Rezensionen

Rezension von Christoph Kätzel (Orgelbau Heissler)

Pandemic Dance (Zyklus)

Die bewusst weibliche und helle Sprache von Ann-Helena Schlüter an der Orgel ist außergewöhnlich, andersartig und daher vielleicht für manche ungewohnt. Zudem ist die Pandemie als Tanz ausgedrückt. Es ist ein dämonischer oder verzweifelter Tanz, jedoch im Zyklus der anderen pandemischen Tänze von Ann-Helena Schlüter stets mit Hoffnungsschimmer auf Rettung.

Die Komponistin Ann-Helena Schlüter schreibt ihre Werke aus Improvisationen heraus, die sie live in Konzerten spielt. Das Werk Pandemic Dance, 2020 komponiert, der erste Teil des Zyklus, gibt den Schrecken und die Angst der Pandemie wieder. Typisch für diesen Zyklus ist, dass sie im Pedal sehr hohe Stimmen verwendet, die Pedalstimme sozusagen in einen Sopran umfunktioniert und diese im Violinschlüssel notiert. Mittlerweile enthält der Zyklus Pandemic Dance viele verschiedene Variationen. Die sehr hellen und flirrenden Klänge im 1-Fuß kombiniert mit dem hellen Pedal im 4-Fuß bzw. im Diskant ergeben eine mir völlig neue und ungewohnte Tonsprache. 

Zu beurteilen, ob man gut blättern kann, kommt mir hier ein bisschen seltsam vor, da Musiker ihre Noten stets so bearbeiten müssen, dass das Blättern trainiert, geübt und arrangiert werden kann. Hier sieht es jedoch machbar und gut aus. 

Die Bindung der Noten ist gut gewählt, wobei mir für Orgelnoten die Version im Querformat im Allgemeinen sinnvoller erscheint, da bei drei- fünfmanualigen Spieltischen eine Höhe der Noten entstehen kann die für Organist*innen, die nicht gerade Sitzriesen sind durchaus zu Schwierigkeiten in der Les- und Spielbarkeit führen kann. Die Lesbarkeit und das Druckbild dieser Noten sind erstklassig.

Christoph Kätzel

Igersheim, 25.07.2021


Andreas Friedrich​​​​​​​, Autor

16. Juli 2021

06679 Hohenmölsen

Apocalyptica von Ann-Helena Schlüter

Das Stück Apocalyptica von Ann-Helena Schlüter ist Neue Musik vom Feinsten, jedoch auch vom Sonderbarsten. Die Organistin verwendet ein reiches Spektrum an Farben, besonders in den hohen Lagen. Beinahe verstörend klingen hierbei die angstmachenden Umstände unserer Zeit in Musik ausgedrückt. Das Spektrum der Orgel wird sowohl vom Umfang als auch vom Farbreichtum voll ausgeschöpft. Durch Manual Wechsel, Triller, virtuose Läufe und virtuoses Pedalspiel werden die Virenbuchstäblich zum Leben erweckt. Der persönliche Stil von Ann-Helena Schlüter ist hierbei deutlich heraus zuhören. Wer ihr Gesamtwerk kennt, bemerkt, eine melancholische, düstere, dennoch helle, nordische Note ihrer Musik. Auch diese Komposition zeichnet sich durch Kreativität und künstlerische Meisterschaft aus. Sie spiegelt eindrucksvoll die Leidenschaft in der Komposition und Realisierung des Stückes durch die Künstlerin wider.