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Hindere die Spielleute nicht. Und wenn man lauscht, so schwatzt nicht dazwischen… (Martin Luther)

Kluger Mann, dieser Luther. Ich glaube, das ist das Schlimmste, wenn bei armen Kirchenmusikern im Gottesdienst das Volk einfach quatscht, wenn er spielt. Ob deswegen manche so sauertöpfisch sind? Aber das ist auch gemein.

Ich mag es auch nicht, wenn man mich hindert.

Das Konzert war schön. Die Barker-Maschine seufzte manchmal, aber ansonsten liegt sie mir gut in der Hand, die Ladegast.
Es geht mir auch gut ohne Barker. Ladegast pur. 

Übrigens letzte Woche, da lief noch nebenbei mein AMPF = Doktorandennetzwerk. Ich hatte auch Vortrag. Ich beobachte mich selbst manchmal kopfschüttelnd, während ich zwischen Orgeln, Reisen, Videos noch eben mal meine Doktorarbeit vortrage. Und dafür mein MacBook hervorkrame – und es doch ganz gut mache. Während die anderen über Musikpädagogik philosophieren, habe ich via Handy das Zoom am Ohr und diskutiere mit, während wir auf der Autobahn oder durch Wiesen zur nächsten Orgel brausen. Der nächste Kantor kommt, und ich stelle das Zoom auf leise.

Genauso wie ich jetzt auf der Autobahn Blog schreibe, nachdem ich „Vitello tonnato“ gegessen habe. Während im Bayern 1 Lovesongs laufen. Waltzing Matilda. Ob Rod Stewart schon tot ist? 

Gestaltung und Klanggebung einer Orgel finde ich schön.

Gedankensprung.

Habe heute nebenbei an der Ladegast eine neue Gruppe auf facebook gegründet:
Neben „Orgel Prospekte“. Sie heißt „Musik in der Kirche. Kirchenmusik in der Welt“ – poetisch, finde ich. Hier ist der Link dazu: 

Neue Kirchenmusik-Gruppe facebook

Warum eine neue? Sie soll dazu dienen, ohne Lästern, Mobbing und Schmähkritik Musik in der Kirche zu diskutieren und zu präsentieren.
Kurz: Das Gegenteil zur Ansgar Kreutz-Kirchenmusik-Gruppe, wie ich finde, in der gehässige Kritik und Hetze durch Leute und „Administratoren“ wie – wie hieß er noch mal – Benjamin Frensel beinahe „normal“ zu sein scheinen. Ein Lob für die Gruppe Organisten-Forum – da landete Hetze von Thomas Anschütz, von dem ich gar nicht weiß, wer das ist, der unter Frauennamen stänkert und Gruppen benutzt, seinen persönlichen Haß abzuladen, bei weitem nicht so, wie es in der Ansgar Kreutz-Gruppe gelandet wäre. Dort hätten sich Hater wie Köter auf Fleisch geworfen, es sind immer die gleichen, während Ansgar Kreutz und „Kirchenmusiker“ schweigend zugesehen hätten. Vorbilder für die Läster-Bengel sind die lästernden Altherren. So wird dieses Haß-Verhalten an die nächste Generation weitergegeben, während Kirchenmusik, Gottesdienst und Kirchen weiter absterben. Überall werden Kirchen geschlossen, zusammengelegt, Orgeln verkauft. Und was weiß man über die Kirchenmusik? Sie brüstet sich weiter nach außen als gehässiger Männer-Verein, anstatt aufzuhalten und zu retten, was hier unter ihrer eigenen Regie immer weiter abgestorben ist: Gottesdienst.

Allein in Mannheim schließen über 10 Kirchen. Tragödie. Wer traut sich das schon zu sagen?

Oder könnt ihr euch vorstellen, dass solche Leute Choräle spielen und Gottesdienst halten können, wo sie doch das Gegenteil von Gottesdienst tun und präsentieren? Wen werden sie in die Kirche locken? Wieviele? 
Der Fokus der Kirchenmusik sollte auf die Anbetung Gottes ausgerichtet sein. Wie können wir uns neu ausrichten? 

Ich frage mich allgemein immer, was das eigentlich für – Abschaum darf man ja nicht sagen – Menschen sind, die zusehen, wie andere fertig gemacht werden und noch treten. Oho! Ist ihnen die „Macht“ (einer Gruppe) zu Kopf gestiegen?

Ich habe schon 4 eigene Gruppen, die teilweise größer sind, aber Macht kam mir nie in den Sinn: Gruppen zu benutzen, um andere schlecht zu machen, weil sie selbst keine Konzerte oder Videos oder Fotos oder Ideen präsentieren können und voller Neid sind.

Es sind Gender-based Attacken, denn die meisten dieser Gruppen bestehen fast nur aus Männern. Es gibt eine Art digitalen Femizid, finde ich: Ehrgeizige Frauen wie ich sollen digital ermordet oder „ausgelöscht“ oder vertrieben werden, aus Berufsgruppen, aus Gruppen…

Über Femizid gibt es einiges auf YouTube. Hört es euch an. Das war für mich auch neu. Digitaler Femizid – den Begriff habe ich gegründet bzw. erfunden.
Leider sind die wenigen Frauen auch nicht gerade hilfreich, sondern eher mit Männern verbündet.

Ich weiß, dass mein Blog provozierend empfunden werden kann und dass getroffene Hunde bellen, aber ich halte meine Kritik für sehr wichtig und notwendig (gerade als Frau in der Männer-Domäne Kirchenmusik). Wahrscheinlich muss man meinen Blog im Ganzen lesen, um ihn zu verstehen. 

Das Heuchlerische ist: Johannes Richter und andere setzen sich angeblich für vergessene Orgeln ein, attackieren mich aber, die genau das Gleiche macht – weil es ihnen gar nicht um vergessene Orgeln geht, sondern um sich selbst und um Konkurrenz. Wer mehr Aufmerksamkeit, Views, Likes und Kommentare bekommt. Und dass ich wage, ebenfalls in Mitteldeutschland zu sein.  Sonst würden sie doch jeden unterstützen, wenn es ihnen wirklich um die Sache und die Orgel gehen würde, jeden, der sich ebenfalls um kleine Orgeln kümmert. Und eben nicht attackieren. Da ich aber mehr Views, Kommentare, Aufmerksamkeit bekomme, egal, ob ich an großen oder kleinen Orgeln sitze, egal wo, zeigt sich deren wahres Gesicht: Attacken. Damit graben sie sich selbst das Wasser ab und zeigen, dass es ihnen nur um sich selbst geht und um Selbstverwirklichung. Mir aber geht es wirklich um die Orgeln. 

J.S. Bach – WTK I BWV 850 Präludium und Fuge D-Dur, neue Jörg Bente Orgel Kloster Walkenried Harz

Aria Deppeé Orgel
Orgelvorstellung

3. Oktober 2021

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Es ist ein Wunder vor unseren Augen. (Psalm 118,23)

Tag der deutschen Einheit!

Es ist sehr schön in Rudolstadt, ich habe hier jetzt schon das 5. Mal gespielt, auch im Schloss bzw. der Burg. Der sonnige Marktplatz ist voller Brunnen, Stände, Fachwerkhäuser, und ich übernachte im Hotel Adler. Es ist ein sehr schönes, romantisches Zimmer mit dicken, schweren, hellen Vorhängen, was ich liebe. Die große Ladegast-Orgel in der evangelischen St. Andreas mit ihrer schön programmierten Walze (von Frank), Barker und ihrem besonderen originellen Schwellertritt rechts für das dritte Manual liebe ich. Die hohe Kirche mit dem Lebensbaum ist für Erntedank geschmückt. Morgen um 19 Uhr ist das Konzert.

Das HW der Orgel befindet sich im 2. Manual. Rechts sind die Register für HW und SW, links für das 1. Manual, Pedal und die Koppeln. Die Walze kann man anhand eines „Thermometers“ links beobachten. Wenn dieses oben anschlägt, ist auch die Mixtur Progressio in Kraft getreten. Zuvor Zungen. Die Setzer pp, p, mf, f und ff sind recht stabil, nur manchmal kann es passieren, dass sie nicht richtig auslösen. Register können sowohl bei diesen Setzern als auch bei der Walze additiv hinzugenommen werden, was gut ist, was man aber planen muss, und so auch bei der historischen Tastenfessel. Die Walze ist leichtgängig, da sie in Metall gelagert ist. Die Walze der Weigle Orgel Mannheim ist wohl in Holz gelagert, dadurch eventuell gequollen und schwergängig geworden. Wichtig beim Walzen ist, präzise und langsam zu walzen, mit ihr zu schwingen. Denn auch die beste „Programmierung“ einer Walze bringt nichts ohne gut gehörtes Walzen. Natürlich ist keine Walze komplett ohne Sprünge, weil es vielleicht keine Orgeldynamik ohne Sprünge gibt? Vielleicht sind Sprünge typisch für Orgel? Eigentlich schade. Aber die Nahtstellen gut hören.

Im SW sind Aeoline und die Gedackten besonders schön. Die breiten weißen Tasten erinnern mich an alte Klaviere. An der Weigle habe ich tatsächlich die Walze unten beobachtet, was natürlich mühsam und Unsinn ist. Denn es gibt immer einen visuellen Anzeiger oben, eine Uhr, ein Thermometer, Zahlen oder Lichter. Das hilft. Einen tutti-Knopf gibt es natürlich nicht. Das ist auch nicht nötig. Wichtig ist – trotz der historischen pneumatischen Setzer – alle Klangfarben und ihre Verortungen zu kennen: wo welches Register ist.

Was mir beim neuen James Bond-Film besonders gefallen hat, ist, dass es der mit Abstand am wenigsten sexistische Bondfilm war, der sogar Werte vermittelt hat.

Neu: Orgel-Information:

Deppeé Orgel Obersachswerfen

Orgel Date AHS- Johann Heinrich Deppeé Orgel St. Marien Obersachswerfen, Südharz, Thüringen

Obersachswerfen Orgelführung

2. Oktober 2021

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Ann-Helena: Eine Dramatisierung des Lebens. (AHS)

Ich bin wieder daheim und höre Schostakowitsch (Sinfonien). Und war im neuen James Bond Film. Sinnlich und spannend, aber sehr lang. Mein Name ist A-HS.

Und freue mich, dass meine neuverlegten Orgel- und Klavier-Kompositionen eingetroffen sind via Post vom Furore Verlag Kassel, insgesamt vier Bände: Himalaya, Meereszyklus, Wehmut, Zimbelstern, Australian Love Song und vier kirchenmusikalische Werke in einem Band, u.a. Weihnachtschoräle. 

Morgen fahre ich zum Konzert an die wunderbare Ladegast Orgel nach Rudolstadt. 24 h an der genialen Orgel. 

Gestern habe ich noch in der schönen Stabkirche im vornehmen Hahnenklee bei Goslar in Niedersachsen gespielt, gebaut nach norwegischem Vorbild, eine warme Holzkirche mit trockener Akustik, darin ein wunderbares Carillon und eine zweimanualige Goll-Orgel von 1994. Sie besitzt ein niedliches Nachtigall-Register, im Wasserbad zwitschernd. Ob es an der fehlenden Akustik liegt… diese Orgel im Vergleich zur Röver-Orgel ein paar Stunden zuvor in Quedlinburg wirkte etwas farblos und blass. Aber mit einer enormen Röver-Orgel mithalten zu können, ist schwer.
Wir aßen Zwetschgenkuchen mit Sahne. Abends sollte ein Konzert stattfinden, und ich sah aus dem Fenster, ob ich unter den Passanten den mir fremden Organisten erkennen würde. Und ich tat es! Im Stechschritt, mich erinnernd an Lehrer Lämpel von Wilhelm Busch, eilte ein langbeiniger Mann mit ernstem Gesicht und schwerer Tasche der Kirche entgegen. Ich mußte lachen. Das mußte er sein! Und er war es auch. Ob das die Norm des deutschen Organisten ist? Wenn ja, ich bin fast das Gegenteil davon, klein, aber langbeinig :). Lehrer Lämpel setzte sich forsch in seinen Sorgensitz an die Orgel, und alles flog im Pulverblitz davon.

Das Carillon in Hahnenklee ist auch spannend, wenn auch gefährlich, da hoch zu klettern.
Hahnenklee in der Nähe vom Brocken („Walpurgisberg“) und Wernigerode und Blankenburg sind sehr hübsch.
Auf dem Rückweg besuchten wir Pullman City und Rappbode Hängebrücke. Dann Göttingen und heim nach Würzburg. Die bewaldeten Serpentinen im Harz sind für Motorradfahrer sicher verlockend.

Wunderbar war in meiner Harz-Zeit auch die besondere zweimanualige Emil-Reubke Orgel in Görsbach in St. Mauritius in der Goldenen Aue (Thüringen). Ganz nah beim drolligen „Tante Emma Laden“. Auch diese wunderbare Orgel sieht aus wie eine Ladegast Orgel vom Prospekt her. Vater Adolf und Bruder Emil haben die Orgel gebaut (von Julius); es gibt einen länglichen Löffeltritt mit Schnappfalle (Schweller) und wunderbare Achtfüße. Gekoppelt ist sie sehr schwergängig. Die kleine Kirche ist warm-dunkel.

Sehr schön und süffig ist auch die große besterhaltene Schulze-Orgel in Heringen mit zwei Manualen in Thüringen. Die Glocken befinden sich ebenfalls nicht im Turm, denn es gibt keinen. Die Glocken sind draußen angebracht in einem Käfig, dass sie nicht abhauen können.

Der alte Snowden Spielfilm gefällt mir, der mit Gordon-Levitt. Er geht zwar nur bis 2013. Aber er zeigt auch heute an, wie gefährlich unsere Welt ist, und dass Barack Obama sehr bedenkliche Entscheidungen getroffen hat. Ist es nicht längst bereits so schlimm, dass es für uns schon normal geworden ist, dass wir ausspioniert und abgehört werden? Natürlich ist der Film eine amerikanische Dramatisierung. Jedoch, wenn auch nur ein Teil stimmt, so verdient Snowden den Friedensnobelpreis oder einen Orden anstatt Verfolgung. Er muss sehr intelligent sein. Dass überhaupt ein Mensch da hineinkam, da wieder hinauskam, die Dinge erkannte, nicht schweigen wollte. Stattdessen muss er in Russland ausharren mit seiner Frau.

Es ist immer wieder lustig, wie mein Blog lästernden Anti-Kirchenmusik-Foren viel Gesprächsthemen und Einladung zur Verblüffung und Spekulation gibt. Es ist meiner Meinung nach gender-based mediale Wut in den Attacken. Thomas Anschütz, Fan von Johannes Richter und offenbar wie Johannes Richter mit/bei Matthias Dreißig (der Apfel fällt nicht weit vom Stamm) schreibt mir hier Müll-Kommentare, aber nicht mit seinem realen Namen als Austausch, sondern unseriös und feige mit weiblichem Fake-Namen (das nennt er „Pseudonym“) und mit einer Fake-email Adresse „trashmail.com“ (trash bedeutet Müll), zudem mit sehr schlechter Orthographie und dümmlicher Provokation, damit sie in meinen Blog kommen. Oho! Mit was für einem niedrigen Niveau ich zu tun haben muss. Armes Halle und Waltershausen. Diese ungezogenen Buben mit ihren eigenen Waffen zu schlagen ist unterhaltsam, denn es passt denen gar nicht in den Kram. Dann lästern und hetzen sie teilweise erst recht und rechtfertigen sich. Sie erwarten tatsächlich, ihr Dauer-Interesse an mir müsste sachlich, mit Aufmerksamkeit und professionell behandelt werden.

Kümmert sich ein Star oder eine Königin um „Gesindel“ und das gemeine Volk? Auch die Königin Orgel muß das Gestümper von Narren erdulden. Ich sollte mir an ihr, der Orgel, ein Vorbild nehmen und das lästernde Gestümper von übergewichtigen, eher unbegabten Max und Moritz-Buben akzeptieren. Ich rechne damit, dass all diese Lästerer Pseudonyme verwenden.

Für mich sind Manuel Kelber-Bender, Thomas Anschütz und Johannes Richter, Markus Theising vom musikalischen Niveau her gleich schlecht, sehen sich zudem noch recht ähnlich. Ein Pfarrer einer der drei teilte mir mit, er kenne das niedrige Niveau, aber man müsse eben manchmal nehmen, was da ist.
Große Teile von Kirchenmusikhochschulen sind meiner Meinung eine Schlammwüste des Atheismus, der Unmoral und des Neides und fern vom christlichen Glauben und Jesus, weil sich die Menschen nicht fokussieren auf das, um was es wirklich geht, die Anbetung und Verherrlichung Gottes. Zudem sind etliche Kirchenmusiker entweder geschieden, in wilder Ehe lebend, mit der Orgelschülerin oder Chorsängerin durchgebrannt, frauenfeindlich-homosexuell (Begriff von mir gegründet/erfunden), lästernd hintenrum mit Fake-Accounts und / oder offen atheistisch. Das finde ich sehr schade, denn dies hat keine gute Außenwirkung. 

Ich weiß, dass mein Blog provozierend empfunden werden kann und dass getroffene Hunde bellen, aber ich halte meine Kritik für sehr wichtig und notwendig (gerade als Frau in der Männer-Domäne Kirchenmusik). Manche fühlen sich durch meine Direktheit sicher auf den Schlips getreten. Wahrscheinlich muss man meinen Blog im Ganzen lesen, um ihn zu verstehen. 

Andreas Engelhardt Orgel 

J.S. Bach – WTK I BWV 850 Präludium und Fuge D-Dur, neue Jörg Bente Orgel Kloster Walkenried Harz

Bente Orgel Walkenried

1. Oktober 2021

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Helmut Schmidt soll schon 1978 gestorben und durch einen von der Tabakindustrie gestellten Doppelgänger ersetzt worden sein. (Czech/Domzalski)

Heute waren wir beim schönsten Sonnenschein in Quedlinburg (Sachsen-Anhalts Städte haben teilweise unglaubliche Namen), am Rande des Nordharzes, in Sachsen-Anhalt, in der wunderbaren großen Marktkirche, an der genialen romantischen Ernst Röver-Orgel von 1886: 3000 Pfeifen, 3 Manuale, pneumatische Kastenlade (geschlossenes Schutzsystem, Schutz vor Staub und Schmutz, wenig störanfällig im Vergleich zu offenen Systemen wie der pneumatischen Kegellade: hier gibt es öfter Störtöne und Störgeräusche). Es ist die größte besterhaltene Röver-Orgel. Röver hat die ganze Gegend mit Orgeln versorgt, bis nach Hamburg und ins Ausland. Meine erste Röver-Orgel. Ihre bunten Registerknöpfe werden nicht gezogen, sondern nach unten gedrückt. Röver hat die Reubke-Orgelbaufirma von Adolf und Emil und Julius Reubke in Hausneindorf übernommen. Sie ist eine der klanglich schönsten Orgeln, die ich je gespielt habe. Unzählige feine und zarte historische Achtfüße, Streicher und Flöten, dazu Schweller und Walze.

Der dunkle, spitz zulaufende Prospekt erinnert mich an meine geliebten Ladegast-Orgeln. Sie besitzt Dynamik-Knöpfe als „Setzeranlage“, die nicht immer direkt ausstellen, dazu sogar eine Art Tastenfessel (historisch), Koppeln, Koppeln aus, Auslöser und (so wie die Reubke Orgel in Görsbach/Thüringen, wo ich gestern war und von der ich noch berichten werde) einen ganz besonderen Schweller mit Schnappfalle, einen Tritt mit Widerstand. Es sind kreative und nette Lösungen. Das dritte Manual ist das Schwellwerk mit hellblauen Registerknöpfen. Es gibt dort für Liszt eine feine, leise, durchschlagende Zunge Aeoline (kein Streicher!). Im zweiten Manual (rosa Registerknöpfe) gibt es die durchschlagende Zunge Clarinette, sehr gesanglich und melodiös. Alle Prinzipale und Mixturen sind warm, grundtönig und dunkel. Das HW ist das erste Manual mit weißen Registerknöpfen wie das Pedal. Ich spielte Liszt.
Anschließend aßen wir chinesisch am Marktplatz, bummelten durch die wunderschöne Altstadt. Ich habe zuvor noch nie von Quedlinburg gehört, aber damit bin ich wohl die Einzige. Es ist eine Stunde von Leipzig entfernt. Der nette Kantor Markus Kaufmann erzählte mir, dass er der neue Kantor der Leipziger Nikolaikirche wird. Das wusste ich nicht, das finde ich schön, schade nur, dass erneut beide großen Leipziger Kirchen 2021 nur von Männern besetzt werden. Hier waren noch nie Frauen fest Kantorinnen, und alle sprachen schon zuvor nur vom „Kantor“, vom „Organisten“. Wann wird sich das jemals ändern? Er lädt am 1.10.22 Kay zum Konzert ein.
Es wimmelte bei dem absolut herrlichen Spätsommerwetter von Touristen. Kaum zu fassen, dass morgen der 1. Oktober ist!
Quedlinburg (bei Halberstadt, SA) wurde nicht wie Nordhausen (T) zerbombt: überall hübsche schiefe Fachwerkhäuser, efeubewachsen, herbstlich verfärbt, ein Rathaus mit einem Roland (Zeichen freier Kreisstädte, wie in Nordhausen), und der Aufstieg zur Stiftskirche (auf einem Hügel) war bezaubernd. Es gibt hier die schmalsten Häuser der Welt, die wie bunte Plätzchen aussehen, wie Hexenhäuschen, wie halbe Häuser, wie Kuchenstücke oder Puppenstuben, liebevoll geschmückt. Ein gelbes Häuschen hatte einen gelben Stuhl draußen an der Wand oben angebracht. Dran stand: „Für böse Weiber.“ Ich fotografierte es und sagte laut: Guck mal, ein frauenfeindliches Haus! – – Kamen ein paar Typen vorbei und grinsten. Und dabei ist Gelb noch meine Lieblingsfarbe.
Alles ist mit Blumen dekoriert, besonders die Stiftskirche St. Servatii in Quedlinburg mit Schatz oben mit weißen Rosen. Man hat von oben einen wunderbaren Ausblick auf den Harz und den Wald, der in der Sonne leuchtet, und auf all die Fachwerkhäuser und Kirchen. Die Stiftskirche selbst ist innen voll Bauarbeiten trotz Eintrittspreis und erschreckend klein und nichtssagend im Vergleich zur Größe der Stiftskirche von außen. Ich hatte Pompöses erwartet. Dort ist die kleine Schuke Potsdam Orgel mit Bronzepfeifen, die genau gestern 50 geworden ist.
Der Hausmeister erklärte mir entschuldigend, Himmler hätte hier eben gewütet. Aber die Größe kann er doch nicht verändert haben!

Dann fuhren wir nach Hausneindorf ca. 12 km entfernt zur Orgelbaufirma Reubke und Röver. In der ehemaligen Burg liegt das wunderbare Museum. Ich konnte auf diesen alten Steinen spüren, dass Julius Reubke hier herum gelaufen sein muss, hier im goldenen Harz, im Grenzgebiet Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, am Rande des nördlichen Harzes. Das hat mich sehr berührt.

Ich habe in 5 Tagen 14 Orgeln im Harz gespielt. Wir sind dabei vom Südharz zum Westharz, vom Unterharz, Oberharz  und Nordharz durch drei Bundesländer (Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen) gefahren. Der bewaldete und hügelige Harz hat mich nun eine ganze Woche begleitet: Die Harz-Tour:

– Strebel Knauf Orgel Liebenrode, T

– Deppeé Orgel Obersachswerfen, T

– Friedrich Knauf Orgel Bleicherode, T

– Reubke Orgel Görsbach, T

– Röver Orgel Quedlinburg, SA

– Engelhardt-Orgel Herzberg, NS

– Ital. Barockorgel St. Nicolai Herzberg, NS

– Klais Orgel Dom Nordhausen, T

– Schuster-Orgel Nordhausen, T

– Schulze Orgel Heringen, T

– Bente Orgel Kloster Walkenried , NS

– Goll Orgel Stabkirche Hahnenklee, NS

– Schuke Potsdam Stiftskirche Quedlinburg, SA

– Werner Orgel Limlingerode

Dazwischen Weigle Orgel Mannheim, also 15 Orgeln in 6 Tagen.

Beautiful Andreas Engelhardt Orgel Herzberg, Niedersachsen, Harz, ev. St. Nicolai – Orgel Date AHS

30. September 2021

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Wenn man Gott nicht findet, sagt das sehr viel mehr über einen selbst aus als über Gott. (AHS)

Heute besuchten und spielten wir die neue schöne Jörg Bente-Orgel von 2017 im Kloster Walkenried im Harz in Niedersachsen. Es war meine erste Bente-Orgel. Früher gab es im Kapitelsaal nur ein Positiv, dann eine kleine Engelhardt/Kiessling-Orgel, später Kemper, dann Hammer. Die riesige Klosterkirche (90 m lang, 30 m hoch) wurde im Bauernkrieg 1525 zerstört, aber die anderen Gebäude und der Kapitelsaal der Mönche blieben leidlich erhalten und wurden Stück für Stück restauriert. Der Kapitelsaal wird nun auch für Konzert und Gottesdienst benutzt. Mönche gibt es seit der Reformation leider keine mehr hier, die Kirche ist nun evangelisch. Luther aber kam nur bis Nordhausen. Der dunkle, jedoch schöne, feine Kapitelsaal besitzt eine besondere Atmosphäre, besonders, wenn er von Kerzen erhellt ist. Die neue Bente-Orgel zeigt sich in zwei Stufen: Einmal das HW von rechts oben, und das zweite Manual ist weiter hinten, dort, wo auch der Spieltisch versteckt und geschützt liegt. Die helle Orgel duftet neu nach Holz und ist von Orgelbau Bente aus Helsinghausen bei Hannover für ca. eine halbe Million Euro hervorragend gebaut worden. Auch innen in der Orgel sieht alles einwandfrei aus und zeugt von hoher Qualität, eine eigene Welt, Kunsthandwerk pur, ein Kunstwerk, das versteckt wird, so ist das Innenleben einer wunderbaren Orgel. Die Orgel besitzt viele warme und zarte Achtfüße, zwei Manuale, ist leichtgängig, jedoch hat Griff, Biß und Halt, die Tasten sind absolut gleichmäßig wie bei einem Steinway; auch wenn sie keinen Schweller hat, eignet sie sich sehr für romantische Musik. Sie mußte in einem recht niedrigen und engen Raum und unter Maßgaben des Denkmalschutzes eingepasst und auch farblich dementsprechend gestaltet werden, was sicher nicht ganz einfach war. Von der Orgel aus sieht man auch den Kreuzgang mit seiner hervorragenden Akustik. Die Akustik im Kapitelsaal ist dagegen eher samtig trocken, vor allem bei Publikum. Man trifft nicht immer Orgeln an, die so zarte, leise Farben haben und so ausgeglichene Tasten.
Nach der Reformation beherbergte das Kloster eine Klosterschule. Daraus ging Eckstorm hervor, der lange Rektor war.
Die riesigen Ruinenteile sind beeindruckend. 
 Walkenried war einmal Nabel der Welt im Mittelalter. Heute beherbergt das Kloster ein modernes, sinnliches Museum zur Zisterzienser-Geschichte, von Frauen gestaltet. Frau Haußecker kümmert sich sehr um die Orgel.
Nach der Reformation traf sich regelmäßig im Kloster das evangelische Konvent der Grafschaft Hohenstein. (Die Grenzen waren damals anders.)

Ich spielte dann ebenfalls die große, schöne, klassizistische und dennoch auch romantische Andreas Engelhardt-Orgel von 1845 mit 36 Registern in der evangelischen Nicolaikirche (ebenfalls 1845) in Herzberg im Südwestharz in Niedersachsen. Sie ist eine der wenigen klassizistischen Orgeln der Welt. Die große Kirche St. Nicolai ist hell, weiß, sauber, weiträumig, mit zarten Goldornamenten verziert. Dabei wirkt sie sehr edel, keineswegs kitschig, so auch die Orgel, die perfekt hineinpasst. Um die Orgel wurde ein Gitter zum Schutz gebaut, weil die Empore früher schmaler war und der Weg der Organisten nicht ungefährlich. Dieses weiße, filigrane Gitter blieb historisch erhalten. Zudem besitzt die zweimanualige Engelhardt-Orgel, die größte besterhaltenste (die große dreimanualige in Goslar (Niedersachsen) wurde leider als „abgängig“ bewertet und zerstört, was ich persönlich unmöglich finde; jedoch bekam diese Kirche dann eine schöne Schuke Potsdam Orgel) zwei Tritte beim Pedal, die die linke Seite der Register samt Koppeln und Zungen „abstellen“ kann. Dies ist besonders, ich habe so etwas noch nie gesehen. Obwohl auch diese Orgel keinen Schweller besitzt und zudem wenig leise Achtfüße, kann man sehr schön hier Mendelssohn und Liszt, aber auch süffigen Bach spielen. Die Akustik ist nicht zu trocken. Der Klang ist ausgewogen, warm, füllig und sehr angenehm. Die Tasten waren nicht immer ausgeglichen.
Im Museum des Welfen-Schlosses Herzberg ist Engelhardt ein eigener Museumsraum gewidmet und eingerichtet.
Dies war meine erste Engelhardt-Orgel. Danke an alle sehr netten Kantoren.

Unten im Saal steht auch eine sehr feine, italienisch anmutende Barockorgel von 1743 (Orgelbauer unbekannt), frisch renoviert und bemalt, ein wunderschönes Schmückstück, von Orgelbau Janke hervorragend betreut und restauriert. Ahrend und Janke sind geniale Firmen, was Restaurierung von Orgeln angeht. Hierzu braucht man enormes Geschick und Wissen. Ich bin froh, dass Orgelbau Ahrend vom Sohn Hendrik weitergeführt wird. Dieser weiß alles. Auch das singende Prinzipal der Schnitger-Orgel von Hamburg ist eine Glanzleistung von Hendrik Ahrend.

Niedersachsen ist ja sehr nah am heutigen thüringischen Harz, von dem wir gekommen sind. Hier im Westen (Westharz) ist viel Geld für Orgeln vorhanden. Jedoch im Südharz Thüringen/Sachsen-Anhalt sind viele Orgeln (annähernd die Hälfte aller Orgeln) zerstört oder unspielbar. Dies ist nicht hinnehmbar, finde ich. Ich hoffe, dass sich die jeweiligen Gemeinden (trotz massiver Säkularisierung) dazu entscheiden, das Geld zusammenzutrommeln, das für die Restaurierungen benötigt wird. Dazu braucht es Kraft, Zeit, Enthusiasmus, Ausdauer und vor allem Glaube.

Auf dem Weg nach Herzberg besichtigte ich auch die Schlosskirche von Klettenberg (Thüringen). Auch dort gab es einmal eine Orgel von Friedrich Knauf, die leider aufgrund von Baufälligkeit der Kirche (eingestürztes Dach) zerstört wurde, was einem in der Seele weh tut. Stattdessen steht nun ein Notbehelf (Keyboard) dort. Der Verein aber konnte zumindest einiges andere Wertvolle erhalten und die Kirche instandsetzen. Die ehemalige achthundertjährige Grafenburg wurde leider auch zerstört. Dort ist nicht mal mehr ein Schild des Denkmalschutzes aufgestellt, was eigentlich eine Schande ist.

In Klettenberg gibt es auch ein Gehege mit Rehen, Hirschen, Enten, Gänsen, Albinorehen, Muffelböcken etc. Die Gegend insgesamt ist von Karst geprägt (verwittertes Gipsgestein) mit romantischen Senken und kleinen Seen. Überall sind Pferde und Kühe glücklich auf sehr großzügigen Weiden.

Wir besuchten auch die größte spielbare Friedrich Knauf Orgel der Welt von 1837 (erneuert 1898 vom Neffen Robert Knauf) in Bleicherode, einer schönen Kleinstadt nicht weit von Limlingerode. Der letzte Knauf in Bleicherode, Roberts Sohn Ernst Knauf, starb sehr früh mit 35 (1904). Ein Mitgesellschafter (Friedrich Johnson aus Nordfriesland) übernahm die Firma und ging aber schon 1908 in Konkurs. Dann gründete Knaufs ehemaliger Mitarbeiter Jakob Kießling mit den Söhnen Georg und Ernst in Bleicherode eine eigene Firma, die die Knauf-Orgeln weiter betreuten. Und dieser Kießling mit Söhnen ging 1939 in Konkurs. Damit Ende des Orgelbaus in Bleicherode. Die romantische Knauf-Orgel in der evangelischen Marienkirche Bleicherode gehört zu den schönsten Orgeln überhaupt. Es ist sehr schade, dass die Firma Knauf 1908 erloschen ist. Ihre Schachfiguren-Registerzüge (auch die freien Kombinationen oben), zwei Manuale, Handregister, Auslöser, die Chöre einzeln als „Setzer“ (aber kein Zungenchor), der schöne Spieltisch und die warmen, dunklen, süffigen Klänge, nichts grell oder scharf, in einer ausgewogen zarten Akustik machen diese Orgel zu einem Glanzstück. Die Kirche wirkt hell, rund, angenehm „leer“, und von der Orgel aus sieht man die Palmen im Spiegel. Auch für Bach ist die Orgel gut geeignet, auch wenn die Tasten nicht ausgeglichen sind.
Damit muss man bei historischen Orgeln einfach klar kommen. Der Klang ist wie dunkle Bitterschokolade, jedoch auch wuchtig, warm. Der Bruder Gottlieb hat eine eigene Firma gegründet (bis 1939 weitergeführt) und versorgte die ganze Gegend mit Orgeln.

Insgesamt erkundete und erspielte ich in diesen wenigen Tagen 11 Orgeln – sehr viel… alles außergewöhnliche Instrumente, durch die ich viel gelernt habe.
Morgen berichte ich von Heringen (größte erhaltene Schulze Orgel) und der wunderbaren Emil Reubke Orgel in Görsbach (Goldene Aue).

400 Jahre Orgelbau allein in Nordhausen! Der Harz, der sich über drei Bundesländer zieht (S-A, T, NS) hat viel zu bieten.

Engelhardt Orgel Herzberg

Beautiful Andreas Engelhardt Orgel Herzberg, Niedersachsen, Harz, ev. St. Nicolai – Orgel Date AHS

29. September 2021

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Die Länge der Gesänge ist viel zu lang für ihres Ohres Länge. (Wilhelm Busch) 

Schreibe morgen früh. Mir fallen die Augen zu.

Geheime Denkmäler:

Zuerst besuchten wir in Limlingerode die hübsche evangelische Kirche (aus Gips und Bruchstein, beinahe 1000 Jahre alt), die die letzte erhaltene große Johann Christoph Werner-Orgel (1810; 2011 restauriert) besitzt. Werner kam aus Steina bei Bad Sachsa aus einer Töpfer-Familie. Er sollte den väterlichen Töpfer-Betrieb übernehmen. Aber er liebte den Orgelbau und brachte sich diese Fertigkeiten extern und autodidaktisch bei, was natürlich manchen ein Dorn im Auge war. Quereinsteiger sind oft nicht willkommen. Dabei war er sehr talentiert: Die Orgel in Limlingerode ist eine wunderschöne zweimanualige weiße Orgel, geschmückt mit Blumen (diese eventuell sogar noch von älterem Jahrgang), dunklen und näselnden, mittelalterlich klingenden und warmen Klängen. Die Kirche ist hell und ebenfalls mit Blumengirlanden geschmückt, der Altar von 1695, der Taufengel von 1710. Da der Turm zu klein ist, sind die drei großen schönen Glocken außerhalb der Kirche angebracht. Die wertvollste wurde leider verkauft. Es ist das erste Mal, dass ich in einer Gegend so viele Kirchen ohne Turm antreffe. Dadurch sehen manche Kirchen nicht wie Kirchen aus. Die Glocken sind draußen im Glocken-Gehäuse. Alle „rodes“ sind ca. 1000 Jahre alt. Die wunderschöne Werner-Orgel wird auch im Thüringer Orgelsommer gespielt. Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche beinahe zerschossen, der Turm und das Dach fielen ein, es regnete in die Orgel. Der Dachreiterturm, der gerade über der Orgel saß, wurde abgeschossen und diese Lücke dann mit einer Hilfskonstruktion gedeckt. Dennoch hielten einige Register dieser tapferen Orgel bis 1970 durch! Danach ging nichts mehr. 40 Jahre lang schwieg diese Orgel. Eine biblische Zahl. An dieser Orgel kann mensch viel erkennen und lernen und sich ein Beispiel nehmen. Wie geduldig sie alles ertrug. Jugendliche kletterten in ihr herum. Kirche und Orgel wurden in der Nachkriegszeit grau und etwas düster angemalt. Dann DDR – Grenzzone und Sperrgebiet. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der anschließenden notvollen Hungerzeit 1946-48 kam mit dem „Aufbau des Sozialismus“ durch die sowjetisch angeleiteten Kommunisten die nächste Unterdrückungswelle mit der Einführung der 5km-Sperrzone an der Grenze. Unbotmäßige wurden deportiert, viele Menschen enteignet, die Bauern in die „Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften“ gepresst, all das verbunden mit einer scharfen antichristlichen Propaganda. In dieser Zeit hat die Gemeinde das Kirchendach repariert und die Kirche neu ausgemalt. Das war eine enorme Widerstandsleistung, die für die Christen auch mit dem persönlichem Risiko des Verlustes von Heimat und Eigentum verbunden war. Dass ihnen das nicht mit fröhlichen Farben gelang, kann ich gut verstehen.

Schließlich aber wurde die Orgel endlich in Angriff genommen und aus ihrem Schweigen herausgeholt. Jedoch – was kann man von Orgelsachverständigen anderes erwarten – hielten die Gutachten der „Orgelsachverständigen“ die Orgel für nicht reparierbar. Die letzte Werner-Orgel! Die Gemeinde und Frau Neubert gaben nicht auf. Da kam Orgelbaufirma Hüfken aus Halberstadt. Innerhalb eines Jahres stellten diese die Werner-Orgel wieder her! Es wurden alte Pfeifen gefunden, die der frühere Pfarrer dem ersten Welt-Krieg vergeblich anbieten wollte, die Bälge erneuert, es wurde restauriert, die alten herrlichen Farben mit den Blumen und dem wunderbaren Grün wiederhergestellt. Die Manualkoppel und die Pedalkoppel sollten noch restauriert werden. Dies ist jedoch sehr teuer. Es gibt eine wundervolle Posaune 16 und Quintadena und in samtiger Akustik die Flöten. Besonders berührend ist für mich, dass direkt neben dem Glockenstuhl das Geburtshaus der Lyrikerin Sarah Kirsch steht, die bekannteste Dichterin der DDR. Übrigens, die Tagebücher von Pfr. August Rönnefarth hat Pfarrer i. R. Dr. Ehrhart Neubert als Büchlein verlegt – eine spannende Quelle darüber, was der Krieg im Alltag eines Dorfes anrichtete und für die einfachen Menschen bedeutete. Der treibende Motor an der Renovierung und der Orgelfrage war er. Der Gottesdienstbesuch in Limlingerode ist vergleichsweise gut, die Politik und DDR-Schulbildung haben hier nicht ganz so durchgeschlagen wie in anderen Gebieten der ehemaligen DDR.

Der Kirschkuchen aus dem heimischen Bäcker schmeckte übrigens vortrefflich. Schade ist, dass so viele Menschen dieser wunderbaren Gegend die Gottesdienste nicht besuchen. Es ist leider eine sehr säkularisierte Gegend, vielleicht eine der säkularisiertesten Gegenden der Welt.

Reubke Orgel Görsbach

28. September 2021

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Orgeln sind wie Wein, so unterschiedlich wie Wein. (AHS)
Heute Nordhausen. Lutherstadt. In der Kreisstadt Nordhausen (ehemalige Kaiserpfalz und freie Reichsstadt) sind zwar bei den Bombenangriffen in den letzten Kriegstagen fast alle Orgeln zerstört worden, aber in den beiden größten Kirchen gibt es gute neue Orgeln: In St. Blasii eine dreimanualige Orgel der Fa. Schuster, Zittau 1995, 3 Manuale, 37 Register; im tausendjährigen Dom eine Orgel von Johannes Klais (1996, 3 Manuale, 56 Register).
Heute besuchte und spielte ich die schöne große  Schuster-Orgel (Zittau) von St. Blasii Nordhausen: Die größte evangelische Orgel in Nordhausen (eine sehr hübsche Stadt mit Fachwerkhäusern voll Efeu „im Osten“). St. Nikolai wurde zerstört. Rückpositiv, Schwellwerk. Neobarock, jedoch weich, neu: mit romantischer Gambe und Schweller. Drei Manuale, 2. M ist HW, unten RP, schwarze „Lacktasten“, leichtgängig, doch hohe Obertasten, sehr lange Registerzüge, glitzernde Akustik. Die Kirche von 1234 (2004 saniert) ist hell mit steinernen Gurtbögen. Auf der grünen Empore steht die Orgel in Holz. Lutherweg Nordhausen. 
Jede Orgel hat ihr eigenes Gesicht. Die einen sind schrill, trocken, die anderen fruchtig, manche weich. Und zur Musikalität muss man ein Cockpit-Gedächtnis haben: Wie ist die Bank eingestellt, habe ich die richtigen Schuhe, Noten, Hose… wo ist was, wie weit weg ist was, kann ich es noch erreichen, wo ist das SW, wie ist die Anordnung … Der Spieltisch ist nicht die Orgel. Der Spieltisch ist nur das Cockpit.
Man kann hier an der gereinigten Schuster von 1995 wunderbar Bach spielen, aber auch Mendelssohn, sogar Liszt (jedoch Vorsicht, es gibt keine Setzeranlage, das hätte 50.000 € mehr gekostet. Das heißt, wenn man es alleine machen will, dann muss man sich beschränken). Ich mag jeden Tag einen anderen Wein. Warum sollte ich wie Kirchenmusiker 18 oder 24 Jahre lang den gleichen Wein trinken? Manche Orgeln haben etwas „Verstaubtes“, was aber total sympathisch ist. Andere sind etwas kalt und kühl von ihrer modernen Eleganz her. Wieder anders sind teure Oldtimer, die mehr „Sprit“ kosten als sich die Leute leisten können. Da kostet die Reinigung schon 100.000 €. Wie hier an der Klais Orgel im Dom. Immer spannend.
Die Kirche hat rotglitzernde Fenster.
Nordhausen besitzt tolle alte „Villen“ wie die Post und das Rathaus, vor dem „der Roland“ steht, der das Reichswappen mit dem Adler hält. Barfüßer Tor. Nordhausen wurde drei Wochen vor Kriegsende von den Amerikanern und Engländern total zerbombt, und es wurden dabei auch Zivilsten und Kinder ermordet.
Die Ossis sind ganz lieb und lustig.
Nach der Schuster spielte ich die große Klais Orgel im katholischen Dom Nordhausen, die größte Orgel in Nordhausen. Völlig andere Orgel, Johannes Klais 1964/1996. Der Dom ist wunderschön, helle Pfeiler, geschmückte Decke, wertvoller Altarbereich mit Holzschnitzereien. Krypta, Chorraum, Sandsteinfiguren, Wappen-Schlusssteine an der Decke. Enormer Nachhall (7 Sekunden). Die Orgel ist eine Wucht! Sie stammt aus Kassel und wurde nach Nordhausen verkauft. Sie ist eigentlich eine Konzert-Orgel. Oben ist das Oberwerk. Sie thront wie eine extra kleine Orgel oben auf der Orgel. Und eine extra Orgel sie ist, eine kleine extra Orgel. Sie wirkt süß da oben, aber hat enorme Power. Klein, aber oho. 3. Manual. Sie schallt direkt und ohne Abdeckung an die Decke und ist oft lauter als das Schwellwerk (1. Manual). Sie mischt sich nicht ganz so gut mit dem Rest der Orgel und hat erstaunlich wenig leise 8-Füße.
Der Prospekt ist sehr kreativ: Unter der kleinen süßen OW-Orgel zeigt sich das HW, darunter das rote Schwellwerk mit den 16-Füßen davor, und rechts und links das Pedal, die großen vorne und die kleinen Solostimmen dahinter. Die Orgel hat einen schönen sanften Schwung durch diese Aufteilung. Sie wurde sehr gut angepasst an die schwarzen Bänke hinten an die Hinterfront. Sie hängt tief, und der Spieltisch ist ebenerdig und exponiert. Daran sieht man deutlich den enormen Unterschied zwischen großer Orgel und dem kleinen braunen Spieltisch (dem Cockpit). Mein erster Gedanke war: Schneewittchen-Orgel: Schwarz wie Ebenholz ist die Zierdeleiste und die Bank, rot wie Blut das Schwellwerk, auch die Zierdefarbe, und „weiß wie Schnee“ die silbernen Pfeifen. Aufgrund des Nachhalls ist es wichtig, langsam und ruhig und „bodenständig“ zu spielen. Stretta geht hier gar nicht, vor allem nicht bei Fugen. Die „romantischen“ und ruhigen Werke Bachs klappen gut, Fugen und Virtuoses können anstrengend sein. Alle Läufe müssen mit Bedacht gespielt werden. Es gibt Walze und Schweller und 64 Setzer. Auch das Mischen der Farben braucht hier viel Erfahrung. Alle Register sind links, weiße Kippschalter. Dazu Vorpleno, Pleno, Zungen-Pleno, Tutti für jedes Werk. Morgen berichte ich weiter.
Die fluffigen Klangfarben sind mit zeichnenden schön zu mischen, das ist wichtig. Die Orgel besitzt trotz ihrer reichen Palette wenige (leise) 8-Füße. Das Pedal zeichnet schön und kann ohne Koppeln gut verwendet werden. Vorsicht vor Tutti-Knöpfen im Allgemeinen, besonders in starker Akustik. Lieber ein ausgewähltes Plenum nehmen. Es gibt auch eine Walze, die jedoch etwas springt und neu programmiert werden muss, da scharfe Register zu früh und zu abrupt gezogen werden und sich manche Register beißen. Erstaunlich finde ich, dass man wenig Walzen antrifft, die schön programmiert sind. An jeder Orgel muss man neu denken. Selbst wenn man kommt und seine Werke kann, ist damit oft nur die Hälfte geschafft, da eine Passacaglia von Bach hier ganz anders gespielt werden muss in starker ebenerdiger Akustik (ruhig, durchsichtig, aber nicht spitz) als in trockener Akustik. Kippschalter sind anders als lange Züge, die Anordnung sehr unterschiedlich…  
Nach dem Dom „Heiliges Kreuz“ besuchten wir das Haus von Christian Gottlieb Schroeter, Organist, der Bach verteidigt hat. Es wird renoviert. Lutherplatz.
Die Kantoren waren sehr nett. Danke auch an Manfred Machlitt und Team!
Die dritte Orgel heute hier im Südharz ist die kleine einmanualige Heinrich Deppe Orgel (Zweibrücken/Nordhausen, 19. Jahrhundert) in Obersachswerfen: St. Marien.

Die Orgel ist das lauteste und leiseste Instrument. (Spielerinnen gesucht)

Keine „Spielertypen“.
Diese kleine Dorf bei Liebenrode besitzt eine Kirche aus Bruchsteinen ohne Turm mit einer absolut niedlichen Dorforgel, 2000 restauriert. In den Dörfern ringsum gibt es manch reizvolle, meist einmanualige Orgel, oft kaum mehr spielbar.
Ich übernachtete beim Ritter von Lievenroth. Die Kirche St. Petri ist auf einem Hügel erbaut,
auf dem sich wahrscheinlich ein Heiligtum für den germanischen Gott Donar (Thor) befand. Im Pfarrhaus wurde um 1535 der Dichter Johannes Mylius geboren. Er wirkte später in Krakau, Litauen, Wien und an der Universität Jena. Außerdem die Gelehrten Martin und Johann Friedrich Schweser (17. Jh.). Letzterer war auch Lautenspieler, lebte später als Berater des Markgrafen Christian Ernst von Brandenburg in Bayreuth.
Knauf-Orgeln sind toll! Seit 1835 besaß die Petri-Kirche Liebenrode eine zweimanualige Orgel von Friedrich Christian Knauf (Groß-Tabarz/Gotha), die 1926 von Georg Kiessling (Bleicherode) umgebaut wurde und in den 1980er Jahren völlig verfiel. Das Dorf lag im Grenzgebiet, das Kirchendach stürzte ein, die Orgelpfeifen wurden geklaut. Nur Gehäuse und Prospekt blieben halbwegs erhalten, in die Thomas Hübener 2019 die Königsberger Strebel Orgel aus der Oberpfalz mühevoll einpasste. Er musste dabei einiges an der Strebel-Orgel verändern. Die Kirche ist von einer Mauer umgeben, eine Art Kirchenburg. Aber man kann über die nicht mehr sehr hohe Mauer in die Landschaft sehen, auf die Hainleite, ins Ohmgebirge (Eichsfeld).
Die Kirche ist innen schlicht, barocke Kanzel und Altar sind in den Nachkriegswirren
verschwunden. Mir gefällt sie so. Nichts lenkt ab, die Akustik ist angenehm, nicht zu hallig. Schnelle und filigrane Passagen verwischen nicht.
Es gibt hier einige interessante Orgeln, etwa in
Eichsfeld (St. Marien Heiligenstadt, Gebr. Späth, Fulda 1941), in Bleicherode (Friedr. Knauf, 1837;
erneuert von Robert Knauf, 1898, restauriert 2013 durch Fa. Brode, Heiligenstadt); dann die klassizistische Orgel in der Welfenstadt Herzberg (Nicolaikirche, Joh. Andreas Engelhardt, 1845; steht unter Denkmalschutz), die wunderbare Orgel von Christoph Junge (1681) in der Trinitatis-Kirche Sondershausen, der einstigen Hofkirche der Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen, einst von Andreas Werckmeister abgenommen
(3 Register aus der Bachzeit existieren noch, 1997 wurde die Orgel von der Fa. Hey (Rhön) modernisiert, 3 Manuale, 40 Register, Schwellwerk.
Im Kloster Walkenried (4 km von Liebenrode) gibt es eine neue Orgel (2017) von Jörg Bente (2 Manuale, 29 Register).
In Nordhausen gab es vom 17. – 19. Jh. mehrere Orgelbauer-Dynastien. Auch der Miterfinder des Hammerklaviers Christoph Gottlieb Schröter (1699 – 1782) lebte in der Stadt als Organist der Hauptkirche St Nicolai. Er war auchKomponist, Musiktheoretiker, Schriftsteller und Instrumentenbauer, entwickelte um 1717 nicht nur eine eigene Hammerklaviatur, die er am sächsischen Hof vorführte, sondern auch 1740 das Modell eines Schwellwerks für die Orgel. Er war mit Bach bekannt, schrieb für ihn 1749 eine Verteidigungsschrift im Streit mit Rektor Bidermann. Schröter ist leider fast vergessen.
Christoph Brückner möchte hier auch gleich konzertieren und schrieb meine Veranstalter an.

Johann Heinrich Deppeé Orgel 1824/2000 in Obersachswerfen

27. September 2021

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Flöte spiel ich mit links und mit den Füßen Posaune. (Spielertypen an der Orgel)

Heute schönes Konzert 19 Uhr an der Weigle Orgel Echterdingen 1954 Opus 995 in der evangelischen  Markuskirche Mannheim-Zentrum (helle, warme Holzkirche), 2021 von Orgelbau Popp renoviert, festliches Einweihungskonzert mit Sekt heute, gut besucht trotz Wahl und Regen. Blumen. CDs verkauft. Pandemic Dance kam gut an. Meine vierte Weigle. 
Eine liebe Pfarrerin, die Indien liebt und mir richtig Lust auf Indien gemacht hat. Zudem hat sie indisch gekocht. Die pneumatische dreimanualige Orgel, wie ein großer Kamm aufgefächert, besitzt Walze und Schweller, freie Kombinationen, Absteller, hat gewisse „neobarocke“ Schrillheit hier und da, was ich jedoch gut abfedern konnte. Zudem macht sie Holz-Nebengeräusche, die ich oben kaum gehört habe, und pfeift etwas beim Treten von Tutti. Ich informiere Popp.
Mitte Oktober spielt hier Johannes Michel – dessen Stücke mir nicht gefallen, zu gefällig, weniger originell, nach dem Zeitgeist mit einer Prise „Jazz“, U. Pop an der Orgel ist nicht so meins. Die meiste sogenannte neue „Klassik“ heute in Kirchen ist U. Vor allem Chor und Orgel. Gefälliges.

Ich stehe auf E. Auf Neue Musik.

Die Weigle ist völlig anders als die Strebel Orgel gestern. Es macht großen Spaß, als Konzertorganistin Orgeln zu bereisen und zu erobern. Es gibt ja kaum Konzertorganistinnen. Ich bin eine absolute Rarität. Jedes Mal ein Abenteuer: Diesmal heute habe ich neu Liszt Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen (WKSZ) das zweite Mal gespielt, heute komplett mit Walze. Auch Ritter d-Moll zum ersten Mal komplett mit Walze. Und Schweller.
Walze ist ja eine Welt für sich. Es ist wirklich interessant, es zu trainieren. Wichtig ist hier, alle Koppeln und Register vorher zu entfernen. Die Walze ist schwergängig, sie visuell beobachten und mit der Ferse betätigen, sonst tut sich da nichts. Man muss mit der Walze eins werden. Nach unten wird es lauter. Man muss ein Gespür bekommen, unsichtbar dafür, wo die Nähte und Brüche der Klänge sind. Man muss mit der Walze atmen.

Ich achte meist darauf während eines Konzerts, alle Register hervorgehoben präsentiert verwendet zu haben. Ausnahmslos. Keines soll vergessen werden. Das gelingt mir besonders durch Pandemic Dance, bei dem ich ganz neu mische.
Danach Käseplatte und jetzt dringend schlafen. 

Sind Sie eigentlich schwul? (AHS)

Konzert Mannheim AHS

AHS

Weigle Orgel Mannheim

26. September 2021

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What have we done to the world? Look what‘ve done. (Michael Jackson, Earth Song)

Das Konzert in Nordthüringen war schön heute und gut besucht. Es wurde aufgenommen, Blumen, Zugabe, sonniges Wetter, danach für alle leckere Happen zu essen und Sekt. Das historische Gehäuse von Friedrich Knauf (1835) wurde (wie die Kirche) im Krieg zerstört, und die Orgel von Johannes Strebel von 1904 (Königsberg, Unterfranken) wurde 2019 frisch restauriert eingesetzt von Thomas Hübener, mit Knaufpfeifen (stumm), also Pfeifen von Knauf stumm im Prospekt. Soli Deo Gloria. Thomas Hübener war heute auch da im Konzert. Er hat bei Orgelbau Schulze gearbeitet (gibt es leider nicht mehr), sein Gesellenstück ist in der Schulze Orgel in der evangelischen Kirche St. Marien in Torgau zu finden. Mein Papa kommt aus Torgau.
Orgelbauer Johannes Strebel (eine Orgelbau-Dynastie) aus Nürnberg hat sehr gute Qualität geliefert. Das malerische Königsberg hat eine neue große Mühleisen bekommen.
Ich bin in Nürnberg geboren und spiele an einer Nürnberger Orgel mit original Nürnberg-Strebel-Spieltisch, aber in Nordthüringen.
Die Orgel-Dynastie Knauf ist aus Thüringen (bei Gotha). Hier treffen Thüringen und Franken aufeinander, im wahrsten Sinne des Wortes.
(Die Ratsherren waren auch damals schon befreundet.) Ich finde die unterfränkischen Dörfer ähnlich malerisch wie die  thüringischen Dörfer. Matthias Grünert (Frauenkirche Dresden) spielt hier nächste Woche und übernachtet in der gleichen Pension wie ich. Die Pension ist ein ehemaliges Rittergut. Ich habe die Tiere auf dem Land des Ritterguts gleich ins Herz geschlossen: Nele (Labrador), hübsch gescheckte kleine Mamakühe mit Kälbchen (erst eine Woche alt), direkt neben meinem Schlafzimmer, Hühner mit Riesenhähnen, Kätzchen; habe selten so schöne Kühe gesehen. Sie sehen aus wie aus dem Bilderbuch. Ich connecte mit Tieren innerhalb von Sekunden.

Dohlen und Turmfalken sind zu hören, wenn man die schöne Kirche St. Petri betritt.
Ihre romantische Orgel ist auch sehr gut geeignet für Bach.
Der Südharz mit seinen Eichen, Wiesen, Seen, Bauernhöfern und Hügeln gefällt mir gut. Mylius (Dichter) kommt von hier.
Natürlich war die Orgel sehr überrascht, mich zu treffen. Dort hat noch nie jemand Liszt oder den Thüringer Ritter oder Pandemic Dance gespielt. Erst durch solch eine „Feuertaufe“ kommen Dinge bei der Orgel ans Licht, die noch nicht stimmen, gut, dass der Orgelbauer da war. Die Orgel muß erst wieder repariert werden nach meinem Konzert. Mal sehen, ob sie rechtzeitig fertig werden, bis Matthias Grünert kommt. Sie haben gleich angefangen nach meinem Konzert. 
Solche Orgeln in direkter Akustik (wenn Publikum da sitzt, ist die Akustik so direkt wie im Wohnzimmer, man hört alles – kein Nachhall) sind schwerer zu spielen als große Orgeln in großen Kirchen mit Nachhall. Die Klais-Orgel in Neckarsulm oder die Walcker Orgel im Ulmer Münster sind im Vergleich dazu so angenehm wie Honig zu spielen, denn die mächtige Akustik umschmeichelt jeden deiner Klänge. Man kann da gar nicht schlecht spielen. 

Doch in einem Wohnzimmer zu spielen ohne Nachhall, ohne Setzer, ohne Nummern, ohne Schweller, das ist Kunst, eine Kunst für sich. Denn es gibt ja kein Pedal wie am Flügel.
Manches klingt auch etwas kautzig. Aber ich liebe Herausforderungen und sowohl die großen als auch die kleineren Orgeln. Ich habe Liszt Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen hier zum ersten Mal gespielt (vor drei Tagen begonnen). Sicher eine Revolution. 
Heute in Nordthüringen.
Morgen in Nordbaden. Morgen muss ich wieder früh aufstehen: Konzert in Mannheim. 

Konzert AHS Südharz

Knauf Strebel Orgel Liebenrode

25. September 2021

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Der Boden muss erst fruchtbar sein. Erfolgen müssen Niederlagen vorweg gehen. Glück sind Nieren-Erkenntnisse. (AHS)

Ich bin wohlbehalten in Liebenrode/Thüringen gelandet. Nordthüringen, Grafschaft Hohenstein, Vorharz. Überall Pferde und Rehe und gute Luft. Nah ist die Grenze zu Niedersachsen und Bad Sachsa (Wander-Kurort), wo wir chinesisch essen waren. Und der weiße „Sachsenstein“ (Gipswand, auf denen dunkelgrüner Wald wächst). Früher gab es hier Stacheldraht und Hunde und Mienen zum Westen, und Leute durften ihre eigenen Verwandten nicht besuchen. So erzählte es mir der Einheimische, Manfred.
Die Kirche St. Petri ist wunderschön. In das historische Gehäuse der Knauf-Orgel wurde vor kurzem die frisch renovierte Strebel-Orgel gesetzt. Ich wohne in der süßen Ferienwohnung direkt 30 m daneben. Die Gegend ist nett, unterwegs von Kassel sah man den mystischen „Brocken“ im Nebelglitzer. Knauf und Strebel, was für eine schöne Mischung, kenne und schätze beide sehr. 2 Manuale, bunte Registerkippschalter ala Späth und Walcker, eine malerische kleine Kirche mit samtiger Akustik.
Ich berichte morgen mehr. Nach dem Konzert. Dieses WE sind es wieder zwei.

Ich wurde nach Joyce Meyer gefragt. Ich finde sie erstaunlich gut. Sie bekommt zwar viel Kritik, wie alle öffentliche Personen, aber ich habe mir ein paar alte Aufnahmen angehört und dachte: Wow, diese Frau lehrt und predigt besser als die meisten Preacher in unserem Land. Zudem ist sie klug und sehr direkt. Sie redet nie um den Brei herum. Sie hatte eine schwere Kindheit, vor allem mit Männern. Sie weiß, wovon sie spricht. Aber sie redet nie schlecht über Männer. Im Gegenteil. Männer sollten über ihre Lehre sehr dankbar sein. Es ist fast unheimlich, wie direkt, stark und auch ironisch sie ist. Und in vielem spricht sie direkt biblische Wahrheit. Diese Frau (nun glücklich verheiratet) muß viel erlebt haben.

Ich finde es gut, dass das Thema „Gewalt gegen Frauen“ immer mehr Thema wird durch den aktuellen Fall Gabby Petito, der mich aufwühlt. Dazu morgen mehr.

Knauf Strebel Orgel St. Petri Liebenrode, Thüringen, 1835/Strebel 1904, 2019 frisch restauriert, AHS