30. April 2023: Gott lenkt, die Künstlerin denkt, der Laie Johannes Sommer henkt. (AHS)
Tja. Die Zeiten ändern sich nicht.
Heute Reubke an Rieger. Der federnde, schwingende Anschlag. Das ist echt am Besten. Wusstet ihr, dass eine Orgel, die quietscht und klappert, besonders im Pedal, über Jahre entsprechend gespielt wurde?
Es gibt in der deutschen Orgelwelt 5 sehr verschiedene Gruppen. Ich beginne mit der größten, gehe von der Größe zuerst hin zur kleinsten Gruppe.
Vous êtes actuellement en train de consulter le contenu d’un espace réservé de YouTube. Pour accéder au contenu réel, cliquez sur le bouton ci-dessous. Veuillez noter que ce faisant, des données seront partagées avec des providers tiers.
Plus d’informationsDie 5 Gruppen der deutschen Orgelwelt
1. Die sog. Orgelliebhaber, Orgelfreunde oder Orgel-Nerds, auch Laien, Semis usw. genannt. Das ist die mit Abstand größte Gruppe, hauptsächlich aus Männern bestehend. Sie haben nicht viel mit Musik am Hut und nicht Musik studiert und sind oft mehr an der Orgel bzw. deren Ausstattung und Technik als an Musik interessiert. Es geht eher um Lust auf die Orgel als Maschine. Je größer und lauter, desto besser. Bedeutet: Eine oft a-musische, wenn nicht gar unmusikalische Haltung und Gesinnung. Sie erkennen daher oft nicht den Unterschied zwischen sich und studierten Musikern – weil sie Gottesdienste spielen und damit lokale Helden ihrer Kirchen sind.
Musik ist meist nicht ihre Liebe, ihr Ziel und ihre Leidenschaft. In dieser Gruppe sind zum Großteil keine Musikliebhaber. Keine, die im Publikum sitzen oder sich mit Orgelmusik oder mit Musik auskennen oder diese lieben. Es sind Orgelnerds. An einer lauten Orgel kann auch der unmusikalischste Grobian tönen und „klingen“. Er muss ja nur ziehen und drücken.
Manche aus Gruppe 1 betiteln sich sogar als „Konzertorganisten“, obwohl inkompetent.
2. Die Kirchenmusiker. Viele haben ihr Augenmerk nicht auf die Orgel gelenkt, sondern auf alles mögliche andere, Chor, Büroarbeit, Planen, Geldsammeln, Bürokratie usw. Ihre Ausbildung ist gut, aber querfeldein, es ist kein konzentriert künstlerisches Studium des professionellen Orgelspiels, sondern so weitläufig, dass Orgelspiel eins von zig andren Fächern ist. Dass man da überhaupt zum Üben kommt, das braucht enorm viel Disziplin und Talent. Viele Kirchenmusiker üben in ihrem Beruf kein neues (großes) Repertoire mehr, wenn sie überhaupt noch üben. Viele kommen gar nicht dazu, bzw. es hat ihnen sowieso nie Spaß gemacht, zu üben. Das technische und generelle Können allgemein an Tasten ist oft nicht vergleichbar mit Altersgruppe II Klavier bei Jugend musiziert, also mit 12jährigen Pianistinnen.
Auch in dieser Gruppe sind die meisten Männer. Motto der Gruppe: „Und jetzt spielt die Orgel“.
3. Die Orgelbauer. Eine sehr künstlerische Gruppe, die nicht hoch genug zu loben ist. Ich wünsche mir hier mehr Frauen. ❤️
4. Die sogenannten Orgelsachverständigen, einige davon aus Gruppe 1, viele davon sind keine Musiker, was schlimme Konsequenzen hatte und hat: Kleine und große historische Orgeln wurden vernichtet, zerstört und viele Orgeln bis zur Unkenntlichkeit umgebaut. Es geht hierbei oft um Macht, Geld und Politik. Es fehlt in dieser Gruppe an Künstlerinnen und Musikern. Auch hier sind die meisten Männer.
5. Die mit Abstand kleinste Gruppe sind die Konzertorganisten, die kleinste Gruppe hier insgesamt die der Konzertorganistinnen. Viele aus Gruppe 1-4 registrieren gar nicht, dass es die Gruppe 5 überhaupt gibt (außer im Ausland) und sind irritiert und baff, wenn sie auf diese treffen. Bei anderen Instrumenten ist diese Gruppe ganz normal. Gruppe 5 sind die Menschen, die künstlerisch studiert haben, vllt sogar zusätzlich Kirchenmusik, und von Konzerten leben.
Für sie ist die Musik oben an, nicht die Orgel an sich, heißt, die Orgel wird nie als Maschine gesehen. Kleine, historische Orgeln werden von Herzen geliebt, weil Größe und Lautstärke nicht entscheidend sind. Im Gegenteil.
Das Repertoire, Können und das Territorium werden täglich erweitert. Ohne Üben, Konzert und Musik können sie nicht leben. Sie sind empfindlich, emotional, ehrgeizig, individuell, anders, geräuschempfindlich und leben in der Musik. Sie opfern viel dafür. Sie sind eine Rarität. Eine Seltenheit. Wie eine aussterbende Spezies, die man beschützen muss.
Sie spielen oft auch andere Instrumente, unterrichten und können auch andere Kunstformen. Sie sind an der Orgel wegen Musik und deren Kompositionen interessiert. Daran, wie man diese Werke gut spielen kann. Am know-how. Dazu kommt das Interesse zum Orgelbau.
Sie sind Künstler und suchen immer nach mehr. Acht Stunden üben am Tag sind für sie kein Problem. Sie lieben die Bühne, Reisen, Einsamkeit, Leistung und meiden Mobs.
Leicht zu sehen: Die Unterschiede sind riesig. Kein Wunder, dass es da clashen kann – bei den kaum zu vereinenden Interessenlagen. Kein anderes Instrument weist das so auf wie die Orgel: Hier trifft sich alles, vom Amusicus über respektlosem Charakterschwein bis zum Genie.
Beethoven
Vous êtes actuellement en train de consulter le contenu d’un espace réservé de YouTube. Pour accéder au contenu réel, cliquez sur le bouton ci-dessous. Veuillez noter que ce faisant, des données seront partagées avec des providers tiers.
Plus d’informations
Übrigens: Das klackende Geräusch von Dosen, die geöffnet werden, gehört meiner Meinung nach zu den hässlichsten Geräuschen.
Vous êtes actuellement en train de consulter le contenu d’un espace réservé de YouTube. Pour accéder au contenu réel, cliquez sur le bouton ci-dessous. Veuillez noter que ce faisant, des données seront partagées avec des providers tiers.
Plus d’informations
Vous êtes actuellement en train de consulter le contenu d’un espace réservé de YouTube. Pour accéder au contenu réel, cliquez sur le bouton ci-dessous. Veuillez noter que ce faisant, des données seront partagées avec des providers tiers.
Plus d’informations

Leave a Reply