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Buchholz Grüneberg Orgel Sankt Marien Barth

Buchholz Orgel St. Marien Kirche zu Barth Pommern Ostsee

ev. Pfarrkirche (1250) Vorpommern

Orgelbauer:

Johann Simon Buchholz und Carl August Buchholz (Berlin) / Barnim Grüneberg

Baujahr:

1821 / 1896 / 1964 / 2003

Datum des Erstbesuchs:

3. August 2026

Disposition und Spielhilfen

Große historische, frühromantische Buchholz Orgel ev. St. Marien Kirche Barth in Pommern, 3 M, 50 R, 2939 Pfeifen in 62 Pfeifenreihen, Knieschweller, Sperrventile

Die riesige Orgel der St.-Marien-Kirche in Mecklenburg- Vorpommern ist ein historisches Meisterwerk der Frühromantik und besitzt den größten originalen Pfeifenbestand aller Buchholz-Orgeln in Deutschland. Das Instrument wurde 1821 erbaut durch die renommierten Berliner Orgelbauer Johann Simon Buchholz und Sohn Carl August Buchholz.

1896 wurde die Orgel durch den Orgelbauer Barnim Grüneberg überarbeitet. Dieser fügte das dritte Manual, das SW hinzu, mit 8 Registern, mechanische Kegellade. Der originale Buchholz in I und II und Pedal ist Schleiflade.

Original hatte die Orgel nur 42 R. Die Registerzüge des neuen dritten Manuals müssen in gezogenem Zustand eingehakt werden, da Kegellade.

Das Instrument ist echt bemerkenswert mit dem höchsten Originalbestand an Pfeifenwerk von Buchholz und einen für die Zeit ungewöhnlichen originalen Manualtonumfang bis g3. 

2001 bis 2003 wurde sie umfassend saniert durch die Werkstatt Orgelbau Wegscheider aus Dresden.
Sie besitzt mechanische Ton- und Registertrakturen, mit Barkerhebel im I. Manual, und hat sowohl Schleifladen als auch Kegelladen. Sie ist dennoch schwergängig. 

Original hatte sie einen klassizistischen Prospekt. Dann / nun einen neugotischen Prospekt passend zur Kirchensanierung 1896 bis heute.

Ich liebe sowohl Buchholz als auch Grüneberg Orgeln. Auch Eule hatte ihre Finger im Spiel: 1964 baute diese Firma die Orgel nach dem Zeitgeschmack teilweise um. Leider lag sie dann sehr lange brach und wurde unspielbar.

Von 2001 bis 2003 nahm sich endlich Orgelwerkstatt Wegscheider die Orgel an, restaurierte die Bälge, die Windanlage, das Pfeifenwerk, die Traktur, den Spieltisch und den Prospekt. Er baute zudem eine rekonstruierte Contraposaune 32′ wieder ein.

Das Instrument verfügt über 2939 Pfeifen. 90 % der Bestandteile sind von Buchholz und Grüneberg.

Die rote norddeutsche große Kirche erinnert an die Kirchen in Greifswald, Cottbus, Stralsund …

Die Kirche besitzt einen frühgotischen Chor mit Kreuzrippengewölbe.

Eine 2932 kg schwere und 175 Zentimeter große Denkmal-Glocke im Ton a0 ist die zweitgrößte Bronzeglocke Vorpommerns; sie erklingt an Festtagen. Es gibt insgesamt 5 Glocken.

Barth hat ca. 9000 EW und liegt 60 km entfernt von Greifswald.

SW I

Lieblich Gedackt 16′

Geigenprincipal 8′

Viola d’amour 8′

Flauto traverso 8′

Aeoline 4′

Fugara 4′

Flaute dolce 4′

Mixtur II-III

HW II

Principal 16′

Quintatön 16′

Principal 8′

Rohrflöte 8′

Viola da Gamba 8′

Nasard 51/3

Octava 4′

Gemshorn 4’

Quinta 22/3

Superoctava 2’

Terz 13/5

Cornett IV (ab c1)

Progressio harmonica III-V

Trompete 8′

Trompete Discant (ab c)

OW III

Bourdon 16′

Principal 8′

Salicional 8′

Gedackt 8′

Octava 4′

Fugara 4′

Rohrflöte 4′

Nasard 22/3

Flageolet 2’

Larigot 11/3

Decima Quinta 1′

Mixtur IV

Fagott 16′

Fagott und Hautbois II 8’

Pedal

Principal 16′

Violon 16′

Subbass 16′

Groß Nasard 102/3′

Gemshorn 8′

Violoncello 8′

Nasard 51/3′

Octava 4′

Waldflöte 2′

Contraposaune 32′

Posaune 16′

Fagott 8′

Cornetta 4′

Die rote Backsteingotik-Kirche besitzt einen frühgotischen Chor mit Kreuzrippengewölbe. Diese Stadtkirche gegenüber der Halbinsel Zingst ist eine Augenweide.

In Barth habe ich schon mit Klavierabenden konzertiert.

Besonders schön ist der Knieschweller, was äußert selten ist. Er hängt rechts. Ich bin obsessed mit ihm.

Grüneberg ist Buchholz-Schüler.

Der Turm mit Wetterhahn, 80 Meter hoch, ist von 1450. Er erinnert mich an die dicke Marie von Greifswald. Die Barther Bibel ist von 1588. 2012 wurde die Kirche renoviert. Das Segelschiff in der Kirche ist von 2005, ein Votivschiff als Weihgabe von den Seeleuten.

Die Kirchenbibliothek ist beeindruckend.  

Das hölzerne Kruzifix von 1350 im rotblauem Gewölbe ist sehr schön, ebenso die Reformationskanzel.

 

Spielhilfen & Koppeln

I/II, III/II, Schwellwerk Tutti (Tritt), Ventil Manual, Ventil Oberwerk, Ventil Pedal (Großpedal), Ventil Pedal (Kleinpedal), Evacuant

Klang und Akustik

Klanglich ist das Instrument nach der Buchholz-Orgel in Brasov (Kronstadt) in Rumänien bedeutsam: Mild, hell, singend, gleichmäßig.

Das HW ist in der Mitte. Das SW tatsächlich unten. Das Grüneberg-Kegelladen-Werk oben OW III. Die Registerzüge des HW sind senkrecht in der Mitte. Die Registerzüge des Schwellwerks sind ganz unten horizontal quer, das Pedal vertikal ganz rechts; und die Registerzüge für das Kegelladen-Grüneberg-OW ganz links außen: diese müssen eingehakt werden.

Das Pedal ist breit und groß und erinnert mich an das Pedal von Ladegast-Orgeln.

Die Zungen sind schön und frisch gestimmt. Besonders gefällt mir  das geteilte Kegelladen-Fagott im OW und die Trompete im HW: zwei Trompeten mit der stärkeren Trompete unten. Es gibt keine Pedalkoppel und kein Tremulant.

Buchholz-Orgeln sind etwas milder im Klang als Ladegast.

Persönliche Note

Mein Konzert gestern war sehr schön und gut besucht. Vorher gab es Sekt. Leider nicht für mich. Viele Urlauberinnen waren da. Anschließend wurde ich zu leckeren Cocktails und Flammkuchen in der Nachtbar eingeladen, während die Sonne über dem Bodden unterging.

Barth ist eine süße ruhige Hafenstadt: Maritime Atmosphäre, Stadtmauer, Türme, Barther Bodden (flache Lagune in der Ostsee), enge Gassen, Hafen, Strand, Altstadt, Vorpommersche Boddenlandschaft.

Die Sommerkonzerte sind 12 € Eintritt.

Es ist kühl und angenehm hier, 21 Grad. In Würzburg glühen sie bei 38 Grad.

Der Spieltisch mit Sperrventilen und Pedal erinnert mich an die Ladegast Orgel in Schwerin und Köthen, so auch das Gehäuse. Die riesigen Pedalpfeifen des breit aufgefächerten Prospekts stehen über meinem Kopf. Die Akustik ist angenehm.

Ich wohne in der Künstlerwohnung gegenüber. Vor der Kirche steht eine große, herrliche Blutbuche.

Auch das SW unten besitzt einen 16-Fuß, sehr schöne Streicher und Flöten und eine milde Mixtur. Der Fußtritt unten ist Tutti Plenum nur für das SW.
Der Knieschweller ist sehr heikel zu bedienen und tut bei kurzer Hose weh.

Das Pedal ist reich bestückt. Ohne gezogene Sperrventile läuft gar nichts. Die Koppeln nicht wieder reindrücken, dann können sie hinten verkeilen; sie flutschten vorn allein wieder zurück. Das Fagott und die Posaune und die Cornetta 4 im Pedal sind spitze. Mit den Füßen abstützen kann man sich nirgends. Die Manuale haben ziemlich Nebengeräusche, was ich mag. Ich mag es, wenn das Pedal mehrere 4-Füße hat.

Wenn man den Knieschweller nicht aus dem Weg räumt, ist er sehr im Weg. Er hat viel mehr Zug als ein Knieschweller beim Harmonium. Ich stecke einen Radiergummi dazwischen. Selbst zu registrieren ist hier nicht leicht, da die Register außen sehr weit weg sind. Man muss die Farbpalette  auswendig können.

Der Spieltisch schmiegt sich weit in die Wand.


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