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29. März 2023: Wir müssen in der Musik raus aus der engen Formelhaftigkeit. (AHS)

Vergiss die Sicherheit. Lebe, wo du zu leben fürchtest. (Rumi) Hmmm…

Foto: Dom Greifswald

Heute erinnere ich an Annelise Pflugbeil, die unter schweren Bedingungen das Institut in Greifswald, für Kirchenmusik, zur Uni gehörend, gründete und, soweit ich weiß, dort nicht genug geehrt wird.

Frost und Schnee in Greifswald. Orgel-Prüfung in Kirchenmusik an der Buchholz-Orgel von 1842 ist sehr gut gelaufen. Die Dom-Orgel ist eingetütet in einen warmen Kokon, man hört sich kaum selbst.

Ich glaube, ich bin gerade der einzige Mensch in Deutschland, der einen Ohrwurm von Petr Eben hat. Der Zyklus Sonntagsmusik. Das ist nämlich für Zuhörende eher anstrengende, schwere und schwer zugängliche Musik. Was ich natürlich nicht so empfinde. ☺️

Mozart KV 608 habe ich mit Spaltklängen registriert. Reaktion: Sehr experimentell. Ach, ich liebe, wenn Leute diplomatisch sind. 😊

Meine 4 lieben Helferlein am „Registrierpult“ hatten heute extra schulfrei wegen mir bekommen. Danke! Als Dankeschön habe ich im Saal der Musikschule gespielt. Der war schön dekoriert für den Landeswettbewerb Jugend musiziert. Ja, an „Jugend musiziert“ erinnere ich mich auch noch gut..

Ich denke in meinem Kopf oft Code-Switching-mäßig in Deutsch, Schwedisch, Englisch gleichzeitig.

Danke für alle Gebete und Glückwünsche.

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Buchholz Jehmlich Orgel Dom Greifswald

 

28. März 2023: Nachtschöpferin.

“Die Seele eines Landes liegt in ihrer Musik. Ein Land, welches seine Musik verkauft, ignoriert oder dem Kommerz preisgibt, verdient es, Coca Cola als Folge zu haben.” (Maya von Patel) Die Seele eines Landes ist wichtig. 

Foto: Kunst AHS

Morgen ist meine Prüfung um 9:30 im Dom, bitte betet. Konja und ich haben heute die Zungen gestimmt. Es ging schnell.

Die tschechische, lettische und litauische Volksmusik berührt mich. Ich mag Riga und ihre neuen Klänge. Volksmusik und Chormusik formen eine Nation. Musik sagt das Unsagbare und verbindet uns mit unsichtbaren Fäden.

Vor allem aber hat sie eine internationale Allgemeingültigkeit, was unsere innere Sprache und unsere Gefühle angeht. Als ich eine Woche lang Moskau besuchte, wurde ich mit anderer Musik konfrontiert.

Foto: AHS in Afrika

Intuitives zu verbinden mit Logik, Konzentration und Erfahrung ist eine Herausforderung — es muss sich verbinden lassen.

Wenn man Künste miteinander verbindet, heißt es nicht, dass man sich verzettelt. Es bedeutet nur, dass man zurückkommt zu dem, was große Künstler auch getan haben.

Intuition ist die Bereitschaft, neue und risikoreiche Gedanken und Wege zuzulassen, selbst wenn sie der bisherigen Erfahrungen, der Norm und der Statistik widersprechen oder Widerstände und damit Schmerzen bedeuten, Kritik.

Oft gibt die Intuition die richtige Lösung für den entscheidenden Moment. Sie ist eine prophetische Vorahnung, deren Äste und Krone nach oben wachsen, sich ausbreiten: dorthin, wo die Sonne ist. Sie ist teuer. Sie ist die Königslinie (wie beim Schach), das Ziel zu ‘schlagen’ in dem Sinne, es zu erreichen und nicht zu verfehlen.

Es geht dabei um den richtigen Zeitpunkt. Dazu muss man manchmal schnell und mutig sein können und auf der anderen Seite geduldig bereit, auszuharren. Es gibt zudem eine spezielle Art der künstlerischen Intuition, die Neues möglich macht. Sie verfehlt das Ziel nicht.

Foto: Edinburgh

Meine Anfangszeit mit der Orgel: Schweden ❤️

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27. März 2023: Ich möchte nicht um jeden Preis etwas „Schönes“ schreiben. (Pierre Boulez)

Es ist nicht möglich, zu schweigen. Die innere Haltung macht die Musik.

Foto: Neuer Gedichtband 2023: Gesungene Sehnsucht

Heute erinnere ich an die schwedische Erfinderin Ninni Kronberg.

Windiges Greifswald. Heute war ich wieder oben auf dem Dom und genoss die Aussicht. Eine der Treppen ist besonders steil und gefährlich, die nach den Glocken, mit dem gelben Absatz. Ich betete, dass mir nichts passiert. Man braucht als Organistin gesunde Arme, Beine, Hände und Kopf. Selbst ein wehes Schienbein ist ungut für Konzert und Orgelprüfung. Eigentlich kann man immer nur daheim bleiben. Aus Sicherheitsgründen, um sich nicht weh zu tun.

Oben auf dem Dom sieht man die „dicke Marie“ und alle anderen Kirchen und an manchen Tagen auch die Kreidefelsen. Kreidefelsen. Klingt so exotisch. Rügen mag ich.

Gottesdienst war schön. Habe heute im Dom geübt und unterrichtet. Ich habe ein paar Chemie-Prof.s, die ich in und an Orgel unterrichte.

Ansonsten bestehen meine Tage hier aus Üben, Konzentrieren, Schlafen, Essen, Üben.

Boris Blacher hätte ich gern kennengelernt. Seine Einstellung zu Komposition ist meiner ähnlich. Er schreibt, dass es eine Spitze gibt und dann die Masse, die die Spitze kopiert. Hindemith war die Spitze in den zwanziger Jahren, wie er schreibt.

Egal wer heute an der „Spitze“ ist, es wird nachgeahmt. Aber man muss doch nach Neuem suchen. Diese dauernde Nachahmerei!

Die Großen haben nie eine Akademie besucht. Laut Blacher kann man Komponieren nicht lernen.

Heute wird als „Orgel-Improvisation“ meist postromantischmodern der französische Orgelstil nachgeahmt. Das wäre umgekehrt undenkbar übrigens, glaube ich. Haben Deutsche keine eigenen Ideen mehr? Das ist doch langweilig.

Ich finde es wie Ligeti unbefriedigend, Musik zu schreiben, die schon mal da war. Ein Idiom zu überwinden, ist aber gar nicht so leicht. Ligeti mußte sich von Bartok lösen und Versäumtes nachholen. Er selbst beschrieb sich als „nicht bescheiden“. Ob er deswegen attackiert wurde?

Es ist interessant zu lesen, wie Komponisten ihr eigenes darstellen wollen: G. M. Koenig: Computermusik und Geräusch. Fortner: 12-Ton-Musik. Ligeti: „Klangflächen-Gewebe“…

Musik aber kann glücklicherweise gegen das Misstrauen Wahrheit konkret und auch abstrakt definieren. Sie ist eine flammende Rede mit ungeheuchelter Gestik und Mimik, perfekt in den Übergängen, rund, zärtlich, manchmal bitter, voll Küsse, Einladung und Warnung, wie ein Rausch und doch klar zu Herzen gehend – zu Tränen, Lächeln und Lachen rührend.

Eine so gute Rede wie Musik habe ich noch nie gehört. Die Sprache der Musik muss man dabei erst lernen: Jede kann sie hören, aber nicht jeder gleich verstehen, nicht einmal die Ausführenden selbst.

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26. März 2023: Wir brauchen den Luxus der Einsamkeit. (Anne Ranasinghe)

Kierkegaard lese ich gerne, da mir Humor, klug, lyrisch und nicht boshaft, gefällt; ich mag das weiche Zynische; ich muss schmunzeln; es ist dennoch aufrüttelnd, oder ich verstehe jedenfalls, dass es so gemeint ist.

Die kirchendichteste Gegend in Schweden befindet sich übrigens in Gotland. Zwischen dem 19. und 24. Juli gibt es eine Frauenwoche in Schweden. ❤️ Übrigens Kompliment an Frankreich mit 45 % Frauen in wirtschaftlichen Führungspositionen. 🌷Deutschland ist … 8. Platz. 

Foto: Kunst AHS

Es gibt für mich keinen Dilettantismus in Neuschöpfung. Es gibt natürlich einen Unterschied zwischen musikalischer Aktivität und Kunst — aber dieser Unterschied kann fließend sein. Die Kunst ist lebensnotwendig und nicht nur Luxus oder Schmuck.

Heute habe ich den ganzen Tag im Dom gespielt. Die Küster sind alle so nett und goldig. Abends kommt immer so ein netter älterer Herr und arbeitet an einer Schleifmaschine unten in der Winterkirche. Zuerst habe ich mich erschrocken. 

Der Begriff ‚gute Musik‘ ist vielleicht schwierig, da wertend, wobei Wertung durchaus nicht immer etwas Schlechtes ist, im Gegenteil, sie ist wichtig. Die Kunstmusik hat mit Klangvorstellung zu tun, die reifen muss.

Dabei ist jede Klangvorstellung mit Vorsicht zu geniessen, da sie einengend werden kann. Eine Klangvorstellung sollte kein festes Prinzip sein. Kunst ist Revolution, Symbolwelt, Tiefe. Man muss jedoch bedenken, vorsichtig sein, da alles Einseitige eine manipulierende Macht werden kann.

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Kreativität ist eine Person, die anklopft und darauf wartet, von mir entdeckt zu werden. Wenn ich etwas nicht entdecke, wird es vielleicht solange nicht da sein, bis ich es erkenne.

Denn Zeit ist ein Teil der Kreativität und des Prozesses. Jeder Augenblick dabei ist Kreativität. Anstrengend und arbeitsam ist es, das Gefundene zu behalten, zu formen, zu schmiergeln, zu bebauen. Struktur, Bescheidenheit, Konzentration und Demut sind Wegbegleiter von Kunst.

Foto: Kampala

Konvention und Norm: Übereinkünfte, dass etwas normal zu sein hat. Sobald etwas konventionalisiert wird, gebunden, systematisiert, können Begriffe und Inhalte kaputt gehen. In dem Sinne sind viele Traditionen verheerend, da sie lähmen und stoppen und an Generationen kleben bleiben. Beethoven hat sich nicht an die ‚Sonatenhauptsatzform gehalten’, diese ‘Form’ wurde erst nachträglich daraus gezogen.

Kein Wunder, dass die jungen Musiker an der Hochschule große Schwierigkeiten haben, in der Theorie mit Freude zu sitzen. Das Neue wird zur Routine. Theorie ist ja etwas sehr Spannendes, braucht Zeit zum Reifen. Ich sehne mich nach neuen Symphonien in unserem Jahrhundert.

Wenn Schubert Beethoven ‘überwinden‘ konnte — dann können wir auch überwinden und Neues schaffen. Beethoven komponierte dramatisch mit dem Endziel am Schluss, doch Schubert hatte seinen Höhepunkt in der Mitte seiner Symphonie. Neues umsetzen bedeutet oft Radikalität.

Foto: Calvi, Corse

Kreativ sein bedeutet Finden. Finden, was bereits da ist. Und doch erschaffen wir etwas, das vorher noch nicht da war, noch nicht ins Leben gerufen. Aus der Quelle, die um mich ist, erschaffe ich: sichtbar zu machen, was unsichtbar war.

25. März 2023: Wähle den Weg über die Bäche und stürze dich nicht gleich in das Meer. (Aquin)

Foto: Kampala, Uganda (my hair)

Heute erinnere ich an Wilhelmina Skogh, schwedische Unternehmerin, 1850.

Gedichte von Eichendorff, Rückert, Keller, Celan, Fried, Augustinus, Rilke und vor allem Georg Trakl — zärtliche, dunkle Literatur, die etwas Ruhiges, Zynisches, Suchendes hat — gefallen mir. So auch manchmal Thomas Bernhard oder Musik Hindemiths.

Bachs Musik aber spricht rund und frei von Trost, von Liebe, als könnte ich mitschreiben, jeden Tag etwas anders, tröstend, doch immer im Niedergehen die große Kraft, im Beugen die größte Spannung und Ermutigung. Bachs Musik ist eine Einladung, von Gott getröstet zu werden. Eine Einladung zur Ewigkeit, zum Loslassen, Vertrauen, Glauben. Energie in Zärtlichkeit. Tontendenzen. 

Der Quintenzirkel ist eine Art Gottesbeweis. An Gott zu glauben ist nicht intellektuell anspruchslos. Die Wissenschaft ist nicht der Feind oder Gegner des Herzens, des Kopfes, des Glaubens und der Literatur.

Genauso wenig wie Musikwissenschaft Gegner der praktischen Musik ist, auch wenn es oft so scheint.

Bach war ein großer Dichter und Denker; viele andere, die unser Land beeinflusst haben. Sie arbeiteten mit verborgener Symbolik. Symbolik addiert sich in meinen Gedanken wie verselbständigte Kunst, um auf den rechten Zeitpunkt zu warten und auf dem rechten Weg zu bleiben.

Heute habe ich 4 jungen Leuten die Dom-Orgel erklärt. Das macht mir richtig viel Spaß, weil ich ja selbst noch genau weiß, wie es war, als ich das Instrument Orgel kennenlernte. Das ist ja noch nich lange her. Ich möchte, dass der gleiche Funke überspringt.

 

Fotos: Calvi, Rotterdam, Stuttgart, Kampala, Oberösterreich, Schwäbisch Gmünd mit Heidi Bieber (xpand), Saal Schönblick

24. März 2023:  Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, sind Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was in uns liegt. (H. Thorau)

Ich bin eine Flügel-Zigeunerin an der Orgel. Meine Geige ist das Klavier. Kunst ist sinnlicher Intellekt.

  

Fotos: Köln und Aachen

Ich war auf einer Tour, Musik unter das Volk zu mischen, den Menschen Musik zu bringen, die in keinen Konzertsaal gehen, wie zum Beispiel auf der Kölner Domplatte — Musik ist grenzenlos. So spielte ich auf dem Dreiländerpunkt Belgien/Deutschland/Holland.

Nun bin ich wieder in Greifswald. Am Dienstag ist mein Konzert/Prüfung. Ich mag die Domorgel, auch wenn manche behaupten, sie sei schwierig oder nicht groß oder raumfüllend genug. Es gibt tatsächlich nicht viele romantische Klangfarben, doch die Akustik macht vieles wieder wett. Oben klingt sie sehr schön, nur unten verflattert sich der Klang etwas. Super wäre eine Orgel unten.

Mir gefällt der Zyklus Sonntagsmusik von Petr Eben. Es groovt.

Musik ist sinnlicher Intellekt. Künstlerinnen sind inspiriert von Geist. Auf der ernsthaften Suche nach Wahrheit, mit Sinnlichkeit (mit den Sinnen zu erfahren), wird komponiert und geschrieben.

Künstler können durchaus eine tickende Zeitbombe sein, wenn sie sich nicht mehr auszudrücken wissen. Daher ist Charakter wichtig.

23. März 2023: Lieben und arbeiten! (Miriam vom gekreuzigten Jesus)

Musikerin sein ist ein Seinzustand, lange vor dem professionellen Studium. Später kommt die Frage, wie das konkret aussehen wird im Seiltanz des Lebens mit Alltag, Beruf, Reiz, Außenwelt, Entwicklung, Entfremdung und der künstlerischen Arbeit, sich dem klanglichen Ideal selbst anzunähern.

Menschen erschaffen aus dem, was sie sind und entdecken. Sie schaffen von dem, was bereits da ist. Wir schöpfen aus dem, was geschöpft ist. Das Erstaunliche ist: Wenn wir es nicht entdecken, wird es (für uns und andere) nicht da sein. Deswegen ist Kunst für viele Menschen nicht existent.

Etwas zu entdecken und zu erkennen, erfordert ein gewisses Maß an Wissen.

Foto: Stadttheater

Übrigens: Ich habe im Vordiplom Kirchenmusik Gesamtnote 1,8 bekommen.

Ich bin gespannt, ob meine Kamera jetzt wirklich viel besser ist als bei meiner 12. Da ich so viele Daten auf dem Handy habe, dauerte die Übertragung von 12 auf 14Pro lange, auch mit der Cloud. Aber ich wurde gelobt, wie super ich alles gebackuped und geordnet habe mit meinen 2 T. Und einer sagte, allein die Daten meines WhatsApps seien größer als sein gesamtes Handy. Geschweige denn meine Fotos und Videos.

Foto: Lake Victoria, Uganda

“Ich möchte wissen, nicht vermuten. Gott soll sein Gesicht enthüllen und zu mir sprechen. Ich rufe zu ihm in der Finsternis.” (Max von Sydow in Ingmar Bergmans Det Sjunde Inseglet: Das siebte Siegel, 1957: Bergmans symbolische, künstlerische Filme sind ein Ausdruck der Suche des Menschen.)

Es gibt viel Kunst, die um die Wahrheit herumtanzt und ausweicht, anstatt sie zu packen. Die Realität ist nicht ein Stück hinter, sondern ein Stück vor Musik.



Foto: Kampala

Musikalische Analyse und Erkenntnis beeinflussen die mentale Einstellung der Künstlerin positiv oder negativ.

Ich glaube, dass die mentale Einstellung einer Pianistin und Organistin auf der Bühne Einfluss hat auf das Publikum.


Foto: Stuttgart

22. März 2023: Das Herz sucht und pumpt und weist mit Blut und Atem auf das Leben hin, pumpt weiß und rot. (AHS) 

Es gibt ein aktives, verletzliches Loslassen für die Freiheit, die Avantgarde – für ein zartes Herz mit starken Wurzeln, eins, das Sinn macht und in eine starke Freiheit und Weite führt: ein Herz für ein Kämpfen an der Front setzt sich für andere ein.

Ich habe für meine Videos und Shorts jetzt eine bessere Kamera mit 3 von 14Pro mit 48 Pixel statt 12.

Es wird Frühling. ❤️ Und wieder ein neuer Geburtstag gestern (JS).

Fotos: Korsika

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21. März 2023: Was ich innerlich höre, bringe ich in die akustische Welt. (AHS)

Foto: Acryl AHS

Webern, Schönberg, Messiaen, Henze, Ives, Berg, Leibowitz, Boulez, Ligeti – diese alle verließen die „erweiterte Tonalität“ oder wollten sie verlassen – die Grenze der formbildenden Tonalität. Sie suchten den Sturz der Herrschaftsverhältnisse im Tonsystem für neue Formen.

Ich suche ebenfalls den Sturz der Herrschaftsverhältnisse: Den Sturz der mathematisch-theoretisch-technisch-methodisch-testosteron-akademischen Herrschaft, um neue Formen in der Komposition zu entwickeln.

Auch heute noch ist der Studiengang Komposition oft akademisch und richtet sich nach den Methoden und Geschmäckern der jeweiligen stets männlichen Leitern. Akademisches und künstlerisches Denken ist jedoch oft ein Gegensatz, denn künstlerisches Denken ist mindestens oder zumindest erweitertes akademisches Denken.

Meine Musik zeigt das weiblich-intuitiv-impulsiv-poetisch Kraftvolle. Das Improvisatorische wird verbindlich, Wort und Ton sollen eins werden. Literaturgeprägt. Variabel. Nicht auf Mathematik, Baupläne und Technik fokussiert. Ich male, methodisiere nicht.

Musik zusammen zu machen, das ist genauso schön wie schwer.

Jazz CD ‘Mut vor 12’

Diskografie, CDs, Medien

20. März 2023: Intuition ist eine Kraft. (AHS)

Eine Kraft aus Gesetzmäßigkeit und Gefühl. Es geht in der neuen Musik nicht um Frequenzen oder Mächte oder Synchronisierung. Allerdings kann man den Sinn des Lebens nicht auf die Art und Weise kennen lernen, wie Spieler einen Automaten, in dem sie vor ihm sitzen und sich die Reihenfolge der Lichter und Zahlen und Reihen merken und die Abstände dazwischen, oder aus Büchern.

Es braucht Beziehung. Es ist etwas anderes, in oder über Musik zu denken. 

Ich bin beim Üben wie eine Amaryllis in einer goldenen Wurzel: Zuerst passiert nichts. Wochenlang. Trocken. Ich übe und übe und es passiert nichts. Und dann zack: aus dem Nichts schießt das Leben in die Höhe – und dann: zack, drei wunderschöne weiß-rote Glocken. Über Nacht. 

Chopin live in concert

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Wie viel Intuition braucht unser Land? Das Gegenteil von Intuition ist Unsicherheit. Viele Menschen leiden unter Dauer-Verunsicherung, unter chronischer Unsicherheit und German Angst (oder besser: German Hysterie).

Übrigens, Maul schreibt, Bach hätte Vivaldi getroffen. Getroffen haben sich die beiden leider nicht. Aber der fleißige unersättliche Johann hat alles von Vivaldi nächtelang abgeschrieben, was er unter die Finger bekam. Bach war sein eigener Lehrer. 

Musik sucht eben stets nach neuen Kombinationen und Wegen. Manchmal braucht es sehr lange, bis Menschen neue Wege in der Kunst überhaupt verstehen. Viele Künstlerinnen sind ihrer Zeit voraus.

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Musik scheint mir wie Schachspielen: es gibt eindeutige Regeln, eine Architektur, und doch schier Millionen Kombinationsmöglichkeiten: allerdings auf dem Fundament der Regeln. Diese Regeln haben viel mit Ästhetik zu tun: Ästhetik aber hat mit dem Herzen zu tun. Aus dem Herzen kommt heraus, wer man ist und was man denkt — im künstlerischen Schaffen mehr als im Interpretieren.

Ästhetik hat also viel mit dem Herzen zu tun und damit mit Motivation, eine der wichtigsten Wurzeln von Kunst. Ästhetik ist wichtiger noch als Ethik, wie man allgemein andersherum denkt, mehr als die Kultur einer Nation, die wiederum oft eine Anhäufung von menschlichem Denken ist — denn es geht stets erst um das persönliche Herz, darum, wer frau ist.

Fotos: Glaswürfel, Oberösterreich

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