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Tur Blogg

13. Juli 2020

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Zur Ironie gehört viel Selbstbewusstsein. (AHS)

Ich lese gerade Snömannen von Nesbo auf schwedisch, spannend. So etwas ist auf Deutsch nicht wertvoll für mich. Interessant ist, dass der Norweger Nesbo auch sowohl Musiker als auch Autor ist.

Dirigieren ist einfach wunderschön. Je länger ich das lerne, desto schöner ist es. Früher war ich nicht interessiert, da ich vom Chordirigieren durch manche Kirchenmusiker abgeschreckt war. Aber nun arbeite ich mit einem richtigen Dirigenten zusammen. Es ist wichtig, mit offenen Augen aktiv zu dirigieren, immer vorweg zu sein, um zu kontrollieren und zu helfen; und nicht Luft zu dirigieren, sondern mit Widerstand, wie unter Wasser. Immer natürlich, immer mit lockeren Schultern, nie die Hände zu eng, denn dann sind auch die Schultern eng. Intensiv, nicht groß in den Bewegungen, lieber sparsam, nicht träumerisch, mit Gesicht und Augen. Auswendig. Langsam und leise ist besonders wichtig zu können. Um die Klangvorstellung, die man hat, vermitteln können. Man spielt Orchester, man dirigiert nicht nur. Es muss den Musikern Spaß mit mir machen. 

Ich möchte am liebsten einen soliden, konzentrierten Klang, nicht zu viel Vibrato; dazu braucht es einen guten Bogenarm; spielen die Musiker intensiv oder laut, sollen sie nah am Steg sein, mit langsamem Bogen. Spielen sie leise und zart, dann mit offenem, freien Bogen, nahe am Griffbrett; die linke Hand intensiv. Alle müssen das gleiche machen. Das zittrige Vibrieren mag ich nicht. Es ist nicht so leicht, immer gut zu hören, die Striche zu wissen und kurze, akkurate Kommentare zu geben – keine Phantasiegemälde, sondern konkrete, produktive Anweisungen. Als erstes muss man die Partitur gut selbst am Klavier spielen können und die wichtigsten Takte in der Zusammenarbeit kennen.

Interview:

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Außer: Man tut es. (Erich Kästner)

Die Gedichte von Kästner sind spitze. Sie sind modern, heute noch mehr als damals. Oft christlich, auch wenn er dies sicher nicht so meinte.  “So groß wie heute war die Zeit noch nie”… “Der Mensch ist gut. Da gibt es nichts zu lachen.” …

Ich finde, zur Ironie gehört viel Selbstbewusstsein.

Spaß macht es, auf Konzertreisen Unterricht via Skype und Zoom zu machen. Ein 30 Meter langes LAN-Kabel über die Brüstung hin zur wunderbaren Orgel. So kann man eben doch endlich an zwei Orten gleichzeitig sein! 6 Stunden Zoom, und währenddessen war ich in Mönchengladbach, Düsseldorf, Limburg, Frankfurt und Würzburg, in Kirchen und im Zug.

Die Sauer-Orgel in der viertürmigen ev. Hauptkirche Mönchengladbach finde ich einfach klasse. Sie ist aus dem Jahr 1902, opus 864. Gott sei Dank gab es keinen kompletten Neubau. Oft ist Geldmangel und Gleichgültigkeit ein Segen. Früher gab es in der alten Kirche eine Ibach-Orgel (wie schön, wir hatten früher ein Ibach-Klavier), die leider zerstört wurde. Die Sauer-Orgel nun ist Teil der Ausstattung, ein Gesamtkunstwerk mit der Kirche. Ihre heutige Disposition besitzt eine Terzzimbel, schöne Zungen, eine Rohrquinte, sehr schöne Flöten und Lieblich Gedeckt. Die Kantorei kümmert sich gern um ihre schöne Orgel, die u.a. von Schuke restauriert wurde. Es gibt noch schöne Sauer-Orgeln u.a. in Berlin, Wuppertal, Dortmund… Die Konzerte haben Spaß gemacht, das Hotel war etwas speziell.

Es stimmt, dass die Orgel in der Lage ist, fast jedes gesellschaftliche Milieu zu erreichen durch ihren festlichen Charakter.

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Vilan bor i kärlekens hus.

Ruhe wohnt im Haus der Liebe.

Schön finde ich, dass Bach und ich die Herrnhuter Losungen beide gekannt haben, denn 1731 erschienen zum ersten Mal die Losungen. Tröstend finde ich auch, dass Bach immer mal wieder wegen “Versäumnissen geahndet” wurde.

Der Abend-Ausritt gestern war wunderschön, auch wenn wir nur Schritt geritten sind. Die Farben des späten Sommers, der Disteln und wetterfesten, der Trockenheit trotzenden Blumen erinnern mich an ein Gemälde, darüber die Abendwolken, die Ahnung des Herbstes, in der Ferne der ICE, in dem ich so oft sitze, in dem ich gestern noch saß, von Düsseldorf kommend. Grace kümmert das alles nicht, sie will nur fressen, und sobald es geht, reißt sie vom nächsten Busch eine Handvoll Blätter ab. Am liebsten würde sie den ganzen Busch hinter sich herziehen. Ich liebe das Geklapper der Hufe auf dem Weg, aber auch, wenn es ganz leise ist im Gras. Unschön sind nur vereinzelt Autos, Hunde und Trekker, wenn wir so in einer langen Reihe ausreiten, fast alles Haflinger-Stuten. Aber Grace kümmert das alles nicht, Gott sei Dank. Sie hat die Ruhe weg.

Ich würde ja gern auch mal ein anderes Pferd haben (auch wenn ich Grace sehr mag), aber sie meint, ein gutmütiges Pferd wie Grace wäre erst mal genau richtig. Sie weiß ja auch von meinem Beruf (auch wenn sie Klassik “trocken” findet. Naja, Dressur kann man auch als trocken empfinden. Ist es aber nicht, wenn man weiß, was geleistet wird).

Meine Lieblings-Corona-Sprüche

Teil 2:

Er (ICE, Lautsprecher): Und bleiben Sie gesund! (es klingt bedrohlich)

Nach dem 5. Mal, da an jeder Haltestelle, daraufhin ich (murmelnd): Wenn er das noch einmal sagt, weiß ich, wer gleich nicht mehr gesund bleibt.

Der norddeutsche Fantasie-Stil in der Orgelmusik erscheint mir oft gar nicht so “phantastisch” (von wegen “nicht zählen, der Takt habe Feierabend”—) … ich erinnere mich noch gut, dass Hans-Ola 2018 meinte, ich wäre viel zu wild im Stilus Phantasticus – aber wahrscheinlich ist es eben ein mildes Phantastisches. Mir gefällt die Prinzipal-Schwebung bei den Toccaten Frescobaldis, die es in Deutschland kaum gibt, höchstens vielleicht die Piffara.

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Das alles vergeht, weiß man schon in der Jugend; wie schnell es vergeht, erfährt man erst im Alter. (Marie von Ebner Eschenbach)

Es ist nicht oft, dass man ein längeres Zitat so schön nehmen kann, wie es ist, meist finde ich Verbesserungswürdiges – aber dies hier oben ist perfekt.

Das zweite Konzert war auch sehr schön und ausverkauft hier in Mönchengladbach. Heute waren die “Theater-Leute” im Publikum, also die, die gern auch ins Theater gehen. Es war dadurch ein anderes Publikum als gestern, eine andere Atmosphäre: gebildeter, strenger, reservierter, aber dennoch sehr begeistert. Ich habe die restlichen CDs verkauft, insgesamt sehr viele. Ich mag das, wenn Leute CDs kaufen. Man kommt ins Gespräch, ich erfahre viel, was ihnen gefallen hat, was sie sich wünschen, worauf sie Wert legen, wer sie sind, worauf ich achten kann in Zukunft. Ich finde es wichtig zu wissen, wer mein Publikum ist.

Ich muss sagen, ausgerechnet an einer romanischen Sauer-Orgel klingt Bach Passacaglia c-Moll besonders schön. Dabei ist doch eine Sauer-Orgel nun wirklich keine Bach-Orgel. Aber hier habe ich nun erkannt, dass eine Sauer-Orgel mit ihrem warmen Klang und ihren Achtfüßen, auf die sich die Mixtur weich legt, näher an Bach herankommt als viele neobarocke Orgeln. Neue neobarocke Orgeln sind ja keine historische Orgeln, sondern oft Orgeln, die es gut meinen, aber etwas falsch imitieren. Auf ihnen kann man meist keine Romantik spielen, aber Bach auch nicht wirklich. Ja, was man spielt man dann dort?

Diese Sauer-Orgel von 1902, opus 864, hat mein Denken von sogenannten “Bach-Orgeln” verändert.

Vor ihrer Intonation klang sie übrigens auch bei weitem nicht so schön wie heute. Der Kantor Udo Witt ist ein super Mensch, von ihm habe ich viel gelernt – und gesehen, was es bedeutet, ein Kirchenmusiker zu sein: Man ist Politiker, Diplomat, Menschenkenner, Finanzexperte, Vermittler, Schlichter, Gruppenleiter, Motivator, Organisator, Lehrer – meist ein Künstler erst ganz zum Schluss, wenn man Glück hat; bei ihm hat man dieses Glück. Er ist vor allem Christ, das merkt man an seiner ganzen Herangehensweise. Und das in Nordrheinwestfalen, in einer Gegend, in der der Ausländeranteil massiv hoch ist. Es machte Spaß, hinterher immer mit seinen Leuten zu seiner Stammkneipe zu gehen.

Premiere!!: Ich bin tatsächlich mit zwei verschiedenen Schuhen in Würzburg aus dem Haus gegangen (Leguanos Slippers, eins rosa, eins grau) – aber es fällt gar nicht auf, weil sie eh so zart und klein sind.

Meine Lieblingscorona-Sprüche

Teil 1:

Er (Post): “Ist das Näschen auch unter der Maske?”

Daraufhin fragte ich, ob er sich auch schon die Zähne geputzt und die Schnürsenkel zugebunden habe.

Er (lacht): Ja, das habe ich alles brav gemacht.

Es sind wieder neue Noten im Shop: Neue Noten

Das ganze Leben ist der Versuch, es zu behalten. (Ingeborg Bachmann)

Nur wer sein Leben verliert, wird es erhalten, sagt die Bibel.

Das Konzert in Mönchengladbach heute bzw. gestern war sehr schön und ausverkauft. Wegen Corona durften nur 100 hinein statt wie sonst 250. Aber es war trotzdem voll und mit 100 Menschen Einlass eben ausverkauft. Sie hätten noch viel mehr verkaufen können, aber mehr Tickets waren nicht erlaubt. Morgen dafür nochmal Wiederholung meines Konzerts. Oben auf der Empore darf leider niemand sitzen, wegen Corona. Ich freue mich auch immer, wenn Kinder im Konzert sind.

Die Hauptkirche Rheydt ist eine imposante Kirche direkt auf dem Marktplatz. Die Orgel darin, eine Sauer-Orgel, liebe ich. Sie ist eine Art kleinere Schwester zur Sauer-Orgel in der Thomaskirche Leipzig, mit Türmchen und historischem Prospekt, alles klingend, mit weißen Schleifen. Wunderschön und perfekt für Liszt, für Romantik allgemein. Sie hat drei Manuale, Walze, Schweller, pneumatisch, Kegellade, neuer Spieltisch leider, aber dafür mit Setzer, ein ebenmässiges Pedal, was mir sehr gefällt. In Leipzig ist der Spieltisch noch original. Ich mag den glasklaren, durchsichtigen, transparenten, leicht “brutalen” Klang einer Sauer-Orgel.

Sie ist im Grunde eine Art Gegenstück zur Walcker-Orgel, die auch hervorragend ist für Romantik, aber pianistischer und zarter, verschmelzend, weicher. Eine Sauer-Orgel, im Bild gesprochen, ist wie klarer Wodka, dagegen eine Walcker wie süffiger Rotwein. Ich mag beides. Es gab eine Zeit, in der Orgelbewegung, in der man solche Orgeln ausrotten wollte, katastrophalerweise, weil sie für Bach nicht geeignet schienen. Außer für einen romantischen Straube-Bach.

Aber man muss ja nun nicht nur Bach spielen. Heute war ich also mit Herzblut an einer Straube-Orgel. Mit Liszt Ad nos. Perfekt. Wie Himmel. Heute sind solche Orgeln nämlich wieder “in”. Und mir liegen pneumatische Orgeln. Und diese Dynamik-Knöpfe… ach, das macht das Leben so viel leichter. Ernst Sauer hat damals  seine Firma an Paul Walcker verkauft. Das finde ich erstaunlich. Die Geschichte des Orgelbaus ist grundsätzlich spannend.

An einer Sauer wird man zu Straube.

Aber der größte Teil des Konzerts war der Klavierabend vorne am Flügel. Die Leute waren besonders “scharf” auf Beethoven. Alle meine Beethoven-CDs waren im Nu verkauft. Mal sehen, wie ich das morgen löse.

Lustig, wenn ich einen Klavierabend spiele, denke ich, ach, wie gern würde ich jetzt ein Orgelkonzert spielen, und wenn ich ein Orgelkonzert gebe, denke ich, ach, wie gern würde ich jetzt vorn am Klavier spielen.

Meine neuen weiblichen Vorbilder sind Claire Delbos (Komponistin, Frau von Messiaen) und Komponistin und Organistin Jeanne Demessieux und Jeanne Joulain.

Ist es nicht erstaunlich, dass Liszt alte Fingersätze, Sweelinck-Fingersätze in Ad nos und B-A-C-H notiert hat? Ich merke daran, dass revolutionäre Künstler, auch Bach, immer auch an Altem hingen, also das “Alte” kannten und schätzten – und anwendeten, in ihrem Neuen. Ich mag das.

Es ist wie ein Erkennungszeichen, ein Markenzeichen von Kunst. Die Straube-Fassung ist natürlich wichtig und interessant, aber man darf nicht vergessen, dass Straube eine ganze Welt weg war von Liszt – und an wem bin ich interessiert? An Straube?

Ich mag Straube und Reger, aber ich denke, ich mag, momentan zumindest, Liszt lieber, denn er war auch Pianist.

Erstaunlich ist auch, dass gewisse Männer mich und mein Konzertleben digital buchstäblich “verfolgen”, jedoch mit einer Giftspritze in der Hand, weil sie einfach nicht gewöhnt sind, dass eine Frau nicht nur da ist, gütig Socken und Hemden zu bügeln und Termine anderer zu koordinieren, sondern selbstbewusst und künstlerisch ihren eigenen Weg zu gehen.

Ich weiß, dass es Frauen gibt, die nicht helfen, dass Sexismus aufhört, sondern die noch zusätzlich unfreundlich, barsch und schnippisch sind. Dennoch geht der Sexismus nicht von ihnen aus. Sie haben meist eine Dienerrolle in dem ganzen System, was mich auch nerven würde an deren Stelle. Ich schätze, dass sie größtenteils unwissend sind.

Von Youtube erstellt:

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8. Juli 2020

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Schönheit ist eines der Wunder, die unsere Zweifel an Gott verstummen lassen. (Jean Anouilh)

Ich liebe die Mikro-Wechsel im Anschlag und im Absprechen des Tones an der Orgel, die Schwerpunkte durch aktives und nicht-aktives Spiel (falls es nicht-aktives Spiel überhaupt gibt). Und dass sich Triller entwickeln. Am Flügel klingt ja meist nie ein Ton wie der andere, denn die Dynamik löst dies “von allein.” Jedoch an der Orgel muss man aktiv dafür sorgen, dass keine Achtel wie die andere klingt, dass stets Schwerpunkte gesetzt sind, gezielt, nicht nach Belieben, pointiert, ohne Beulen. Am Flügel ist vieles instinktiv nach Klang gelöst, aber an der Orgel geht es nicht nur mit Eingebung, sondern definiert, kontrolliert. Was am Klavier “von allein” gut klingt, kann an der Orgel erschreckend doof klingen, auch wenn man es noch so gut meint. An der Orgel klingt pianistische Dichte oft unartikuliert – diese verschiedenen Klangsprachen muss man für sich also genau trennen können.

Das Absprechen des Tones singt.

Wortgrenze durchbrochen.

Heute fahre ich nun nach Mönchengladbach und bin schon gespannt auf die Orgel und den Flügel. Heute Abend Konzert.

Erstaunlich ist, mit einem Taktstock eine Beziehung zu haben, also den eigenen Pulsschlag im Taktstock zu spüren: Mir gefällt Griegs Ases Tod (allerdings nicht, wenn es zu langsam gespielt wird). Es macht großen Spaß, Dynamik zu dirigieren, besonders ein langsames Crescendo auf der Vier hin zu einer späten Eins. Beim Dirigieren muss man also früh spät sein. Das Schwungvolle in Vier, das immer vorausschauen und führen, den Taktstock hinter den Kopf im Fortissimo, und oben das Untere überlegen und unten das Obere überlegen – das ist schön… die eigene Interpretation finden, auch wenn man gar nicht spielt. Je langsamer das Stück, desto kleiner die Bewegungen. Je langsamer, desto schwerer.

7. Juli 2020

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Unser Leben heißt Liebe, und nicht mehr lieben heißt, nicht mehr leben. (George Sand)

Die Vertraute von Chopin.

Was mir sehr gefällt, ist, dass die Absprache bei der Orgel wichtig ist. Dass man diese Absprache “kontrolliert”. Dass Artikulation Ton machen bedeutet. Dass selbst bei Staccato jeder Ton in der Absprache kontrolliert wird. Dass jeder Notenwert ein Unterschied macht, Richtung gibt, definiert wird, weich im Abschluss, im Anschluss, in der Abstellung.  – Armgewicht. Legato. Abgesetzt. Dicht. All das wird anders ausgedrückt, eine ganz andere Sprache am Klavier, ein anderes inneres Crescendo. An der Orgel hängt man das Prinzessinnengewand ab und zieht einen Blaumann an.

Ich liebe die blaue Ehrlich-Orgel in Bad Wimpfen. Ich mag ihre Nebengeräusche. Gern mag ich auch die Plum-Orgel in Heilbronn (mit Koppelmanual unten) und die hübsche Orgel mit Koppelmanual (unten) in St. Laurentius Spessart Marktheidenfeld. Ich freue mich, die Steinmeyer-Orgel nach langjähriger Sanierung durch Hey-Orgelbau im Einweihungsfestkonzert in der Johanneskirche Hüttenheim zu spielen. Morgen fahre ich zu den Konzerten nach Mönchengladbach.

Ich knabbere noch an meinen schwedischen Keksen aus Kungälv, Goteborgskeks. Es war ein Keksparadies. Ich war noch nie in einem Laden, der nur aus Keksen bestand. Aber so war es in Kungälv.

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Das Schönste ist, was die Liebe sehnend begehrt. (Sappho von Lesbos)

Eine griechische Dichterin.

Ich freue mich, dass mein historischer Roman Frei wie die Vögel im Neukirchener Kalender gelobt wird. Manche Dinge dieser Art erfahre ich zufällig.

In Schweden haben wir auch eine längere Tour gemacht durch Västra Götalands Län, der Umgebung um Starrkärr: Nol, Nödinge, Älvängen, Kungälv, alles am großen Fluß – Städte, hübsch, aber nicht vergleichbar mit dem wunderschönen Land Schwedens.

Die Blaue Kirche in Älvängen und die Rosa Kirche in Nol sind natürlich alles Holzhäuser. Kungälv ist etwas größer als Würzburg. Sehr schön ist die kleine, reiche Segelstadt Marstrand am Kattegatt nah an Kungälv. Wir waren nicht auf der Marstrandsö, der Insel, dazu war es schon zu spät und zu windig. Aber ich habe die schöne Festung von der anderen Seite gesehen. Es tat gut, am Meer entlang zu fahren, die Felsen zu sehen, die Wälder, den Duft zu schmecken, im Volvo schwedische Chormusik zu hören (die keine Klassik ist, eher an Musicals erinnert, oder eine Mischung aus Widors Messen und Pop-Musik, irgendwie ein eigener Stil, der zum Relaxen und Träumen einlädt und passend, besonders im Auto, wenn man am Meer entlang fährt oder überhaupt durch Schweden).

Neu: TEMPELRUF. Muezzin Gesang für Pedal (Orgel)

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5. Juli 2020

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Es ist alles nur eine Frage der Zeit.

Die kleine niedliche Orgel in Kilanda ist wunderschön. Man begegnet als erstes oben ihren Holzpfeifen. Und sie hat einen Schweller. Die Kirche mit ihrer wunderschön bemalten Decke und bemalten Wänden liegt inmitten eines Friedhofs mit Brücke und Bach inmitten von Land, ein großer Waldsee nah, und roten, vereinzelt stehenden Holzhäusern, mit alten Autos und Wäscheständern davor. (Dauernd rechnet man mit den Kindern von Bullerbü.) Wie diese Häuser bewohnt werden, zeigt eine völlig andere Mentalität: Es hat so etwas Liebes, Unschuldiges, ohne Statussymbole, dafür mit Liebe zum Land. Überall stehen schwedische Flaggen. Auch auf den Gräbern. In Deutschland wäre das völlig unmöglich. Man wäre ein Nazi. Und natürlich gibt es selbst hier einen Loppis – einen Flohmarkt. Man kann mit dem Volvokombi an dem Holzstand stehen bleiben und was einwerfen und sich was holen: Bücher, Bilder… Jönköping, wo meine Familie herkommt, ist ca. 3 Stunden entfernt.

Seltsamerweise habe ich trotz meiner vielen Reisen eine Flugabneigung entwickelt, obwohl nie was war. Und ich mag lieber mit dem Öresundzug über das Meer fahren und von Dänen mit ihren Hunden nach Drogen untersucht werden. 🙂 Die Hunde sind so süß und eifrig.

Was mag ich noch an Schweden? Dass die Nebelschwaden abends, wenn es dann gegen 23 Uhr endlich etwas dunkler wird, über die Felder ziehen und einen sonnigen nächsten Tag ankündigen. Und der Mond leuchtet dazu in einer Sichel. Ich stehe auf dem Balkon meines gelben Holzhäuschens. Die Pferde sind wegen den Mücken vollständig eingepackt und stehen Tag und Nacht draußen. Nur in den heissesten Stunden kommen sie in die Box. Neben mir liegt der schöne, gepflegte Friedhof von Starrkärr wie ein Park und lädt zur Ruhe und zur Ewigkeit ein. Ich liebe die Mückenstiche, die man in Deutschland kaum noch bekommt. Dass um Punkt elf immer “att ficka” gibt, Kaffee und Tee und Knäckebrot und manchmal selbstgemachte Torte. Dass ich die Gespräche gut verstehe. Dass überall Wald und Holz ist. Und in Schweden auf Schwedisch schwedische Krimis zu lesen.

Ich meine, ganz unrecht hat ein Publikum ja nie. (Hugo von Hofmannsthal)

Was auch immer das heißen mag. 🙂

Schweden ist so speziell schön. Ich mag, dass überall  Volvos herumfahren. Dass es Regen und Sonne gleichzeitig gibt. Ohne Regenbogen: Man liegt im Gras und schläft, und man ist heiß im Gesicht von der Sonne und spürt gleichzeitig Regentropfen auf Mund und Augenlidern, weil links schwarze Wolken ziehen Dass man unter Stromzäune kriecht (und dabei nass und schlammig wird), um Pferde mit Äpfel zu füttern. Ich mag den Klang der Sprache, die plötzlichen Gewitter, die Dauerrufe der Krähen, die vielen Blumenbeete vor roten Häusern. Ich mag, dass man hier andauernd Kekse und Knäckebrot isst und Joghurt aus Milchtüten trinkt und dass Beerdigungen hier wie Feste oder Hochzeiten mit Blumen festlich gefeiert werden.

Mein Konzert war sehr schön an der neobarocken, zweimanualigen Magnusson-Orgel (mit Schweller) in Starrkärr bei Göteborg und auch am braunen Bechstein-Flügel vorn. Die weiße Kirche ist für Schweden recht groß, die Akustik eher trocken. Viele kleinere Kirchen der Gegend Västergötland haben eine elektrische Ahlborn-Orgel, die – es tut mir leid – in meinen Ohren fürchterlich klingt. Vielleicht waren sie kaputt.

Die Schweden sind zwar als Publikum eher reserviert, sie staunen still, umso herzlicher und lobender hinterher.

Ich mag, beim Baden die Fenster offen zu haben und Schafe und Gänse zu hören. Dass überall nachts Lichter in den Fenster leuchten und es nirgends wirklich duster ist. Ich mag, dass selbst die kleinen Babyziegen ein Holzhäuschen haben. Dass die große, alte Kuh böse muht, wenn ich mich der Herde zu lange nähere. Dass Hahn und Henne hier unglaublich rassig aussehen und fröhlich über den Hof düsen. Die vielen glücklichen Pferde. Und dass es Köttbullar in jedem Supermarkt als Fertiggericht gibt.

Ich mag an Schweden, dass Milch so frisch ist, dass sie, wenn sie nur ein paar Stunden nicht im Kühlschrank steht, schlecht wird. Und die Berge von Käse. Mancher Käse im Supermarkt ist wirklich ein Turm. Ein Gouda-Turm. Und dass in jedem Zimmer eine Killermaschine steht. Glücklicherweise nicht dort, wo ich schlafe. Was ist eine Killermaschine? Ein Fliegen- und Mückentöter. Sie hat zwei helle Röhren, an denen Fliegen gebraten werden. Das ist schon erschreckend, vor allem, weil es stinkt und jedes Mal ganz schlimm knistert.