4. Januar 2026: “… die Orgel Kornhochheim war von Schmaltzen für 90 thlr. gefertiget worden…”
Foto: Barockorgel Johann Stephan Schmaltz ev. Nikolauskirche Kornhochheim, Thüringen 2025
Ich freue mich, hier zu konzertieren, organisiert vom Förderkreis der Menantes-Literaturgedenkstätte: Das Neujahrskonzert 2026. Der Förderkreis ist sehr umtriebig und veranstaltet viel Kunst in der Gemeinde.
Mein Konzert war sehr gut besucht, obwohl unbeheizt und bei Minustemperaturen. Mit Glühwein in der Hand saßen über 100 Leute im Konzert. Nur ich durfte keinen Glühwein trinken, dafür heißen Tee. Dennoch fraß sich die Kälte von unten her in meinen Körper. Trotzdem spielte ich, selbst registrierend und blätternd, bis zum Schluss.
Die Tasten sind eiskalt, aber ich werde mit warmem Tee, Gebäck und Broten versorgt und wohne in einer schönen Pension im Dorf.
Die Kirche ist die Taufkirche des Schriftstellers Christian Friedrich Hunold, genannt Menantes, der Gedichte und Romane schrieb; ein Zeitgenosse Bachs. Johann Sebastian hat Texte von Hunold verwendet für seine Kantaten.
Die Schröter-Orgel ist im Grunde eine Bach-Orgel, weil Johann Georg ebenfalls wie Menantes ein Zeitgenosse von Johann Sebastian Bach war, nur wenig älter, 1683 geboren. Beide trafen sich in Erfurt bei der Vollendung der Orgel in er Augustinerkirche. Das hervorragende Zeugnis, das ihm J.S. Bach ausstellte, half der Karriere des Orgelbauers J.G. Schröter sehr voran.
Nach dem Konzert waren wir Gans essen.
Anschließend:
Historische mechanische Schmaltz Orgel ev. St. Nikolaus Kirche Kornhochheim bei Erfurt, Ost-Thüringen, 1 M, 9 R, wunderschöner Zimbelstern
Eine unfassbar schöne thüringische alte Dorfkirche mit Flair und Charakter im Landkreis Gotha: Die weiße kleine Barockorgel hinten auf der Westempore oben ist eine der letzten spielbaren Schmaltz-Orgeln. Sie ist zudem unverändert und nicht überformt worden.
Es ist meine zweite Schmaltz-Orgel. Die erste entdeckte ich in Elleben, Thüringen, die dringend saniert werden muss.
Diese weiße Dorfkirche ist eine Chorturmkirche.
Johann Stephan Schmaltz (1715-1784), Orgelmacher in Wandersleben in der Nähe der Burg Gleichen und Arnstadt, war früher ein beliebter Orgelbauer, genauso bekannt wie Schröter und ein Zeitgenosse Bachs. Da seine Instrumente jedoch in Brand und Krieg zerstört wurden, geriet er in Vergessenheit. Er lernte bei Thielemann, dessen Orgeln ich schon gespielt habe, und ging in Weißenfels in das Gymnasium, wo ich auch schon spielte. Er arbeitete später auch mit Kellner und Gutjahr zusammen, die ich ebenfalls kenne.
Die Orgel wurde von Knauf und 1992 von Orgelbau Hey saniert, jedoch nicht verändert.
Das Besondere dieser evangelischen Chorturmkirche ist ihr Beichtstuhl vorne im Chor, die uralte historische Tür mit Wunden und Waffenspuren aus dem Dreißigjährigen Krieg, der originale Riesenschlüssel zur Tür, fast doppelt so groß wie meine Hand, die profilierten Balken und die 21 restaurierten Gemälde der biblischen Geschichten auf den beiden blauen Emporen von 1701, die Calcanten-Anlage und Teile der ursprünglichen tiefen Decke, die in der Orgel zu finden ist.
Die Register-Gesichter sind herzallerliebst, die Akustik eine ehrliche, echte Dorfakustik. Die Gemälde des Alten Testaments sind unten, die Gemälde des Neuen Testaments sind oben zu finden; sie spiegeln sich gegenseitig.
Der berühmte thüringische Glockenaccord wurde 2015 restauriert. Insgesamt wurde die Orgel für über 100.000 Euro restauriert.
Während die dazugehörige Kirche in Wandersleben eine herrschaftliche ist, ist diese Dorfkirche eher eine für die Bürgerinnen, was sie so bezaubernd macht. Noch bis heute wird sie von den Bürgern gepflegt, beispielsweise eine Stiege erneuert.
Das Dorf hat ca. 800 EW. Die Kirche gehört auch zum Pfarramt Apfelstädt.
Da die Kirche eine Holzkirche ist mit blau-golden bemalter hölzerner Decke, einer Holztonnendecke, ist die Akustik trocken-samtig. Weil ich im kalten Winter anreiste, war die Orgel recht verstimmt.
Vorne im Chor hängen Gemälde der ehemaligen Pfarrer der Kirche.
Es ist für mich ein Geschenk, die Orgel kennengelernt und gespielt zu haben. Ich konzertierte in Wandersleben zuvor.
Der Zimbelstern ist nicht zu sehen, aber eine Klangweide. Es gibt hier also kein Glockenspiel wie in Wandersleben, aber einen Zimbelstern. Er wird Glockenaccord genannt. Das Pedal ist straight und hoch.

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