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Tur Blogg

28. August 2020

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Lighthouses don’t go running all over an island looking for boats to save; they just stand there shining. (Anne Lamot)

Es war sehr schön, gestern einmal ein anderer Pferd zu reiten als Gracey, nämlich den schönen, schnellen Haflinger Quebec.

In der Passacaglia liebe ich, dass man nicht von einer Variation in die nächste fällt, sondern gracefully, zärtlich übergeht.

Ich habe nun auch eine eigene Passacaglia geschrieben.

Liszt Ad nos sollte man nicht ohne Schuhe üben – ich habe das heute gemacht, barfuß, und mir wehgetan. Liszt nicht ohne Schuhe!

Was mir sowohl an der Lisztfuge als auch an der Passacagliafuge gefällt, dass beide so unterschiedlich und verschieden interpretiert werden können. In der Klavierwelt gab es meist nur eine, maximale zwei Möglichkeiten der Interpretation.

Die ersten Noten in Kassel Furore/Merseburger sind die neun Klavierwerke mit spirituellem Hintergrund – 14 Euro.

27. August 2020

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Die Orgel ist meine Maske. Ich atme durch sie. (AHS)

Woran erkennt man, dass jemand auch Pianistin ist? Wenn sie die Füße nicht hinter die Bankleiste quetscht, sondern vor sich aufstellt auch an der Orgel. Pianistin stellt Füße vor. 

Den eigenen Pfad, das eigene Image, den eigenen Weg zu gehen als Künstlerin ist nicht immer leicht.

Was mich sehr berührt hat: Meine Balkonpflanze hat ihre Fühler ausgestreckt von allein, sich anzulehnen, und um sich selbst zu stützen, sich zusammengerollt – niedlich.

Hetze hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten – und keine guten. Ruhe.

26. August 2020

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Freundschaft gehört zu den Dingen, die man als Dreingabe erhält, unentgeltlich. (Simone Weil)

Ich wünschte, Frauen wären bezüglich Freundschaften weniger romantisch und idealistisch, weniger picky, weniger anspruchsvoll, sondern würden stattdessen generell zusammenhalten. So wie Männer es tun. Doch sie tun es nicht. Im Gegenteil: Frauen sind oft der größte Feind von Frauen. Das ist jedoch schlimmer als immer nur nach wahren Freundschaften zu suchen. Es geht nicht immer um Leben, Freude, Lust, Leiden – sondern um das Ziel, zusammen zu stehen.

Da ist nun Liszt, dessen Musik von manchen als Zirkusmusik bezeichnet wird. Aber ich liebe ihn.

To rise – auch wenn alles zerbrechlich ist.

25. August 2020

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Ein Tag ohne Bach ist ein verlorener Tag. (AHS)

Es ist so eine Inspiration, die Partituren anderer Komponisten zu studieren, zu spielen, zu dirigieren, nicht nur wegen des Dirigierens, sondern wegen allem. Wegen der Musik. Symphonien. Orchesterwerke. Aber die Orgel hat mich gerade eingesogen mit all ihrer Kraft, dass ich kaum atmen kann, sondern nur noch durch die Orgel atme. Aber wenn ein neues Programm zwei Stunden lang ist, dauert das Durchspielen und tägliche Üben natürlich schier unendlich. Ich freue mich, dass ich immer mehr verstehe, wenn ich Zungen stimme oder einen Tremulant einstelle (wenn er zu schnell schwingt, ist er kaum noch wahrnehmbar) oder eine Orgel von innen betrachte, Stimmblender, Gleichrichter, Abdeckleisten… Aber ein Tanz, wie die Passacaglia, ihre Fuge, und die Fuge von Ad nos, wenn sich beide kreuzen, reizen… Merci für fast 11.500 Fans auf faci und alle Unterstützung als Künstlerin in dieser Welt.

24. August 2020

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Fernsehen durch die Geschlechterbrille betrachtet, ist komisch. (Wencke Mühleisen)

Gut, dass ich bewusst schon lange keinen Fernseher habe.

Ich habe mal getestet, welche der momentanen Werke meines Repertoires bei Laien besonders gut ankommen: Sieger: Mozart Andante KV 594 und Liszt Ad nos, gefolgt von Reincken und Bach. Verlierer: Messiaen. Kommentare zu Messiaen: “Das tut in den Ohren weh” und “Das klingt so bedrückend” (Himmelfahrt!!) und “Das klang ganz übel.” Das war das vierte von Messiaens Himmelfahrt.

Die meisten Menschen mögen glückliche, leichte Stücke.

Manchmal übe ich an Orgeln, bei denen der Schweller wie eine alte, rostige Gartenlaube klingt oder wie ein herausgezogener Backenzahn. Ich ertappe mich dabei, dass ich mich immer noch wundere, dass ein Ton an der Orgel unendlich hält- selbst die hässlichen.

23. August 2020

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Die Leute bezeichnen mich jedes Mal als “Feministin”, wenn ich Ansichten vertrete, die mich von einem Fußabtreter unterscheiden. (Rebecca West, 1913)

Die spannende Frage ist nicht, warum eine Frau “Feministin” ist (das Leben macht einen dazu), sondern eher, warum so viele Frauen es nicht sind. (Grethe Nestor) Ich weiß, warum: Frauen müssten dann ihr Leben ändern.

Dass Frauen oft die größten Feinde von Frauen sind, so schreiben auch Liza Marklund und Simone de Beauvoir.

22. August 2020

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Die Sonne, ein Gestirn, eine Diva, gebündelte Energie und brennende Quelle. Und wir leben in ihrem Lebenswinkel. Ich liebe sie. (AHS)

400 Quadrillionen Watt, unvorstellbar: Energieproduzentin. Lebenslicht, umfließend, Sonnengeflecht. Nicht ausbrennend bis zur Ewigkeit. Gott treibt sie an. Und unsere kleine Erde liegt im perfektesten Winkel der Sonne, im perfekten “Windschatten” des Lichtes, genau ausgerechnet:

Deswegen gibt es bei uns Leben und nirgends anders, denn kein Planet wird je diesen Lebenswinkel haben. Für mich ist die Sonne weiblich, ein weiblicher Himmelskörper, ein Feuerwerk. Die Sonne gebiert und ist Leben, wie die Frau. Und ich liebe ihr Feuer, ihre Kraft und ihr Geheimnis. Extrem, impulsiv, lodernd. Sonnenwinde, Sonnenflecken. Sie ist Saat und Dichte, ein zündender Stern. Mit unsichtbarem, ultraviolettem Licht. Sie ist mein Vorbild. Sie ist und formt ein Sonnensystem. Sie ist so schnell. Sie ist zart. Sie ist so anders als das kalte, kontrollierte System der Männer dieser Erde. Übrigens haben die Wiener Philharmoniker mit ihren 5 Prozent (!) Frauen eine Kleiderregel: Die Frauen müssen eine Hose tragen. Dass sie keine Krawatte tragen müssen, ist erstaunlich. Dabei reflektiert der Mond nur die Sonne. Der Mond ist trostlos, kalt und unfruchtbar. Die Oberfläche des Monds ist graues Gestein. Die Oberfläche der Sonne pure Energie. Nun, ich liebe Sonne und Mond. Vollmond spüre ich immer. Ich glaube, zwischen Frau und Mann herrscht oft Kalter Krieg – wie zwischen USA und Russland. Das Patriarchat ist einfach, grau und langweilig. Vielleicht müssen sich seine Prügelknaben deswegen immer über Leistung definieren. Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.

Auch das Orgelspiel soll für mich wie Sonne sein. Strahlend. Das erinnert mich an meinen Taufspruch. Dazu darf man nicht “registriergläubig” sein – denn jede Orgel ist anders.

21. August 2020

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Alles wankt, wo der Glaube fehlt. (Schiller)

Heute ist Lili Boulangers Geburtstag! Sie ist eine geniale Komponistin und ein Vorbild für mich. Das erste Mal habe ich ihre Musik in Karlsruhe gehört. Dann habe ich mir ein wenig in ihr Leben eingelesen. Ihre Psalmen sind viel ergreifender als Mahlers Musik. Man kann ihre Musik gar nicht in Worte fassen. Es ist sehr geheimnisvolle, tiefe, prophetische Musik. Es ist für mich immer noch erstaunlich, dass ihre Werke nicht auf allen Festivals andauernd gespielt werden so wie Beethoven und Mahler und Schönberg. Warum ihr Leben so kurz und tragisch war. Warum Menschen immer noch erstaunt sind, dass es geniale Frauen gibt. Als würde dies die Ordnung der Welt stören und in Frage stellen.

Ich glaube, männliche “Emotion” ist besser ertragbar als weibliche Emotion, weiblicher Schmerz und Genialität. Denn dieses sprudelt aus der Tiefe, beinahe erschreckend. Aus den tiefsten Tiefen. Ich liebe die Kombination Chor und Orchester, wie im 130. Psalm von Lili. Wann werde ich meine Symphonien schreiben?

Nach Bachs Passacaglia, dem symphonischen Schreittanz, höre ich Lili.

Die Orgel ist schon ein “verrücktes” Instrument.

Heute kam mein Vertrag vom Furore-Verlag Kassel (Merseburger/Pan) an, für fünfzehn Werke, freue mich und bin gespannt.

Freue mich auch auf die Konzerte in Bremerhaven, Kolbermoor, im Spessart Marktheidenfeld, Würzburg und Dresden.

Ich mag sehr gern Kleider an der Orgel tragen, warum immer lange Hosen und Lackschuhe? Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, dass die Orgel keine Männerdomäne mehr bleibt. Ich sehne mich nach einem deutlichen und bleibenden Umbruch. Ich finde, man hat es als deutsche Konzertorganistin in Deutschland nicht leicht. Da ist es leichter als Organistin aus dem Ausland. Dabei gibt es doch noch so wenige deutsche Konzertorganistinnen. Auf hundert Männer eine Frau. Aber ich merke immer deutlicher, dass die Frauen es einen nicht leichter machen als die Männer. Manche Frauen sind frauenfeindlicher als Männer. Das ist für mich ein Schock. Ich werde von manchen Männern vor Frauen verteidigt. Mein Herz schlägt dennoch für Frauen (denn Männer haben genug Lobby). Wie Moses Herz für das widerspenstige Volk.

20. August 2020

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Selbstvertrauen ist Vertrauen auf Gott. Er wird mich schon nicht stecken lassen. (Bettina v Arnim)

Mir fällt auf, dass Frauen so eine andere Sprache sprechen als Männer, dass diese oft leicht von Frauen irritiert sind. Daher arbeiten sie lieber mit Männern? Oder weil die Ehefrauen nicht wollen, dass Männer mit Frauen arbeiten? Jemand sagte mir, “eine berufliche Beziehung zwischen Mann und Frau sei intensiver als eine sexuelle.” Ich verstehe nicht, was das soll. Durch solche Aussagen werden Frauen oft von Männern und von Frauen angegriffen und behindert. An wen soll man sich als Frau dann noch wenden? Es gibt kein drittes Geschlecht. Aber es gibt Gott. Denn wenn dies tatsächlich gedacht wird, dass Frauen nicht intensiv mit Männern zusammenarbeiten dürften, dann sind auch Frauen daran beteiligt, andere Frauen beruflich nicht vorwärts zu bringen, weil sie “Angst um ihre Männer haben”. Zudem fiel mir folgendes auf: Frauen werden seit Jahrhunderten, in Filmen, von der Mutter, in Büchern etc. bis heute dazu erzogen, anderen Frauen zu misstrauen, sie nicht zu mögen und nur für Männer  da zu sein – für “den einen” – und der soll andere nicht anschauen, “denn die anderen Frauen sind dann schuld, wenn etwas ist” – etc. Dieses Denken kommt sicher von Männern und wurde den Frauen eingetrichtert, damit Frauen keine Freundschaft untereinander pflegen, nicht zusammen halten, sich gegenseitig misstrauen und damit dem autoritären Männer-Hype Auftrieb geben. Frauen müssten aufgeklärt werden, wie das wirklich läuft. Es ist für manche Männer sogar unheimlich, wenn Frauen lächeln. 

Gelesen habe ich zur Entspannung den Thriller Ein gutes Mädchen – allerdings kam mir die Geschichte halb geklaut  vor von einem Film, den ich im Flugzeug gesehen habe – eine schreckliche Geschichte. Empfehlen kann ich den Film 10 Days in A Madhouse – ich wünschte mir, ich wäre so mutig wie sie. 

19. August 2020

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Ich fürchte mich zu kennen und kann mich doch nicht ignorieren. (Voltaire)

Beim Registrieren werde ich immer perfektionistischer. Ich bin fast nie ganz zufrieden. Am nächsten Tag ändere ich einiges wieder um. An einem Tag ist mir vieles zu laut, am anderen zu leise. Aber es macht Spaß. Sehr gut schmeckt beim Üben Nachtisch-Tee von Tee-Fee. Sehr gefällt mir der Film Fräulein Smillas Gefühl für Schnee. Sie erinnert mich an mich. 

Es hat mir gefallen, wie Riccardo Muti, Joana Mallwitz, Gianluca Capuano und Kent dirigiert haben. Dagegen Barenboim hat mir nicht sehr gefallen, auch nicht sein Sohn, den er als Konzertmeister pusht, denn er wirkte genauso gelangweilt wie sein Vater. In Barenboims langer Vita und auch in der Vita seines homosexuellen Solisten waren nur Männer erwähnt. Auch das hat mich nachdenklich gemacht. 

Männer scheinen eine Dauereinrichtung in Festivals zu sein. Sie haben die Festivals gegründet. Aber sie haben auch Autos, Strassen, Asphalt und Hochhäuser gegründet. Es gibt nur diese eine Welt, keine zweite. Wenn Männer sich so weit ausbreiten und alles unter den Nagel reißen, wo sollen sich Frauen ausbreiten, wo Frauen etwas gründen? Und wie kaputt ist unsere Welt durch das viele “Gründen” der Männer? Gibt dieses massive Ausbreiten das Recht, Frauen zu unterdrücken? Das, was sie Frauen eintrichtern ist, dass sie folgsam und brav sein sollen. Das nennen sie “Respekt” ihnen gegenüber. Doch dieser “Respekt” wird Frauen in der Männerwelt zum Verhängnis.

Darin, Frauen ihren rechtmäßigen Platz (zurück) zu erobern, kann eine Frau leider nicht damit rechnen, von anderen Frauen Unterstützung zu bekommen. Die Abhängigkeit, die Angst, die Tradition der Rollenverteilung und die Sehnsucht nach Männern ist für die meisten Frauen Grund genug, nicht zu helfen, dass alle Frauen gleichberechtigt behandelt werden. Ich weiß, dass es früher sehr viel schlimmer gewesen sein muss. Doch das ist für mich kein Trost, im Gegenteil. Noch 1887 wurden Mädchen in Anstalten misshandelt und ermordet, wie in Blackwell’s Island, NY. Leider geschah dies mit Hilfe von Frauen, die wiederum meinten, durch das Zusammenhalten mit Männern das Wohlgefallen dieser und durch Strenge gegenüber Frauen sich selbst ein besseres Leben und Vorteile zu verschaffen. 

Ich sehe an weiblichen Vorbildern, dass man als Frau wohl einen extremen Weg gehen muss, um auf diese Missstände hinzuweisen und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Es ist schwer, mutige Frauen zu finden. Doch ich liebe es, wenn Frauen zusammenhalten. 

Ich hoffe, ich erlebe diesen Sommer keinen weiteren Machismo-Schock.