Blog und Tourblog

Mit täglichen Impulsen ein Kunstwerk über Leben, Musik, Wunder und Erkenntnis. Tourberichte, lebendig, leidenschaftlich, provokativ und zum Nachdenken.

3. Juni 2020

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In Zeiten wie diesen will ich mein Gesicht in die Sonne halten, aufstehen, auferstehen wie der, der auferstanden ist. (Dorothea Rohde)

J.S. Bach war immer, bis zum Schluss, ein revolutionärer Komponist.

Und Liszt hat Bachs revolutionäre Art, mit Dissonanzen umzugehen, nachgemacht.

2. Juni 2020

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Jede tief und wahr empfundene Musik wandelt auf den Höhen, wo Kunst und Glaube sich jederzeit begegnen können. (Albert Schweitzer)

Ich sehe Schweitzer zwar nicht (in erster Linie) als Theologen an, aber er hatte Ideen der Liebe, wollte anderen helfen, empfand Bachs Musik als kostbar und wusste, dass wir auf die Ewigkeit zusteuern.

Schön finde ich: Ich sammle ja auch gern, aber es gibt auch Leute, die mich sammeln.

1. Juni 2020

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Ich bin entrückt der herkömmlichen Meinung. (AHS)

Eigentlich stammt das nicht von mir, denn so sagte ein Musiker heute über mich :). 

Gesegnete Pfingsten! 

Die Initiative Musik diskriminiert die Musik-Stile: Nur die Norm-Popmusiker und Jazzer werden dort gefördert. Ich bin eine der einzigen oder seltenen Frauen, die zwischen den Stilen eine Brücke baut und eben nicht “entweder oder” in U- und E-Musik komponiert/auftritt, sondern in beidem, und eben nicht in die typische Norm der Trennung fällt zwischen Klassik und Pop/Jazz, sondern beides macht. Gerade das sollte besonders gefördert werden, denn da gibt es nur ganz wenige Menschen. 

Auch in der GEMA bin ich hier ein Sonderfall, was oft zu Verwirrung geführt hat, welches Stück in welcher Kategorie ausgeschüttet wird. 

Ich freue mich, dass meine 10 neuen Werke, 2020 komponiert, in zwei sehr guten Verlagen veröffentlicht werden, auch schon 2020.

CCM – Classical Contemporary Music. Living Composer. Noch immer eine Männerdomäne mit starker Lobby. Die Zielgruppe sind nicht Frauen in den Männerwettbewerben. In fast ausschließlich männlich besetzten Jurys, Vorstand und Leitung wird nach rein männlichen Gesichtspunkten, Regeln und Geschmack entschieden. Und man weiß ja, wie unterschiedlich männlicher und weiblicher Geschmack ist, siehe Filme oder die Weltpolitik. So entscheiden Männer, was männlich oder nicht-männlich ist bzw. – und darum geht- was gut oder schlecht ist.

Daher nimmt nur ein Bruchteil Frauen an männerdominierten Wettbewerben teil, und selbst diese werden noch vergrault. Männer gebären in Teufelskreisen immer wieder nur neue Männer durch Seilschaften. Dass Männer davon nicht irgendwann genug haben. Im Grunde ist es widerwärtig und wird nie Frucht bringen. Gerade alle männerdominierten Bereiche sind immer mehr vom Aussterben bedroht: Kirche, Orgel, Komposition. Selbst wenn es eine Frau als Gast-Jurorin hat, so ist es doch eine reine Männerjury für mich, denn diese eine Frau inmitten Männer ist ausgesucht worden, weil sie das Spiel mitmacht und die strukturierte Frauenfeindlichkeit in der Kirchen- und Kunstszene absegnet, indem sie schweigt bzw. schweigen muss, sonst wird sie nie wieder eingeladen. Viele Frauen ziehen sich vor dem profilierenden Gerangel der Männer ohnehin zurück. Ich weiß ja selbst, wie es in Jurys zugeht. Viele Männer gehen grundsätzlich davon aus, besser zu sein als Frauen. Man muss als Frau also überragend gut sein, denn genauso gut sein wie Männer reicht Männern nicht aus und wird Männern stets Grund geben, Frauen klein zu halten. Dann heisst es noch heuchlerisch: Wo sind die Komponistinnen? Dabei wird sich nicht mal darum bemüht, Komponistinnen zu fördern oder zu sehen. Sind nicht schon genug Männernamen auf jedem Programm? Jedoch gibt es auch tolle Männer, die mich sehr unterstützen und die die strukturelle Frauenfeindlichkeit genauso hassen wie ich. Danke dafür! Ich denke, es ist auch ein Neidfaktor, dass ich aktiv konzertierende Komponistin bin. “Normale” passive oder am Computer schreibende, nicht konzertierende Komponisten, die kaum spielen können und brav IT-mässig mit ihrem Apple und ihrer Noten-Software arbeiten, werden als weniger bedrohlich angesehen. Jeder bleibt dann schön in seiner eigenen Sparte. Und das Verkopfte, Männliche gefällt Männern gut. Künstlerisch ist das meist nicht. Ich glaube, viele Männer in dieser Szene haben etwas stark Autoerotisches und auch Homosexuelles. (So wie die Mode in den Magazinen auch immer stärker homosexuell angehaucht ist: Viele weibliche Models sollen wie magere Männer-Models aussehen, dünn, groß, kantig und ernst. Man kann hier Frauen und Männer kaum noch auseinander halten, weder vom Look noch von der Kleidung her.) Ich glaube, es gibt keinen geringen Teil Männer auf der Welt, die am liebsten eine Welt nur mit Männern hätte. Ihr Verhalten spricht ganz danach. 

Ich ahne, dass die Neue Musik keine Geldmusik in dem Sinne ist, dass man davon in erster Linie Geld machen sollte oder kann. Dazu müsste man Populäres schreiben. Aber mir geht es von Herzen wirklich um diese Kunstmusik. Dadurch, dass ich sie selbst spiele, sind die Aufführungsrechte bei der GEMA durchaus nicht schlecht.

Ich bin ja ingesamt eine sehr seltene Mischung, selbst bei der GEMA: Ich spiele meine eigenen Werke selbst, und das sowohl in U und E. Mir ist wichtig, in der zeitgenössischen klassischen E-Musik zu schreiben und auch in den entsprechenden Verlagen zu veröffentlichen, da Frauen dort kaum vertreten und  unterwegs sind und sich vor der Männerdominanz normalerweise ducken und zurückziehen. Es ist meine Pflicht, meine Verantwortung und mein Prinzip. Denn ich habe aus mir unerklärlichen Gründen enorm viel Power mit auf den Weg bekommen.

Zwar sind heutzutage Selbstverlage wohl finanziell gewinnbringender. Auf der anderen Seite ist es gerade in der E-Musik seriöser, in entsprechenden Verlagen zu veröffentlichen, auch wenn dies vielleicht noch der altmodische Weg ist. Ich habe nichts gegen diesen altmodischen Weg und finde die Arbeit von Verlagen, die sich um zeitgenössische Musik kümmern, bewundernswert. 

Es haben mir heute mehrere Kantoren bestätigt, dass in ihren Kirchen bisher in all den Jahrzehnten unter 150 Organisten keine Frau dabei war. Und selbst jetzt versuchen manche Orgellehrer, Frauen zu hindern. Vor allem, wenn sie nicht in deren Norm passen. Damit rücken sie das Instrument Orgel in ein noch kleineres gesellschaftliches Hintertreffen und stellen sich selbst ein Bein. Anstatt Win-Win streben vieler dieser Männer eine Lost-Version an. Wären sie interessiert, Frauen zu fördern, würde für alle mehr übrig bleiben. Aber das verstehen diese Männer nicht. Sie meinen, sie müssten den ganzen Kuchen nur für sich behalten und klammern wie Bettler an ihrer Orgel fest. Das ist aber nur in Deutschland so. Ausgerechnet in Bachs Land.

Die Kunst ist lange vor dem Virus in die Krise gekommen. Die Viren der autoritären Männerdominanz fliegen schon zu lange um die Orgel herum. 

31. Mai 2020

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Die Schwerkraft ist für mich Gott. (AHS)

Empfehlen kann ich die Bücher Musicking von C. Small und Musikvermittlung von Rebekka Hüttmann.

Die Presse von Bad Windsheim ist schön geworden.

Erbärmlich ist, dass beim Orgel-Komponisten-Wettbewerb von Saarlouis wieder alle 3 Preise nur (!) Männer erhalten haben. Eine Jury voller Männer wählen nur Männer aus. Was für ein frauenfeindlicher, diskriminierender Wettbewerb, und das 2020! Die sollten sich schämen. Als ob nicht genügend Männer-Namen auf Programmen stehen. Was für eine Schande für Saarlouis. Man ist nicht mal bemüht darum, Komponistinnen zu sehen und zu fördern. Man kann nämlich auch anonym sehr gut erkennen, ob eine Kompostion weiblich oder männlich ist. Das mit dem sogenannten “Anonymen” ist nur ein Deckmäntelchen. Ich habe zuvor schon gehört, dass in diesem Wettbewerb nur Männer gewinnen. Alles alte Männer in der Jury und alles alte Männer, die “gewinnen”. Naja, die werden sich noch wundern. Und meine neuen Werke werden nun erneut veröffentlicht.

Bach war ein revolutionärer Komponist bis zum Schluss. Zu denken, er sei im Alten verhaftet geblieben, konservativ oder altmodisch (gewesen bzw. geworden), ist schlichtweg  falsch. Dennoch hat man ihm angetan, dass man ihm dieses unterstellt hat gegen Ende seines Lebens. Was für eine Unverschämtheit. Noch 20 Jahre zuvor hat man ihn durchaus gefeiert, dass er Neues auf den Weg bringt. Sogar “zu viel Neues”. Und 20 oder 30 Jahre später soll er plötzlich konservativ und altmodisch geworden sein? Absurd. Er wurde im Gegenteil immer revolutionärer. Das ist die Wahrheit. So, dass man ihn nicht mehr verstanden hat.

Zunächst haben alle erkannt: Seine Harmonien waren revolutionär, weil er in allen Tonarten schrieb. Auf mitteltönigen Orgeln, die Bach ja zu seinen Lebzeiten hauptsächlich hatte, klang das geradezu schief, beispielsweise der Mittelteil Gravement von Piece d’Orgue. So wie für viele heute Messiaen “schief” klingt (was ja auch schon lange keine moderne Musik mehr ist). Bach setzte durch, aufgrund seiner enormen Kunst, dass es Usus wurde, in allen Tonarten spielen zu können und zu dürfen. Eine Orgel konnte man ja nicht wie ein Cembalo mal eben anders stimmen. Also wurden Schritt für Schritt andere Stimmungen Usus. Bach sprengte sowohl tonumfangmäßig als auch harmonie- und stimmungsmäßig die Norm seiner Zeit! Und das will schon was heißen – denn die andere Seite war konservativ (siehe heute), nicht Bach! Dass er dann gegen Ende seines Lebens die Kunst der Fuge schrieb, ist nichts Konservatives, sondern toppt nur das Revolutionäre in Bachs Denken. Denn Bach war ein Liebhaber von Dissonanzen. Immer. Er war ein Künstler darin, wie man mit Dissonanzen umgeht. Und die Kunst der Fuge ist im Grunde sehr dissonant, ein Tanz mit Dissonanzen. Auf dem Flügel ist nun alles gleichschwebend, da klingt ja (wie manche behaupten) “alles gleich”. Da merkt man das alles nicht so. Daher bin ich froh, mein Cembalo zu haben und zu spüren, anhand von Generalbass und Stimmen und dem Labilen von Stimmungen, wie es auch sein kann.

30. Mai 2020

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Über das Feld eines anderen rennt man; über das eigene geht man bedächtig. (Malaiisches Sprichwort)

Mein Lieblingsdirigent ist im Moment Paavo Järvi.

Bei Liszts Ad nos muss man insgesamt, wenn man ein schönes Legato spielen will, sehr locker und weich in Schultern, Armen und Handgelenken sein. Das Handgelenk muss wie ein schweres, tropfendes, passives Wesen sein, dass ich wie an einem Marionetten-Seil ziehe über die Tasten ziehen lasse. Man muss seinen Schutzinstinkt überwinden und die Schultern bei allen schweren Stellen und Großakkorden locker lassen. Sonst wird das Stück steif. Besonders der Mittelteil wird sonst in Kleinstteile zerfallen, da die Orgel ja an sich schon “steif” ist. Das Stück ist einfach himmlisch, wenn die großen Strukturen erhalten bleiben. Dann ist es dauerspannend. Ich habe das Vorrecht, dass ich das Flügelgefühl intus habe und dieses mit an die Orgel nehmen kann: Das Gefühl für Sostenuto-Pedal, Dynamik, das Schwelgen im Klang, das Flirrende, Virtuose.

Ingesamt machen zu viele Farben und Manualwechsel das Werk Ad nos zu kleinteilig. Dann fleddert es aus.

Und die Tempi sind nicht immer leicht zu wählen. Schön ist jedoch, dass vieles individuelle Entscheidungen sind. Es gibt oft kein Richtig oder Falsch hier. Es ist eine Sache des guten Geschmacks, der Orgel und der Erfahrung und auch der momentanen Gefühlslage.

Vorsichtig muss man mit Überlegato bei der Orgel sein und da sehr genau in den Raum hören und nicht in der motorischen Sinnlichkeit “stecken” bleiben. Es dürfen eben keine echten Dissonanzen entstehen, dazu ist die Orgel zu massiv. Das geht am Flügel gut, aber nicht an der Orgel. Die Dissonanzen werden sonst zu einer Art klanglichem Missverständnis.

Es ist schon wichtig, auch Romantik hervorragend an der Orgel spielen zu lernen, nicht zum Selbstzweck, aber um die Orchestrierung gut zu verstehen, die die Orgel unternimmt; ganz anders als am Flügel.

Schön finde ich, dass ich die Sprache der Dynamik sehr schön beherrsche (Flügel) und nun immer mehr verstehe und begreife, was die Sprache der Orgel-Artikulation meint, was im Grunde der Schlüssel zur Orgel ist. Man erlernt diese Fremdsprache nur durch Machen und Tun, viele Orgeln, es wollen, durch top Lehrer (geduldig und klug) und – durch Fehler machen. Ich habe vor allem durch Fehler Aha-Erlebnisse gehabt. “Aahhh, jetzt verstehe ich, warum….” Das vergisst man dann nie mehr. Man kann diesen Prozess auch nicht beschleunigen. Diese Sprache muss in Fleisch und Blut übergehen so wie die Dynamik-Sprache auch. Es muss so verstanden werden, dass es echt “angekommen” und verankert ist, auch motorisch und im Kopf. Man muss also Fehler machen dürfen. Sonst lernt man es nicht. Im Grunde gehört das ganze Legato-Thema bei Liszt (und Mendelssohn…) auch zum Artikulations-Thema der Orgel.

Vieles ist eben orgelspezifisch zu sehen, nicht “rein musikalisch”. Auch Staccato an der Orgel: Dass dies nicht zu löchrig oder zu ausgehungert klingt. Die Frage ist immer: Was wird verschmolzen, damit es decrescendo klingt, was muss abgesetzt werden etc. Hier gehen Artikulation und Dynamik so sehr Hand in Hand, dass die Artikulation im Grunde die Dynamik ist oder ersetzt, zur Dynamik wird. Das ist sehr spannend, fast unheimlich und geheimnisvoll für mich. Eine Synthese. Eine Synergie. Und dann die orgelspezifische Agogik, die zu dieser Synergie gehört. Alles dreht sich um die Dynamik, nicht um die Artikulation. Die Artikulation ist das größte Hilfsmittel zur Dynamik, nicht Schweller und Register. Die orgelspezifische Dynamik mit ihren orgelspezifischen “Hilfsmitteln”, das Umgehen mit dem Schweller, die “gelinden” crescendi… Zusammengefasst kann man sagen: So viel steifer die Pfeifen sind im Vergleich zu Saiten, so muss sich alles an Artikulation, Agogik und (die Hilfsmittel zur) Dynamik für die Dynamik anpassen. Da ich aber die reale, echte Dynamik-Sprache ohne Hilfsmittel sehr gut beherrsche, es sogar meine Stärke ist, so wie Virtuosität, besitze ich echte Musikalität, die der Orgel gut tut. Da viele (wenn nicht gar die meisten) Organisten die Dynamik-Sprache nicht beherrschen (von Virtuosität ganz zu schweigen), wirkt das Orgelspiel trotz allem oft unmusikalisch. Ohne Dynamik ist es ganz einfach auch unmusikalisch. Und mit Dynamik sind nicht die Hilfsmittel gemeint, die kompensieren sie niemals, sondern reale Farben in einem drin, aus der Seele kommend, aus den Fingern kommend, aus dem Drive.

Natürlich muss sich auch die Virtuosität der Orgel anpassen. Zu schnelle 32tel können verhuscht, zu schnelle Notenwerte gar rhythmisch falsch klingen. Schnelligkeit ist an der Orgel geradezu spiegelverkehrt oder eine “optische Täuschung”, oder besser, eine auditive Täuschung. Nur mit Weichheit kann man sich den mächtige Pfeifen nähern.

Was sehr gut tut, ist, Olivenöl auf den Arme zu verteilen, wenn man viel geübt hat. Das wird dann richtig warm auf und in den Armen. Olivenöl, Ingwer, Ananas und Kurkuma sollen gut gegen Entzündung sein. Vor allem, wenn man 7 Stunden geübt hat. Oder die Arme relaxed in die Sonne halten.

Ich liebe das Gefühl, wenn man so im Flow ist, an einer schönen Orgel sitzt und übt, dann denke ich manchmal die ganze Zeit, zB bei Liszt oder Bach: “Ach, ist das schön. Warum ist das so schön?” Schön finde ich auch, in Räumen zu üben, wo es eine Orgel und einen Flügel gibt. Da fühle ich mich besonders zuhause.

Wenn man den ganzen Tag geübt hat: Schön ist auch, wenn man, um die Daumen zu lockern, die ganze Handfläche weich, offen hält und aktiv, nicht nur die Finger. Und sich beim Ausruhen an die Schwerkraft abzugeben. Wobei für mich die Schwerkraft Gott ist.

Ich bin daran gewöhnt, meine ganze Lust auf Bewegung beim Üben und Spielen am Instrument auszuleben. Da ich sonst so wenig Sport mache, als Ausgleich. Manchmal bin ich dann mehr in der sinnlichen Bewegung als im Hören. Aber ein Instrument spielen ist eben nicht Tanzen. Man braucht eher minimalen Kraftaufwand, auch um sich zu schonen, und die ganze Aufmerksamkeit auf das Hören und das planvolle Denken gerichtet. Auf die Architektur. Ich bin ein Bewegungsmensch.

Es ist immer noch sehr trocken. Sobald ich lüfte, geht die Luftfeuchtigkeit drastisch nach unten. Als wäre draußen Schmiergelpapier. Ich war immer ein Lüfte-Mensch. Seit dem Cembalo bin ich ein Luftfeuchtigkeitsmensch. Stundenlang das Fenster aufhaben geht nicht mehr. Jedenfalls nicht, wenn es so trocken ist.

29. Mai 2020

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Wer alle seine Ziele erreicht, hat sie wahrscheinlich zu niedrig gewählt. (H.v.Karajan)

Den ich eigentlich nicht sehr mag.

Empfehlen kann ich Hello Beautiful von Bath and Body Works, duftet himmlisch. Nicht empfehlen kann ich Eucerin. Body Lotion ist zwar ok. Aber ich habe immer tränende Augen bei den Gesichtscremes. Da muss – Apotheke hin oder her – in jeder Creme ein echt scharfer Stoff drin sein. Normalerweise bin ich nicht empfindlich. Sehr empfehlen kann ich Lavendel Bad von Weleda. Danach ist die Haut wie Samt.

Reiten in der Sonne macht Spaß, auch wenn Grace oft grasen möchte. Vor allem, wenn ich einem Hasen hinterher schaue.

Dom Würzburg

28. Mai 2020

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Die Orgel redet fast alle Sprachen. (AHS)

Das Schöne bei Bachs Piece d’Orgue ist, dass man das Stück überall spielen kann, auch sehr schön auf französischen Orgeln. Entweder mit Plein Jeu (bzw. Petit Plein Jeu) oder Grand Jeu, hier keine Mixturen in den Händen, sondern Zungen dazu nimmt. Bei Grand Jeu hebt sich allerdings das Pedal nicht so gut ab, besser im Plein Jeu, das ja auch im Plein Jeu das Pedal im Kontrast Zungen hat. Allerdings kann man im Grand Jeu im Vitement sehr schön ein Kornett oder eine flötige Tierce hinzunehmen.

Ich finde es schön, wie Bach die Quartsextakkorde, die zu seiner Zeit absolute Dissonanzen waren, oder auch die Dominantseptimakkorde, manchmal gar mit None, umspielt, oder auch die Sekunden. Dicht und intensiv. Oder wie er im Gravement die Tetrachorde (4) und die Hexachorde (6) verwendet, die Moleküle des Werkes. Wie immer wieder neu nach einer Kadenz eine Hexachord-Linie irgendwo ansteigt, unten oder oben oder beides. Dass er unerträglich lange nicht abkadenziert. Dass man vor lauter Spannung keine Luft mehr bekommt. Wenn man all diese Linien verfolgt, besonders die Mittelstimmen, also keineswegs akkordisch denkt, dann ist der Gravement-Teil schwer. Denn sobald man auch nur eine Linie vergisst oder eine Note länger hält als geschrieben, klingt es bei dieser Dichte schmutzig. Auf der anderen Seite sollen die Linien gerade sehr dicht sein, die genussvollen Dissonanzen nicht abreißen, besonders dichte Terzen und Sexten. Es ist ein Vorhalts-Stück, ein Choral mit einem Diskant voll Cantilene, während es in der Mitte wie Lava brodelt und man von einem Höhepunkt in den nächsten schwimmt. Wie in einer dicken, tröstenden Masse. Ich liebe die Kadenz mit dem tiefen h, die Orgelpunkte, die Überraschungen, die springenden Oktaven, den flirrenden Schluss, aber vor allem, dass er das Anfangsmotiv vom Grave einfach mittendrin wieder einbaut, in Dur, in Moll.

Erschreckend ist, dass der KlangArt-Orgel-Kalender von benno-Verlag bisher nur Männerzitate zeigt.

26. Mai 2020

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Ich bin froh, einer dieser Menschen zu sein, die problemlos Musik hören können, ohne dabei zu joggen. (Anonym)

In Concert, erster Aufritt nach der Krise in der Krise: Die schöne renovierte, neobarocke Hey-Orgel in St. Kilian Bad Windsheim von 1986 mit vier Manualen und Setzer-Anlage, Druckpunkt, aktives Pedal, ist sehr spannend, da sie noch in dem wunderschönen alten Prospekt von 1735 steht. Die Orgel wirkt riesig, wenn sie hell erleuchtet ist. Die große schöne Kirche St. Kilian hat viele Orgeln erlebt. Nach dem Stadtbrand vor sehr langer Zeit wurde in Bad Windsheim damals eine wunderschöne Wiegleb-Orgel eingebaut (siehe Ansbach), doch leider wieder vernichtet, dafür eine Steinmeyer-Orgel eingebaut, die auch wieder vernichtet… Viel Chaos nach dem jeweiligen Zeitgeschmack. Aber der herrliche Prospekt ist erhalten geblieben: Überall pfeifentragende Engel und zwei große Männerfiguren, die die Pedalpfeifen tragen. Diese muskulösen Männerfiguren und Engel schauen so verzweifelt und ächzend unter ihrer schweren Last, dass man an der Orgel spielend nach einer Weile, da man diesen Figuren und Engeln ins Gesicht guckt, fast etwas depressiv wird. Der Prospekt wirkt sehr schwer. Viele kleine Pfeifen sind verschnörkelt. Oben auf der Orgel thront ein Engel-Orchester.

Bad Windsheim ist viel kälter als Würzburg. Ich habe schon oft Klavierabende in Bad Windsheim gespielt. Nun Orgel. Auch in dieser schwierigen Zeit leuchtete die große St. Kilianskirche, mit ihrem Brunnen davor. Die Gäste (zwischen 80 und 90 Leute) wurden zu ihren Plätzen begleitet von lieben Damen mit Schutzmaske. Mein erstes Schutzmasken-Konzert. Die Presse war auch da in der ersten Reihe und hat Fotos gemacht. Habe CDs verkauft, mit rasch angelegter Schutzmaske, die mir eilig hinterher getragen wurde. Ich liebe es, mich hinterher schnell nach unten zu begeben und mich zu verbeugen. Die Leute finden diese Kombination “Ann-Helena und Orgel” immer erstaunlich, das merke ich. Begeisterte emails hinterher erhalten. Anschließend war alles schon zu, aber wenigstens konnten wir zwischendurch tagsüber ein Eis essen und Kaffee trinken. Das Filmen hat Spaß gemacht, auch wenn es anstrengend war. Die Videos kommen bald. Danke, Bernd! 

Eine Orgel ist ein lebendiges Wesen wie ein Tier, sagen wir, ein Pferd (da ich gern reite und auch die Orgel einen trägt). Vor allem, wenn die Orgel schon oft umgebaut wurde, muss man sensibel mit ihr umgehen. Da sie erweitert wurde (die Leute mögen immer gern laute, große Orgeln, neue Setzer-Anlage, neues Extra-Manual und mehr Pfeifen…), stehen die Pfeifen hier eng gedrängt im alten schönen Prospekt. Ich aber glaube, für die Persönlichkeit einer Orgel kommt es auf keinen Fall auf Größe und Lautstärke an. Viele Männer reden immer von Riesenorgeln, von Erweiterungen, von größeren Motoren, von Universalorgeln. Aber das ruiniert manchmal anstatt zu verbessern. Denn dadurch werden Farben und Klänge auch zerstört. Die Orgel muss atmen und ihre Individualität behalten. Mir kommt es auf das Persönliche an, auf die zarten Farben. Man muss eben nicht alles auf einer Orgel spielen können. Im Gegenteil, sonst spielt man zwar alles, aber mehr schlecht als recht, weil nichts wirklich perfekt passt. Man könnte nie mit einem Pferd oder mit einem Menschen oder mit einem Auto alles können! Ein Rennwagen ist keine Kutsche und ein SUV kein Flitzer. Gerade die Entscheidungen machen eine Orgel aus, gerade der Verzicht! Aber das verstehen viele unmusikalische Menschen nicht. Dann haben sie aber auch Musik und schon gar nicht Bachs Musik verstanden, die von Verzicht und Entscheidungen lebt. Auch eine Orgel braucht einen festen Rahmen, zu manchem ein Ja und zu manchem ein Nein.

Wenn man also an einer neuen Orgel ist, muss man sehr kreativ mit den Farben umgehen und im Gehör haben, was man hören möchte. Denn man kann oft nicht die typischen oder die eigentlich “richtigen” Kombinationen nehmen, sondern muss neue suchen, die dem Gehör nahe kommen, auch ungewöhnliche, “unrichtige”. Dabei hilft, zu koppeln, vor allem das Pedal zu koppeln, wenn man dort eine leise Zunge braucht, die es sonst nicht gibt, oder zum Beispiel mit den Händen mal im Vierfuß eine Oktave tiefer zu spielen. Natürlich muss man sich auch zudem motorisch an jede neue Orgel gewöhnen.

Wenn ich meine eigenen Stücke spiele, hilft mir das sehr, mich mit der jeweiligen Orgel anzufreunden, weil ich mich dann komplett individuell auf die Orgel einstelle. Das freut die Orgel, ich merke das. Ich werfe dann ihre Farben in die Luft und lasse sie strahlen. Ich wähle ganz instinktiv wie eine Malerin Farben aus, die zuvor noch nie oder selten kombiniert wurden. None mit Krummhorn, Plein Jeu mit 32-Fuß, Nasard mit Zimbelstern – ich komme dabei richtig in einen kreativen Flow, in Ekstase. Ich entspanne dabei. Die Orgel biegt sich mir freundlich entgegen, wie ein Pferd, dass endlich durchlässig den Rücken frei gibt. Die Orgel entspannt. Schnaubt ab. Und die Leute staunen. Natürlich ist es auch manchen Leuten zu experimentell oder zu verrückt. Das verstehe ich. Wobei mir es nicht experimentell genug sein kann. Daher habe ich auch immer ein eigenes Stück dabei, das etwas “normaler” ist. Damit belohne ich alle. 

Ich sende die Videos, sobald sie fertig sind. 

Meine Instrumente genießen hier zuhause Luftfeuchtigkeit 50-55 %. An den Nebel habe ich mich ebenfalls gewöhnt und niese nicht mehr.