Blog und Tourblog

Mit täglichen Impulsen ein Kunstwerk über Leben, Musik, Wunder und Erkenntnis. Tourberichte, lebendig, leidenschaftlich, provokativ und zum Nachdenken.

14. Mai 2020

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So viel in dir Liebe wächst, so viel wächst die Schönheit in dir. Denn die Liebe ist die Schönheit der Seele. (A. Augustinus)

Und ohne Schönheit innen kann man nichts Schönes nach außen kreieren, was bleibt.

Ich bin gespannt, was heute Schönes passiert. Bach und Liszt zu üben, ist auf jeden Fall schon schön.

Neues Video mit Vibraphone und Flügel in Hanau (Chopin):

13. Mai 2020

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Das Herz gibt allem, was man weiß und sieht, die Farbe. (J.H. Pestalozzi)

Mein Taktstock von Rohema gefällt mir gut, er hat einen kernigen Korkgriff, da mir Holz zu glatt ist, allerdings sehr lang, 36 cm; man soll seinen Taktstock als guten Freund sehen, einen, den man immer in der Hand hält – damit man sich an ihn gewöhnt und er nichts Fremdes ist, kein Fremdkörper. Da ich nun immer an der Orgel sitze, ist es nicht leicht, immer einen Taktstock in der Hand zu haben. Der Stab selbst ist aus Holz,  lässt sich also nicht biegen, und ich hoffe, er geht nicht kaputt. Momentan liegt er, wenn ich ihn nicht brauche, in meiner Klangschale auf dem Flügel. Mein Cembalo ist auch ein neuer Freund. Es ist größer als ich dachte, und das Stimmen nach Valotti oder Werckmeister ist auch nicht so leicht, wenn man es gut machen will.

12. Mai 2020

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Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft. (Dostojewski)

Ich verstehe schon, wenn manche meinen, Liszt an der Orgel sei etwas oberflächliche, gar düstere Musik. Aber mir gefällt es schon, es hat doch etwas Wunderschönes, und ich muss sagen, das Orchestrale und die Melodieführungen ist genial: Ich übe nun Ad nos von Liszt, mein bisher längstes Orgelwerk von knapp 30 Minuten. Es ist auch historisch gesehen das erste große symphonische, experimentelles Orgelwerk. Da ist dem Franz Großes gelungen. Er hat eine neue besondere Gattung mit angestoßen und initiiert, und das in vielen Fassungen. Das Werk wird sehr unterschiedlich interpretiert, auch improvisiert. Ich vergleiche dabei oft meine neue UE-Ausgabe mit der alten Straube-Ausgabe. Schon B-A-C-H von Liszt habe ich sehr gemocht, auch wenn dieses viel kompakter ist, nicht so “redselig”.

Auch dass Liszt tutti tenuti “erfunden” hat, finde ich sehr schön. Die romantische Orgelmusik mit Reubke  und Reger, vor allem in ihrem historischen Kontext und in ihrer Zeit gesehen, hat schon etwas Faszinierendes. Und Liszt liegt mir besonders gut. Die Agogik und Dynamik und Virtuosität. Jedoch vom stundenlangen Üben tun mir manchmal wieder die Hände weh. 

Bei Bach liebe ich die Hexachorde, diese alten, heiligen Linien aus dem 17. Jhd., die er noch verwendet, vor allem in Piece, die drei Hexachorde Durum, Mollum und Naturale. Bevor er Piece schrieb, soll seine erste Frau gestorben sein. In diesem Werk ist Heiligkeit, aber auch ein Liebeslied zu hören, Zartheit, Ewigkeit, Schmerz und Glocken, als wäre bei Bach Tod und Beerdigung und Ewigkeit und Freude auf den Himmel, Aufstieg, Abstieg, Aufstieg  miteinander verwoben, als würde er vertikal und horizontal den Rahmen sprengen, so auch in der Passacaglia.

Klais-Orgel Würzburg 

11. Mai 2020

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Nie vergesse ich deine Güte, und von deiner Treue lebe ich. (Psalm 26,3)

Ich finde das Leben des jüdischen Komponisten Edwin Geist spannend und traurig.

Empfehlen kann ich den Film Das bescheuerte Herz.

Bei Bachs Musik bin ich begeistert, dass er stets den Rahmen sprengen will – mit unglaublicher Kunst und Kraft schafft er es jedoch immer, im Rahmen zu bleiben. Bei Liszt ist es beinahe erstaunlich ähnlich. Trotz seines Schwelgens bleibt er erstaunlich gut “im Rahmen”. Das finde ich entscheidend für Kunst. 

Sehr gern mag ich Eis mit Marzipan-Geschmack. Es heisst natürlich Amadeus. Und Spargel liebe ich. Es ist gar nicht so schwer, es selbst gut zu machen, jetzt, wo man nicht essen gehen kann. Dieses Take-Away ist ja nicht so meins, macht man aber, um die lokalen Geschäfte zu unterstützen.

Mainfrankentheater

10. Mai 2020

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Wir sollen lieben, bis es schmerzt. (Mutter Theresa)

Muttertag. Ich denke gern an St. George’s Anglican Church in Hobart. Tasmanien! Was waren das für schöne Zeiten, in der Welt herumzureisen.

Ich erinnere mich auch an meine Zeit, in der ich viel in (frei)kirchlichen Gemeinden und Konferenzen gespielt habe. Oft wurde dort darüber geredet, dass Kreativität und (große) Gaben Götzendienst sein könnten, aber die, die dies sagten und kritisierten, haben nie ihre eigenen Dingen und Aufgaben gemeint, sondern die Dinge anderer. Und diese haben meist darüber bestimmt, wann und wie etwas als “Götzendienst” zu betrachten ist. Aber ich war zu naiv und jung, um das zu begreifen. Ich wusste nur: Ich bin lange noch nicht so kreativ, wie ich es sein möchte. Was ist, wenn Gott schon jetzt etwas dagegen hat, dass ich künstlerisch bin, wo ich doch noch nicht mal richtig angefangen habe? Erst viel später und außerhalb dieser Szene habe ich verstanden, wie sehr Gott Kunst und Kreativität schätzt und möchte. Seine Stimme ist leise.

Es gab  in dieser Szene eine bestimmte Sprache. Nur wenn man die richtig spricht und nichts in Frage stellt, gehört man dazu. Ich habe dort dennoch viel gelernt. Es ist, als hätte ich immer eine innere Alarmglocke in mir, wenn ich zu sehr auf mein Eigenes fixiert bin. Das ist ein guter Schutz. Ich bin innerlich geprägt worden von dem Fragen nach Gott, egal, in welcher Szene ich mich bewege. Und es gibt viele Szenen. Die Szenen sind sehr unterschiedlich, gar entgegengesetzt und doch immer gleich, denn die Menschen sind überall gleich. Ob Kirche, Gemeinde, säkulare, weltliche Orte, Hochschulen, Wirtschaft, Events, es geht oft um Macht. Daher bin ich dankbar, dass ich viele unterschiedliche (christliche) Szenen und Umfeld(er) intensiv erlebt habe. Mich kann eigentlich nichts mehr verwundern. Ich kenne alle diese Sprachen und Codes und durchschaue sie.

Nun steht also mein Cembalo mit den zwei Manualen hier bei mir. Ich bin gespannt, wie es wird, darauf zu spielen und es regelmässig zu stimmen. Ich glaube, dass ich mich bei meinem absoluten Gehör erst an diese besondere, spezifische Schwebung gewöhnen muss.

9. Mai 2020

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Ich nahm die Wahrheit mal aufs Korn und auch die Lügenfinten. Die Lüge macht sich gut von vorn, die Wahrheit mehr von hinten. (Wilhelm Busch)

Super formuliert! Gut beobachtet. Ich stimme überein.

Ich fühle mich nicht, als hätte ich Berufsverbot wegen C-19, denn ich übe mehr als je zuvor, übe in Ruhe, habe bald Prüfungen, komponiere, schreibe, Dissertation. Aber ich freue mich so, wenn ich wieder reise. Ich weiß ja schon gar nicht mehr, wie ein ICE von innen aussieht :). Morgen!

Ach, ich liebe es, wie Bach fünfstimmige Polyphonie flächig gestaltet wie in Piece d’Orgue: Die Linien werden immer länger, um in züngelnden Flammen, Orgelpunkt  und Flügeln zu enden: Der dritte Teil ist der lauteste, Höhepunkt, Crescendo.  (Unbegreiflich, wie man dies flötig registrieren kann.)

Ich freue mich, dass neue Werke von mir in E eingestuft wurden. Aber es kommen noch ganz viele. Der Musikdienst der GEMA braucht sehr viele Monate zum Einstufen. Viele Männer-Kollegen werden überhaupt nicht geprüft, sondern gleich in E eingestuft. Es geht ja um Geld. Ich habe noch keine Antwort erhalten, warum dies so ungerecht und diskriminierend ist. Es ist eine reine Männerjury der GEMA, die Werke einstuft. Sie behaupten, das wäre “eben so gewählt worden”, dass es eine Männerjury ist.  Dabei sind die, die wählen dürfen, hauptsächlich Männer. Da achtet die GEMA darauf, dass es hauptsächlich Männer sind, die ordentliche Mitglieder sind, denn es geht um Macht und Männerdominanz. Die GEMA ist für mich sehr frauenfeindlich. Seitdem ich das angesprochen habe, bemühen sie sich mehr als sonst, nach außen frauenfreundlich zu sein in ihrem Magazin. Nur Show. Die Realität sind anders aus. Ich bekomme das zu spüren. Da ist man als Komponistin mit eigenen Werken allein mit dieser Männerjury der GEMA. Und ich weiß, wie es ist, Männern allein gegenüberzustehen (siehe Frankfurter “Kirchen”musikabteilung).

Ob man gläubig ist oder nicht und das Theologische wird nicht geprüft in der “Kirchen”musikabteilung. Manche haben eine Bibel noch nie von innen gesehen. Die Kirche wird benutzt für die eigene Plattform. Weil man es woanders nicht geschafft hat (Theater/Bühne/Solokarriere). Diese Plattform nennen die Kirchenmusiker dann “Musik an der Kirche”. Es ist ein Benutzen und könnte man auch “Sport an der Kirche” oder “Nähen an der Kirche” nennen. Und das sind nach eigenen Worten “erfahrene” Kirchenmusiker. Die Frage, in was sie erfahren sind. Erfahren, die Kirche für das Eigene zu nutzen. Sie könnten das Evangelium nicht erklären, denn sie kennen es nicht. Es sind im Grunde Atheisten.

8. Mai 2020

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Offenheit für die Zukunft, die noch im Verborgenen liegt, im Geheimnis des Augenblicks. (Doro Zachmann)

Es ist schön und spannend, wie fein anders Bach seine crescendi aufbaut: Es ist nicht das (von mir geliebte) ungeduldig Dramatische wie Rachmannninof; Bachs Klage und Schmerz, beispielsweise in der Passacaglia c-Moll, sein Largo (handschriftlich im c-Moll Jesu meine Freude) darf nicht durch zu viel Ungeduld (Agogik) zerstört werden, sonst steht mein Ausdruckswille in Konkurrenz zu Bachs Musik und seinen Mitteln des Ausdrucks. Hier geht es um Ausspielen. Ich liebe das Tragische in der Passacaglia, die Art, wie Bach c-Moll ausführt. Unser seinen Händen verwanden sich die Tonarten wie bei niemand anderem: c-Moll, F-Dur, G-Dur… Ich habe gleich seine Paradestücke im Kopf. 

Mir gefällt der Begriff “gut abgesetztes legato” an der Orgel, dass man sagen und das Gleiche meinen kann mit: gut artikulieren und gut (ver)binden, da Phrasierung und Artikulation Hand in Hand gehen.  

Am Flügel ist Dynamik ohnehin gegeben durch die schwingende Vergänglichkeit des Tones, da der Ton schon kurz nach dem Niederdrücken leiser wird. Hier wird das Tempo real durch Agogik angezogen. Speed! I love it! An der Orgel aber kann und muss das Tempo oft durch Artikulation, nicht durch Agogik angezogen werden. Warum? Das Tempo kann oft durch Akustik, Raum und Pfeifen nicht so real schnell und scharf angezogen werden. Das kommt vielen Organisten entgegen, da sie ohnehin nicht schnell spielen können. Deswegen haben manche überhaupt das Instrument Orgel ausgesucht, nicht aus Liebe wie ich, sondern weil sie ohnehin nicht die Technik und Virtuosität haben, die es beispielsweise für den Flügel braucht (und weil sie dies am Klavier schnell bemert haben). An der Orgel kann man den Mangel beinahe kaschieren. Aber eben nur beinahe. Denn auch an der Orgel kann und muss man virtuos spielen. Man braucht das virtuose orgelspezifische non legato und inneren Drive und Feuer. Glut und Feuer geht vielen ganz ab. Natürlich liebe ich bei der Orgel das Grave, das ist für mich etwas Besonderes. Aber es wäre falsch, anzunehmen, die Orgel sei nur Grave, schwer, groß, schwerfällig, tief und laut. Aber manche Spieler scheinen das tatsächlich zu denken. 

Vielleicht beschreibt Bach eher eine Art generelles Leid als ein subjektives. In seinen Werken spiele ich Linien, Fluss, aber auch Ruhe, dass man Töne, Triolen und Triller eher spät als früh bringt, lerne, wie er ausgeschrieben verziert, Schwerpunkte, Markierungen und dennoch Leichtigkeit. 

Thomaskirche  Leipzig 

7. Mai 2020

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Ein wahrer Freund ist, wer dich sehn lässt deine Flecken und sie dir tilgen hilft, eh Feinde sie entdecken. (F. Rückert)

Neid muss man sich verdienen… so sagt man, um mich zu trösten. Aber trösten tut das nicht allzu viel. Von Fans und Feinden umgeben – das neue normal. Und viel komponiert. Ein neues Stipendium dafür erhalten. Ich muss sagen, das viele Hören ist anstrengend. Hören kann schon fast eine Art Folter sein.

6. Mai 2020

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Artikulation ist Aussprache und Ansprache. Auch mit aktiver Artikulation (man hat viel zu sagen) sollen Ruhe und Linie gewahrt bleiben. (AHS)

Ich freue mich, wenn ich wieder von Rapsfeldern umduftet werde. Wenn ich wieder am Meer bin. Wenn Konzerte wieder regnen und blühen. Ist jetzt eine Blütezeit für Kunst? Kunstpause.

Es gibt übrigens ein neues Header-Bild, wenn man bei Termin-Suche nach einem Konzertdatum sucht.

5. Mai 2020

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Nichts denken als dich.

Oder sollten sich Künstlerinnen nicht an andere hangen?

Nichts denken als dich.

Denn ist nicht Entfernung nur auseinandergerückte Nähe? Eingetaucht in die mystische Passacaglia c-Moll.

Mit Grace war ich heute draußen auf dem sonnigen Platz. Ich bin ja lieber draußen mit dem Pferd. Wir kommen gut zurecht, sie und ich, nur bei einer Sache sind wir nicht einer Meinung: Galopp. Dies ist meine Lieblingsgangart, aber nicht Gracies. Nur mit Mühe bringe ich sie dazu, anzugaloppieren. Ich weiß, dass ich noch nicht soweit bin, ein Pferd zu haben, das abgeht wie Schmitz’ Katze, aber Gracie braucht sehr viel Überredungskunst. Ich habe auch das dumpfe Gefühl, dass sie mich an der Nase herumführt und genau weiß, was ich will. Nunja, trotzdem wird sie belohnt und bekommt ihr Leckerli.