Interview & Facts

Interview und Hintergründe

Was waren Ihre Beweggründe, Pianistin zu werden? 

Das Klavier und die Orgel faszinieren mich, aber auch das Clavichord und Cembalo. Es ist mir einfach ein Bedürfnis, Musik zu machen und mich künstlerisch auszudrücken. Ich glaube, wir als KünstlerInnen müssen wieder Schönheit in diese Welt bringen, besonders jetzt. Ich hatte das große Vorrecht, in einer Solistenfamilie aufgewachsen zu sein. Dafür bin ich dankbar. Für mich ist diese Identität normal. Die meisten können sich das Leben von Pianisten nicht vorstellen. Pianistin sollte ich werden, Künstlerin bin ich geworden. Klaviermusik und Symphonien gehörten für mich immer zum Leben dazu. Ich habe erst in der Grundschule verstanden, dass nicht jedes Kind Klavier oder Geige spielt. 
Ich begann mit 3 Jahren mit dem Klavierspiel. Parallel zum Musikgymnasium fing ich später an, an der Musikhochschule Würzburg zu studieren, spielte jedes Jahr künstlerische Wettbewerbe, seit ich 5 bin. Erst in den ersten Semestern in Köln dachte ich darüber nach: Wie es ist, Berufsmusikerin zu sein — unabhängig vom Tun, unabhängig von meinen Eltern. Ich musste mein eigenes Ja zu meiner Berufung finden. Und diese geht weiter über das Klavier hinaus. Ich liebe Lyrik, die Orgel, die Prosa, Komponieren. Konzertieren ist meine Leidenschaft. Mein Vater hat seit meiner Kindheit meine Vorspiele und Unterrichtsstunden aufgenommen. Daher kommt meine Leidenschaft, CDs einzuspielen und zu veröffentlichen. 

Und Organistin?

Ein Leben ohne Musik ist für mich nicht vorstellbar. Meine frühesten Erinnerungen hängen mit Klaviermusik und Orgelmusik zusammen. Schon als Kind habe ich eigene Stücke, Texte und Lieder komponiert. Es entsteht in meinem Herzen. Das, was mich berührt, bewegt, entwickelt sich weiter zu Melodien und Geschichten. Ich habe die schönste Berufung, die ich mir vorstellen kann. 

Was ist für Sie ein entscheidender Unterschied zwischen Klavier und Orgel?

Ich liebe die Mikro-Wechsel im Anschlag und im Absprechen des Tones an der Orgel, die Schwerpunkte durch aktives und nicht-aktives Spiel (falls es nicht-aktives Spiel überhaupt gibt). Und dass sich Triller entwickeln. Am Flügel klingt ja meist nie ein Ton wie der andere, denn die Dynamik löst dies “von allein.” Jedoch an der Orgel muss man aktiv dafür sorgen, dass keine Achtel wie die andere klingt, dass stets Schwerpunkte gesetzt sind, gezielt, nicht nach Belieben, pointiert, ohne Beulen. Am Flügel ist vieles instinktiv nach Klang gelöst, aber an der Orgel geht es nicht nur mit Eingebung, sondern definiert, kontrolliert. Was am Klavier “von allein” gut klingt, kann an der Orgel erschreckend doof klingen, auch wenn man es noch so gut meint. An der Orgel klingt pianistische Dichte oft unartikuliert – die Klangsprachen muss man für sich also genau trennen können. 

Das Absprechen des Tones singt.

Wortgrenze durchbrochen

Und seit wann Literatur und Komposition?

Seit meinem 8. Lebensjahr schreibe ich Gedichte. Jetzt entstehen sie auf meinen Reisen und am Klavier. Die Worte werden Musik, inspirieren, können zum Nachdenken und Träumen anregen.

Wann war Ihr erster Bühnenauftritt?

Mein erster Bühnenauftritt war mit 5 Jahren in Nürnberg beim Preisträgerkonzert Jugend Musiziert.  Erinnern kann ich mich kaum daran. Ich habe noch die Urkunde. Dann mein erstes Solo-Recital mit 9 Jahren. Mit 11 Jahren zum ersten Mal soliert mit Orchester (im Nürnberger Opernhaus). Die Orgel studierte ich erst 2017, da war ich längst mit dem Künstlerischen Studium und Konzertexamen Klavier fertig. Innerhalb von einem Jahr machte ich meinen ersten sehr guten Orgelabschluss. 

Welche sind Ihre Lieblingskomponisten?

Johann Sebastian Bach.

Bach. Dann Liszt, Haydn, Lili Boulanger, Claire Delbos, Jeanne Demessieux, Jeanne Joulain, Beethoven, Buxtehude, Bruhns, Brahms, Muffat, Sofia Gubaidulina und Tschaikowski. Und Schubert! Und Clara, Chopin, Schumann und Messiaen. (Und Mozart) In der “U-Musik” mag ich Tori Amos, Joni Mitchell und Eva Cassidy. 

Was ist für Sie “klassische Musik”?

Es ist für mich ewige Musik, immer auf der Suche nach Schönheit und Perfektion in Melodie, Proportion, Rahmen und Form, mal elegant, edel, mal fröhlich und lächelnd, mal ernst und schmerzvoll, mal süß, mal unschuldig, dann wieder voll Wut, Feuer und Sturm, mal romantisch, aber immer genau, kunstvoll und exakt in Noten notiert und komponiert im Gegensatz zu Jazz, Pop, Volksmusik…

Was sind Ihre Lieblingsautoren und Vorbilder?

Selma Lagerlöf, Undine Gruenter, Paul Gerhardt, Annette von Droste-Hülshoff, Astrid Lindgren, Marie Curie, Francine Rivers, Ingeborg Bachmann, Jochen Klepper, Andreas Werckmeister, Greta Thunberg, Martin Luther, Leo Tolstoi, Tomas Tranströmer, Harriet Beecher Stowe, Johannes (Johannes-Evangelium) und mein Vater Karl-Heinz Schlüter

Welches Instrument spielen Sie zuhause? 

Den schönsten Flügel der Welt: Einen neuen brillanten Steinway B (2016 in Hamburg gekauft). Und eine Hauptwerk-Orgel mit schönen Klängen (Os-Organum Hessen, 2019). Außerdem besitze ich eine Martin-Gitarre, Saxophone Sopran und Tenor und eine C-Melody. Diese liegen unter meinem Flügel. (Und dann habe ich ein Yamaha Stage Piano und zwei Altflöten.)

Was sind Ihre Glücklichmacher?

Toffifee, Tiere (besonders Wildtiere und Pferde, Hunde, Katzen, Vögel, Zugvögel), Stofftiere, Sonne, Latte Macchiato, Meer, warmes Bett, Lesen, Zeit, Düfte, Sauna. Und vor allem Gott. 

Was fasziniert Sie an Bachs Musik? 

Seine Hingabe, Geduld, Demut, sein Trost und Gefühl und sein Soli Deo Gloria. Und das Dramatische und Zärtliche in seiner Musik innerhalb von Weisheit und Rahmen. Seine Musik ist nie aufgeplustert und vertont, wie die  Bibel Liebe beschreibt: Sanftmütig, gibt nie auf, bläht sich nie auf, erträgt alles, glaubt alles. 

Was bedeutet für Sie Üben?

Als Kind war ich eher verträumt und übte viel weniger als meine Schwestern, träumte lieber. Aber seit ich erwachsen bin, liebe es ich es, zu üben. Üben ist mein Rückzugsort von der Welt und die Begegnung mit Schönheit. 

Welche Geräusche mögen Sie nicht?

Ich mag es nicht, wenn jemand im ICE neben mir laut eine Mohrrübe ißt. Gibt es denn nicht genügend andere Dinge, die man im Zug essen kann? Lärm hasse ich.

Was für ein Auto fahren Sie?

Einen Beetle namens Drop. Jedoch bin ich keine Langstreckenfahrerin, wohne manchmal aufgrund meiner Konzertreisen im ICE. Das ist bequemer (auch wenn jeder auf die Deutsche Bahn schimpft, ich nicht; wie sollte ich ohne die Bahn zu den Konzerten kommen? Inlandflüge gehören verboten aufgrund der Klimaverschmutzung). Außerdem habe ich den Motorradführerschein. Früher in Köln, während des Studiums, bin ich eine große orange Vespa gefahren mit einer Sonnenblume auf dem Kotflügel. Ich vermisse sie. Statt Vespafahren reite ich. Ich liebe Tiere, besonders Hunde und Pferde. Aufgrund meiner Reisen aber kann ich keine eigenen Tiere mehr haben (früher, als Kind, hatte ich Kaninchen, Kanarienvögel, dann Meerschweinchen) und nehme daher einmal die Woche Reitunterricht. Neben Laufen ist dies mein Sport. 

Eine Begabung kommt selten allein. Sie haben eine außergewöhnliche Zusammensetzung von Talenten…

Es geht darum, Neues zu schaffen, Kreativlüste auszuleben, Musikalität in allen Facetten zu genießen. Freiheit und Kunst gehören zusammen, und die Welt und das Universum sind nicht nur Schwingung, sondern Klangwerte und Resonanz, ein Instrument. Ich fühle mich sowohl zur Musik auch als zur Literatur sehr hingezogen. Es ist nicht immer leicht, ganz auf die Konzerttätigkeit und die Kunst zu setzen und nicht durcheinander zu kommen, immer noch mehr lernen zu wollen, dazu Marketing, Organisation, Akquise, Proben, Verkauf, künstlerische Entscheidungen.

Wir leben in einer money culture. Frauen “müssen (immer noch) bescheidener sein”. Weibliche Vorbilder zu finden ist schwer. Daher bin ich gern VorreiterinIn der Musik fallen Lyrik, Farben und alle poetische Kunst zusammen. Es ist die Mischung, die die Menschen berührt und fasziniert, Horizonte öffnet, Grenzen und Mauern durchbricht. 

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Kunst ist Raum. (Ann-Helena Schlüter)


Facts

  • Start Piano Playing: Age 3 (born into a pianist family)
  • University of Music Würzburg: age 16
  • Instruments: Piano and Organ
  • First Piano Competition: Age 5
  • Start Writing Poems: Age 8
  • First Full Recital: Age 9
  • First Public Orchester Concert: Age 16
  • First 1. Literature Prize: Age 16
  • First Published Prosa and Poetry: Age 16
  • Total Recitals Played: at least 1500
  • Start Playing Organ: 2015
  • Voice and Choir
  • published Books: 8
  • published CDs: 10
  • Total Number of Scholarships: 10
  • Youngest Member of Verband Deutscher Schriftsteller: Age 16 after 1. Prize
  • First Prizes Piano and Literature: 12
  • Written Songs: 201
  • Degrees Earned: 8 (some in the same year)
  • Favorite Sport: Horse Back Riding, Running
  • Cities Visited: ca. 1000
  • Countries Visited: 55
  • Continents Visited: 6
  • Perfect Pitch
  • Number international Masterclasses: 22
  • Masterclasses given, Germany & abroad: 14
  • Diplomarbeit, Masterarbeit, Magisterarbeit, Bachelorarbeit
  • Next Tour: Neuseeland, Kanada, China, Japan
  • Instruments for Fun: Saxophon, C-Melody, Guitar, Recorder, Percussion
  • Interests: Acryl, Oil, Coal, Chess, Horse Riding, Stepp-Dance
  • Languages: Englisch (TOEFL Graduate), Swedish (Niveau B2), Großes Latinum
  • Gestaltung sozialer, künstlerischer und sozialdiakonischer Projekte, speziell in Asien, Osteuropa, Afrika, Kombinieren von Elementen verschiedener Kunstsparten mit Musik (Ehrendiplom Universität Manila, Philippinen), Musik und Literatur kombiniert, Leinwand-Malen mit Improvisation, Komposition, Jazz, Bach
  • Duos: Martina Trumpp, Christian Busslinger, Tanno Michalke, Lena Wirth, Nina Osina, Uwe Steinmetz, Susanne Lampidis-Pirsch, Senta Studer, Carola Thieme, Torsten Laux, Kathrin Duschek, Rafael Lukjanik
  • Jazz: Com’Ann Ann-Helena & Band: Michael Reiß, E-Gitarre; Julian Soder, E-Gitarre, Bass; Benedikt Held, Kontrabass; Lena Wirth, Violine; Vladimir Strecker, Sax; Thomas Frühinsfeld, Rouven Köhnen, Mathias Scheurer, Drums; Andreas Claus, Label & Verlag; Ann-Helena, Piano, Gesang, Songs, Produzentin
  • Teaching: Jazzhausschule Köln, Klangwerk Koblenz, Arizona State University, Performing Art Studio Scottsdale, Phoenix, AZ, USA, Musikschule Schweinfurt Hochbegabtenförderung, Konservatorium Magdeburg, Zempleni Musikfestival Ungarn, Crescendo International, Dozentin Universität Würzburg, , Dozentin Jeunesses Musicales Weikersheim, Referentin Improvisations- und Songwritingseminaren; Leitung wissenschaftlicher, pädagogischer Projekte, regelmäßige Schülerkonzerte DTKV (Deutscher Tonkünstlerverband), Hochschule für Musik Würzburg


“Thanks to my friends, family, sponsors, my God. S.D.G.”


Probe Rainpearls