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Ann-Helena Schlüter

24. Mai 2026: Gesegnete Pfingsten!

Foto: Steinmeyer Orgel Darmstadt Johanneskirche Konzert 2026

Große symphonische historische Steinmeyer Orgel op. 1831 von 1959, ev. Johanneskirche Darmstadt, 3 M, 45 R, Denkmal-Orgel, elektropneumatische Taschenladen, Walze, Schweller, großes Rückpositiv

Das mächtige, wellenförmige Nacktpfeifen-Instrument steht auf der breiten Westempore in der hellen großen Kirche.

Mein Konzert gestern hier in Darmstadt war sehr schön. Ich habe alles autark gemacht, geblättert, registriert, manuell. Die Setzeranlage kommt 2028, da die Orgel bald von Orgelbau Fleiter saniert, erweitert und mit einem neuen Spieltisch versehen wird, evtl. auch unten mit einem mobilen. Ich freue mich, noch auf dem alten, rechts freistehenden weißen Denkmal-Cockpit-Spieltisch konzertiert zu haben.

Die nackten Pfeifen sind so schwer auf dem roten Sockel, dass sich dieser beinahe neigt.

Besonders gefallen mir die beiden Tremulanten, einer im SW oben und einer im Rückpositiv unten, der einem Kino-Synthesizer-Tremulant gleicht, da sehr schnell. Der im SW ist sehr langsam und zart. Jemand fragte mich nach dem Konzert, ob ich einen Synthesizer zusätzlich benutzt hätte, denn vor allem mit dem Krummhorn klingt der Tremulant wundervoll heftig.

Genial ist auch die Trompete, die ich solo zu Pfingsten in Scheidemanns „Komm, Heiliger Geist“ verwendet habe. Manche dachten, ich hätte einen realen Trompeter dabei. Der Choral klingt wunderbar nach Renaissance.

Alle Zungen waren top gestimmt von Ben und seinem Vater. Das Pedal ist intensiv bestückt. Ich ging richtig auf in der Fuge BWV 542. Mit dieser Orgel macht es Spaß, alles richtig aufzubrezeln. Allerdings schätze ich auch hier die zarten Flötenuhr-Klänge. Überall gab es singende 4- und 8-Füße.

Die Orgel hat sowohl romantische (französische) als auch neobarocke Facetten. Das ist schön bei Steinmeyer-Orgeln. Man weiß, was man bekommt. Sie haben einen stabilen Typus.

Die Bank stand auf Holzbrettern; was ich spät „registrierte“; beim Versuch, diese zu verschieben, stand die Bank kurzzeitig schief, während ich spielte. Ich hatte den Eindruck, das Pedal schien dadurch schief.

Ich wurde mit einem Beamer nach unten gebeamt. Vorher waren wir lecker beim Italiener, ich bekam danach Wein und Erdbeeren. Nun bin ich unterwegs zum nächsten Konzert in Olpe.

Ich habe schon viele Steinmeyer Orgeln gespielt, aber diese hat mir mit am besten gefallen.


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23. Mai 2026

Foto: Dauphin Orgel ev. Kirche Spachbrücken Hessen

Ich bin im schönen Hessen angekommen. Vor meinem Konzert in Darmstadt heute haben wir gestern eine Orgel-Tour mit 7 Orgeln gemacht. Anbei Number One:

Helle kleine Dauphin II Orgel Kirche Spachbrücken Reinheim Hessen, Odenwald, 1 M, 9 R, Altar-Orgel, Barock-Orgel

Die schöne, schlichte weiße Saalkirche ohne Turm, innen in helles Türkis mit Rosa getaucht. mit einem 3/8 Chorschluss und flacher Decke, besitzt auf drei Seiten umlaufende Emporen. Diese liegen auf runden Holzsäulen, die auf der Westseite bis zur Decke durchgehen und das Dach tragen.

Die kleine Kirche im schönen Friedhof gehört in den Landkreis Darmstadt-Dieburg Hessen / Nassau.

Die barocken Ausmalungen vorne im Chor sind bei der letzten Renovierung 1971 freigelegt worden. Die Kirche in Georgenhausen ist nach ihrem Vorbild entstanden.

Die rosagoldene kleine Orgel ist eine Altar-Orgel und reicht bis unter die Decke. Eine steile Treppe hinter der Kanzel führt zu ihr empor. Sie besitzt noch die originale Windanlage direkt nebenan, mit den historischen Rädern, dem Seilzug und der Ablage für die Füße. Der große grüne Kasten erinnert mich an ein Folterinstrument oder an einen alten Waggon mit Kohlekästen.

Nach Dispositionsänderungen 1839 wurde sie 1973 von  Andreas M. Ott restauriert.

Erst im 20. Jahrhundert bekam sie einen Motor.

Die Orgel wird nun von F&N betreut. Da die Kirche eine trockene Akustik hat, klingt die kleine wertvolle Barockorgel sehr direkt.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz:

Man merkt, dass Spachbrücken früher ein eigenständiges Dorf war, nun ein Stadtteil von Reinheim. In Reinheim und Darmstadt habe ich schon gespielt. Im wunderschönen Odenwald mit seinen Burgen fügt sich dieser malerische Ort ein. Hoch die steile Treppe hinter den Altar und man sitzt auf der engen Empore mit dem knarzenden Holz an der Orgel.
Einige Register wie die Quinte und die Mixtur wurden mit Pflastern namens „schrill“ überklebt.

Das mechanische Instrument hat einen sehr schönen Gedackt 8, der Prinzipal-Ersatz, helle Aliquoten und zwei Pedal-Register. Der Klang geht direkt in die Holzkirche wie ein Schwert. Ein paar mehr 8-Füße wären schön.

Es war sehr schön, hier zu spielen. Die Orgellandschaft in Hessen ist super. Es ist meine erste Dauphin-Orgel.

Wir gingen spazieren im grünen Odenwald bei der Ruine Rodenstein und der Burg Reichenbach, Schloss Reichenberg, und man sah oben den angrenzenden Taunus, Frankfurt und sogar die Grenze zu sweet Bayern.
Wir hatten die Dackelwelpin Emi dabei. Alles roch nach Mai.


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22. Mai 2026

Foto: Orgel Kloster Ravengiersburg Hunsrück

Ich bin unterwegs zum nächsten Konzert. Gestern hatte ich ein Interview mit Daniela-Marlin Jakobi, eine sehr mutige Dame.

ps: Das Amt für Kirchenmusik Bistum Trier / Thomas Sorger weigert sich, Auskunft darüber zu geben, wieviel Prozent Frauen hauptberuflich angestellt sind – mit der Begründung, dies fiele unter Datenschutz – während andere Bistums-Statistiken gerne preisgegeben werden.
Länder, die Frauen unterdrücken, sind dem Untergang geweiht. Genauso auch Institutionen.


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21. Mai 2026

Ich freue mich auf die Konzerte am WE. Das Konzert in Großkmehlen fällt leider aus, obwohl sich schon viele darauf gefreut haben. Der Grund ist, dass es ein paar Testosteron nicht gefallen hat, dass eine Konzertorganistin dort spielt. Ursula Wegmann, die mit mir das Konzert geplant hat, ist sofort eingeknickt. Bisher haben hier fast nur Männer gespielt. Die Gottfried-Silbermann-Gesellschaft ist ja bewusst ein Männer-Klüngel-Verein.

Ursula Wegmann sagte, sie habe es falsch organisiert, habe aber auch kein Geld, mir den Ausfall zu bezahlen oder für ihren Fehler geradezustehen, sie sei ja so arm und klein. Wir wissen ja, wie wenig Geld Pfarrerinnen als Gehalt beziehen. Als Krönung behauptete sie noch, sie würde „für die Musik leben“.

Ich glaube, viele Leute schreiben so einen Satz dahin, ohne zu wissen, was er bedeutet. Für die Musik zu leben, bedeutet, alles dafür zu geben, jeden Tag, jede Stunde, seit Kindheit. Aber die meisten Menschen lieben Geld, Sicherheit und Kontrolle wesentlich mehr als Musik. Da dies aber nicht sehr sinnlich klingt, meinen auch diese, für etwas Höheres oder Sinnlicheres oder gar für die Musik oder Gott zu leben. Was total kalter Kaffee ist. Sobald es unbequem wird, ist Musik für sie zweitrangig. Und Gott erst recht.

Es klingt zwar gut und ist leicht daher gesagt, dass man Musik liebt oder dafür lebt. Aber die Opfer, die man bringen müsste, sind für die meisten eine Zumutung.

Musik als Hobby zu haben oder nebenberuflich Orgel zu spielen oder gern Musik hören ist nicht, für die Musik zu leben. Schon gar nicht ist es das, wenn man denen, die dafür und davon leben, das Leben schwer macht. Das Gegenteil von musikalisch ist nicht unmusikalisch, sondern feige. Und meistens auch faul.


Groß aufgefaltete Orgel Hunsrücker Dom Kloster Ravengiersburg, Hunsrück, 2 M, 19 R

Die ehemalig romanische Stiftskirche St. Christophorus („Hunsrückdom“) geht auf eine Gründung des 11. Jahrhunderts zurück. Sie ist hoch erhoben auf Schieferfelsen über dem kleinen Dorf im zentralen Hunsrück, riesig für den kleinen Ort, und mit seinen Türmen eindrucksvoll. Hier stand früher mal eine Burg.

Das weiße Klostergebäude davor wurde nun für ein Altersheim verpachtet, da die letzten beiden (indischen) Brüder ausziehen mussten. Das Bistum Trier ist leider auch noch nicht aus den Pantoffeln gekommen, die Orgel zu restaurieren oder zu sanieren – was mehr als dringend erforderlich ist. Es wird aber recht teuer werden.

Alle Epochen der Baugeschichte von der Romanik über die Gotik und den Barock bis in die Moderne haben an den Gebäuden Spuren hinterlassen.

In der Reformation wurde das Kloster 1566 aufgegeben, doch während des Dreißigjährigen Krieges wieder mit Augustinern besetzt. Ein Auf und Ab prägte das Leben des Stiftes bis zur Säkularisation 1803, als es ganz aufgelöst wurde.

1920 wurde ein Ausbildungsseminar für die Mission durch Patres der „Heiligen Familie“ gegründet, die bis 2012 das Kloster bewohnten. Von 1970 bis 2007 befand sich das Berufsbildungswerk der katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB im Haus.

Von 2012 bis 2017 waren im Kloster Ravengiersburg zwei Priester der Kongregation der Vinzentiner aus Kerala untergebracht, die nun nicht mehr bleiben konnten.

Die Orgel auf der Empore wurde ursprünglich im 18. Jahrhundert für die St. Nikolaus Kirche in Bad Kreuznach gebaut,  in der ich auch schon gespielt habe, und 1898 hier in die Stiftskirche St. Christophorus versetzt. Dabei wurde der Prospekt aufgefaltet, um möglichst pompös zu wirken. Die Kirche ist eigentlich relativ klein im Verhältnis zu den enormen Gemäuern auf den Felsen.

Ein neues Instrument wurde 1923 von der Werkstatt Gerhardt & Söhne in den alten schönen Orgelprospekt eingebaut. Hierbei wurde dort, wo der mechanische Spieltisch stand, ein riesiger Engel von oben nach unten hingestellt und ein freistehender Spieltisch rechts an die Seite gebaut. Dieser ist nun sehr in die Jahre gekommen. Viele Register spielen nicht mehr oder haben Durchstecher. 

Die Orgel muss dringend saniert werden. Bitte spendet!

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.



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20. Mai 2026: Das Orgel-Monster!

Foto: Pedal Mayer Orgel Biebern Hunsrück

Das Gegenteil ist hier der Fall:

Neobarocke kleine Mayer Orgel kath. St. Johannes der Täufer Kirche Biebern Hunsrück, 2 M, 12 R

Biebern ist eine Ortsgemeinde im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde in Simmern-Rheinböllen an und die Kirche ist darin die größte Kirche in St. Lydia. Die große weiße Kirche hat eine große Akustik. Beinahe eine Überakustik. Und die kleinste Orgel in der größten Kirche ist diese.

Der moderne Anbau an den alten Turm hat rechts rote und links blaue Fensterbilder. Die Orgel steht wie unter einem Holz-Dreieck. Über der Kapelle an der Seite gibt es eine Art toten Punkt, der sich nicht erreichen lässt. Die evangelische Gemeinde im Ort besitzt eine Oberlinger-Orgel. Ich finde, Oberlinger und Mayer sind sich oft recht ähnlich.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz:

ps: Das Gegenteil von musikalisch ist nicht unmusikalisch, sondern Musikalität bei anderen zu neiden und zerstören zu wollen.


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19. Mai 2026: … sie ist eine Persönlichkeit!

Foto: Stumm Voltmann Orgel 1895 Simmern St. Josef Kirche Konzert 2026

Heute erinnere ich an Bruder Meinrad Eugster.

Die Akustik in St. Josef Simmern Hunsrück ist samtig-füllig, schön vokal in der Kirche. Die Klänge sind warm, auch die Gamba. Das Besondere sind die Gruppen-Züge (Spielhilfen) Collection I und II (französisch ausgesprochen).

Diese öffnen sich wie eine Schere. Leider funktionieren sie nicht mehr richtig. Es gibt ein Problem mit dem Gegen-Gewicht. Die Orgel wird von Raab & Plenz betreut.

Das Pedal ist gerade, die Orgel angenehm und leichtgängig; außer bei gezogener Manualkoppel. Die untere Reihe ist für das OW, die obere Reihe für das HW. Die rauchige Pedal-Posaune hat noch Stumm-Anteile. Da ist noch Stumm drin.

Akustik ist immer so eine Sache. Manche klatschen kurz in die Hände, singen und spielen etwas an und meinen, die Akustik auf diese Weise eingeschätzt zu haben. Das kann fatal sein. Oft erkenne ich die Akustik erst im Konzert.

Warum? Weil Akustik etwas Unberechenbares bleibt. Und das ist auch gut so. Sie bewegt sich. Sie verändert sich. Sie kann sich drehen. Die Akustik in St. Joseph ist tricky. Zuerst kam sie mir trocken vor, dann merkte ich, dass die Akustik nur braucht; sie entfaltet sich, plötzlich ist sie da (verspätet) und kommt zu einem zurück.

Erst als ich das erkannt habe, konnte ich so spielen, wie ich es wollte. Akustik ist wie Wachs in meinen Händen. Akustik ist eine Persönlichkeit. Ich muss sie auffangen, sie formen, mit ihr spielen. Buchstäblich.

Es war sehr schön, hier zu spielen. Trotz Mai und Volksfest ist noch Winter in der Kirche: Kalt!

Das Konzert war sehr schön. Es ist eine Ehre, Menschen zu berühren. Obwohl ich so viele Konzerte spiele, ist jedes Konzert etwas Besonderes; immer spannend. Es ist nie gleich. Es sind manchmal Menschen im Publikum, die traurig, leer oder krank sind. Es tut gut, ihnen etwas Gutes zu tun – einfach mit dem, was mir Gott geschenkt hat. Es wird mir nie langweilig.

ps: Das Gegenteil von musikalisch ist nicht unmusikalisch, sondern Musikalität bei anderen nicht zu erkennen, nicht anzuerkennen, nicht für entscheidend wichtig zu erachten. Musikalität nicht zu kennen … das ist das Gegenteil von musikalisch.


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18. Mai 2026: … sondern zu meinen, musikalisch zu sein, wenn man es nicht ist. (AHS)

Foto: Voltmann Stumm Orgel Simmern St. Josef Konzert 2026

Viele Menschen meinen, unmusikalisch zu sein. Oft aber haben sie als Kind keine Chance oder nicht genug Support bekommen. Oder kein Interesse gezeigt. Doch im Grunde ist niemand, kein Kind unmusikalisch. Das Gegenteil von musikalisch ist jedoch eine andere Art: Das ist, zu meinen, musikalisch zu sein. Ohne es zu sein. In der Orgelszene trifft man häufig solche Leute an. Sie drücken Tutti oder Knöpfe, dann wird es laut und sie sind selbstverliebt. Die Orgel macht es ihnen leicht: Je größer die Orgel, desto leichter ist sie „zu spielen“.

Und was meine ich mit weißem Sexismus (siehe weiße Magie)? Das ist zum Beispiel, wenn Männer Frauen in einem Zusammenhang loben oder herausstellen, der eigentlich Männermacht definiert oder subtil betonen soll. Zum Beispiel, wenn der Audio Guide im Prado betont, wie aussergewöhnlich es doch sei, als Männer begannen, auch Prostituierte zu malen.
Damit wird auf vielen Ebenen ein Weltbild impliziert, das „ganz normal“ Macht über Frauen ausdrückt.

Ich werde noch mehr Beispiele nennen, wenn sie mir auffallen. Weißer (verborgener) Sexismus ist in the long run viel schädlicher und gefährlicher als offensichtlicher = schwarzer Sexismus, da er sich unterbewusst und versteckt auswirkt.

Das Konzert gestern in Simmern war sehr schön:

Mechanische spätromantische, seitenspielige Voltmann Stumm Orgel 1895/1753 kath. St. Josef Kirche Simmern, Hunsrück, 2 M, 21 R

Das schöne Schleifladen-Instrument hier in Rheinhessen, im schicken, goldblaugrünen Stumm-Gehäuse von 1753 ist eine Augenweide und linksseitenspielig. Viele Stumm-Orgeln sind rechtsspielig. Es gibt noch über 400 (!) Stumm-Orgeln weltweit!

1982 wurde die romantische Voltmann-Orgel von Mayer Orgelbau leicht neobarock verändert und nach hinten gesetzt, da es einen großen Chor gab, doch all dies wurde 2018 von Raab & Plenz Orgelbau, die auch um Spabrücken viel restauriert haben, Gott sei Dank wieder rückgängig gemacht. Den (100köpfigen) Chor gibt es leider gar nicht mehr.

Es ist meine erste Voltmann-Orgel. Die Kirche ist hell, edel geschmückt mit großem Deckengemälde und wertvollem Altar.

Die ev. Stephanskirche in Simmern war lange simultan. Als dann die eigene katholische Kirche St. Josef erlaubt wurde, durfte sie dennoch lange nicht geweiht und daher nicht genutzt werden, weil der Heilige Geist als nackter Jüngling gemalt wurde.

Die Gebr. Johann Philipp und Johann Heinrich Stumm (früher hießen gefühlt alle Johann oder Maria) haben die Orgel 1753 erbaut, von der nur noch Gehäuse, Pedalwerk und 5 Register erhalten geblieben sind, u.a. die Posaune.

Johannes Schlaad, den ich auf meiner Konzertreise um Spabrücken kennengelernt habe, hat die Stumm-Orgel 1865 nach dem neuen klanglichen Zeitgeist konservativ-romantisch umgebaut. 1895 dann hat Heinrich Voltmann im alten seitenspieligen Barock-Gehäuse ein neues romantisches Werk erschaffen, das heutige.


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17. Mai 2026: You have no rival. You have no equal. (Brooke Ligertwood)

Foto: Feiertag 15.5. Madrid 2026

Bin wieder auf dem Rückflug, wegen Konzert in Simmern. Ich hatte eine geniale Zeit in Madrid und bin froh, dass ich die Karikatur der Kirche in meiner Stadt nicht erleben musste. Wann steht die Kirche gegen den gottlosen Zeitgeist auf, anstatt ihn zu feiern?

Besonders schön war es, in der Parroqioa Santa Maria zu spielen. Lecker war das Essen im sogenannten ältesten Restaurant der Welt, dem Casa Sobrino de Botin von 1725 (hier gibt es Iberian Ham, spanische Schweinshaxe, Sangria, spanischen Rotwein…) – und der Flamenco im Tablao Flamenco la Quimera nebendran. Im La Malloquina Café gab es Süßes. Sehr gern mag ich den spanischen Kakao: er heißt ColaCao.
Da ich einen sehr guten Orientierungssinn habe, war ich nach 3 Tagen schon sicher in der Stadt, bin alles gefahren, viel gelaufen, Metro, Bus, Taxi, Zug… und beobachte gern die Menschen und rede mit ihnen, so gut es eben geht, wenn man leider kein Spanisch kann – und etwas anderes sprechen die Spanierinnen schon aus Prinzip nicht.

Vor der Kathedrale mit der großen Grenzing-Orgel fanden sehr schöne Aufmärsche mit sehr gepflegten Pferden und Blasmusik statt. Ich liebe es, wenn diese „Zinnsoldaten“ so unfassbar rhythmisch laufen und trommeln und blasen. Die Aussicht von oben auf dem Dach der Catedral de la Almudena (mit Museum) war phantastisch, auf diesen riesigen Palast-Vorplatz. Die Kathedrale ist genannt nach der Maria von der Almudena.

Entspannend und empfehlenswert ist auch das Atlantis-Aquarium. Ich finde, Meerestiere und Fische haben eine enorme Persönlichkeit. Daran sieht man, dass Persönlichkeit und Seele nichts mit Größe zu tun haben – auch nicht mit Gehirn oder dessen Größe. Ich setzte mich ganz nah an das Glas und wurde Teil ihrer Welt. Die Fische wissen genau, dass wir hinter der Scheibe sind. Sie sehen uns. Sie sind klug. Ein Straciatella-Fisch, wie ich ihn nannte, ließ sich lange von mir durch das Glas kraulen.

Die Museen sind schon das Highlight. Gerade an Kunst und Musik und dem Umgang damit kann man viel über den Umgang mit Frau und Mann in der Gesellschaft in der Zeit erkennen. Viel schlimmer als der offensichtliche Sexismus ist der versteckte, milde, verborgene. Es gibt sozusagen schwarzen und weißen Sexismus, so nenne ich es, so wie es weiße (milde) und schwarze Magie gibt.
Ich werde auch gefragt, ob ich finde, dass Sexismus Frauenfeindlichkeit ist. Ich würd sagen, ja. Und was ist der weiße Sexismus? Dazu morgen.

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Puerta del Sol 2026:


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16. Mai 2026: Kunstwerke sind Picknickplätze, wo man das verzehrt, was man selber mitgebracht hat. (Francois Morellet)

Foto: Konzert Santa María de Habla Alemana Kirche Madrid 2026

Das Kunstmuseum Museo del Prado Madrid ist sehr zu empfehlen. Es gefällt mir vom ganzen Stil her auch besser als Reina Sofia. Ich mag Museen, in denen man von Saal zu Saal läuft und in der Mitte der Säle schöne Bänke stehen, wo man verarbeiten und ausruhen kann. So ist es auch in Prado. Die Säle sind elegant.

In Sofia (hier fährt ein gläserner Aufzug rauf und runter) aber gibt es keine Sitzgelegenheiten in den Räumen, und man läuft auch nicht von Saal zu Saal, sondern von einem hässlichen, sterilen Gang gehen Räume ab, zu denen so was wie Fabrikrampen führen. Man hat das Gefühl, die Kunstwerke hängen in einer Fabrik. Was auch ein bisschen was hat.

In Sofia gibt es das große Werk Guernica von Picasso. Er ist sehr kreativ und begabt, aber sein Leben zeigt eine bedenkliche, egoistische Beziehung zu Frauen insgesamt und eine sehr auf sich selbst fixierte, exzentrische, gottlose Lebenseinstellung. Dies kann ich auch in seiner Kunst sehen. Daher gefällt sie mir nicht so gut; sie berührt mich wenig.

Noch schlimmer ist es für mich bei Salvador Dali. Auch er war künstlerisch außergewöhnlich begabt mit großem, technischen Können, aber die Frauen in seinem Leben waren, ähnlich wie bei Picasso, seine Musen, die ihm in jeder Hinsicht zu Diensten stehen sollten. In seiner Kunst sehe ich etwas Dunkles, Sexistisches, Spöttisches, Verzerrtes, Frauenfeindliches, Kaltes.
Da es auch Kinder im Sofia gibt, finde ich es unverantwortlich, Stumm-Filme von und mit Dali zu zeigen, in denen Frauen mit einem Messer in die Augen gestochen wird. Wenn auch “nur” im künstlerischen Akt.

Anders im Prado: Es gibt hier viele alte Kunstwerke, die (vielleicht bin ich altmodisch) die “alten Werte” und Schönheit verkörpern wollen. Auch die Bilder der flämischen Künstlerin Clara Peeters (1589) werden hier gezeigt, die Stilleben darstellen. Ich bin leider kein großer Fan von Stilleben. Sie sind mir etwas zu … still. Aber ihr technisches und künstlerisches Können sind bemerkenswert. Weiter gibt es sehr interessante Kunstwerke von Diego Velazquez, unter anderem sein berühmtestes Werk “Die Hofdamen”.
Ich mag, dass seine Werke seinen schlitzohrigen Charakter widerspiegeln; jedenfalls meine ich, das zu sehen.

Wenn ich Kunst auf mich wirken lasse, spüre ich die geistliche Aura um das Werk. Und mich interessiert, wie die Person dahinter war oder ist. Natürlich sind auch berühmte Werke von El Greco, Rembrandt, Rubens, Tintoretto, Raffael, sweet Albrecht Dürer (dessen deutscher Name gar nicht auftaucht, nur die spanische Version), Fra Angelico, Goya, Jan Brueghel el Viejo, Tizian, Madrazo, Bosch und vielen anderen zu sehen.

Schön ist, dass im Sofia viele Künstlerinnen ausgestellt werden: u.a. Maria Blanchard, Angeles Santos, Rosario de Velasco – alles wundervolle spanische Malerinnen.

Jedenfalls kann ich die Führungen sehr empfehlen; auch die Museumsshops sind schön.

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15. Mai 2026: Von unten sehen die Pfeifen der Orgel wie silberne kleine Papierschiffchen aus. Maria sitzt vorne auf der Wand. Sehr schöne Akustik.

Foto: Grenzing Orgel Deutsche Kirche Madrid: Santa María de Habla Alemana Kirche, Konzert 2026

Die 3,5 Millionenstadt Madrid ist ein spannender Ort to be. Auf der einen Seite ist mir etwas zu viel, dass “Madrid nie schläft”. Auf der anderen Seite gibt es hier wirklich viel Interessantes zu erleben. Empfehlen kann ich die schönen Plätze, zum Beispiel Puerta del Sol (Sonnentor; das Tor gibt es leider nicht mehr, die Sonnenstrahlen aber schon), der Plaza de Cibeles mit dem Löwenbrunnen und dem Palast … und der Plaza Mayor, der rote Platz in Spanien, wie ich ihn nenne. Und natürlich die Grünflächen der riesigen Stadt: der Retiro Park (der größte Park in der Europäischen Union) mit See und Tor Alcala und der alte Paseo del Prado Garten beim Museums-Dreieck (UNESCO). Und natürlich das Kunst-Museum Reina Sofia mit spanischen Meisterinnen und Meistern. Englisch kennt jedoch niemand hier; auch nicht Basis-Begriffe.

Überall gibt es Straßenmusiker, die richtig gut sind. Ich habe angenehmes Wetter erwischt, und es ist nicht zu voll. Die spanischen Frühstücke sind ein Traum, besonders die Tortilla in den lokalen “Bars”. Leider gibt es auch viel Tourismus, der surreal wirkt neben der Armut nebenan, besonders auf der Gran Via mit seinen Luxus-Shops und Luxushotels. Dass selbst die leckeren Tapas touristisch und überteuert vermarktet werden im Mercado de San Miguel – dass man das Gefühl hat, in einem überfüllten Glas-Palast voller Betrunkener zu sein, ist schade. Der ursprüngliche Sinn von Tapas wurde damit völlig verzerrt.

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