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Ann-Helena Schlüter

… und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel. (Matthias Claudius)

Schon 1790 erkannt. Und wir? Kennen wir das Ziel?

Künstler im Lockdown. Can you hear your heART?

Heute war ich in Tholey. Die Abteikirche ist mit das Schönste, was ich je gesehen habe. Was für eine Kirche, was für eine Orgel! Ich bin noch ganz hin und weg. Frater hat uns alles gezeigt. Die neue Hugo-Mayer-Orgel im wunderwunderschönen, historischen Prospekt mit dunkler Eiche, Gold, Schwung und einem Rückpositiv, zu dem an den Seiten die Pedaltürme stehen – also am Rückpositiv, nicht hinten im Hauptprospekt. Das ist etwas Besonderes und lässt die Orgel wie eine Harfe aussehen. Oben thront König David, der tatsächlich eine Harfe in der Hand hält. Die Orgel spielt sich butterweich, köstlich. Drei Manuale, französisch im Stil. Schönes Rückpositiv, tolle Zungen, die meisten im top gestimmten Zustand, sogar ein nicht-französisches Krummhorn. Auch das Schwellwerk hat ganz zärtliche Farben. Eine Walze gibt es nicht.

Kein einziger Klang ist irgendwie schrill, kein 2-Fuß, keine Quinte. Alles ist unglaublich abgefedert im Klang, gestützt. Nicht so herrlich sonor und dunkel wie Ladegast Schwerin, einfach anders. Überhaupt ist man oben hinter dem Rückpositiv sicher und geborgen, es gibt dennoch viel Platz, die Engel und Schleifen runden die Seiten ab. Der Spieltisch wirkt neu, gepflegt, hell. Auch der Innenraum der Orgel ist unglaublich sauber, groß, hell, einladend, weiträumig, ordentlich und gepflegt. Man sieht die Pfeifenreihen säuberlich angelegt, überall kann man stehen und gehen, auch die Leitern nach oben sehen selbst für mich richtig “machbar” aus. Also keine wackeligen, dürren Gestelle, sondern richtige Tritte. Der Holzboden um die Orgel herum ist ebenfalls im einem schönen Zustand. Alles wirkt edel, geschützt und neu.

Auch gerade von weitem sieht die Orgel überwältigend aus, wie eine vornehme, kostbare Harfe, ja, wie ein heiliges Davids-Instrument.

Die Orgel hat eine lange, besondere Geschichte. Die will ich hier jetzt nicht wiedergeben, das kann man im Google nachlesen. Aber eine besondere Sache hat die wunderschöne Kirche natürlich neben der phantastischen Orgel. Die Fenster!

Genau! Deswegen sind wir hingefahren, denn genau zu diesen Fenster soll ich ein Orgelwerk komponieren. Ich habe nicht gewusst, was mich erwartet, denn ich wollte mich überraschen lassen. Ich hatte also “no idea”.

Wir kamen an, die Kirche wirkte von außen rund und “türmig”. Die schwere, goldene Tür ist bereits kostbar geschmückt. Die Bilder der Tür zeigen rechts das neue, links das alte Testament. Obendrüber ist ein denkmalgeschütztes Kunstwerk.

Man kommt hinein. Ist sprachlos. Frater hat von innen geöffnet. Die Tür hat kein Schloss. Es wird ein schwerer Riegel zurückgezogen. Zuerst war die Kirche dämmrig. Dann hat der Frater das Licht angemacht. Doch schon im Dunkeln leuchteten die Fenster. Sie sind rechts und links und hinten (hinter der Orgel), von einer Frau gemalt, einer Glaskünstlerin, die in München wohnt. Ich war völlig fassungslos. So etwas Wunderschönes! Jedes Bild hat eine Geschichte, gibt das alte und neue Testament wieder. Jedes dieser Fenster hat viele besondere Details und ganz ausdrucksstarke Farben und vor allem Gesichter. Wenn man zur Orgel hinaufgeht, die geschmackvoll runde, künstlerische Treppe hinauf, sieht man hinter der Orgel den Fall Satans eindrücklich dargestellt. Ich finde das Bild passend in der Nähe der Orgel.

Die ganze Kirche ist Kunst. Alles. Die Treppe zur Orgel, die Farben der Stühle, die Kissen, der Altar, Beichtstuhl, Krippe, Kreuz, die Schnitzereien, die Gemälde, die Fenster, der ganze Stil, das Design der Kirche. Sie zieht nach oben. Hin zu Gott.

Die Christologie: Menschwerdung, Kreuzigung, Himmelfahrt und Pfingsten ist hinten links in einer Art Kuppelsaal dargestellt, in drei großen Fenstern der Außenfront. Sehr schön ist hier die gelungene, künstlerische Mischung aus alter und neuer Kunst. Die Säulen und das gesäuberte, helle Gestein ist alt, aber der kunstvolle Tabernakel moderne Kunst, darüber die umwerfenden Fenster. Diese Künstlerin ist faszinierend. Sie hat das Evangelium verstanden, obwohl sie wohl Muslima sein soll. Wahrscheinlich hat sie das Evangelium besser verstanden als so mancher “Christ”. Frater sagte passend, dies seien die sogenannten “anonymen” Gläubigen, die das Evangelium darstellen können, während Sonntagschristen gar nicht sagen können, was das Evangelium überhaupt ist.

Und dann sind da die drei großen Richter-Fenster vor dem Altar. Er hat sie der Kirche geschenkt, sein letztes großes Werk, sie mussten nur die Anfertigung bezahlen. Gerhard Richter ist ja kein Glaskünstler. Es sind beeindruckende Fenster, die irgendwie zeitlos wirken, wie ein Kaleidoskop. Es schimmert immer irgendwie anders, leuchtet hier, dann da. Leuchtende Patterns. Die Fenster sind ungeschützt, was ich gut finde. Es geht ja nicht darum, alles abzusichern und zu kontrollieren, sondern Gott zu vertrauen.

Die beste Aussicht auf diese Fenster hat man… wo?

Genau! Von oben, von der Orgel her. Es sieht wirklich überwältigend aus, wenn man durch die Spalten des Rückpositivs über den Altar hinweg zu diesen langen, großen Fenstern blickt.

Fortsetzung folgt morgen. Sonst wird dieser Blogeintrag ein Roman. Und ich muss noch üben.

Auch in einem Rolls Royce wird geweint, vielleicht sogar mehr als in einem Bus. (Francoise Sagan)

Ich freue mich über die vielen emails und Anfragen von Organisten aus der ganzen Welt. Auch von ganz jungen. Heute schrieb mir ein Dreizehnjähriger, ich sei sein Vorbild. Und Morgen: eine schöne Reise.

Wenn man etwas in einer Kirche aufnimmt, u.a. für sich zum Training, dann gibt es ein Geräusch, das wirklich stört: Wenn Leute unten für Kerzen Münzen einwerfen. Manchmal scheinen sie zehn Zwei-Centstücke bei sich zu tragen, die sie genüßlich einzeln scheppernd hineinschmeißen. Manche tun das sogar dann, wenn unübersehbar große Mikrofone aufgestellt sind.

Mir kommt es so vor, als würden sich einige Omas und Opas zusammenrotten, mit ihrem gesamten Kleingeld in die Kirche marschieren, wenn ich gerade aufnehme, um Dutzende Kerzen mit Ein-Cent-Stücken zu kaufen. Dann wird natürlich auch noch mit viel Lärm Kerzen angezündet, wobei die Hälfte herunterfällt. Einmal war ich kurz davor, mit Klebeband sämtliche Münzschatullen abzukleben. Ich träume schon nachts von diesem Geräusch klimpernder Münzen.

Bald kommen drei neue Würzburg-Videos.

Gestern hat es ein wenig geschneit, das freut mich.

Anbei der neue Mendelssohn und Scarlatti  – mein erster Scarlatti auf der Orgel. Ich habe meist nur Scarlatti auf dem Flügel gespielt:

Mendelssohn ist so lieblich, dass mir die Orgel plötzlich wie ein Klavier vorkommt. Schön!

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4. Januar 2021

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“Schleich di, du Oaschloch!” – Ich liege lieber grob richtig als exakt falsch. (Rothkegel)

So ist es. So, meine ersten Orgeln 2021 wieder in Bad Mergentheim und Weikersheim heute – Schleiflade, Druckpunkte, Zugapparate, Vakuumanlage.

Das Äußere einer Orgel (Prospekt, Spieltisch) beeinflusst tatsächlich. Eine schöne Orgel scheint schöner zu klingen als eine, die nicht so schön aussieht. Orgeln, die wie ein (moderner) Kasten aussehen, stoßen eher ab. (Wobei ich alle Orgeln mag und nicht auf das Äußere achten möchte).

Von Rothkegel stammt auch: “Laufenlassen von Verbrennungskraftmaschinen verboten.” Sehe ich genauso. Ich hasse es, wenn Männer ihre Autos ewig laufen lassen, wenn sie irgendwo parken und mit dem Handy spielen. Ich klopfe denen an die Scheibe und sage: Motor bitte ausstellen! Sie verpesten die Luft! – Die staunen ganz schön.

Scarlatti neu:

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Ich begrüße die Anzeichen dafür, dass ein männlicheres, kriegerisches Zeitalter anhebt. (Nietzsche)

Ein weiblich kriegerisches Zeitalter? Wobei viele Männer schon männlicher werden könnten heutzutage, das stimmt schon. Vor allem in Deutschland…

Ich hatte gestern schon mal vorgebloggt. Sorry, eingeschlafen…

Messiaens Banquet Celeste  ist so wunderschön…. Von Brahms 7 b  zu Messiaen 6 # – das Leben ist zu schön… 

Das Herzstück meiner Dissertation wird fertig. Ein Wunder!

Ich mag sehr Herzlich tut mich verlangen von J. G. Walther. Wenn dieses wunderschöne Stück an einer tollen Orgel ergreifend registriert wird, ist es ein Genuss. Ich bin sehnsüchtig nach der Serassi-Orgel von Tenda. Ich liebe auch Lübeck, Hanff, Ritter (sehr schön ist auch seine Sonatina) und Clerambault. Als Pianistin hatte ich diese wundervolle Musik nie aktiv kennengelernt, in der Klavierwelt geht erst bei Bach “das Licht an”. Es gibt noch so unendlich viele schöne Orgeln, an denen ich spielen möchte; sie sind nicht zu zählen.

Super finde ich die Dirigentin Oksana Lyniv.

Sehr empfehlen kann ich den Film Stille Nacht. Er mag zwar etwas sentimental sein, aber das stört mich nicht, wenn die Botschaft Wahrheit ist. Ich musste weinen, gekuschelt unter die Decke, Kerzen an, denn es schimmerte eine sehr berührende Wahrheit hindurch: Was für ein wunderbarer Mensch dieser Josef Mohr war, der den Text des Liedes Stille Nacht schrieb. Beeindruckend, wie lange er durchhielt trotz Anfeindung und Angriffe durch die eigenen Leute in der Kirche und der nie die Popularität seiner Lyrik miterleben durfte. Ich habe den Eindruck, dass viele von Gott besonders geliebte Menschen ihre großen Erfolge auf der Erde in ihrem eigenen Leben nicht miterleben dürfen, damit sie demütig bleiben: Mose, Jesus, Bach, Luther, Mohr, Roth, Klepper, Claudius… Denn viele Obrigkeit in der Kirche war damals schon… ein Kreuz…

Ich mag nicht Edward Power Biggs und sein Orgelspiel, denn sein Bachspiel wirkt auf mich spitz und kühl.

Mein Lieblingskirchenlied momentan ist die Nummer 63 aus dem EG: Das Jahr geht still zuende – von Eleonore Reuß (1857).

Dieses Mal Jahr-zuende-Gehen war wirklich schön still – schön mit Liturgie und Andacht und Cordon Bleu (Blaue Schnur). Den Krach der Böller mag ich sowieso nie.

Was mit Pfarrer Olaf Latzel passiert ist, zeigt mir auch heute den oft traurigen Zustand der Kirche. Ich will nicht alles gutheißen, was er tut oder wie er zu Frauen steht, dazu kenne ich ihn zu wenig. Da ist jemand mit sehr vielen Fans und Followern und Herz, jemand, der anders denkt, anders ist – in der Kirche, das ist doch selten!  –  und wird, aus meiner Sicht, prompt ans Messer geliefert von seinen eigenen Leuten, die ihm wohl die Popularität nicht gönnten. Ich kann mit ihm mitfühlen, obwohl ich ihn nicht kenne. Mag sein, dass er extrem ist. Aber sein Auto wurde wohl zerkratzt, er wurde bedroht… wie er behandelt wurde (egal, wie seine Meinung ist), empfinde ich als bedenklich. Dies ist meine freie Meinung, auch wenn ich hierzu angegriffen wurde, besonders von Benjamin Frensel, der sich als Admin in der Kirchenmusik aufspielt und selbst doch gar kein Berufsmusiker ist.

Manchen geht es in der Kirche wie Josef Mohr und vielen anderen, die leiden mussten, weil sie nicht unter der Masse duckten.

Ich gehe davon aus, dass dicke Fische Foren nutzen, um “anonym”, mit Nicknames über andere zu lästern und gegen sie zu hetzen. Es geht solchen Männern meist nicht um Inhalt oder um sachliche Themen. Es geht um eines: um Neid, unfaire, lieblose Kritik, Sexismus, Mobbing und Stänkern. Wegen Neid musste auch Jesus sterben. Denn nicht in der säkularen Welt, nein, in der Kirche (besser: in der religiösen Szene) ist Neid oft am größten. Religion erscheint mir oft das Gegenteil von Glauben. So wie die Orgel oft das Gegenteil vom Klavier ist.

Übrigens gibt’s auch ganz tolle Hobbymusiker und Laien, die ich sehr schätze.

Neu: Gottlieb Muffat, Sohn von Georg Muffat – Stylus Phantasticus Schnitger-Orgel – süddeutsche Musik an norddeutscher Orgel:

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2. Januar 2021

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Ett leende är smittsamt. Låt oss starta en pandemi!

Übersetzung: Ein Lächeln ist ansteckend. Lass uns damit eine Pandemie starten. 

Es war spannend, die Werkstatt der Orgelbaufirma Heissler Weikersheim Markelsheim zu besuchen, meine 5. Orgelwerkstatt. Toll ist, dass Heissler die Pfeifen und viele andere Herzteile wie Elektromagnete für die Orgel selbst herstellen und sie nicht im Ausland billiger einkaufen. Es gibt dort eine Furnierpresse, einen riesigen, blauen Leimsack, eine Zylinderschleifmaschine, einen Absauger für die Sägespäne, eine Fräsmaschine, Bandschleifmaschinen, Tellerschleifmaschine, Pressluftmaschine. Es gibt eine Drechselmaschine, eine Stanzmaschine, Schleifmaschinen, Schweißmaschinen, Wickelmaschinen, eine ganz neue Heizanlage, viele Leimtöpfe. In der Schlosserei gibt es viele spannende Maschinen, mit Drehstühlen und Schutzmasken aus Blech.

Oben ist der Orgelsaal, daneben das Pfeifenlager. Ganz oben unter der Decke ist die Intonationslade und links das Büro, in dem Pläne gezeichnet werden. Im neuen Haus werden die Wellenbretter gestanzt. Im Orgelsaal befindet sich eine Klais-Orgel, die aufgrund eines Bischofs kein Zuhause mehr hat, eine Hausorgel, eine Seuffert-Orgel, die restauriert wird. Interessant war die Intonationslade mit Tasten, Registern und mit Balg, besser, mit zwei Bälgen: Einmal der Balg zum Leitregister und einmal zu den Pfeifen, die intoniert werden müssen. Man konnte die Windladen, die Wellenbretter, das Rasterbrett, den Pfeifenstock, die Tonventile (Schwanzventile), das Leitregister gut wie in einer aufgeschnittenen Torte sehen. Der Luftdruck muss eingestellt werden. Ich durfte eine Rasterstütze (Pfeifenstuhlträger) mitnehmen und eine Membran für pneumatische Orgeln.

Und Rochus Schmitz aus Münster, der sich Streitschlichter auf seiner Homepage nennt, sät bewusst Streit im Internet-Forum, in dem er vertrauliche emails (in denen ich ihm meine Meinung geigte) veröffentlichte gegen meinen Willen und hetzte. Schmitz nennt sich Mediator, gar Musikmediator, scheint jedoch mit ca. 60 so fern von Vermitteln und Schlichten zu sein wie von professioneller Musik. Er und Karl-Bernhardin Kropf und Peter Elsen sind sehr aktiv in einem Forum, dessen Bertreiber Strupat sich rühmt, sich nirgendwo mit Wohnsitz anzumelden, damit man ihn nicht vorladen kann, der also bewusst kein korrektes Impressum führt, was jedoch die Polizei nicht beeindruckt. So was unterstützen Kropf und Schmitz und Küchler-Blessing und andere, indem sie in solchen Foren aktiv sind. Nicht gerade ein Vorbild. „Kriminelle Energie“ im Internet habe ich vorher nicht gekannt. Bedenklich finde ich, dass dieses „Netzwerk“ quer durch alle Sparten von Gesundheit und Können geht, da ist ein Lucas Kluck mit Christoph Brückner befreundet und der wiederum mit Thorsten Pirkl und Matthias Dreißig. Da werden denn Gerüchte verbreitet. Ich kann daher kein einziges Orgelforum empfehlen. Manche (Hobby)organisten sind offenbar nicht einmal in ihrem Alltags-Beruf professionell, geschweige denn in der Musik. Unmusikalisch ist für mich jeder Mensch, der das künstlerische Können eines oder einer anderen bewusst abwertet, um sich selbst besser zu fühlen, um das eigene Nichtkönnen zu kompensieren. Die Werke und Stücke kritisieren, die sie selbst gar nicht spielen können. Weibliche Profis kritisieren, weil sie sich an männliche Profis mit fester Stelle nicht rantrauen.

Halbbildung ist die gefährlichste Erscheinungsform der Dummheit.

Es kann sein, dass ich in der grauen Männer-Kirchenmusikwelt weiter “heilige Kühe” schlachten muss, aber das mache ich gern und unbekümmert. Kirchenmusik muss vielleicht bis ins Mark abgestaubt werden. Denn manche Kirchenmusikeminenz ist so langweilig und altmodisch, dass es nicht verwundert, dass keiner in die Kirche geht. Die Hobbyszene in diesem Bereich (siehe facebook-Gruppe Kirchenmusik, Gründer Ansgar Kreutz und bekannt für gehässige Ausdrucksweisen vieler immer gleicher männlicher Mitglieder): Hahnenkämpfe und Neid.Tragisch, dass sogenannte Kirchenmusiker so vom Leder ziehen und jegliche christliche Grundeinstellung vermissen lassen.

Kunst-Foto (ich rauche nicht)

Zeile für Zeile meine eigene Wüste, Zeile für Zeile mein Paradies. (Marie Luise Kaschnitz)

Gesegnetes Silvester und gesegnetes Neues Jahr 2021!

Meine Vorsätze für das neue Jahr: Geduldiger und gelassener werden.

Ich freue mich über mein weiter fertig werdendes Auftrags-Orgelwerk über die Fenster von Tholey. Über Fenster zu komponieren, ist eine schöne Idee. Es ist im Grunde, über Licht zu komponieren.

Spannend finde ich das Leben von Albert Spaggiari. Er wird zwar von Follets Autoren bewusst etwas negativ dargestellt, und vor allem immer rechts, aber selbst bei ihnen spürt man einen gewissen Respekt vor diesem verrückt mutigen Italiener mit beispielsloser “Karriere”. Er war auch ein Gentleman.

“Ruckikiku – Blut ist im Schuh”. Nein, Döner ist im Schuh. Noch dazu im Orgelschuh. So passiert das, wenn man nach dem Üben einen vegetarischen Döner mit viel Kraut isst und die Orgelschuhe noch in der Hand baumeln. Ich habe Schuhgröße 36. Oft sind mir normale Döner zu fleischifiziert.

An fremden Orgeln kann man sehr viel lernen. Manchmal entdecke ich eine, spontan, erstaunt, und wenn sie zu ist, suche ich den Schlüssel. Aber noch kenne ich die typischen Verstecke nicht.

Sehr gern schreibe ich in Gästebücher, die in Kirchen oder Museen liegen. Ich schreibe meist Ann-Helena und das Jahr.

Nett finde ich den Namen Honsbrunn (bei Laudenbach). Wahrscheinlich Hühnerbrunn?

Ich mag es, wenn die Tannenbäume goldene Sterne haben, die ich, solche, auch als Kind gebastelt habe. (Wobei ich die Bastelei nicht so mochte als Kind.)

Lecker ist das Brothauscafe in Weikersheim. Es gibt hier mit die besten und dicksten Krapfen mit Puderzucker mit ganz viel Marmelade. Krapfen habe ich schon als Kind geliebt. Neues Jahr, neues Glück, alte Hater. Oder frei nach dem Murmeltier: Täglich grüßt der Forentroll!

Die Musik bringt ihnen das Gehirn in Unordnung. (Hector Berlioz)

Silvester!! Eine groteske Musikantengeschichte wie bei Hector ist auch die Realität manchmal, nicht nur ein Roman. Besonders in der Kirchenmusik.

Trotz der Kälte blühen meine Geranien draußen noch immer.

Wunderschön ist die Barockorgel Heissler-Orgelbau 1974 in der Klosterkirche Maria hilf der Kapuzinerkirche in Bad Mergentheim, historischer, verzierter Prospekt, zwei Manuale, ein schönes Cromorne, sehr melodiöse Sesquialtera auf beiden Manualen als hübsche Solostimmen.  Bach 652 klingt am besten, wenn man die Solostimme auf dem ersten Manual spielt, also die Hände herumdreht.

Die weiche Späth-Orgel nur ein paar Schritte weiter am Marktplatz spielt sich ganz anders. Ich mag ihre Walze. Wichtig ist, im zweiten Manual kein Überlegato zu spielen oder zu weich im Anschlag zu sein, sondern eher markant, besonders im Winter, denn Töne fangen hier leicht an, zu hängen, vor allem in chromatischen, sanften Linien. Meine neuen Videos dort… ich habe mitten im Spiel nebenbei eine Taste lösen müssen, die hing.

Mir gefällt die Oper Rienzi von Wagner. Ich habe sie noch nicht live gesehen. Aber hoffentlich bald, im kulturellen Auferstehungsjahr 2021. Oh 2021, komm. Miss you.

Hierzu kann ich sagen: Ich weiß, viele wirken süchtig oder besessen nach mir und meinem Blog. Aber nächstes Jahr habe ich Prüfungen, die mir sehr wichtig sind. Das heißt, vor Ende Februar muss ich etwas kürzer treten, ich schreibe täglich, aber nicht mehr so lang. Bis Prüfungen rum sind. Ihr wisst ja: 1,0 ist mein Durchschnitt. Bitte betet jetzt schon für meinen Februar. Ich habe wieder ein ziemliches Repertoire. Und das meiste absolut neu.

Sehr schön ist die Bergkirche Laudenbach bei Weikersheim im Main-Taubertal, nicht zu verwechseln mit dem Laudenbach bei Karscht. Die große, edle Bergkirche ist ein Wallfahrtsort und heißt Mutter der Schmerzen, schön geschmückt mit Baum und Krippe. Es gibt auch eine große Gruft, Grabkapelle.

Doch die wundervolle Johann Philipp Seuffert-Orgel des Würzburger Orgelbauers von 1723: Zuvor stand dort eine Würzburger Schannat-Orgel von 1661. Der Prospekt ist wunderschön. Leider gibt es diese wundervollen Würzburger Orgelbauer nicht mehr. Nun hat Laukhuff Weikersheim das Orgelwerk 1982 leider ersetzt. Der Prospekt ist geblieben. Aber die historische Orgel konnte bisher nicht gerettet werden. Ich liebe historische Orgeln!

Manche pompösen Orgel-Transkriptions-Variations-CDs oder CDs voll mit amerikanischer oder französischer Zirkusmusik empfinde ich als nervig und oberflächlich. Aber Trotters Rossini gefällt mir. Sehr gut gefällt mir auch Litany von Pärt für Chor und Orchester. Aber auch Psalom und Trisagion.

Sehr gut gefällt mir auch das Cembalo-Konzert von Wilhelmine von Bayreuth.

Wenn Bachfest Arnstadt wegen Corona wieder ausfällt, gebe ich mir die Kugel. Nein, es wird dann im Sommer nachgeholt. Ich freue mich so. Ahhhh! Was für eine wundervolle Orgellandschaft in Thüringen. Aber durch Corona lerne ich auch Orgeln meines Umfeldes hier kennen.

Ich freue mich auf Silvester und darauf, das neue Jahr mit Gott zu starten.

ps: anbei mein Geschenk für euch für das Jahr 2020:

Mendelssohns 4. Sonate B-Dur auf der Späth-Orgel Marienkirche Bad Mergentheim:

Eure Ann und danke für alle Liebe und Unterstützung im Jahr 2020! ❤️

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Der Rat, den alle Frauen bekommen: “Ignoriere, was passiert!” ist kein guter Rat. (Ursula Nuber)

Bad Mergentheim Innenstadt ist abends leuchtend geschmückt und heimelig. Alle Kirchen auf und, wahrscheinlich von Frauen, wunderbar geschmückt. Ehrenamtlich arbeitende Frauen, deren Schmuck eine Predigt ist, die mehr spricht als Worte.

Wunderwunderschön ist die historische, zweimanualige, spätromantische Späth-Orgel 1903 opus 109 in der Marienkirche Bad Mergentheim. Gebrüder Späth Mengen-Ennetach. Wunderbarer Prospekt, erinnernd an Ladegast Schwerin, mit seinen nach oben auslaufenden, verzierten Spitzen; ein bunter Spieltisch erinnernd an andere spätromantische Orgeln (Walcker, Clewing…). Was für Farben! Ich bin entzückt. Achtfüße zum Dahinschmelzen. Dadurch wirkt die Orgel dynamisch auf mich, wie ein Flügel. Ich kann mit ihr singen, den Klang dynamisch beeinflussen in meiner Klangvorstellung. Wie sie klingt, könnt ihr auf facebook sehen. Dort habe ich gerade Videos von ihr eingestellt.

Mendelssohn fliegt und singt hier. Hast du einmal körperlich erlebt, wie ein Werk unter deinen Fingern singt und fliegt, dann wird dieses Stück immer ein Erfolg werden, egal, wo. Es sickert ins Körpergedächtnis, nicht nur in die Finger. Es sickert in dich hinein. Und eine süffige Orgel wie diese hilft dazu sehr. Sie ist wie Medizin. Sie gibt die Spritze zur Hervorragendheit. Sie spritzt ins Körpergedächtnis und ins Herz.

Ich bin mittlerweile gewöhnt an solche Orgeln und komme, auch wenn sie für viele eng, schmal und nicht leicht zu spielen ist, sehr gut zurecht, auch mit dem Pedal. Ich kann sofort switchen von Barockorgel zur romantischen (Marienkirche und Kapuzinerkirche Bad Mergentheim).

Erich Sittinger meinte gestern zu mir: “Wie kann man in drei Jahren so gut Orgelspiel gelernt haben? Und dann noch Liszt Ad nos?”

Ad nos habe ich in drei Monaten gelernt.

Anbei meine täglich wachsende Liste an Auswahl besonders schöner Orgeln, die ich bisher spielte: Orgelverzeichnis

Was ich liebe, ist, dass Bach seine Kunst der Fuge mit Blumengirlanden verziert hat. Das sagt so viel über seinen Charakter aus. Ich bin sehr gerührt von diesem Charakter.

Selbst 2021 ist der Orgel-Kalender im benno-Verlag eine Galerie von Männern. Ich hoffe, dass ab 2022 kein Jahr mehr ohne Frauen vergeht.

Wie oft Frauen allgemein noch bewusst ignoriert werden, weiß ich nicht. Heute nennt man dies Silencing. Sekretärinnen werden häufig an die Schnittstellen gesetzt, damit Frauen mithelfen, andere Frauen zu ignorieren.

Dabei geschieht dieses Ignorieren oft mit einem Lächeln, mit freundlichen und abstrusen Ausreden. Oft sind Lügen dabei. So auch bei einigen Kompositionsverlagen.

Auch bei den Losungen. Dass bei den Losungen 2021 mehr Frauenzitate und Frauengebete dabei sind, liegt mit an mir. Aber es geht schleppend voran. Die Männerdominanz ist wie Uhu.

Unterdrückung ist erst die zweite Waffe, wenn Frauen nicht zu ignorieren sind und damit als “gefährlich” eingestuft werden.

Eine weitere Waffe gegen Frauen ist der Vorwurf, dass Verehrung von Frauen automatisch mit dem Aussehen der Frau zu tun hat und weniger auf Leistung beruht. Wenn eine attraktive Frau viel kann und ehrgeizig ist, dann gilt diese Frau als besonders “gefährlich”. Keine Theorie, sondern echt und praktisch erlebt. Aber ich kann erst später in meinem Leben konkrete Beispiele geben und Namen nennen. Ich schreibe mit 80 oder 90 eine Art “Skandal”-Buch. Ich hoffe, es wird vielen eine Hilfe sein, und sie können von mir lernen. Jedenfalls versuche ich, den Männern zu helfen, Frauen einfach als weiblichen Teil Mensch zu sehen, indem ich authentisch bin, mich meist nicht schminke, einfach ich bin, völlig casual angezogen bin – ich bin wie sie, nur weiblich.

Zu viele Nächte… Nachtanfang. (AHS)

Heute im Taubertal: Wunderschön ist die denkmalgeschützte, pneumatische, zweimanualige Link-Orgel 1895 in der St. Margareta-Kirche in Laudenbach bei Weikersheim im hübschen Taubertal. Ich liebe bereits die Link-Orgel in Giengen an der Brenz, 120 km von hier. Und auch diese Link-Orgel im württembergischen Frankenland konnte vollständig gerettet werden. Leider nicht die wunderschöne Seuffert-Orgel 1723 in der schönen Bergkirche ebenfalls in Laudenbach bei Weikersheim. Ich liebe es, wenn historische Orgeln gerettet werden! So muss es sein!

Wir sind ein Orgelland! Es ist unsere Verantwortung. Unsere Pflicht.

Die Link-Orgel sieht aus wie eine helle, goldgeschmückte Kerze auf der Empore, hinter ihr wunderschöne Fenster. (Von hier stammt mein Adventskranz-Video auf facebook (die 5. Kerze) :))

Die Pfarrkirche St. Margareta in Laudenbach mit den beindruckenden, länglichen Fenstern von Huber, mit dem kunstvollen Gold-Tabernakel vorn, zwei großen Bäumen und vor allem wunderschön geschnitzten Holzreliefs von Frauen und Märtyrerinnen – leider von den Weihnachtstannen momentan fast verdeckt. Auch die Krippe ist groß und liebevoll gestaltet, mit Ochs und Esel.

Die Straße von Laudenbach an der Tauber nach Würzburg ist eine romantische. Der Weinort ist voll kleiner süßer Läden, die Tauber fließt, und Figuren, die grüßend ein Weinglas in die Luft recken, auf einem Weinfass sitzend, begrüßen am Ortseingang und am Ortsausgang. Es gibt hier in kleinen Lädchen nonstop frische Milch, Eier, Wurst, Frankenwein, Nudeln, Käse… Es ist ein malerischer Ort, in dem sich die Menschen gegenseitig vertrauen. Mit gepflegten, beschützten und offenen Bergkirchen und Pfarrkirchen. Menschen sollen gesund essen, spazierengehen, beten, erhalten, vertrauen. Mehr muss erst mal nicht sein.

Sehr schön ist mein süßes Ranftl-Spinett, frisch gestimmt, mit Drehstuhl, bei mir, nah am Clavichord, am Vorhang. Auch mein zweimanualiges Cembalo ist nun frisch gestimmt. Ich hab drei verschiedene Stimmschlüssel. Ich habe erst mal gleichschwebend. Ich habe etzerdla… 14 Instrumente.

Grad lese ich von Ken Kollet Die Ratten von Nizza. Immer spannende Unterhaltung. Den Film Station Agent finde ich ganz nett.

Bezüglich Transkriptionen: Ich denke so, dass, auch wenn ich nicht Fan bin von Orgel-Transkriptionen, da sie meiner Meinung nach immer eine Verschlechterung sind – wenn man aber eine tolle Orgel hat und virtuos spielt, gewisse Sachen schon aus Spaß und Unterhaltung ganz cool sind, so wie Ken Follet Unterhaltungsromane anbietet. So auch Trotter. Ich habe mir zu Weihnachten eine CD von dem Engländer Thomas Trotter gewünscht, Grand Organ Prom, lauter Transkriptionen. Und mir gefällt die CD! Vielleicht, weil ich Trotter mag. Er macht es so gut, dass man Tschaikowksy fast tatsächlich als Orchester wahrnimmt. Er spielt vor allem virtuos. Und ich mag alle Virtuosen. Die Transkriptionen von seinem verstorbenen Landsmann William Thomas Best, ebenfalls ein Virtuose, sind ja nun frisch, witzig und brillant. Dieser Best ist natürlich bei weitem nicht so revolutionär wie Liszt, der ganz neue Gattungen komponiert hat. Liszt ist so viel mehr als nur ein Virtuose. Er ist Schöpfer, Komponist. Dennoch. Da hat man schon Lust, sich begeistern zu lassen von dieser CD. Außerdem klingt die Orgel in der Royal Albert Hall wie eine WUCHT. So etwas kann man nicht nicht mögen, außer man ist mit Taubheit und Blindheit geschlagen. Und doch: Kein Wunder, dass, wenn man auf romantische Transkriptionen dieser Art steht oder auf “nette Zirkusmusik an der Orgel”, dann meine Orgelwerke, die nach einem neuen Stil suchen, natürlich ein Schock sind. Ich bin eher wie Liszt und Schubert auf der Suche nach neuen Gattungen. Nach neuen Klängen.

Meine neuen Bose-Kopfhörer gefallen mir. SOUND. Trotz aller Geschenke des “Christkindes” – was ist das wichtigste Geschenk des Christkindes an Weihnachten und immer? Erlösung. Und Jesus ist nun bei weitem kein Kind mehr. Sondern Gott und Retter.

Happy Birthday, Magda. ❤️

Let no hand nor ill will keep you. (Jewel)

Übersetzung: Lass weder Hand noch Häme dich zurückhalten.

Jewel: Tolle Frau aus Alaska!

Bald kommen die Scarlatti – und Bach- und Muffat-Videos.

Heute übte ich an der schönen, zweimanualigen Lobback-Orgel (mit Schweller und schönen Zungen) der katholischen Kirche  Zum  kostbaren Blut in Weikersheim. Weikersheim im Taubertal, im baden-württembergischen Frankenland, an der romantischen Straße. Sehr schöne Gegend. Die Stadt ist in den Roundabouts von (rostigen) Noten und Orgelpfeifen geschmückt – wegen der Tauberphilharmonie und den Orgelbaufirmen wie Laukhuff und Heissler Orgelbau Markelsheim. Die Tauber fließt freundlich durch die schöne, hügelige Gegend. Lobback kommt aus Hamburg. Seine Orgel in Weikersheim von 1977 stand ursprünglich in Hamm-Heessen (dort habe ich auch schon konzertiert). Kreienbrink Orgelbau hat diese Lobback-Orgel in Weikersheim eingebaut und das Brustwerk als Rückpositiv umgeformt. Es gibt daher auch einen neuen Spieltisch. Die Kirche ist hübsch geschmückt, besitzt eine wundervolle Akustik. Ich spielte dort heute Mendelssohn.

Hätte ich Klavier und Flöte studiert, wäre ich, glaub ich, nicht von Neidern belästigt worden. Denn es wären zwei völlig unterschiedene Welten. Aber Klavier und Orgel sind wie verfeindete Brüderländer, wie Israel und Palästina, Franken und Preußen oder wie die Schweiz und Deutschland oder wie die Ostfriesen und… Das Verfeindete geht nicht von den Pianisten aus. In der Klavierwelt bin ich noch nie belästigt worden, es ist eine sehr niveauvolle Welt. Es gibt dort keine “Hobbypianisten”, die sich anmaßen würden, Profis zu kritisieren. Und die Profis lassen sich gegenseitig völlig in Ruhe. Anders in der Orgelwelt. Ich habe noch nie so etwas Niveauloses, Anmaßendes an Neid erlebt wie in der (Hobby-) Kirchenmusikszene. Kirche? Es sollte SodomundGomorramusikszene heißen, nicht Kirchenmusikszene.

Die Organisten sind den Pianisten egal. Pianisten leben für sich. Anders die Organisten: Viele (Hobby-) Organisten und Kirchenmusiker mischen sich in alles ein, wissen alles besser und sind extrem neugierig. Sie kommen mir vor wie die, die Fußball gucken und die Profis auf dem Bildschirm lautstark kritisieren, obwohl sie selbst keine Kniebeuge können. Anstatt selber Sport zu machen, wenigstens zu joggen. Dann würden sie sehen, wie schwer es ist, Profi zu sein.

Die Organisten haben großen Respekt vor Pianisten – solange die Pianistinnen nicht noch Orgel spielen, sondern beim Klavier bleiben. Und wer spielt schon beides? So gut wie niemand. Denn es ist ein Wunder, wenn jefraud beides kann. Ein absolutes Wunder. Denn im Grunde ist es wirklich nicht kompatibel. Und doch eine Einheit. Es geht mir nicht darum, die Klavierwelt gegen die Orgelwelt auszuspielen, jedoch deutlich zu machen, dass es leider die Organisten sind, deren Welt voll Neid zu sein scheint. In der säkularen Welt ist der Neid bei weitem nicht so groß wie in der religiösen Szene, habe ich festgestellt. Religion ohne lebendigen Glauben ist gefährlich und traurig.

Es gibt in den deutschen Kirchenmusikgruppen viele Laien, die mit Nicknames und Fakeaccounts kritisieren. Und die auch nur kritisieren, und das noch hintenrum, obwohl sie selbst nichts können. Es stimmt, dass ich, wie die meisten Künstler, Kritik nicht sonderlich mag, schon gar nicht von Laien. Aber wenn mich Freunde oder Kollegen privat kritisieren, weil sie mir wohlgesonnen sind und ich sie auch um Rat gebeten habe, ist das etwas anderes und ok. Aber es sollten Profis sein, um deren Meinung ich bitte, keine Laien, die mich ungefragt kritisieren, obwohl sie es nicht besser machen, teilweise gar nicht spielen können. Profis wissen, wie schwer es ist. Laien wissen es nicht. Profis wissen, wie schwer Aufnahmen sind. Aber Laien wissen es nicht. Profis wissen, dass ich meine Fehler und Schwächen selbst kenne und daran arbeite. Laien denken, sie müssten es mir erst sagen. Dabei bin ich selbst streng mit mir. Und Profis sagen: Respekt, wie du Pedal spielst nach so kurzer Zeit. Laien sagen: Also, wie kann man denn Messiaen Himmelfahrt an Weihnachten hochladen? Oder meinen, mir Tipps geben zu müssen, Leute wie Matthias Meier.

Als ob Messiaens Nativité nur an Weihnachten gespielt werden würde und nicht in allen Examen rund ums Jahr rauf und runter. Aber wenn man halt keine andere Kritik findet, muss man fündig werden.

Ich möchte nicht nur Verehrer haben, obwohl ich es liebe, wenn Menschen meine Musik lieben und ich ihnen mit meiner Musik Schönes tun kann. Welcher Künstler nicht? Aber Freunde sind für mich Menschen, die mich öffentlich loben und privat kritisieren, wenn sie schon meinen, kritisch sein zu müssen, und schon gar nicht anonym. Das ist billig. Da heissen sie dann Wolfgang B, Black Hack oder Jonathan R oder Organist888 oder DeppdesJahrhunderts, und schreiben: “Ich spiele zwar schon seit zehn Jahren keine Orgel mehr, aber…” Oder: “Ich bin zwar Laie, aber meine Meinung ist, dass…” oder “Nach meinem Geschmack muss es X sein…” oder “Nach meinem Geschmack muss es Y sein…”Puh!

Ich glaube, deswegen haben viele Orgel-Professoren kaum oder keine Videos auf YouTube oder schalten die Kommentar-Funktion aus. Weil sie die gehässige Szene kennen. Alle Hobbypianisten sind so klug, zu wissen, wie schwer Klavierspielen ist. Aber bei der Orgel spielt jeder Hansdampf irgendwie und hat deswegen eben keine Ahnung, wie schwer es ist. Ich habe im Orgelstudium viele Organisten Klavier spielen hören: Etwas Unkünstlerisches habe ich noch nicht gehört, starr und ohne Gehör. Bei Jugend musiziert, was ich als Kleine meine Kindheit lang gespielt habe, hätten die meisten keinen einzigen Platz belegt, egal, in welcher Altersgruppe. Und das im Studium! Nach dem Klavierspiel gehen sie dann an die Orgel, und es klingt nur deswegen besser, weil sie nun Register und Füße haben, und im Glücksfall noch Hall dazu kommt. Daher mein Verdacht, dass viele Organisten unkünstlerisch sind. Es wurde von einigen Organisten nach Gründen gesucht, wie man mich hindern, aufhalten, einschüchtern könnte. Weil sie befürchteten, dass ich meine künstlerische Tätigkeit einfach auf die Orgel übertrage und fortführe. Und bin schon mehr unterwegs als alle in Deutschland. Und mit den meisten Fans. Und kenne mehr Orgeln als die meisten, und mein Repertoire wächst. Umgekehrt wäre es nie möglich, dass ein Organist noch Pianist wird.

Rising above.

Anbei die Engel aus Nativite – noch aus der Frankfurter Zeit, meiner ersten Station Orgel: 🙂

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