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Tur Blogg

7. September 2020

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…wie eine stark geschlagene Saite noch lange Zeit forttönt…” (J.K. Wezel, aus Gefahren der Empfindsamkeit, 1782)  

Vielleicht habe ich die Empfindsamkeit zu sehr verurteilt. Ich liebe sie doch. (Wenn sie nicht Bachs Musik in den Schatten versucht zu stellen, wogegen ich mich automatisch auflehne.) Aber die frühromantische Welt des C.P.E. Bach mit seinem empfindsamen Stil ist berührend auf einem Clavichord (wenn z.B. Dupouy spielt). (An einem Flügel würde es mir nicht gefallen.) Auch die Sinngedichte von Lessing betonen, wie neu die Empfindsamkeit damals war, also eine Revolution. Und so muss man die Musik von Bachs Söhnen betrachten. “Empfindsamkeit” heute ist ja etwas ganz anderes. Die Empfindsamkeit von 1714 ist nicht mit den Pop-Songs zu vergleichen, denn damals war das bewusst Empfindsame eine Revolution: Experimente mit Klängen, mit Instrumenten. Heute ist das “Empfindsame” meist nur Musik-Business und Gewohnheit.

Empfindsamkeit gab es ja immer schon. Man hat es nur ab 1714 so genannt. Auch Johann Sebastian Bachs Musik ist hochemotionale, empfindsame Musik.

Mein neues Gedicht zum Clavichord:

Clavichord 

Klingend die Länge

Im Knoten 

Nicht schlagend gegen die Welle 

Doch frei auf eigene Weise

Sanft der Stegdruck 

Im Boden 

Nicht starr wie Köpfe 

Doch gebogen

Bebend die Länge

Im Ton 

Nicht laut wie die Welt 

Doch am Abend 

Mit stillem Kummer in der Brust, schlich ich mich hin zu dir, bring Harmonie in mich und Lust, du liebliches Clavier. (Philippine Gatterer, 1756-1831)

Ich liebe das Clavichord!

Ein Clavichord ist ein Saiteninstrument mit Tasten. Die Tangenten (beim Cembalo heißen diese Springer, aus Holz), also Stäbchen aus Messing am Ende der Tasten, schlagen gegen die Saiten und bestimmen die klingende Länge.

Deshalb ist es recht leise, aber auch direkt beeinflussbar mit dem Finger (Lautstärke, Stimmung und Gefühl). Das bedeutet, dass sowohl im Anschlag, während des Anschlags und beim Ende und Abnehmen des Anschlags der Klang des Tones musikalisch beeinflusst wird. Der Flügel dagegen hat Hämmerchen.

Das Clavichord nicht. Das Cembalo wird gezupft. Dieses Zupfen ist kaum musikalisch beeinflussbar. Jedoch beim Clavichord ist durch den Anschlag  die direkte Verbindung vom Finger zur Saite gegeben. Ein Flügel schlägt gegen die Welle der schwingenden Saite und ist daher im Klang viel lauter.

Jedoch das Clavichord schlägt am Ende der Saite, also im Knoten, dort, wo die Wellen zusammenkommen, bzw. dort, wo die Welle anfängt. Daher ist das Clavichord leiser, da durch Tangenten nur niedrige Wellen entstehen, also nur der Knoten angerührt wird. Ein Clavichord hat keine freie Saite.

Ein Flügel besitzt freie Saiten, und der Hammer schlägt an einen Punkt auf der Saite, wo eine Welle entsteht. Beim Clavichord dagegen wird die Länge begrenzt und bestimmt von der Tangente. Dadurch ist die Welle ganz niedrig. Für die, die immer so großspurig nur Lautstärke wollen (was bei den meisten Organisten und Pianisten leider der Fall ist), ist ein Clavichord also uninteressant.

Aber interessant an einem Clavichord ist: Es ist das einzige Instrument, bei dem man mit dem Anschlag, während und danach noch sogar den Ton beeinflussen kann, die Bebung und das Tragen des Tones.

Das Clavichord ist sehr einzigartig, keineswegs altmodisch, sondern sehr intensiv, sensibel und musikalisch, und vor allem ist es ein sehr gutes Werkzeug zum Üben, sowohl für die Orgel als auch für das Klavier als auch für das Cembalo – kurzum, für alle andern Tasteninstrumente ist das Clavichord ein perfektes Übewerkzeug.

Und mehr als das, es ist ja ein eigenständiges Instrument. Es ist ein Fundament aller clavierten Instrumente. Bis heute! Für immer. Es wird kein Ersatz dafür geben können. Ein Keyboard dagegen macht den Anschlag kaputt.

Ein Clavichord ist nicht wirklich leise. Die Welt ist einfach laut (geworden). Wenn es abends dunkel ist und die Welt ist leise, dann ist das Clavichord sogar laut. Manche Clavichorde sind vom Modell her lauter als andere. Sie sind unterschiedlich laut.

Je weniger Stegdruck (dieser immer gebogen bei allen Tasteninstrumenten, die Brücke zwischen Saiten und Resonanzboden), desto lauter. Sowohl Carl Philipp Emanuel Bach und auch J.S. Bach liebten das Clavichord.

Ab dem Zeitpunkt (Anfang des 19. Jahrhunderten), wo die Menschen Lautstärke mochten und große Säle, wurde das Clavichord uninteressant. Auch die Klaviere wurden immer lauter. Heute ist es durch den Strom noch schlimmer.

Der zarte, berührende, beruhigende und intensive Klang eines Clavichords ist gesund für die Seele und für die Ohren. Besonders in unserer heutigen Welt.

Gerade weil es leise ist, liebe ich das Clavichord.

Ich habe heute ein Clavichord in Auftrag gegeben für mich und bin sehr froh und glücklich. Es wird bis Oktober 2021 fertig gebaut sein.

Ein zweimanualiges Clavichord mit eigenem, selbständigem Pedal, ungebunden, also bundfrei. Ein Pedalinstrument. Ich halte euch auf dem Laufenden. Ich möchte CDs auf Clavichord aufnehmen und Stücke für Clavichord schreiben. Es gibt auch hier kaum Frauen, die das tun. Dabei ist es so wunderbar geeignet.

Sehr empfehlen kann ich den Franzosen Mathieu Dupouy – er hat mit seiner CD Nächtliche Gedanken (Pensees nocturnes) dazu beigetragen, dass ich das Clavichord und sogar Carl Philipp Emanuel Bach sehr mag, den ich früher für etwas oberflächlich hielt im Vergleich zu seinem Vater.

Aber er ist einfach anders, er experimentiert mit dem Clavichord, ist also ein “verrücktes Huhn” wie ich (wie mir jemand heute sagte) – oder besser, ein verrückter Hahn, und einfach anders als J.S. Dupouy spielt wundervoll. Und virtuos. 

4. September 2020

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Leiden enden!

Tag und Nacht üben auch. Naja, mal sehen. Vielleicht wird das im Himmel so weitergehen. Die schönsten Instrumente stehen jedenfalls dort. Die motorische Facette der Orgel ist eine Welt für sich, jedoch ebenso eine eigene Welt ist die klangliche Facette der Stimmen und Farben (Registrierung) – und dann die dritte die räumliche, akustische. Alle drei bilden eine Einheit: Die Registrierung zu kennen, zu hören und sie auch motorisch korrekt umzusetzen. Das Basteln an der Registrierung macht eine Orgel plötzlich klein (im positiven Sinn von “to handle”). Es ist wie beim Dirigieren: Erst, wenn man die Partitur kennt und spielt (man entdeckt jeden Tag etwas Neues), kann man das Werk ruhig und sicher dirigieren. Man spielt Orchester, man dirigiert nicht nur. Man führt das Stück. Und so führe ich die Orgel, in dem ich all ihre Farben kenne. Dirigieren: Wenn ich die Partitur nicht wirklich kenne, ist es nicht möglich, allein aus dem Gehör heraus die Feinheiten zu kennen. Damit sind besonders Einsätze und rhythmische Finessen und Strukturen gemeint.

Das Interview gestern in Hope TV mit mir soll sehr schön gewesen sein, leider habe ich selbst es nicht gesehen, da ich an der Orgel war, aber ich freue mich auf den Link. Im November konzertiere ich in der Marktkirche Hannover.

3. September 2020

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Disposition, Unterwerk, Copula.

Grobgedackt, Koppeln, Spielhilfe.

Zeitz in Sachsen-Anhalt – wunderschön! Schloss Moritzburg und der wunderschöne Blüthner. Die Eule-Orgel in Zeitz (Dom) ist wunderschön. Sie hat auf der anderen Seite eine Zwillingsorgel, so wie Schütz es wollte. Sie sehen exakt gleich aus, mit Schnitzpalmen und Schnitzwerk überall und goldenen Kugeln. Die Attrappe-Zwillingsorgel ist nun innen eine digitale Roger-Orgel (deren Midis leider neu eingerichtet werden müssen). Die richtige Orgel ist rechts: Die wunderschöne, 2002 restaurierte Eule-Orgel mit zwei Manualen und einem straighten Pedal und wunderschönen Zungen. Sie wurde nun wieder zurück-restauriert, weil eine Säule einstürzte und die Orgel stark beschädigte. Dieser Schaden war ein Segen, denn so wurde sie in ihren ursprünglichen Zustand zurück-restauriert. Ganz früher waren beide Orgeln hinten, jedoch der eitle Herzog wollte einen direkt Zugang vom Schloss Moritzbau in die Kirche, die einst Schlosskirche hieß. Er saß mit seiner Familie in der warmen Lounge, während das Volk im Kalten stand im Gottesdienst. Zusätzlich hatte er überall sein Wappen und sein Initialen und Krone im Dom verewigt und den Bibelvers, dass man die Obrigkeit als von Gott ehren soll. Er ließ die Wand einreißen, die Türme mit den Glocken und die Orgeln vorne einbauen. Verrückt, dass die Kronen dieser Herrscher in unseren Zeiten nicht endlich entfernt werden. Manche Herrscher haben nicht verstanden, dass die Verantwortung zu herrschen mit Bedingungen und Charakter verbunden ist. Wird die Ehre vor und von Gott nicht eingehalten, ist der “Herrscher” zu entfernen: Siehe Saul. Siehe Luzifer.

Morgens übte ich an der Merseburger Orgel und nachmittags an der Eule- diesmal nicht in Naumburg, aber in Zeitz. Sie sind wie Feuer und Wasser, wie Tag und Nacht. Völlig verschieden: Die große, romantische, süffige Wunder-Ladegast und die kompakte, edle Eule-Orgel. Auch die Eule-Orgel in Naumburg gefiel mir sehr gut. Aber diese in Zeitz ist mindestens genauso schön; sicher ist die Akustik leichter zu “ertragen”. Allerdings liebe ich die Akustik in Merseburg. Nachts dort üben – herrlich. Aber nach zwei Uhr morgens höre ich Stimmen in den Pfeifen. Einbrecher unten. Dann weiß ich, dass ich aufhören muss.

Die Moritzburg mit ihren Museen und wunderschönen Inneneinrichtungen hat mir sehr gefallen, überhaupt die  Innenstadt von Zeitz. Was auch sehr schön ist: der wertvolle, hochverzierte, mit grünem Marmor bestückte Blüthner-Flügel im Tafelsaal in der Moritzburg, den zu spielen – ich spielte Chopin. Der Tafelsaal mit der herrlichen Decke und dem dunklen Boden – ich liebe Blüthner, den Flügel, das Schließen der Augen und die Klänge, die ich selbst produzieren kann ohne Laden und Maschinen und Knöpfe. Meine Ohren und meine Finger sind meine Registerknöpfe. Es ist mir immer noch unerklärlich, wie man als Organist denken kann, dass der Flügel weniger Klänge hätte als eine Orgel. Nun, da ich beides spielen kann, kann ich die Wahrheit nur wiederholen: Der Flügel hat genauso viele Klänge und Farben und Gesichter wie die große Ladegast in Merseburg.

Viele Wahrheiten habe ich schon vorher gewusst. Aber man glaubte mir nicht, “weil ich ja noch nicht soweit war”. Aber jetzt, wo ich soweit bin, sehe ich: Ich hatte schon zuvor Recht.

Wenn man dann nach Hause kommt, muss man sich doch erst wieder auf die im Vergleich kargen Übeinstrumente einstellen, die bis zuletzt von mir ausgeschöpft sind und nun an ihre Grenzen kommen. Bei manchen Instrumenten kann man eben einfach nicht besser registrieren als es ist, als das, was da ist.

Manche spielen Orgel so unendlich langsam, dass es fast eine Zumutung ist. Da werden Liszt und Beethoven im Schneckentempo gespielt. Übertragen am Flügel wäre das Musikschul-Niveau, 5. Preis Jugend musiziert Regionalwettbewerb. Für manche Organisten heißt Orgel spielen “langsam spielen” – weil sie nicht anders spielen können. Damit erniedrigen sie die Orgel.  Und diese verurteilen am meisten virtuose Spielende – und tun so, als sei alles andere als ihr langsames, langweiliges, unmusikalisches, abgesetztes, in jedem Takt registriertes Spiel kein “richtiges” Orgelspiel. An der Orgel lässt sich Musikschul-Niveau verstecken, denken sie. Und sitzen  im Dom!

2. September 2020

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Ich bin durch die Welt gegangen, und die Welt ist schön und groß, und doch ziehet mein Verlangen mich von der Erde los. (Edith Stein)

Ich freue mich, dass insgesamt sieben Werke bei Furore Verlag Kassel veröffentlicht werden, darunter auch mein erstes Streich-Trio und ein Klavier-Quintett.

1. September 2020

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If you think you are too small to make a difference, try sleeping with a mosquito. (Dalai Lama)

September! Es ist kalt. Vor drei Wochen war es noch sehr heiß. Der radikale Übergang von August nach September hat mich schon immer am meisten geschockt. 

Um den Nerv des Publikums zu treffen, muss man die Orgel unbedingt auch von unten kennenlernen. Denn der Raum, die Steine formen den Klang. Das gilt besonders für große Domorgeln. Wie gerade in Merseburg. Denn oben ist man in seiner eigenen Welt. Es kann nie zu laut sein. Aber unten: Wie stark eine Orgel ist, weiß man erst unten. Bei leisen und zärtlichen Klängen kann ich den Abstand gut einschätzen. Da bin ich mittlerweile wie eine erfahrene Bergsteigerin, die die Kluft abschätzen kann. Aber laute Klänge sind schwerer, an fremden Orgeln einzuschätzen. 

Gestern Abend saß ich dann in der Eingangstür des Instituts des Romanikzentrums, da das WLAN der Stadt nicht durch die Mauern dringt. Bis die Probe herum war und ich üben konnte. Leute, die vorbeikamen, sagten, ich sähe aus, als säße ich auf einem fliegenden Teppich, dem gerade der Sprit ausgegangen ist. 

Und da denken manche, Orgel und Klavier würden nicht zusammenpassen … Es ist für mich übrigens das größte Lob, wenn Kritiker und Feinde betonen, ich könne doch nicht über Politik nachdenken, denn ich sei “nur” Organistin, keine Politikerin … Diese wissen nicht mal, in welch kurzer Zeit ich Organistin geworden bin, die ich so selbstverständlich nun für sie bin … noch vor wenigen Jahren wusste ich nicht mal, dass ich das sein werde. Das zeigt mir deutlich, dass jeder Mensch das werden kann, was er von Herzen will, wenn er alles dran setzt. Und dass es wichtig, erstrebenswert und möglich ist, mehreres zu sein. 

Ich freue mich, dass meine erste CD mit mir als Sprecherin herausgekommen ist. “The happiest people on Earth”, von einem Amerikaner namens Demos Shakarian. Man hat mir immer wieder gesagt, ich hätte eine sehr schöne Sprechstimme. Ich setze das Cover des Hörbuches bald in den Shop.

Beim Registrieren stellte ich mir vor, ich sei Liszt und der Spieler Winterberger. 

31. August 2020

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Wenn Männer den gleichen Lohn bekommen wie Frauen, können wir richtig viel Geld sparen. (Brit Fougner)

Ich freue mich auf die Aufnahmen in Hannover Marktkirche und St. Augustinus. Und all die anderen Aufnahmen, Würzburg und Mönchengladbach.

Es war spannend, gestern Liszt Ad nos in Merseburg bei jemand anderem im Konzert zu registrieren. Ich habe sehr viel gelernt dadurch. Es wurde aus einer ungarischen Ausgabe gespielt mit viel extra Pedal (was eigentlich nicht nötig ist.)

Viele spielen sehr strukturiert und reserviert Orgel. Alles akkurat. Ich vermisse aber, dass man tief bewegt wird. Manchmal scheint etwas davon durch, was möglich ist. Der Glanz. Etwas Sonne. Aber das Akkurate reicht nicht aus, dass es hell wird. Gelernt habe ich vor allem aber, dass man spielend ganz ruhig atmet und jeweils mit den Registranten (wir waren zu zweit an der großen Orgel) zusammen atmet- also insgesamt zu dritt atmet. Ich habe gemerkt, dass man auch dann in einen richtigen Flow kommt und sich dem Stück neu nähert. Die Aufteilung der Farben – die technische Umsetzung: Aha, so macht das der…  Und dass man können muss, es allein zu regeln (mit Setzern) UND dass man können muss, mit anderen zusammen als Team zu spielen. (Am Schluss habe ich aus Versehen ein Sperrventil entfernt –        –   )

Was ich neu sehr gern mag ist Orgelmusik von Ritter, besonders die dritte Sonate (Liszt gewidmet und ein durchgehendes Werk). Ritter war auch in Merseburg. Na dann!

Mir ist wichtig, schon beim Üben zu empfinden. Hilfreich ist, sich aufzunehmen, vorzuspielen, hinterher Fehler sofort zu notieren, geistig erkennen, wo es noch fehlt, comprehenden…

Takte 141, 161, 165, 167, 168, 166, 167 … Nein, das ist nicht Lotto. Das ist Bach! Das, was ich noch besonders üben muss. Ratet, welches Stück.

30. August 2020

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Bei manchen Menschen merkt man recht schnell, ob sie ein böses Herz haben. Bei einigen Musikern ist es schwieriger. Ihr “Charme” macht es schwerer, das böse Herz zu sehen. Hat man es aber gesehen, ist es meist viel böser als offenkundig böse Herzen. (AHS)

Kompositionen Furore Verlag

Empfehlen kann ich den Film Beale Street. Und den Roman Der Dämon und Madame Prym. Paul schreibt hier sehr gute Sachen. Unter anderem schreibt er über den unnötigen Wettstreit im Leben.

Zehn Stunden üben. Alle 40 Minuten eine Viertelstunde Pause. Abends habe ich wieder meinen Spaziergang zum Stadtbücherschrank gemacht und laufe mit fetter Beute wieder zurück, und die Leute lächeln, weil ich ohne Tasche bin und in meinen Arm einen Berg von Büchern trage, während mir immer wieder eines herunterfällt. Ich lese schnell und sauge Geschichten und Wissen wie ein Schwamm auf. Leider habe ich festgestellt, dass selbst ich anfällig für dumme Serien bin – und das ohne Fernsehen, Netflix usw.  – einfach, weil ich aus Neugierde beispielsweise in eine GossipGirl-DVD-Reihe hineinspitze und dann die ganze Nacht wie in Trance eine komplette Staffel ansehe – mit der Meinung, einem Geheimnis auf der Spur zu sein… Dabei gibt es keines. Es ist nur recht schlau gemacht.

Ich bin fasziniert von der Springlade, seit ich in Stade war:

Eine „Doppelte Springlade“ eröffnet die Möglichkeit, die Springerliste mit den Ventilen heraus zu ziehen, ohne die Pfeifen der betreffenden Kanzelle (Kammer in der Windlade) von der Lade abzuräumen. Dies ist praktisch und bequem, denn sonst müssten die Pfeifen jedes Mal gestimmt werden und laufen Gefahr, durch Anfassen zu verbeulen. Die Pfeifen haben ihren eigenen Stock oberhalb dieser Schubladen, daher „Doppelte Springlade“, ein Begriff, der wohl erstmals 1738 von Biermann in seiner Hildesheimer Organographia erwähnt wurde.

Der Hauptvorteil einer Springlade ist die Sicherheit gegen sogenannte „Durchstecher“, wenn also Wind von einer Kanzelle in die Nachbarkanzelle schleicht, was bei einer Schleiflade bei Undichtigkeiten leicht der Fall sein kann, und die Orgel dadurch falsch klingt.

Spanne den Fächer der Begabungen. Man muss die Selbstüberwindung kennen, die es kostet, eine bereits errungene Geltung aufs Spiel zu setzen und noch mal von vorn zu beginnen. Denn es kommt nicht darauf an, oben zu bleiben, immer oben. (Edith Biewend)

Es macht mir Spaß, ohne Schuhe Orgel zu üben – wenn es nicht Romantik ist.

Ich habe meine erste Symphonie geschrieben.

Und ich freue mich auf meine Orgelaufnahmen in Hannover.

Ich habe nachgedacht, was die “typische” oder “natürliche” Weiblichkeit ist. Wenn man La Raffaella liest (Gespräch  über die feine Erziehung von Frauen), ist mein Erstaunen groß: “Bis heute” soll dies das typisch Weibliche bezeichnen? Das kann nicht sein. Es geht nur um das Süßsein…

Auf der einen Seite heisst Süßsein bei vielen Männern: Ich hätte gern Sex mit dir. Auf der anderen Seite bedeutet dies bei den gleichen Männern, Frauen beruflich unsichtbar, unsicher, abhängig oder lächerlich zu machen und von Informationen und Vorteilen fernzuhalten.

Leider: Frauen sind von klein auf trainiert darauf, süß, brav, gehorsam und niedlich zu sein. Dazu kommt, dass Frauen tatsächlich oft einfach süß sind, was völlig ok ist – jedoch nicht im Vergleich oder aus der Sicht von Männern, die das oft für sich ausnutzen und für das Absolute halten, zu dem sich alles andere bezieht.

Es liegt auf der Hand, eine solche Kultur zu kritisieren, die Frauen klein hält. Als ob mit dieser Kritik die wirkliche Weiblichkeit in Gefahr geraten würde! Eher die sogenannte “typische” Weiblichkeit, die Männer kreieren wollen. Und von dieser Kultur werden wir durch Werbung und Zeitungen mit genügend Informationen versorgt, wie wir weiblich und süß zu sein haben.

“Hässliche Mädchen müssen ganz besonders schlau sein. Und hübsche Mädchen müssen auch ganz besonders schlau sein.” (Anne Grosvold)

Ein Teufelskreis? Doppelt schlauer als Männer zu sein ist jedenfalls nicht schwer.