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26. Mai 2024:  Foto: Schöppingen 2024

Ich bin in Siegen / Hilchenbach im Hotel Garni Hof angekommen. Zuvor bin ich mit einem Teil der Gastgeber-Veranstalter von Bad Neuenahr ins von dort nahe Maria Laach gefahren. Dort war ich noch nicht. Es ist eine Klosteranlage und ein Erholungsgebiet an einem großen See (Laacher See) mit Hotel, Schenke, Gärtnerei, Shops, Kapelle, aktivem Kloster und Abteikirche. Obwohl von außen mächtig wirkend, ist die Abteikirche innen eng, dunkel und feucht-kalt. Der Kreuzgang davor aber ist sehr schön mit dem Löwenbrunnen in der Sonne. Die Orgel wirkt klein, ist aber sehr raumfüllend im Klang.

25. Mai 2024: Christus Lob und Ehre zu bringen erklinge die Orgel, reich an verschiedenem Klang mache sie froh euer Herz (Inschrift Ott Orgel Schöppingen bei Münster) 

Foto: Will Orgel 1722 Karmelitenkloster Bad Neustadt 2024

Mein Konzert heute im edlen Theater Augustinum Bad Neuenahr-Ahrweiler zwischen Koblenz und Bonn war sehr schön und gut besucht. Der große Steinway C frisch gestimmt. Ich spielte J.S. Bach Goldberg-Variationen BWV 988 (Henle-Ausgabe). Eintritt 20 €.

Ich mag Augustinen und habe schon als Kind in diesen Häusern deutschlandweit gespielt. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind meist sehr gebildet und warmherzig und auch mit 90 fit und schlau. Man kann sich anregend mit ihnen nach dem Konzert bei einem Glas Rotwein unterhalten. Vor dem Saal steht zudem ein alter, wertvoller Steinway New York. Ich habe viele CDs verkauft. Wenn ich 100 bin, ziehe ich auch gern hier ein.

Leider ist durch die Flut vor drei Jahren die Kapelle samt Orgel zerstört worden.

Mein Gäste-Appartement im Haus ist schön und ich sehe und vor allem höre den Froschteich unter mir im Park.

Viele Künstler reden kaum mit dem Publikum während eines Konzertes. Ich liebe es!

In Bad Neuenahr spiele ich jetzt das dritte Mal, zuvor im Kurhaus.

Ott Orgel St. Brictius Kirche Schöppingen (Münsterland)

23. Mai 2024: Nur Gott kann Seele schaffen. 

Hart erspielter Rausch. Für mich als Berufsmusikerin ist Musik etwas anderes als für Hobbyspielende. Ja, es ist Rausch, Blut, Muße und Genuss – aber es ist auch Arbeit, viel Arbeit, nüchterne und erkämpft, Disziplin und große Opferbereitschaft.

Diese Opferbereitschaft trennt mich von vielen Laien, Musikanten und Semispieler: Die meisten Menschen sind nicht bereit, so viel für eine Berufung zu opfern. Dass man dazu bereit ist, als wäre es leicht, das zeigt die Berufung oder verdeutlicht diese.

Was mich zudem antreibt, ist der Hunger und die Neugierde, meine Musikalität immer weiter auszubauen. Das kann man Ausbildung nennen. Ich nenne es, meine Musikalität bis zum letzten Atemzug weiter zu entwickeln. Es ist so: Zuerst sieht man das Boot, die Segel, dann das Meer, die Wellen, dann die Sonne, dann noch die Sterne, den Wind … es geht immer weiter, es hört nie auf, es gibt so viel zu entdecken! Und das ist wunderbar so. Alles Künstlerische ist ein unendliches Abenteuer. Hat man das eine erkannt, ergibt sich daraus das Nächste.

Deswegen mag ich auch KI nicht. Ich hasse Computerstimmen. KI ist eben nicht künstlerisch und kann es gar nicht sein. KI besitzt keine Seele und wird es auch nie. Es wird nie künstliche Seelen geben, Gott sei Dank. Das wäre ja KS. Zwischen künstlich und künstlerisch besteht eben ein erheblicher Unterschied. Selbst der dümmste Mensch, der sich für unmusikalisch hält, besitzt eine Seele und ist daher künstlerischer, als es KI je sein kann. Nur Gott kann Seele schaffen. Eine Computerstimme oder eine KI-Stimme, auch noch so gut gemacht, wird nie konkurrieren können mit der Stimme des „dümmsten“ Menschen. Stimme, Sprache ist eben schon Musik und Seele und künstlerisch.

Wie wohl Gottes Stimme klingt?

Teschemacher Orgel ev. Kirche Essen Werden

22. Mai 2024

Schleifladen, 2009 umintoniert von Klais; im ehemaligen Kloster dahinter befindet sich die Folkwang-Uni. Die Propsteikirche ist schön und dämmrig.

Rote Klais Orgel Basilika St. Ludgerus Essen Werden, ehemalige Abteikirche, 3 M, 50 R, 3724 Pfeifen:

Die schöne dunkle „Grabeskirche“ besitzt barockes Chorgestühl, Krypten und bunte Fenster, einen barocken Hochaltar.

Brillante, helle, hohe und tragende Akustik. Das Treppenhaus zur Orgel ist sehr breit, da früher der Richter mit einer Sänfte hier heraufgetragen wurde!

Es war sehr schön, hier zu spielen. Kirche und Orgel werden vom Förderverein in gutem Zustand gehalten und erhalten. Momentan werden die Altarfiguren restauriert und von Restauratorinnen von Schimmel befreit. Der mächtige Hochaltar gegenüber der Orgel war ein spontanes Versöhnungsgeschenk und gehört stilistisch ursprünglich in eine andere Kirche.

Die rote Orgel kommt angestrahlt gut zur Geltung mit seinen verschiedenen Rot-Tönen, die Fensterrosetten wölben sich dahinter.

Das gotische Fenster ist seit 1983 von der Pfeifen der Orgel fast verdeckt. Es gab  vor 1983 bereits eine Orgel hier, die das Fenster frei ließ, was jedoch dem Klang der Orgel schadete.

Klais Orgel Basilika St. Ludgerus Essen Werden

Walcker Orgel ev. Kirche Essen Werden

21. Mai 2024: Foto Will Orgel Bad Neustadt

Bin im Schwarzwald angekommen. In Würzburg war es warm, hier ist mit Regen Wintereinbruch; alles sattgrün, da es seit Wochen regnet; ich ohne Jacke im blauen Kleidchen. Mein Klavierabend in Freudenstadt mit Bach, Beethoven, Chopin und Schlüter heute abend 20 Uhr war sehr schön; auf dem glänzend braunen Schimmel im Vortragssaal des Gesundheitsparks Hohenfreudenstadt spielte ich. Und habe viele CDs verkauft. Vorher war ich in der Sauna. Danach waren meine Hände warm, schwer und relaxed.

In Freudenstadt habe ich schon oft gespielt: an der Rieger Orgel und bei dem Musikhaus Rudert Festival. Ich wohne nun im Hotel Teuchelwald. Die Zimmer sind ganz schön mit toller Aussicht und erinnern mich an mein Hotelzimmer in Haifa. Es sind recht viele Kurgäste hier. Abends im Lesezimmer wurde ich von einer Gruppe angesprochen, ob ich auch Kurgast sei.

Da ich manchmal gern in Rollen schlüpfe, tat ich so, als wäre ich ein neu angekommener Kurgast und dachte dabei an Thomas Mann. Sofort wurde ich mit guten Ratschlägen überhäuft, zu Schnaps und Bier eingeladen und erfuhr den neuesten Tratsch. Als ich schließlich auf mein Zimmer ging, hatte ich verräterisch Noten, CDs und Konzertplakat im Arm, jedoch fiel dies der lustigen Gruppe, die von klassischer Musik vermutlich nie viel gehört hatten, gar nicht auf.

20. Mai 2024: Musik ist wie Mosaik. Eigentlich ist alles im Leben Polyphonie. (AHS)

Direkt nach meiner Israel-Konzertreise, kaum gelandet, fuhr ich zu meinem Konzert nach Hamburg zur vollpneumatischen, historischen Walcker Steinmeyer Orgel 3 M von 1923 in die evangelische Auferstehungskirche. Frankfurt Flughafen und Hamburg ist doch sehr weit, weiter als ich dachte, und der El-AL Flug von Tel Aviv nach Frankfurt Flughafen war etwas verspätet. Ich beeilte mich sehr und war die erste am Gepäckband, 10 Minuten vor allen anderen. Aber was nützte es mir? Nichts, denn die Koffer trudelten erst nach 20 Minuten ein, und mein roter Koffer war auch in keiner Weise der erste.

Ich kam aber immerhin pünktlich zum Konzert und spielte mein Programm ohne Einspielzeit. Trotzdem lief alles wunderbar, denn ich kannte die Orgel schon aus meiner Hamburger Studienzeit. Orgelstadt Hamburg! Stiftung Denkmalpflege. Muttertag. Es war sonnig und warm.

Sehnsuchtsort Orgel Konzert.

Die rote Kirche mit blauer Kuppel und Mosaik über dem Altar liegt in einem schönen Garten in Barmbek. Barmbek ist ein ruhiger Stadtteil in Hamburg. Ich wohnte direkt im Pfarrhaus gegenüber und übte abends am Flügel in der Kirche:

Ich liebe F.E. Walcker Orgeln sehr. Fast noch schöner als die in Hamburg ist die in der evangelischen Kirche in Essen Werden, eine von 1900, 3 M. Eine Augenweide, wunderbare Akustik, bunte Registerwippen. Die rote Kirche wird von blühenden Büschen umrahmt. Unten gibt es noch einen Flügel und eine wunderschöne Jacob Engelbert Teschemacher Orgel, ein kleines wertvolles Orgelpositiv von 1750, ein Manual, an dem man den Wind selber treten muss, also mit geschöpftem Wind spielt, was in dieser Akustik genial klingt.

Wenn man den Wind tritt, drehen sich kleine Sternchen und der Deckel oben hebt sich an. Sie hat also keinen Motor. Teschemacher Orgeln habe ich bereits in Köln und Bonn kennengelernt und gespielt.

Danach fuhr ich nach Bad Neustadt an der Saale zur wunderbaren Barockorgel, Will Orgel von 1722, ein Manual, in der katholischen (jetzt neutralen) Karmeliten-Klosterkirche, um mich für mein Konzert einzuspielen, im Kloster dieser hübschen Stadt in der bayerischen Rhön mit ca. 16. EW. Die Orgel ist etwas schwergängig in warmer Akustik, früher mit kurzer Oktave.

Der Umzug in meine neue Wohnung geht gut voran, es ist sehr viel Arbeit. Wir haben 140 Kisten bis jetzt gepackt und sind immer noch nicht fertig. Es ist wie bei Harry Potter. Je mehr wir packen, desto voller wird es. Ich freue mich, dass ich in meiner neuen Wohnung Garten habe und fast 100 Quadratmeter, und vor allem steht der Steinway im Erdgeschoss. Leider habe ich aber das Seminar „Möbelpack“ nicht belegt.

In dieser Woche spiele ich 2 Klavierabende, in Freudenstadt und in Bad Neuenahr die Goldberg Variationen und dann in Siegen Orgelkonzert. Dazwischen bin ich Hilfsarbeiterin in Kistenpack.

Walcker Steinmeyer Orgel Auferstehungskirche Hamburg Barmbek

 

12. Mai 2024: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. (Entweder von Einstein oder von Zweistein. Vielleicht aber auch von Dreistein)

Sonntag früh fliege ich heim. Ich werde Israel vermissen. Es war eine sehr intensive Zeit.

Mein 25-Stunden-Shabbat war spannend; ich habe zwar nicht alles komplett durchhalten können; aber so gut ich eben vermochte. Meine Gastfamilie Rabin hält sich wie viele Juden an die Regeln: kein Handy, keine elektronischen Geräte, keine Anrufe, keine Instrumente, keine Musik, nicht kochen (inklusive Kaffeekochen), nicht duschen, nicht arbeiten oder üben, keine Schule, elektrisches Licht so lassen, wie es vorher war, nicht Auto fahren (abgesehen davon, dass auch eh keine Busse etc. mehr fahren und keine Geschäfte offen sind 24 Stunden lang)…

die Zeit hält einfach an von Sonnenuntergang zu Sonnenuntergang Freitag Abend bis Samstag Abend. Je nachdem, wann die Sonne untergeht. Gegen 19 oder 20 Uhr.

Stattdessen gemeinsam reden, essen (vorher gekocht), viel schlafen und ruhen, lesen, beten, Klagemauer, spazieren gehen, in die Synagoge gehen. Familytime. Gemeinschaft. Es ist tatsächlich eine gesegnete Zeit: Wir haben festlich gegessen, mit Kerzen, Wein, Salat, Fleisch, selbstgemachtem und noch warmen Hummus, Avocado, Eis, Kuchen … waren zweimal in der Synagoge (es sind dort recht lange Gebetszeiten) und haben viel geredet bis tief in die Nacht, auch über Glaube und Politik. 

Samstag Abend ab ca. 20 Uhr geht der Alltag wieder los mit Wäsche waschen, Emails usw. – und Sonntag ist Schule, Arbeit…

Ich habe in Deutschland mit jüdischen Freunden zweimal Shabbat gefeiert, aber immer nur einen Abend, an dem festlich gegessen wurde – keine 24 Stunden mit allen Regeln, und schon gar nicht in Israel.

Es war ein echtes Erlebnis. Die Synagogenbesuche waren kein Kulturschock für mich. Ich kann durchaus die Wurzel des christlichen Glaubens erkennen.

Mittags besuchte und spielte ich die Karl Schuke Orgel (Berlin) in der evangelischen deutschen, weißen Erlöserkirche (Redeemer Church) in der Altstadt Jerusalem (nahe der ultraorthodoxkatholischen Grabeskirche mit Rieger Orgel, die leider kaum gespielt werden darf).

Die Schuke Orgel ist mit ca. 22 Registern eher klein, älter und kompakt, neobarock intoniert, allerdings ist die Akustik in dieser geschichtsträchtigen Kirche so genial, dass die teilweise etwas schrille Orgel glitzert und leuchtet. Sie ist raumfüllend, etwas direkt, auf keinen Fall zu laut; gut für Bach und Mozart geeignet.

Was ich gar nicht mag, sind Pseudo-Jazz-Stücke ala Gardonyi auf der Orgel, wie „Mozart Changes“. Dann doch lieber den echten Mozart.

Ich war danach oben auf dem Turm der Erlöserkirche; der Ausblick ist wirklich toll, aber durch die Drähte des Zaunes etwas „zerstört“.
Da die Kirche nahe des muslimischen Viertels steht, hört man recht laut den Muezzin-Ruf bis in die Kirche.

Grabeskirche Sanctum Sepulcrum Church Jerusalem:

11. Mai 2024 

Bin im Hotelzimmer in Haifa. Mein Konzert in Haifa im Auditorium der Universität war sehr gut besucht, ca. 200 Menschen im Publikum. Die Konzertreihe in Haifa ist schon seit Jahrzehnten etabliert. Eintritt: 60 Shekel, das sind ca. 15 Euro. Ich, meine Hände und Füße wurden auf eine große Leinwand gebeamt. Zwischen den Stücken habe ich eine kleine Einleitung gesprochen auf Englisch.

Es war ein tolles Publikum, sehr begeistert und wertschätzend. Ich habe alles allein geblättert und registriert, nur am Schluss, die Fuge g-Moll BWV 542 … da brauchte ich Yuval zum Blättern und Registrieren. Denn diese Fuga feuert straight durch, ohne Pause und gibt einem keine Atempause.

Anschliessend fuhren wir nach Caesarea, da dies auf dem Weg zwischen Haifa und Jerusalem liegt. Auf dem Hinweg sind wir über den immergrünen Mount Carmel gefahren.

Das reiche Caesarea ist atemberaubend mit seinem Hafen am Mittelmeer, dem Strand, römischem Aquädukt direkt am Meer, seinem alten und neuen Hafen, der neuen (modernen) und alten Stadt, den Ruinen, Palmen, dem Museum und dem National Park Maritima mit Theater, antikem Circus, Marmorsäulen und Krügen und Mosaik, das ganze historische, antike Gelände von Herodes, Augustus, Jesus, Petrus, Paulus in Gefangenschaft …

Caesarea wird Kä-Saria ausgesprochen.

Heute erlebe ich 25 Stunden Shabbat. Dann fliege ich nach Deutschland zurück. 

Caesarea:

Gideon Schamir Orgel Haifa University Auditorium Hecht Museum Israel

10. Mai 2024 Foto: University of Haifa. Wir bitten dich um Integrität, Unversehrtheit und Abgrenzung, was Sünde an sich und Sündende angeht. 

Heute erinnere ich an Kay Warren.

Heute ist mein Konzert hier in Haifa. Ich freue mich. 

Gideon Schamir Orgel Haifa University Auditorium Hecht Museum Israel