Blog und Tourblog

Mit täglichen Impulsen ein Kunstwerk über Leben, Musik, Wunder und Erkenntnis. Tourberichte, lebendig, leidenschaftlich, provokativ und zum Nachdenken.

24. Mai 2020

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Die Füße an der Orgel sind viergeteilt: Zweimal Spitze, zweimal Ferse. So habe ich zehn Finger und vier Füße. (AHS)

Wenn ich die Seiten der Füße mit einrechne, sind sie eigentlich sogar achtgeteilt. Acht Füße und zehn Finger. 

Ich freue mich heute auf den ersten Auftritt nach der Krise in St. Kilian in Bad Windsheim. Es wird gefilmt. Die Adresse ist für heute Abend 19:30 ist  

Evang.-Luth. Pfarramt Bad Windsheim
Dr. Martin-Luther-Platz 3
91438 Bad Windsheim

Und ich freue mich auf die nächsten weiteren Video-Aufnahmen für die Stadt Würzburg bald, zunächst an der Schindler-Hoffmann-Orgel St. Laurentius mit einem wundervoll riesigen Notenpult – perfekt für mich und meine Noten. Diese Firma hat sogar eine LWK-Orgel, was ich witzig finde, für Konzerte im Freien. 

Der Beethoven-Klavier-Abend in Mönchengladbach findet wohl am 9. Juli statt. Freue mich. 

Die zweite Symphonie von Sibelius gefällt mir besonders gut. 

Wo immer noch eine starke Männerlobby herrscht, ist die “Komponistenwelt”. Ich erinnere mich, dass ich zu Frauenverlagen verwiesen wurde, als wären alle anderen Verlage Männerverlage. Es gab sogar einen in dieser Männerlobby, der behauptete, meine Werke würde die normale Range der Orgel sprengen, daher ließe es sich nicht verkaufen – was eine Lüge war, denn ich hatte die Werke nachweislich auf ganz normalen Orgeln gespielt. Unfassbar, was sich Männer alles an Unwahrheiten ausdenken, um Frauen abzuwiegeln. Diese Männer rechnen nicht mit  Widerstand. Und es gibt auch Männer, die fühlen sich in ihrer Ehre gekränkt, wenn eine Frau besser und kreativer ist als sie selbst. Es könnte mir egal sein, wenn nicht ausgerechnet solche manchmal an “Schaltstellen” sitzen. 

Anbei der Link für heute Abend:

Event Bad Windsheim

Schindler-Orgel Heidingsfeld

23. Mai 2020

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Alle Kunstbereiche, als mikrokosmische Abbilder göttlicher Ordnung, unterliegen der gleichen großen Aufgabe und Sinndeutung: Verwirklichung einer göttlichen Ordnung zu sein – wie Gott in den Menschen gelegt, vom Menschen für den Menschen geschaffen, um wieder innerlich eins zu werden mit der natürlichen und geistigen Umwelt, mit Gott selbst! Das ist der Sinn aller Künste! Das ist die Aufgabe jedes Künstlers! Das ist Anliegen jedes tiefer denkenden und künstlerisch interessierten Menschen. (Helmut Degen)

Ich liebe die Orgelsonate von Reubke. Es ist Musik, an die ich mich erst gewöhnen musste, aber jetzt finde ich sie umwerfend gut. 

Und ich mag sehr Sibelius – besonders Night Ride und Valse Triste.

Manchmal höre ich auch gern Frank Zappa. Vielleicht probiere ich es wirklich mal aus und spiele was von Pop und Jazz auf der Orgel. 

Und vor kurzem jährte sich auch wieder der Geburtstag von Froberger.  

Es war schön, wieder draußen Spargel essen zu können oder schöne leckere, gesunde Sachen – nur wenn Jakobsmuscheln “rohvegan” angeboten werden, dann wundere ich mich doch – und Soja-Lasagne, also, ich weiß nicht … aber ab und zu vegetarische Wochen finde ich gut mit Salat. 

22. Mai 2020

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Music is not a thing at all but an activity, something that people do. The apparent thing “music” is a figment, an abstraction of the action, whose realtiy vanishes as soon as we examine it at all closely.(Christopher Small)

Ja stimmt, Musik verschwindet geradezu, wenn man sie zu eng analysieren und in Schubladen pressen will.

Frei übersetzt bedeutet dieses Zitat von dem Neuseeländer Christopher Small, der von „Musicking“ sprach, dass Musik in keinster Weise eine Sache ist oder ein Ding, sondern eine Aktivität, etwas, dass Menschen tun. Das angebliche Ding „Musik“ ist eine Abstraktion der Aktion, deren Realität verschwindet, wenn wir sie allzu genau analysieren oder in Schubladen pressen wollen.

Musik ist etwas so Zartes, ein Wunder, etwas, das wirklich verpufft, wenn sie zu aufdringlich examiniert wird.

Ich fand es sehr schön, die Orgel von St. Laurentius kennenzulernen in Würzburg. Es ist interessant zu sehen, was mit Erweiterungen aus einer kleineren Orgel (27 Register) gemacht werden kann, durch Sub- und Superkoppeln, mit der Möglichkeit des Durchkoppelns bis ins Pedal, Tastenfessel, Walze etc. Das ist natürlich teuer, um die 70.000 € kosten solche Erweiterungen schon, zudem muss meist ein größerer Motor eingebaut werden. Würzburg hat so schöne kleine Randorte mitten in den Weinbergen: Weindörfer mitten im Grün. Und es ist schön, dass Menschen wieder draußen sitzen.

21. Mai 2020

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Wenn du nicht Kultur bewusst baust, wirst du früher oder später überrascht sein von der Kultur, die du hast. (Anonym) 

Nämlich keine. Kunst ist auch systemrelevant. 

Es stimmt, manche Künstler sind Musik, sie machen nicht nur Musik. Diese inspirieren mich. Sehr interessant finde ich Harnoncourt, Gergijev, Simon Preston.  

Ich merke, dass ich aufgrund meiner großen Persönlichkeit manchmal mit Leuten aneinander gerate. Diese sind meist überrascht, dass jemand “Süßes” so eine Persönlichkeit hat, also zielgerichtet, mutig, wissbegierig etc. ist, aufs Ganze geht. Damit rechnen viele Männer nicht bzw. kommen mit dieser Mischung nicht klar. Wie kann jemand, der trotz Millionen von Reisen noch immer Orte verwechselt und geographisch und auch generell oft etwas chaotisch ist, eine “große Persönlichkeit” haben? Aber das geht. Für viele Männer sind Frauen schöne Blumen, eine nette Augenweide zur Ablenkung vom Stress des Alltags, eine Art Deko für das Egostreicheln. Sie erwarten, dass Frauen dementsprechend sind und sich kleiden. Von beruflichen, ernstzunehmenden, echten Seilschaften völlig entfernt. Im Ausland ist es besser, einfacher, relaxter, speziell in den USA und Skandinavien. 

Ich habe erlebt, dass Lehrende mich gerade wegen meines Potentials nicht fördern wollten. Das Fiese daran ist, dass ich als Frau mit Männern nicht dieselbe Seilschaften haben kann wie Männer untereinander. Männer verschaffen sich durch ihre Seilschaften massive und entscheidende Vorteile. Wenn ich versuche, Seilschaften mit Männern zu haben, werden Ehefrauen eifersüchtig, Männer verstehen es falsch, und Kolleginnen oder Kollegen gucken neidisch und skeptisch. Das Schlimmste aber ist, dass Männer nicht darüber hinweg kommen, dass ich eine Frau bin. Es wäre vielleicht leichter, wenn ich größer oder weniger emotional wäre. Ich müsste also für Seilschaften mit Männern ein anderer Mensch werden, am besten ein Mann. Manche Männer haben nur wegen der Seilschaft zu einem anderen Mann Vorteile, eine Stelle oder ein Angebot bekommen. Da kann Kumpelschaft ohne Flirten einfach vonstatten gehen, und keine Ehefrau wird eifersüchtig. Wie sollte ich eine beruflich intensive Seilschaft mit einem Mann haben? 

Mit Frauen kann ich keine Seilschaften haben, ich habe es verzweifelt versucht. Frauen sind leider überhaupt nicht willig, mit anderen Frauen Seilschaften zu haben. Das sieht zwar anfangs so aus. Aber es ist nicht echt. Frauen sind Einzelkämpferinnen. Das ist traurig. Oder wollen “beste Freundinnen” sein. Die Männer, die Seilschaften haben, sind oft keine engen, privaten Freunde. Das ist auch nicht immer Sinn der Seilschaft. Aber unter Frauen ist so etwas schwer. So habe ich einen doppelten Nachteil als Frau. Das wissen meine Feinde auch. Dennoch und gerade deswegen weiß ich, dass Gott auf meiner Seite ist, auch wenn der Weg steinig ist. Und Gott ist die größte und treueste Seilschaft, die ein Mensch haben kann.

Eigentlich sind nur wirklich gesunde, reife (nicht unbedingt vom Alter her) und kluge Männer in der Lage, mit mir (und anderen Frauen dieser Art von Persönlichkeit) Treue, Seilschaft, Freundschaft, oder besser, berufliche künstlerische Synergien einzugehen, die für beide Win-Win sind. Männer, die es nicht nötig haben, mich zu hindern. 

20. Mai 2020

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Gott ist jede Jahreszeit. Er ist Sommer, Herbst, Winter, Frühling. Jeder Abendhimmel eine Einladung. Jeder Tropfen Sonne ein Wunder. Wenn Veränderung beginnt, bist du da. Und auch wenn alles einschläft, sogar, wenn alles bricht, auch im Tod tritt dein Leben ein. (AHS)

2021 werden neue Kompositionen von mir veröffentlicht.

Ach, ich liebe Ad nos. Liszt schafft eine wunderschöne Synthese zwischen Klavier und Orgel und bringt sogar die Oper in die Orgel. Mit Ad nos hat er damals einen völlig neuen Stil geschaffen. Es ist ihm genial mit kleinen Mitteln (Echo, ausgeschriebene Crescendo…) gelungen, ein Orchester abzubilden. Es braucht für Liszt gar nicht so einen “wahnsinnigen” Aufwand. Damals hatte er selbst kaum eine Orgel mit Schweller oder 3 Manualen. Manche Organisten machen viel “Theater”, weil sie keine Technik und wenig Musikalität haben. Haben sie nicht eine riesige Orgel mit der Möglichkeit, jeden Takt zu registrieren, ist bei ihnen die Orgemusik langweilig. Es ist aber kein Manualwechselregistriertanz für Tritte und Knöpfe, sondern dynamische Musik.

Es ist lustig, wenn ich gefragt werde, warum ich auf einem Kissen sitze. Liegt es nicht auf der Hand: Weil es kalt ist? Scheinbar gibt es gar das ungeschriebene Gesetz, dass man nicht auf einem Kissen an der Orgel sitzen darf. All diese (ungeschriebenen) Gesetze werden aufgelöst ins Nichts. Die Orgel schmilzt unter meinen Händen zu Wachs.

19. Mai 2020

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Sing a new Song…

Ich freue mich auf Sonntag auf das Konzert nun als “Musikalischen Abendgottesdienst” in St. Kilian Bad Windsheim um 19.30 Uhr. Lasst die Zungen singen! Wenn schon die Stimmen es nicht dürfen… Der erste Auftritt nach der Krise!

Ob ich mit Handschuhen spielen muss? In manchen Kirchen muss man. Dabei wird mir schon mit der Maske im Supermarkt schlecht. Ich ersticke. 

Nach der Notbeatmung bzw. Notbefeuchtung meiner Instrumente (nun 50 % Luftfeuchtigkeit) geht es meinen Instrumenten hoffentlich gut. Im Museum hat man 55 % Luftfeuchtigkeit. Instrumente dürfen wenigstens atmen. 

Ich vergleiche Liszts Ad nos in den Ausgaben Straube, UE und Breitkopf. Ich denke, dass man dieses Werk (mit seiner spannenden Geschichte) der jeweiligen Orgel anpassen und flexibel sein muss. Hat man eine Sauer-Orgel (oder ähnlich), spielt man anders als an einer Ladegast-Orgel (oder ähnlich), und wieder anders an einer kleineren oder “schlechteren” Orgel, sonst hat man nur die eine Version und kann sie nur an einer Orgel spielen. Tempo, Farben, Virtuosität etc. müssen immer wieder kreativ angepasst werden an Orgel, Zeit und Raum. Das ist der Schlüssel. 

Neue Gedichte geschrieben. 

Manchmal höre ich gern den Pianisten Backhaus.

Seit meiner Kindheit bin ich die Musik von Brahms gewöhnt; Sinfonien und Klavierklang. Das Virus ist eine gewisser Segen für mich. Von allein hätte ich ja nie eine Pause gemacht. Und auch jetzt übe ich für die Prüfungen so viel, dass ich Bauchweh vom Voltaren-Einschmieren auf die Armen bekomme. Meine Unterarme sind zu zart. 

18. Mai 2020

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Die Freude und das Lächeln sind der Sommer des Lebens. (Jean Paul)

Es war sehr schön, die Walcker- Orgel im Ulmer Münster zu spielen, der höchsten Kirche. Sie breitet ihre Hände und Pfeifen wie Flügelschwingen aus. An das geschweifte Pedal musste ich mich gewöhnen. Ansonsten ist der enorme Nachhall ein wichtiges Phänomen, zu beachten. Das Rückpositiv ist sehr transparent, auch oben.

Zum Entspannen höre ich momentan gern Albinoni.

Ich freue mich auf das erste, wieder stattfindende Konzert am Sonntag in Bad Windsheim!

Gestern acht Stunden Ad Nos geübt.

17. Mai 2020

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Legato an der Orgel bedeutet, den neuen Akkord schon im Handgelenk zu spüren. (AHS)

Schön an Liszts Musik an der Orgel finde ich, dass er an der Orgel sowohl Sostenuto-Pianisten-Pedal als auch Pianisten-Legato anwendet. In gewisser Weise dadurch Pianisten-Dynamik: Home-Base-Feeling. Natürlich mag ich auch alles, was gerade das Gegenteil vom Klavier ist, weil ich alle Stile können und kennen möchte.

Meine Lieblingsstellen in Ad nos sind die Stellen um Takt 120 und 167, die Kadenzen Takte 270-272, die Kadenz nach Fis-Dur vor dem Adagio, die Takte um 243, wenn das Thema zum ersten Mal ganz erklingt. Und die Fuge natürlich. Und der Mittelteil. Und noch mehr der Anfang.

Ich habe nun einen Luftbefeuchter. Ich muss mich erst an ihn gewöhnen. An die feuchte Luft, an den Nebel, die Einstellungen und wie das Gerät funktioniert. Wenigstens ist die Luft endlich von 40 % auf 50 % gestiegen. Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Wenn ich vorher lüftete, ist es sogar auf unter 40 % gefallen. Das geht für die Instrumente gar nicht. Einfach zu trocken. Da sitze ich nun im Nebel und übe.

Was Liszts Ausgaben angeht, gibt es zwei “Fronten”. Es gibt die, die UE bevorzugen und die, die Straube bevorzugen. Ich glaube, eine Mischung aus beidem ist gut. Man muss bei beiden Versionen wissen, wie sie zu handeln sind. Mir tut die “nackte” UE-Ausgabe auch gut.

16. Mai 2020

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Musik ist … 

Was eigentlich? Tröstlich, würde ich sagen.

Traurig, dass auch die Konzerte in Dresden, Hamburg, Buxtehude verschoben sind. Bad Windsheim findet als Konzert statt, so auch Mönchengladbach. 

Auf der anderen Seite würde ich die neuen Programme gar nicht schaffen, wenn ich jetzt wieder so viel reisen würde. Denn ich spiele jetzt endlich die großen Werke, die ich schon immer spielen wollte, seit ich angefangen habe, Orgel zu studieren. Ich kann es gar nicht glauben, dass ich erst 2019 Bachelor Orgel abgeschlossen habe. Und jetzt schon auf der schwarzen Piste. Fahrtwind und Leidenschaft. 

Mir gefällt an Liszt sehr, dass seine Musik es zulässt, dass man kreativ und phantasievoll registrieren/Manuale verwenden kann; dass nicht alles bis zum letzten Tupfen vorgeschrieben ist, im Gegenteil, dass man in vielerlei Hinsicht frei ist. Frei, die Farben, Agogik und Tempi individuell und immer wieder neu und anders (je nach Stimmung, Virtuosität, Raum und Orgel) auszusuchen. Ad nos werde ich sicher mit jedem Jahr anders spielen. 

Bach ist natürlich eine ganz andere Herausforderung. Guidance über digital funktioniert erstaunlich gut. 

Eine wirklich gute Übung für Pianistorganisten sind Choräle Bass-Cantus-Firmus im Pedal. Da ich handfixiert bin, stellt sich hierbei mein Gehirn auf den Kopf. Ich muss hierbei überkreuzt denken. Mein Hören, mein Denken und Bewegen sind sehr verknüpft. Es ist für mich geradezu eine sinnliche Erfahrung, den Turm andersherum aufzubauen und vom Pedal aus zu schichten. Ich bin ja sowieso ein Turmbauer, sagte mir jemand :). Sei es in der Küche, mit Büchern oder sonstwo. 

Manchmal ziehe ich beim Üben die Schulter hoch. Seltsamerweise binden sich (negative) Emotionen an der Schulter fest, beispielsweise wenn eine Stelle zu früh zu schnell geübt wurde. Es hängen Schulter und Atmen sehr zusammen. Lieber viel langsam üben, erst dann speichern sich Stellen wirklich ein. Aber bei mir ist langsam schon das Endtempo anderer.