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Orgelspielen ist nicht Langsamspielen. Als Rennwagen muss ich jedoch das Tempo der Zärtlichkeit der Orgel gegenüber anpassen, denn das richtige Tempo ist Exzellenz. (AHS)

Ich freue mich, dass mich Joachim Schneider bat, in seinem Projekt mit zu komponieren.

Früher war es nun so, dass es ein Wagnis war, neue Werke dem Publikum vorzustellen. Denkt man heute, dass es anders wäre  – ist es nicht, denn die vorgefassten Meinungen sind heute nicht anders als früher, es gibt Intrigen gegen alles, was neu und anders ist, vor allem, wenn es nicht maskuline Philosophie ist, und althergebrachte Schulen, wie etwas zu sein hat.

Ich erinnere mich gern an das Hundertwasserhaus in Magdeburg.

Sehr empfehlen kann ich den wundervollen indisch-australischen Film LION. Besonders schön ist es, Filme im Originalton zu sehen. Wahre Geschichte.

Und ein kleiner Haar-Tipp: Die Haare am Ende immer kalt waschen bzw. ausspülen nach der Spülung: Kaltes Wasser verschließt das Haar wieder, das warmes Wasser und Shampoo sehr geöffnet haben.

9. November 2020

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Auch in der Offline-Welt sein, sich vernetzen. Präsent sein. Geschehen werden. Gesehen werden. Marke sein. Leben. (AHS)

Wenn ich von jemandem inspiriert bin in dem, was ich tue, dann von meinem Vater.

Auf facebook habe ich Videos von mir im Dom zu Fulda gepostet. In der Nacht vor dem Konzert habe ich einen Schuh verloren. Bzw. nur einen Schuh gefunden. Aschenputtel an der Orgel.

Anbei ein neuer Artikel über mich im Online Merker: Online Merker: Ann-Helena

Und unter “Aktuelles”. Danke, Anton Cupak!

Seitdem ich über Robert Schumanns Leben lese, werde ich wohl entscheiden, ihn nicht mehr zu spielen. Es ist für mich inakzeptabel, wie er Frauen behandelt hat. Ich möchte nur noch Komponisten spielen, hinter deren Leben ich (zumindest einigermaßen) stehen kann, auch moralisch. Das Leben ist zu kurz, die Musik von unmoralischen Menschen zu spielen.

Den Film IDA kann ich sehr empfehlen. Es geht um eine jüdische Familie. Sehr bewegend. Tolle Frauen. Und schöne Filmmusik. Wahre Geschichte.

Auch den Film TRACKS kann ich sehr empfehlen: Kameldame in Australien. Australien und Kamele sind so wunderschön. Tasmanien. Wahre Geschichte.

Marketing und Selbstdarstellung – komplexe Themen. Da sein. Präsent sein. Sich zurücknehmen. Wie soll das alles zusammengehen? Ja, das geht.

Natürlich kann man überlegen: Was ist ein “normales Frauenleben”? Wenn wir über das reden, was nun jeder denkt –  es ist schon etwas Nettes, ohne Ehrgeiz, ohne Konkurrenz… Aber dann denke ich an Clara Schumann…

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Und wieder ein neuer Artikel…

Heute wäre normalerweise wunderschönes Konzert in Hannover gewesen… Leute standen vor der Tür. Es gibt einen Ersatztermin.

Der Herbst. Knospen, Gnade, eine Gute-Nacht-Aufgabe.

Ich liebe den Film Das Schweigen der Lämmer. Was für eine Frau! Tolle Filmmusik. Ach, die alten Filme sind in vielem so viel besser als die neuen.

Ich möchte gern mit 100 Jahren noch Konzerte spielen.

Nach der schönen, großen, romantischen, pneumatischen Sauer-Orgel in Mönchengladbach ist die kleine, bezaubernde Ladegast-Orgel in Hohenmölsen eine völlig andere Welt. Diese weiße Ladegast-Orgel (meine sechste) mit ihren zwei Manualen und ihrem typisch wunderbarem Spieltisch (ähnlich Schwerin, Leipzig, Rudolstadt, Köthen, Merseburg) und ihrem rohen, wunderbaren Pedal ähnlich wie Alkmaar ist wie Vollkornbrot, wie dunkle Erde.

Als ich dort Bachs Passacaglia gespielt habe, merkte ich, dass die Orgel frisch und gesund ist. Die Sauer-Orgel von 1902 bog sich mir ganz anders entgegen.

Es gibt angeblich nicht viele Frauen, die jagen. Manche Männer meinen, Frauen hätten nicht die Veranlagung oder die Erlaubnis dazu. Oder sie lassen sie einfach nicht mitspielen. Viele Männer meinen, nur Männer dürften jagen. Ich persönlich aber mag es zu jagen. Warum sollten Frauen immer die Gejagten oder Beute sein? Ich bin Jägerin.

Anbei der Mozart in Stade: Es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich liebe diese Orgel! Vielen Dank an Martin und Michael!

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7. November 2020

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Kreativität ist mein Lebenselixier. (AHS)

Schade, dass ich heute in Hannover nicht konzertieren kann wegen der Pandemie. Nicht jedes Konzert kann als musikalische Andacht umgetauft werden.

Ich freue mich, dass die Anthologie des Ulrich Grasnick-Lyrikpreises heute angekommen ist, mit Belegexemplare für mich.

Das Symposium, wie man Musik älteren Leuten anbietet, Pflicht im Rahmen der Promotion, ins Innsbruck via Webex war und ist interessant. Weiter hatte ich sehr wichtige Zoom-Meetings.

Eingekehrt bist du bei mir,
du  Zuversichtler, du Fernegott.
Doch nah bist du und täglich hier,
für immer und nimmer nie fort. (AHS)

Heiliger Geist von Bach, ich liebe die Absprache, die Stimmkreuzungen. Ich bewundere Pieters ruhige, konzentrierte Art. Er hat mit den besten Weg gefunden, mit dieser Welt und mit Musik umzugehen. Ich suche noch.

Anbei:

Management Böttger / AHS

Mag sein, dass mein Blog vielen zu direkt ist. Aber ich bin offen, ehrlich und mutig und berichte mit meinem Namen und nie hintenrum. Ich halte es für wichtig, der Welt meine Version der Geschichte zu erzählen. Nicht, weil ich keine Fehler habe. Ich mache jeden Tag Fehler. Doch viel zu oft wird diese Welt aus Männersicht festgehalten. Ich hoffe, dass mein Blog eines Tages eine Hilfe ist, zu verstehen. Und um Fakten festzuhalten. Hierfür habe ich eine gute Beobachtungsgabe, schriftstellerisches Talent, Mut und Energie geschenkt bekommen. Warum nicht nutzen für diesen guten Zweck? Ich glaube, die meisten Künstler sind ein Stück weit selbstverliebt, um sich selbst bei der Stange zu halten und sich selbst zu ermutigen. Es ist eine Art Selbstschutz, die Berufung zu schützen, wie einen Spatz in der Hand oder in einer Futterkrippe. Schämen sollten sich Kunstbanausen, die keine Liebe zur Musik haben.

Hier wurde mir gerade einer der Berichte über folgende Altherren zugemailt: Mobbing im Orgelforum. Was mich stutzig macht: Es tummeln sich auch Menschen wie Küchler-Blessing schon lange in diesem Forum (Forum siehe obiger Link), in dem, wie einige hoffen, unerkannt über andere hergezogen werden kann. „Kirchenmusiker“ sind hier dabei, die anonyme Kommentare schreiben, anstatt direkt und mutig wie ich zu sagen, was sie meinen und was ihnen nicht passt. Kein Aushängeschild für die Kirche, der Kirche unwürdig, so ein Forum und so ein Verhalten. Eine Männertruppe, einige bekennend homosexuell oder bisexuell, viele Hilfsorganisten, die mehr Zeit für mich verwenden als meine Fans. Haß-Fans. Ich habe nichts gegen homosexuelle Menschen. Das Forum ist ein Ann-Helena-Läster- Forum geworden. Viele darin kommen mir psychisch labil oder krank vor. Vielleicht fühlen sie sich unterdrückt in anderen Lebensbereichen. Damit meine ich nicht, dass es falsch wäre, manchmal labil zu sein, das ist jeder von Zeit zu Zeit. Sondern ich meine einen ungefestigten Charakter, Menschen, die in ihrem Vorgehen primitiv sind.

Es sind Leute dabei, die bei einer Bank arbeiten oder in einem Seniorenheim oder Krankenhaus oder Anwaltsbüro oder sonst wo und die sich überhaupt nicht vorstellen können, wie es ist, von der Kunst zu leben. Die so weit entfernt davon sind, von der Musik zu leben wie der Mond von der Sonne. Denn von Musik zu leben ist nicht leicht. Anstatt sich über jeden zu freuen, der von der Kunst lebt und das zu unterstützen, jeden Künstler im eigenen Land, denn welche Frau lebt schon von der Kunst, schäumen sie vor Gift und Galle, um am nächsten Tag wieder bequem und sicher hinter ihrem Bankschalter oder im gutbürgerlichen Anwaltssessel 9-5 zu sitzen. Oder in ihrem Kirchenbüro. 

Heute war ich beim Friseur.
Wien wurde leider auf den 23.4.21 verlegt.
Noch immer ersticke ich unter der Maske. Wie schaffen das die anderen? Ich glaube, extrovertierte Vielatmer wie ich schaffen das kaum mit der Maske und leiden. Atem ist so wichtig. 

Je größer die Orgel, desto zärtlicher muss man sie spielen. (AHS) #afterconcert

Und dabei meinen manche, es wäre genau anders herum. Dass man schlagen müsse. Dass zur großen Orgel Mut gehöre. Aber ich glaube, dass Mut und Zärtlichkeit zusammengehören. Oder besser: Lieblichkeit und Sound. Und die Zärtlichkeit ist im Anschlag. Im Atem.

8fuss.de Orgel-Podcast mit Ann-Helena Schlüter  – das Rennauto in der Fabrik 🙂

Wichtig finde ich, eine Liebesbeziehung zu einem Stück zu haben, nicht nur eine Arbeitsbeziehung. Oder sagen wir so, eine Liebesbeziehung zum Komponisten. Zu Bach. Ich kann sagen, dass ich glaube, dass Bach mich gemocht hätte. Wenn ich ein neues Werk von ihm spiele, ist es wieder wie ein neues Date mit ihm.

Die Arbeitsbeziehung darf die Liebesbeziehung nicht erdrücken.

Orgelspielen ist nicht Langsamspielen. Als Rennwagen muss ich jedoch das Tempo der Zärtlichkeit der Orgel gegenüber anpassen, denn das richtige Tempo ist Exzellenz. Die Lieblichkeit federt das Tempo ab.

youtube Ann-Helena

4. November 2020

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Die einzig wahre Traurigkeit ist das Fehlen der Sehnsucht. (Charles-Ferdinand Ramuz)

Das Interview im Orgelpodcast war sehr schön, sehr lustig mit Benjamin Hartwich. Zwischendurch habe ich mich kaputtgelacht.

Ich bin dankbar, dass Gott mir kurz vor dem erneuten Lockdown sehr viel Möglichkeiten gab, zu konzertieren und aufzunehmen. Ich hatte am Tag vor dem erneuten Lockdown sogar mal wieder zwei Konzerte an einem Tag, und davor die tollsten, verschiedensten Orgeln in kurzer Zeit mit wunderbaren Aufnahmen. Es war zwar etwas Stress. Aber mit dem Wissen, dass dann wieder Berufsverbot eintrudelt, habe ich den gern in Kauf genommen. Man lernt die wunderbarsten Menschen und Gegenden beim Reisen und Konzertieren kennen, erlebt Bewunderung und Berufung. Dafür bin ich dankbar. Jetzt im November ist fast alles abgesagt worden. Schade. Es waren tolle Sachen dabei. Was nun im Dezember ist, weiß ich nicht. Aber sicher ist es auch mal gut, etwas zur Ruhe zu kommen und neues, wichtiges Repertoire in ganzer Ruhe einzustudieren.

Ich hoffe, dass es klappt, dass der Literaturwettbewerb in Österreich stattfinden kann, bei Wien. Hier sollen die Finalisten vorlesen wegen Preisen. Die Podcasts, Zooms und Interviews finden ja dennoch weiter statt.

Anbei ein weiteres Interview mit mir:

BOEGAZIN 2020 Interview

Diesen Tag möchte ich Silvia Seidel widmen, die sich das Leben nahm. Eine wunderschöne Frau, die mit dieser Welt nicht klar kam, was sie sehr sympathisch macht – jedoch wäre es noch wichtiger gewesen, sie wäre geblieben.

Konzert Wilhelmshaven

Liszt Ad nos – zwei Fassungen: Goll-Orgel 2020 und Sauer-Orgel 2020:

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Anbei zwei unterschiedliche Liszt-Fassungen:

Hannover und Mönchengladbach

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Liszt Ad nos

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Liszt B-A-C-H

2. November 2020

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Das Pedal ist der Dirigent. (AHS)

Die Villa Lug ins Land von 1904 hier in Wilhelmshaven mit 450 Quadratmetern und einem sehr schönen Garten, vielen Balkons und einem Teehaus, in dem wir frühstückten, veranstaltet das Klavierfest jedes Jahr. Das Meer ist nur eine Viertelstunde von hier, Jadebusen: Nordsee, mit Ebbe und Flut. Wir waren hier ein wenig spazieren in Sonne und Wind. Nur hier in Wilhelmshaven gibt es einen sogenannten Südstrand an der Nordsee. Hinter dem Jadebusen kommen die Inseln. Ich liebe die Inseln an der Nordsee und kenne viele gut, besonders Langeoog. Nach dem Konzert gestern kam eine Dame und flüsterte mir ins Ohr: Gott schütze Sie, und drückte mir einen kleinen Engel aus Marmor in die Hand und verschwand.

Vor allem meine eigenen Werke kamen sehr gut an. Ich finde, meine Art zu komponieren und zu improvisieren hat sich durch die Orgel verändert, mein gesamtes Klavierspiel hat von der Orgel profitiert. Ich bin ruhiger, tiefer, habe das Pedal – das Orgel-Pedal – im Herzen, während ich am Klavier konzertiere. Etwas nie vorher dagewesenes für mich! Es ist eine Revolution, diese Veränderung durch die Orgel zu spüren. Besonders nachhaltig nach den vielen Orgelkonzerten.

Ich habe auch das Haus des ehemaligen Orgelbaus Führer gesehen hier in Wilhelmshaven. Was für wundervolle Orgeln haben diese gemacht! Und nun? Sind sie verschwunden? Dass einer der Verantwortlichen seinem Leben eine neue Wende gab, indem er die Familie für eine andere Frau verließ, war eventuell nicht unbedingt hilfreich für den Fortbestand von Orgelbau Führer. Schade!

Wundervoll war gestern die Clewing Orgel (1898) in Hünhan in Osthessen. Ich bin um sieben Uhr aufgestanden, in meiner kleinen Kammer im Priesterseminar (ein wunderschönes Riesen-Gebäude mit wunderbaren Sälen und Öfen) nach der Nacht an der Dom-Orgel, um diese Orgelschätze in Hessen bewundern zu können. Eine hochromantische Orgel, die mich an die Walcker-Orgel in Hoffenheim erinnerte, auch optisch. Die kleine Kirche ist ein kleines Wunderwerk, die mich wiederum als eine Art Miniformat des Doms zu Kevelaer erinnert hat, ein warm-bunter Nazarener-Stil (wie Jugendstil), wie in einer Weihnachtskugel. Wer kennt Clewing-Orgeln? Ein Genie. Wer kennt diese Kirche? Ein Schmuckstück. Ein lokales Kunstwerk in jeder Hinsicht, kaum beachtet, kaum bekannt. Ich hoffe, dass ich zur Bekanntheit dieser wundervollen Orgel mit beitragen kann und bin dankbar, dass Thorsten Pirkl solche Orgeln vorstellt und dokumentiert.

Fraurombach sehen wir uns noch an. Sehr schön sind auch die Kreienbrink Orgel (1965), neobarock, in Steinbach und die wunderschöne, romantische Euler-Orgel (1888) in Burghaun. Ich freue mich auf meine Konzerte dort im März. Die Orgelbank an dieser Euler-Orgel wackelt und steht senkrecht dicht an der Orgelwand, so dass man fürchterlich unbequem sitzt. Für große Männer ist es noch schlimmer, da sie mit dem Kopf gegen die Wandbrüstung kommen. Das wenigstens war bei mir nicht der Fall. Dennoch schaukelt die Bank beim Pedalspiel bedenklich. Doch sind die bunten Registerzüge (an Walcker erinnernd) ein Augenschmaus.

Achtung: Wenn jemand eine Fetzen Signier bestellt, dann sage ich: Nur, wenn eine CD mit bestellt wird.

Nun zu etwas anderem: Noch vor wenigen Jahren war sexueller Übergriff nicht mal eine eigenständige Straftat, und auch heute, nach me too, werden viele Fälle eingestellt, wie ich las. Das Rechtssystem ist nach wie vor ein Männer-“Recht”-System.

Dabei würde ich sagen, es sollte noch eine andere Sache eine Straftat werden: Es gibt emotional-sexuelle Übergriffe, das heißt, verbale und auch berufliche Übergriffe, die vor allem sexuell motiviert sind, also nicht mal “nur” sexistisch, sondern sexuell. Das heißt, manche Männer schreiben, reden, reagieren und agieren auf und mit Frauen auf eine sexuell motiviert Weise, wie sie nie mit anderen Männern reden, agieren und schreiben würden. Und zwar auf eine negativ-sexuelle Weise, vor allem, wenn die jeweilige Frau für sie nicht verfügbar ist, dennoch interessant ist, oder sie gegen ihren Willen fasziniert und vor allem, wenn sie sich unterlegen fühlen, was Wut oder Frust oder Unsicherheit auslöst, oder wenn ein Mann gewisse sexuelle Gefühle nicht kontrollieren kann. Diese emotional-sexuelle Übergriffigkeit, die dann folgt, kann für Frauen negative Folgen haben, auch in der Kommunikation.

Und dennoch ist me too für manche Männer noch immer mit Spott-Gefühlen verbunden. Ich betone hier, dass es leider auch Frauen gibt, die andere Frauen nicht unterstützen.

Ich muss sagen, dass sehr viele Unterstützer in meinem Leben Männer sind. Das heißt, es sind auf der einen Seite Männer, die mich unterstützen, und auf der anderen Seite Männer, die mir schaden wollen. Es ist für mich nicht leicht, das zu verarbeiten. Viele Frauen dagegen hängen sich gern in den Windschatten von Männern; daher ist auf ihre Unterstützung wenig zu hoffen. Man muss als Frau eine weiblich-eigene Unabhängigkeit selbst 2020 noch erkämpfen.

Ich kann allerdings verstehen, dass es vielen Männern schwer fällt, meinen Lebenslauf nachzuvollziehen, weil er sehr ungewöhnlich ist.

Erstes Stade-Video:

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1. November 2020

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Musik ist Leben und nicht Überleben. Kein Formel 1. Ich liebe das sprechende Spiel. (AHS)

Das Konzert in Fulda war sehr schön. Thorsten hat geblättert. Eigentlich müsste der Organist immer klein auf dem Plakat stehen und unten drunter groß: Es blätterte …

Mit dieser romantischen (universalen) Domorgel haben wir eine wundervolle Fusion von 20. und 21. Jahrhundert. Der warme Sauer-Klang (wie das klingt) und der kühlere, elegante Rieger-Sound treffen sich wundervoll in der Mitte. Die erhaltenen Sauer-Pfeifen, süffig romantisch, mischen sich mit den delikat-reservierten Rieger-Pfeifen. Schön! Es war dennoch ein wenig ein Schock, von einem Tag auf den anderen von der mitteltönigen Huß-Schnitger-Orgel zur viermanualigen Domorgel Fulda zu wechseln, noch dazu, weil es dunkel war. Die herzliche, warme, helle Atmosphäre in Stade und auch in Buxtehude tauschte ich gegen eine kühl wirkende, mächtige Domorgel. Hier oben ist es genauso eng wie in Stade, fast noch enger – da ein großes Verschnörksel direkt über dem Kopf hängt und den Blick zum Prospekt versperrt.

Diese Orgel ist eine Festung. Sie ist keine Rolex-Uhr wie in Buxtehude. Sie ist eine Stadt auf einem Berg. Auf einem weißen Berg. Angestrahlt. Rückpositiv. Goldsilberbraun. Sie hat die Form eines Spiegels, wirkt etwas kühl, distanziert, man muss sie anders erobern. Sie ist an sich nicht schwer zu spielen, und auch übersichtlich, mit einem leicht gehenden Pedal. Dennoch: Sie zu erwärmen braucht eine Weile. Diese Orgel ist definitiv weiblich. Es ist mir mit Piece d’Orgue gelungen. Die offenen 32-Fuß-Pfeifen taten ihre Wirkung. Der Klang ist so mächtig, dass der Boden des Gangs zu beben scheint.
Es hat mir sehr geholfen, die Kirche wieder und erneut im Tageslicht zu inspizieren, die Gruft, die Gräber, Altar, den Schwurkreis, die Kuppel darüber. Sie ist doch freundlich und hell, wirkte nur nachts kalt und stumm. Wenn ich den Raum erkunde, erkunde ich die Orgel mit. Ich freunde mich mit dem Raum an, dem Resonanzraum der Orgel. Ich muss mit diesem ebenso verschmelzen. Ich kann nicht nur da oben auf der Festung sein. Ich muss nach unten, ins Tal.

Nach dem Konzert hat man keine Möglichkeit, den langen Gang nach unten zu laufen im Applaus. Man muss sich oben an der Brüstung verbeugen.

Ich versuche schon immer während des Spiels, mit dem ewig weit entfernten Publikum zu connecten, über Geist und Emotion, wie ich es von den Klavierabenden kenne. Wenn ich an der Brüstung stehe, winke ich hinunter. Jemand sagte mir, ich solle doch wie die Queen meine Hand bewegen, die Handfläche nach innen. 

Bei meinem eigenen Stück habe ich das zweite Glockenspiel verwendet. Es kam mir plötzlich vor, als würde ich einen Totentanz spielen. Ich liebe Spaltklänge und Vier-Zwei- und Einfüße im Pedal. Presse war auch da. 

Passacaglia, Scheidemann, Piece. In der Fuge der Passacaglia hatte sich meine Registrierung in Luft aufgelöst. Wenn ein Klang nicht mehr so ist wie ich ihn will, bin ich wie unter Schock, gelähmt, irritiert. Ich spiele weiter, hilflos, anstatt dem Registranten sofort einen Hinweis zu geben. Ich denke noch wie am Klavier, es wird sich geben, ich kann es mit meinem Anschlag ändern. Aber das ist nicht so. Ein Hintersatz im Pedal lässt sich nicht wegspielen, man muss ihn wegziehen. Wegdrücken. Dass ich auditiv so sensibel bin, ist nicht verkehrt, ist gut. Aber ich muss lernen, sofort zu handeln. Ich habe die Verantwortung, der Registrant ist nicht mein Coach. Ich muss schneller erkennen: Was ist es, wie ändere ich es. Weiterspielen ist nicht die Lösung. 

Anschließend musste ich direkt zum ICE gebracht werden, denn ich wurde um 16 Uhr in Bremen von den nächsten Veranstaltern abgeholt, dann fuhren wir nach Wilhelmshaven. Dort war schon 18 Uhr der Klavierabend, Beethoven, Chopin, Bach, Schlüter  – ein weißer Gotrian Steinweg, 44 Jahre alt, wieder eine ganz andere Welt als die Domorgel Fulda. Im Grunde bin ich vom Süden in den Norden, wieder in den Süden, wieder in den Norden… die letzte Tage. Das Publikum von Klavierabenden ist ein ganz anderes als in Orgelkonzerten, herzlich, anbetend, nah, intim, sie starren auf mein Gesicht, sie beginnen eine Freundschaft mit mir, noch während des Spiels. Sie sehen mich. Das ist der Punkt. Sie sind nicht weit entfernt und bleiben daher nicht kühl. Sie sind meistens noch mehr begeistert von meiner Persönlichkeit als von meinem Spiel und nennen mich Martha Argerich, ein Vorbild. Mir tut das Klavierspielen gut. Als wir in der Villa ankamen, hatte ich nur noch 20 Minuten Zeit zum Einspielen.

Anschließend waren wir am Hafen essen. Die Luft hier ist schön, ich rieche die Gischt in der Luft.

Thorsten hat mir phantastische Orgeln heute morgen ab 7 Uhr gezeigt, daher habe ich nur wenig geschlafen, fast nichts. Von diesen wunderbaren lokalen Orgeln in Osthessen berichte ich morgen.

ps:

Manche der anonymen Kommentare auf meiner Seite sind so abstrus Macho, dass ich lachen muss. Sie erheitern mich. Ich bekomme manchmal einen Lachkrampf, wenn ich sie lese. Manche können nicht richtig rechtschreiben. Eigentlich fast keiner der anonymen Kommentar-Schreiber war irgendwie ganz richtig in Rechtschreibung und Grammatik. Bitte, schreibt mir doch mit richtiger Komma-Setzung. Ich reagiere allergisch auf schlechte Grammatik. Danke.