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Romanautorin

Gedanke 43: Tastenkunst.

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Tastenkunst

Freiheit ist weder Chaos noch Zufall. Bekenntnis und Plan gehören zur Freiheit. Beschreibungen sind in der Musik wie auch in der Literatur eine Form von Bekenntnis, eine noch anfängliche, sei es die Beschreibung des Meeres oder des Universums, und führen zu größeren, tieferen. Beschreibende Musik wie Debussys, Ravels, Strawinskys sind keine bekenntnislose Musik.

Auch die Geburtsstunde der ‘seriellen oder vororganisierten’ Musik, zum Beispiel Stockhausen, ist nicht Anti-Bekenntnis. Musik von Messiaen geht weit über Reihenmusik hinaus, weit über die Organisationen von Skalen. Atonalität, fixierte musikalische Punkte und Konzepte und absolute Musik tropfen und tränen vor Bekenntnis. Konzepte allein sind keine Kunst.

Selbst Stockhausen bewegte sich aus seiner fatalistischen, dogmatischen Gruppe der elektronisch und seriell determinierten Musik, in der nicht anders komponiert werden durfte und die viele begabte Menschen vertrieben hatte (heute nicht viel anders), fort und heraus.

Gedanke 33: Winterwonderland

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Winterwonderland

Ansonsten erscheint mir die Universität allein, ohne Außenwelt, manchmal wie eine gefährliche Mischung aus Unter- und Überforderung, die einen Kopf aus Wissen groß wie ein Ballon anschwellen lässt, in dem nicht das Wichtigste drin steckt, da Hände und Herz fehlen und oft nicht praktisch erlebt werden, ohne angemessen dazuzugehören.

Vielleicht auf Exkursionen, die ebenfalls wieder Lehrveranstaltungen sind, nur extern, wird ein wenig nacherlebt. Etwas paradox finde ich, dass an der Universität oft auf der einen Seite dazu angehalten werden, sehr kritisch zu sein und alles zu hinterfragen, zu bewerten, zu vergleichen — aber natürlich nicht diejenigen, die gerade lehren.

Und auf der anderen Seite aber geradezu zum Schweigen erzogen, zu einer Art diplomatischem Schweigen, statt tatsächlich an den Punkten wachsam und kritisch zu werden, auf die es ankommt.

Denn es ist wichtig, Ärger, Hindernisse und Steine im Weg direkt ertragen zu lernen, um Dinge zu verändern. Wann und wie sollte man es sonst später noch tun? Doch sauge ich alles Neue zufrieden und wissbegierig auf wie ein Schwamm.

Wichtig ist, dass man sich eifrig und selbstständig einliest, um von den Seminaren und Vorlesungen genügend zu haben, sonst ist es langweilig und nur Schall und Rauch. Ich schätze Seminare, an denen sich alle untereinander beteiligen.

Die wichtigsten Dinge des Lebens werden nicht durch gelerntes Wissen kompensiert. Ein Mensch wird oft getäuscht von dem, was er äußerlich sieht und hört. Es schlummert bereits ein Wissen in uns, das entscheidend ist. Das darf man sich nicht zumüllen lassen.

Schweiz

04. Januar 2010

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Osnabrück

Ich freue mich, meine Verwandtschaft väterlicherseits in Osnabrück zu besuchen. Ich spiele dort und unterrichte. Gabi schreibt auch Lyrik. Sie hat mich in ihr Literatur-Radioprogramm eingeladen. Es wird wohl ein intensives ZwanzigZehn.

Ich freue mich darauf, in den Osterferien die Pyramiden und Kairo zu sehen. Wir baden zuvor einige Tage im Roten Meer, da war ich schon mal, in einer anderen Ecke, in Eilat, an der israelischen Küste. Nun ist es das Rote Meer in Hurghada, Ägypten. Ich freue mich auf mein schwedisches Gesangbuch, das ich geschenkt bekommen habe.

Manchmal, wenn ich zuhause übe oder schreibe (meistens beides gleichzeitig), komme ich mir vor wie unter einer Art Glocke, einer künstlerischen Glocke, einer positiven Zauberzone, als wäre die Luft anders. Es war für mich nicht leicht, künstlerisch tätig zu sein, ohne mich eingesperrt zu fühlen. Erst wenn ich locker lassen, spüre ich, wie sich dieser Widerwille für Verantwortung, Kunst, Disziplin und auch gegen Leitung in irgendeiner Art legt. Eigentlich leite ich sehr gern. Noch immer ist es für mich emotional, meine Verwandtschaft nach 15 Jahren kennen zu lernen, manche habe ich noch nie gesehen. Und plötzlich so viel Kontakt. Da spüre ich bereits eine große Verantwortung. Überhaupt spüre ich das überall. Und wenn ich nur eine Taste berühre. Ich möchte mit meinem ganzen Leben ein Zeugnis sein. Wenn ich gegen den Widerwillen, was Leitung angeht, ankämpfe, hilft das nicht, sondern erst wenn ich mich entspanne. Niemand kann seine Berufung bekämpfen. Es ist für mich wichtig und gesund, kreativ zu sein. Es ist eine ganz andere Art, wenn man in Freiheit und Entspannung kreativ ist.