobarock-französischen Orgel in einer großen Kirche mit viel Hall. Dies kam dabei heraus – wobei man beachten muss, dass es manchmal leichter ist, in die Theorie verliebt zu sein als in wirkliche Praxis, zudem hat jeder eine eigene Philosophie:

  1. Jede Registrierung und Kombination wirkt und ist bei jedem Spielenden anders. Denn wie man auf die jeweilige Registrierung reagiert, spielt eine wichtige Rolle. Wenn man auf eine Registrierung nicht entsprechend im Raum reagiert, also mit Anschlag etc., hat die jeweilige Registrierung einen Großteil der Wirkung verfehlt oder klingt einfach anders hier als bei anderen. Wie man mit einer Registrierung arbeitet, hat auch mit Charakter und Typus zu tun. Man muss sich einlassen auf die jeweilige Registrierung. 
  2. Wichtig beim Registrieren sind die kleinen Schritte: Da die Registrierschritte aufeinander aufbauen, ist es entscheidend, immer den vorherigen Schritt im Ohr zu haben. Nicht darauf eine völlig neue Klangfarbe aufbauen, wenn der Klang insgesamt steigernd und rund sein soll. Dann bricht der Klang und damit auch die Phrase. Eigentlich ist das klar, aber welche kleinen Schritte kann man gehen? Um zu lernen, ist es gut, wirklich jedes einzelne Register einzeln zum bisherigen Klang zu testen, was den Klang runden kann in der Steigerung. Meist reicht ein Register aus, max. zwei, um im nächsten Schritt die Steigerung zu vollziehen. Und damit ist nicht unbedingt eine Mixtur oder eine Zunge gemeint, sondern zum Beispiel eine Quinte.
  3. Weniger ist mehr. Es geht nicht um Dezibel. Vorsichtig sein davor, zu früh viel zu laut zu werden. Achte auf die Akustik, den Hall und die Größe des Raumes.
  4. Finde heraus, ob ein Klang scheppert. Und dann finde, was den Klang scheppern macht. So wie andere ihren Klang auf der Violine finden, so muss ich ihn auf der Orgel finden. Das wird dann mein Klang.
  5. Finde heraus, ob ein Klang quietscht (Mixturen, 2-Füße) oder zu dünn ist oder nicht genügend zeichnet oder schmutzig ist durch zu viele Verdoppelungen oder ob sich etwas beißt oder Verstimmungen hervorruft, vor allem bei Zungen.
  6. Es mag sein, dass man eine nicht so gute Technik durch gute Registrierung ein Stück weit “wett machen kann”. Aber es kommt noch schlimmer: Eine sehr gute Technik kann durch schlechte Registrierung sinnlos oder unmöglich gemacht werden.   
  7. Vorsicht bei Zungen: Diese nicht, vor allem, wenn sie verstimmt sind, mit Prinzipalen mischen, sondern lieber mit Flöten und Aliquoten.
  8. Wenn Zungen verstimmt sind, was immer mal sein kann, diese lieber versuchen, zu vermeiden. Es ist eine Kunst, laute (verstimmte) Zungen zu vermeiden und dennoch eine gute Registrierung zu erreichen.
  9. Wenn die Zungen verstimmt sind, suche nur leise Zungen, Aliquoten, gute Ersatz-Kombinationen und versuche, Zungen zu kombinieren mit “reinigenden” Flöte und Quinten.
  10. Wenn in der Steigerung der Klang ohnehin schon sehr hoch ist, füge keine Mixturen ein, die noch heller machen, sondern versuche den Ton bodenständiger in der Steigerung zu bekommen, “tiefer”, abdunkelnd beispielsweise durch 16-Füße oder (leise) Zungen oder (mehrere) 8-Füße.
  11. Wenn der Klang “schwimmt”,  also nicht greift, entferne alles Überflüssige. Manchmal ist einfach ein Register zu viel – dieses eine finden. Es kann die 4-Fuß-Flöte sein, die unnötig ist. Spiele hierzu nicht nur ein paar Takte, sondern eine ganze Passage. Oft lassen sich Dinge erst im längeren Spiel erkennen bzw. erhören. 
  12. Oder manchmal fehlt ein Register, um den Klang runder zu bekommen. Finde dieses eine Register. Das ist anstrengend, vor allem, wenn das Abhören von Orgelregistern ungewohnt ist. Oft ist es eine Nuance, also ein Register, nicht eine ganze Gruppe. Eine einzige Nuance kann den ganzen Klang verändern! 
  13. Achte immer auf den Schweller, in welcher Position er sich befindet. Es ist verheerend, den Schweller zu vergessen! Achte auch darauf, dass er, wenn du ihn brauchst, auch angewählt ist durch eine Koppel etc. Sonst bewegt man den Schweller umsonst. 
  14. Achte immer auf die Koppeln! Diese nicht vergessen: Habe ich wirklich alle mir zu verfügenden Koppeln ausgeschöpft? Oder eine vergessen? Koppeln sich nicht scheuen, zu verwenden.
  15. Mixturen und laute Zungen bewusst als Höhepunkt einsetzen. Vorher nicht. Achte hierbei auch darauf, welche Mixtur gerade die passendste ist. Wenn man drei zur Verfügung hat, sind diese drei unterschiedlich. Welche ist die schärfste, welche die rundeste? Meist auf keinen Fall einfach alle drei ziehen, sondern auswählen.
  16. Verwende keine bereits gesetzten Setzer anderer, auch wenn sie frei sind. Meist sind sie unpassend oder schlecht.
  17. Achte darauf, was du zur Mixtur ziehst. Meist sind dann nicht noch zusätzlich 2-Füße notwendig, wenn die Mixtur atmen will. Sei überhaupt vorsichtig und sparsam mit 2-Füßen.
  18. Achte auf das Rückpositiv. Es ist meist nah am Publikum und dadurch beispielsweise für Begleitung nicht geeignet. Es klingt meist im Raum viel lauter als am Spieltisch. Für Begleitung das dritte Manual (Schwellwerk) verwenden. Achte hierbei auch auf alles, was an das Rückpositiv gekoppelt ist! Die Koppeln nicht vergessen. Beispielsweise eine Quintadena ist hier für eine Solostimme gut geeignet. Nicht “einfach so” einbauen.
  19. Das Schwellwerk ist sehr gut für alle pp-Stellen und für Begleitung.
  20. Vorsicht bei manchen Manualwechseln: Oft entsteht hier ein größerer klanglicher Bruch, als wenn man umregistriert.
  21. Manchmal oder oft sind Manualwechsel an  manchen Orgeln nicht möglich. Das macht nichts, einfach akzeptieren.
  22. Bei gewissen Klangvorstellungen (beispielsweise dass es glitzern soll), reicht eine oder zwei richtige Knöpfe- unnötige Verdoppelungen vermeiden. Eliminiere das, was den Klang nicht verbessert oder nicht verändert.
  23. Zu viel Schweller-Aktivität und Schwebung bei Liszt vermeiden.
  24. Kurzum: Achte darauf, alles was ungewollt schmetternd, scheppernd, scharf, schmutzig, laut, quietschend klingt zu vermeiden. Orgelspielen heisst nicht, laut spielen. Es heisst nicht, Zungen und Mixturen ziehen. Auch nicht im Pedal. Sei sehr sparsam mit Mixtur im Pedal. Sei sparsam mit Zunge im Pedal. Achte besonders darauf, wie und wann du welche Zunge einsetzt. Eine zarte Oboe ist häufiger einsetzbar als ein Fagott Basson 16 oder eine Posaune oder ein Krummhorn.
  25. Baue erst mal so viel wie möglich ohne Mixtur und Zungen und nehme diese dann noch vereinzelt, wenn es passt. Alles, was hinzu zu Zunge und Mixtur gemischt wird, muss passen und abgestimmt sein. 
  26. Wenn du eine Registrierung hast, wende sie auch entsprechend spielend im Raum an, was Anschlag und Absprache etc. angeht.
  27. Lieber weniger und gut registrieren als zu viel, zu laut, Phrasen zerstörend oder verkleinernd.
  28. Oft kann man im Pedal auf zwei 16-Füße verzichten in leisen Stellen der Romantik. Eine reicht. 
  29. Besondere Vorsicht vor (besonders bei neobarocken Orgeln mit französischem Zusatz): Mixtur, Krummhorn, Zymbel, Cornet, Vox Humana kurzbechrig, Tierce, Vox Celeste Schwebung, Posaune, Basson… Vorsicht mit der Quinte, wenn sie gekoppelt ist, beispielsweise Pedalkoppel. Und immer Vorsicht mit Mixtur im Pedal, da sich die Manuale dann komplett anpassen müssen. 
  30. Lieber weniger beim Anpassen nehmen als (heftiges) Aufregistrieren. Generell Vorsicht beim Aufregistrieren! Immer sensibel, erst mal nur eins dazu, max. zwei. Auch wenn man meint, am Spieltisch keinen Unterschied zu hören, so hört man es doch unten. Nie massiv aufregistrieren, außer es soll so sein. Oft ist es nur ein Hauch, ein Mü, was den Unterschied und die Steigerung tatsächlich ausmacht. Zudem muss man beachten, dass es einen Unterschied macht, ob viele oder wenige Menschen in der Kirche sind. 
  31. Am nächsten Tag ausgeruht noch mal hin und Registrierungen überprüfen, wenn alles verdaut ist. Wie, wenn man gemalt hat, das Bild über Nacht trocknet und man es am nächsten Tag prüft. 
  32. Schweller: Immer ganz sachte bedienen, die Wirkung ist oft stärker unten als gedacht, es muss ganz sachte immer zur Phrase passen. Den Schweller stark im Griff haben, um ihn sachte bedienen zu können. 
  33. Spaß dabei nicht vergessen! Registriere die Freude im Kopf. 

Hey-Orgel Bad Windsheim 2020

Gesundheit ist so musikalisch, dass alle Krankheiten nichts anderes als Misshelligkeiten sind. (J. G. Mattheson)

Ich freue mich auf das Konzert in Erlangen, auf das Interview im Kessener und Interview im Buch von Siranus Sven von Staden (gestern erst Zoom-Meeting Innsbruck, dann Zoom-Meeting Ibiza). Leider muss die Aufnahme Hannover wegen Corona verschoben werden.

15. Juli 2020

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En aning av evighet…

Mir gefällt an der Passacaglia c-Moll, dass man trotz aller feiner Artikulation immer an Ruhe und Linie denken muss, dass sie noch kein Plenum hat, so wie auch alle bisherigen Passacaglias nicht, dass sie aber durch ihre Fuge vielleicht die erste Plenums-Passacaglia überhaupt ist. Dass sie trotz grifftechnischer Wirbel und dem Kreuzen nie eilt, aber auch nie stehen bleibt, dass sie nie zu enden scheint. Ich liebe ihre Einstimmigkeiten. Dass ihre Fuge keine Engführung hat, was eher aussergewöhnlich für Bach ist, dafür eine phantastische Coda, einen enormen Schluss. Und wie sich dieser Schluss entwickelt: Mit einer herzergreifenden Sequenz im Tenor. Dass ihre Exposition eng mit der letzten Variation verzahnt ist; ihre Trugschlüsse, farbigen Querstände und Leittöne, die Alt-Einsätze und Tenor-Einsätze, der süffige Start in die Durchführung. Das offene Legato und der wundervolle Dur-Einsatz, das Es-Dur…

Jedoch dieses Insistieren, mal vollmundig, mal zart, ist das Schönste, das typisch Bache- dieser Nachdruck, die Intention. Die Botschaft.  

Wichtig ist, dass nichts hopst, dass nicht zu viele Töne liegen bleiben, und die Qualität der Eins und Kraft der Pausen.

Es stimmt, wie es im Gedicht von Burman heisst, dass man sich fragen muss: Woher hatte Jesus eigentlich sein liebevolles Herz erhalten? Maria muss eine wundervolle Mutter gewesen sein. Denn selbst Gott brauchte als Mensch eine Mutter.

Ps: Beim Reiten sind auch die Hände wichtig, aber dass sie unten und vorn bleiben, mit kürzerem Zügel und einem “Knick” im Arm. Dass man nicht grobmotorisch fuchtelt, denn Pferde sind sehr sensibel: Ganz feine Bewegungen reichen aus.

14. Juli 2020

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Staunen ist der erste Schritt zur Erkenntnis. (Louis Pasteur)

Schön ist, Reincken Fuga nicht nur mit fliegendem 4-Fuß, sondern auch mal mit einem schönen Prinzipal 8 zu spielen oder mit einem zeichnenden Streicher 8 (nicht Flöte 8). Und mal auszuprobieren, Trio-Sonaten nur mit Achtfüßen zu spielen. Piece d’Orgue ist spannend, auch als Fantasia G-Dur einfach “deutsch” zu spielen. Ingesamt liebe ich obligates Pedal.

Schön ist: Sauer und Walcker waren erst Konkurrenten, dann kam Walcker zu Sauer und hat die Firma kurz vor Sauers Tod übernommen, da seine Söhne nicht wollten. Ist das nicht schön?

Nach dem zweiten Weltkrieg war Sauer ein DDR-Orgelbauer und Walcker im Westen.

Empfehlen kann ich den traurigen Film Manchester by the Sea. Schön ist die Geschichte. Und endlich ein moderner Film mit Bachs Musik als Filmmusik. Ich meine, ein amerikanischer, sensibler, kein Hollywood-Film.

Lieblings-Corona-Sprüche

Teil 3:

Aufgrund meiner vielen Reisen habe ich, da manche Menschen eher panisch sind, einen Test gemacht (der negativ war). Es wird dort eine Sekunde mit einem Stab im Mund herumgefummelt, Kostenpunkt 170 €.

Ich zum Arzt: Aber ich habe vorher einen Keks gegessen. (Es war ein schwedischer Keks.)

Er: Das macht nichts. Der Keks hat kein Corona.

Krank ist nur noch, “wer Corona hat”, und gesund nur noch, wer es “nicht hat”. Krank ist übrigens auch, wer nur infiziert ist. Demnach sind auch alle krank, die generell auf Viren, zB Herpes, positiv sind. Das trifft dann auf so ziemlich jeden Menschen zu.

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Was sind eigentlich die Merkmale von Sexismus gegenüber Frauen im Berufsleben, die ehrgeizig und begabt sind? Ich habe hierzu herausgefunden:

  1. Wenn Männer mit Frauen nicht kommunizieren wollen, sich Frauen verweigern, zu kommunizieren, so wie sie es mit Männern tun, sondern hintenrum gehen. Der Mangel an Kommunikation und Information der Frau gegenüber mit allen mit sich bringenden Nachteilen: Sexismus ist schlimm und weltweit verheerender als Rassismus in meinen Augen und noch nicht genügend bestraft.
  2. Ein weiteres deutliches Merkmal ist, dass es Frauen nicht gestattet wird, sich selbst zu überschätzen. Die Resultate der Selbstüberschätzung von Männern werden dagegen gefeiert. Bei Männern ist Selbstüberschätzung völlig normal, wird sogar erwartet, aber bei Frauen heisst es, dies sei Unbescheidenheit, und es wird diskriminiert und geahndet. Jedoch von Männern wird Bescheidenheit gar nicht erwartet. Im Gegenteil. Frauen im Berufsleben sind nur dann nicht unbescheiden, wenn sie sich durch doppelt so gute reale Leistung als Männer beweist. Dies bedeutet, dass Frauen am realen Geschäftsleben kaum wie Männern teilnehmen können, meist nicht weiterkommen dürfen, alle Machtpositionen verpassen (sollen). Denn wer ist schon immer doppelt so gut? Und selbst dann oft noch im Hintergrund bleiben müssend.
  3. Ein weiteres Merkmal ist, dass Frauen keine Fehler zugestanden werden. Es dürfen “männliche” Fehler gemacht werden, die in der Männerwelt typisch und normal sind. “Weibliche” Fehler und überhaupt Fehler von Frauen werden diskriminiert und geahndet.
  4. Wenn Frauen mit Skepsis, Misstrauen und Überlegenheitsgefühl begegnet wird und sie daher nicht eingeweiht, nicht berücksichtigt, nicht gefragt werden. Wenn Dinge nur mit Kampf buchstäblich über die Bühne gehen, die bei Männern ganz leicht gemacht werden.
  5. Leider machen viele Frauen für Männer den Sexismus oft sehr leicht. Bevor manche Frauen andern Frauen Erfolg gönnen, akzeptieren sie lieber Sexismus, denn zunächst nur für die im Beruf begabten Frauen scheint Sexismus gravierende Folgen zu haben. Frauen vergessen dabei, dass jede Frau letztendlich unter den Folgen von Sexismus leiden wird.

13. Juli 2020

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Zur Ironie gehört viel Selbstbewusstsein. (AHS)

Ich lese gerade Snömannen von Nesbo auf schwedisch, spannend. So etwas ist auf Deutsch nicht wertvoll für mich. Interessant ist, dass der Norweger Nesbo auch sowohl Musiker als auch Autor ist.

Dirigieren ist einfach wunderschön. Je länger ich das lerne, desto schöner ist es. Früher war ich nicht interessiert, da ich vom Chordirigieren durch manche Kirchenmusiker abgeschreckt war. Aber nun arbeite ich mit einem richtigen Dirigenten zusammen. Es ist wichtig, mit offenen Augen aktiv zu dirigieren, immer vorweg zu sein, um zu kontrollieren und zu helfen; und nicht Luft zu dirigieren, sondern mit Widerstand, wie unter Wasser. Immer natürlich, immer mit lockeren Schultern, nie die Hände zu eng, denn dann sind auch die Schultern eng. Intensiv, nicht groß in den Bewegungen, lieber sparsam, nicht träumerisch, mit Gesicht und Augen. Auswendig. Langsam und leise ist besonders wichtig zu können. Um die Klangvorstellung, die man hat, vermitteln können. Man spielt Orchester, man dirigiert nicht nur. Es muss den Musikern Spaß mit mir machen. 

Ich möchte am liebsten einen soliden, konzentrierten Klang, nicht zu viel Vibrato; dazu braucht es einen guten Bogenarm; spielen die Musiker intensiv oder laut, sollen sie nah am Steg sein, mit langsamem Bogen. Spielen sie leise und zart, dann mit offenem, freien Bogen, nahe am Griffbrett; die linke Hand intensiv. Alle müssen das gleiche machen. Das zittrige Vibrieren mag ich nicht. Es ist nicht so leicht, immer gut zu hören, die Striche zu wissen und kurze, akkurate Kommentare zu geben – keine Phantasiegemälde, sondern konkrete, produktive Anweisungen. Als erstes muss man die Partitur gut selbst am Klavier spielen können und die wichtigsten Takte in der Zusammenarbeit kennen.

Interview:

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Außer: Man tut es. (Erich Kästner)

Die Gedichte von Kästner sind spitze. Sie sind modern, heute noch mehr als damals. Oft christlich, auch wenn er dies sicher nicht so meinte.  “So groß wie heute war die Zeit noch nie”… “Der Mensch ist gut. Da gibt es nichts zu lachen.” …

Ich finde, zur Ironie gehört viel Selbstbewusstsein.

Spaß macht es, auf Konzertreisen Unterricht via Skype und Zoom zu machen. Ein 30 Meter langes LAN-Kabel über die Brüstung hin zur wunderbaren Orgel. So kann man eben doch endlich an zwei Orten gleichzeitig sein! 6 Stunden Zoom, und währenddessen war ich in Mönchengladbach, Düsseldorf, Limburg, Frankfurt und Würzburg, in Kirchen und im Zug.

Die Sauer-Orgel in der viertürmigen ev. Hauptkirche Mönchengladbach finde ich einfach klasse. Sie ist aus dem Jahr 1902, opus 864. Gott sei Dank gab es keinen kompletten Neubau. Oft ist Geldmangel und Gleichgültigkeit ein Segen. Früher gab es in der alten Kirche eine Ibach-Orgel (wie schön, wir hatten früher ein Ibach-Klavier), die leider zerstört wurde. Die Sauer-Orgel nun ist Teil der Ausstattung, ein Gesamtkunstwerk mit der Kirche. Ihre heutige Disposition besitzt eine Terzzimbel, schöne Zungen, eine Rohrquinte, sehr schöne Flöten und Lieblich Gedeckt. Die Kantorei kümmert sich gern um ihre schöne Orgel, die u.a. von Schuke restauriert wurde. Es gibt noch schöne Sauer-Orgeln u.a. in Berlin, Wuppertal, Dortmund… Die Konzerte haben Spaß gemacht, das Hotel war etwas speziell.

Es stimmt, dass die Orgel in der Lage ist, fast jedes gesellschaftliche Milieu zu erreichen durch ihren festlichen Charakter.

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Vilan bor i kärlekens hus.

Ruhe wohnt im Haus der Liebe.

Schön finde ich, dass Bach und ich die Herrnhuter Losungen beide gekannt haben, denn 1731 erschienen zum ersten Mal die Losungen. Tröstend finde ich auch, dass Bach immer mal wieder wegen “Versäumnissen geahndet” wurde.

Der Abend-Ausritt gestern war wunderschön, auch wenn wir nur Schritt geritten sind. Die Farben des späten Sommers, der Disteln und wetterfesten, der Trockenheit trotzenden Blumen erinnern mich an ein Gemälde, darüber die Abendwolken, die Ahnung des Herbstes, in der Ferne der ICE, in dem ich so oft sitze, in dem ich gestern noch saß, von Düsseldorf kommend. Grace kümmert das alles nicht, sie will nur fressen, und sobald es geht, reißt sie vom nächsten Busch eine Handvoll Blätter ab. Am liebsten würde sie den ganzen Busch hinter sich herziehen. Ich liebe das Geklapper der Hufe auf dem Weg, aber auch, wenn es ganz leise ist im Gras. Unschön sind nur vereinzelt Autos, Hunde und Trekker, wenn wir so in einer langen Reihe ausreiten, fast alles Haflinger-Stuten. Aber Grace kümmert das alles nicht, Gott sei Dank. Sie hat die Ruhe weg.

Ich würde ja gern auch mal ein anderes Pferd haben (auch wenn ich Grace sehr mag), aber sie meint, ein gutmütiges Pferd wie Grace wäre erst mal genau richtig. Sie weiß ja auch von meinem Beruf (auch wenn sie Klassik “trocken” findet. Naja, Dressur kann man auch als trocken empfinden. Ist es aber nicht, wenn man weiß, was geleistet wird).

Meine Lieblings-Corona-Sprüche

Teil 2:

Er (ICE, Lautsprecher): Und bleiben Sie gesund! (es klingt bedrohlich)

Nach dem 5. Mal, da an jeder Haltestelle, daraufhin ich (murmelnd): Wenn er das noch einmal sagt, weiß ich, wer gleich nicht mehr gesund bleibt.

Der norddeutsche Fantasie-Stil in der Orgelmusik erscheint mir oft gar nicht so “phantastisch” (von wegen “nicht zählen, der Takt habe Feierabend”—) … ich erinnere mich noch gut, dass Hans-Ola 2018 meinte, ich wäre viel zu wild im Stilus Phantasticus – aber wahrscheinlich ist es eben ein mildes Phantastisches. Mir gefällt die Prinzipal-Schwebung bei den Toccaten Frescobaldis, die es in Deutschland kaum gibt, höchstens vielleicht die Piffara.

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Das alles vergeht, weiß man schon in der Jugend; wie schnell es vergeht, erfährt man erst im Alter. (Marie von Ebner Eschenbach)

Es ist nicht oft, dass man ein längeres Zitat so schön nehmen kann, wie es ist, meist finde ich Verbesserungswürdiges – aber dies hier oben ist perfekt.

Das zweite Konzert war auch sehr schön und ausverkauft hier in Mönchengladbach. Heute waren die “Theater-Leute” im Publikum, also die, die gern auch ins Theater gehen. Es war dadurch ein anderes Publikum als gestern, eine andere Atmosphäre: gebildeter, strenger, reservierter, aber dennoch sehr begeistert. Ich habe die restlichen CDs verkauft, insgesamt sehr viele. Ich mag das, wenn Leute CDs kaufen. Man kommt ins Gespräch, ich erfahre viel, was ihnen gefallen hat, was sie sich wünschen, worauf sie Wert legen, wer sie sind, worauf ich achten kann in Zukunft. Ich finde es wichtig zu wissen, wer mein Publikum ist.

Ich muss sagen, ausgerechnet an einer romanischen Sauer-Orgel klingt Bach Passacaglia c-Moll besonders schön. Dabei ist doch eine Sauer-Orgel nun wirklich keine Bach-Orgel. Aber hier habe ich nun erkannt, dass eine Sauer-Orgel mit ihrem warmen Klang und ihren Achtfüßen, auf die sich die Mixtur weich legt, näher an Bach herankommt als viele neobarocke Orgeln. Neue neobarocke Orgeln sind ja keine historische Orgeln, sondern oft Orgeln, die es gut meinen, aber etwas falsch imitieren. Auf ihnen kann man meist keine Romantik spielen, aber Bach auch nicht wirklich. Ja, was man spielt man dann dort?

Diese Sauer-Orgel von 1902, opus 864, hat mein Denken von sogenannten “Bach-Orgeln” verändert.

Vor ihrer Intonation klang sie übrigens auch bei weitem nicht so schön wie heute. Der Kantor Udo Witt ist ein super Mensch, von ihm habe ich viel gelernt – und gesehen, was es bedeutet, ein Kirchenmusiker zu sein: Man ist Politiker, Diplomat, Menschenkenner, Finanzexperte, Vermittler, Schlichter, Gruppenleiter, Motivator, Organisator, Lehrer – meist ein Künstler erst ganz zum Schluss, wenn man Glück hat; bei ihm hat man dieses Glück. Er ist vor allem Christ, das merkt man an seiner ganzen Herangehensweise. Und das in Nordrheinwestfalen, in einer Gegend, in der der Ausländeranteil massiv hoch ist. Es machte Spaß, hinterher immer mit seinen Leuten zu seiner Stammkneipe zu gehen.

Premiere!!: Ich bin tatsächlich mit zwei verschiedenen Schuhen in Würzburg aus dem Haus gegangen (Leguanos Slippers, eins rosa, eins grau) – aber es fällt gar nicht auf, weil sie eh so zart und klein sind.

Meine Lieblingscorona-Sprüche

Teil 1:

Er (Post): “Ist das Näschen auch unter der Maske?”

Daraufhin fragte ich, ob er sich auch schon die Zähne geputzt und die Schnürsenkel zugebunden habe.

Er (lacht): Ja, das habe ich alles brav gemacht.

Es sind wieder neue Noten im Shop: Neue Noten

Das ganze Leben ist der Versuch, es zu behalten. (Ingeborg Bachmann)

Nur wer sein Leben verliert, wird es erhalten, sagt die Bibel.

Das Konzert in Mönchengladbach heute bzw. gestern war sehr schön und ausverkauft. Wegen Corona durften nur 100 hinein statt wie sonst 250. Aber es war trotzdem voll und mit 100 Menschen Einlass eben ausverkauft. Sie hätten noch viel mehr verkaufen können, aber mehr Tickets waren nicht erlaubt. Morgen dafür nochmal Wiederholung meines Konzerts. Oben auf der Empore darf leider niemand sitzen, wegen Corona. Ich freue mich auch immer, wenn Kinder im Konzert sind.

Die Hauptkirche Rheydt ist eine imposante Kirche direkt auf dem Marktplatz. Die Orgel darin, eine Sauer-Orgel, liebe ich. Sie ist eine Art kleinere Schwester zur Sauer-Orgel in der Thomaskirche Leipzig, mit Türmchen und historischem Prospekt, alles klingend, mit weißen Schleifen. Wunderschön und perfekt für Liszt, für Romantik allgemein. Sie hat drei Manuale, Walze, Schweller, pneumatisch, Kegellade, neuer Spieltisch leider, aber dafür mit Setzer, ein ebenmässiges Pedal, was mir sehr gefällt. In Leipzig ist der Spieltisch noch original. Ich mag den glasklaren, durchsichtigen, transparenten, leicht “brutalen” Klang einer Sauer-Orgel.

Sie ist im Grunde eine Art Gegenstück zur Walcker-Orgel, die auch hervorragend ist für Romantik, aber pianistischer und zarter, verschmelzend, weicher. Eine Sauer-Orgel, im Bild gesprochen, ist wie klarer Wodka, dagegen eine Walcker wie süffiger Rotwein. Ich mag beides. Es gab eine Zeit, in der Orgelbewegung, in der man solche Orgeln ausrotten wollte, katastrophalerweise, weil sie für Bach nicht geeignet schienen. Außer für einen romantischen Straube-Bach.

Aber man muss ja nun nicht nur Bach spielen. Heute war ich also mit Herzblut an einer Straube-Orgel. Mit Liszt Ad nos. Perfekt. Wie Himmel. Heute sind solche Orgeln nämlich wieder “in”. Und mir liegen pneumatische Orgeln. Und diese Dynamik-Knöpfe… ach, das macht das Leben so viel leichter. Ernst Sauer hat damals  seine Firma an Paul Walcker verkauft. Das finde ich erstaunlich. Die Geschichte des Orgelbaus ist grundsätzlich spannend.

An einer Sauer wird man zu Straube.

Aber der größte Teil des Konzerts war der Klavierabend vorne am Flügel. Die Leute waren besonders “scharf” auf Beethoven. Alle meine Beethoven-CDs waren im Nu verkauft. Mal sehen, wie ich das morgen löse.

Lustig, wenn ich einen Klavierabend spiele, denke ich, ach, wie gern würde ich jetzt ein Orgelkonzert spielen, und wenn ich ein Orgelkonzert gebe, denke ich, ach, wie gern würde ich jetzt vorn am Klavier spielen.

Meine neuen weiblichen Vorbilder sind Claire Delbos (Komponistin, Frau von Messiaen) und Komponistin und Organistin Jeanne Demessieux und Jeanne Joulain.

Ist es nicht erstaunlich, dass Liszt alte Fingersätze, Sweelinck-Fingersätze in Ad nos und B-A-C-H notiert hat? Ich merke daran, dass revolutionäre Künstler, auch Bach, immer auch an Altem hingen, also das “Alte” kannten und schätzten – und anwendeten, in ihrem Neuen. Ich mag das.

Es ist wie ein Erkennungszeichen, ein Markenzeichen von Kunst. Die Straube-Fassung ist natürlich wichtig und interessant, aber man darf nicht vergessen, dass Straube eine ganze Welt weg war von Liszt – und an wem bin ich interessiert? An Straube?

Ich mag Straube und Reger, aber ich denke, ich mag, momentan zumindest, Liszt lieber, denn er war auch Pianist.

Erstaunlich ist auch, dass gewisse Männer mich und mein Konzertleben digital buchstäblich “verfolgen”, jedoch mit einer Giftspritze in der Hand, weil sie einfach nicht gewöhnt sind, dass eine Frau nicht nur da ist, gütig Socken und Hemden zu bügeln und Termine anderer zu koordinieren, sondern selbstbewusst und künstlerisch ihren eigenen Weg zu gehen.

Ich weiß, dass es Frauen gibt, die nicht helfen, dass Sexismus aufhört, sondern die noch zusätzlich unfreundlich, barsch und schnippisch sind. Dennoch geht der Sexismus nicht von ihnen aus. Sie haben meist eine Dienerrolle in dem ganzen System, was mich auch nerven würde an deren Stelle. Ich schätze, dass sie größtenteils unwissend sind.

Von Youtube erstellt:

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