Tourblog und Impulse

Dieser Tourblog ist ein Kunstwerk über Leben, Musik und Erkenntnis.

16. Februar 2020

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Wir brauchen keine Evolution, sondern Revolution. (Stephen Covey)

Ich glaube auch, dass die Dinge viel mehr Revolution als Evolution sind.

Von John Cage bin ich fasziniert.

Unterwegs zu neuen Konzerten… Ich freue mich auch auf das Klaviermusik-Festival in Wilhelmshaven im Oktober mit Beethoven, Chopin, Schluter. Am selben Tag spiele ich in Fulda im Dom mittags die wunderschöne Orgel.

Empfehlen kann ich den Film Frühlingssinfonie. Grönemeyer spielt Schumann. Sehr gut. Der Film ist recht alt, aber gut. Zwischen den Zeilen ist viel zu lernen über Robert, Clara und ihren Vater, über die Zeit in Leipzig, Deutschland, Franck, Liszt, Mendelssohn, Grillparzer, Beziehungen… mit Vorstellungskraft, Hintergrundwissen und Phantasie. Was waren das für Zeiten gewesen? Wie ist das Leben der Komponisten gewesen?

Aber schon damals gab es aufgeblasene “Meister”, die die Kreativen hindern, Entmutiger, Zweifler, aus dem engsten Kreis; aber auch Förderer, Unterstützer, Genies, Halb-Genies, Viertel-Fausts, Lyriker, Virtuosinnen, Schöpfer, Geschäftsleute, Dilettanten, musikalische Freundschaften und harte und gute Lehrer. Eigennutz und Neid. Dieser Film wirft wieder ein anderes Licht als der Film Geliebte Clara. Er zeigt die Anfangszeit. Geliebte Clara Mitte und Schluss. Es gab damals Doktortitel für Künstler, Kunst, Eleganz und Kompositionen. Und heute nur für trockene Schriften.

Schumann war nicht bei der Beerdigung der Mutter. Er hatte eine schwere Familie, litt angeblich unter Trunksucht.

Mich inspirieren Biographien und biographische Filme über Künstler und Künstlerinnen, den Schleier zu lüften: Es waren Menschen aus Fleisch und Blut wie ich mit gleichen Problemen. Zeit finden für das Schöpferische. Geld und Kunst. Die Berufung finden. Träumen. Kämpfe. Zukunft. Mehrere Gaben haben. Was ist Erfolg? Was ist langfristig, was kurzfristig? Was ist langfristiger Erfolg? Zeitloses?

Clara gab Roberts Musik heraus und spielte und feierte sie noch vierzig Jahre nach seinem Tod. Das ist Liebe. Er wurde nur 46 Jahre alt.

Natürlich gibt es in dem Film wieder zu viel Vulgäres, als ob Schumann ein Lustmolch gewesen ist.

Anbei die für mich mit bisher schönsten Orgeln:

Lieblings-Orgeln von Ann-Helena

15. Februar 2020

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Tägliches Üben ist wie tägliche Medizin. Medikamente brauchen Zeit, um zu wirken. (Ann-Helena Schlüter)

Ein Tag mit gemütlichen Düften, ein schöner Geburtstag. Ich hoffe, dass Bienen in mein Bienenhaus kommen und sich mit den Kohlmeisen verstehen. Hoffentlich schaffe ich mal einen Tag ohne Musik.

Ich liebe Gutscheine :).

Empfehlen kann ich Jane Austen: Verstand und Gefühl (Hörbuch). Eine kluge Schriftstellerin, eine nette Gesellschaftskritik. Mozartbearbeitungen dabei miteinander verglichen (beide Fantasien f-Moll). Ich denke, meine eigene ist die beste. 

Ich freue mich auf Schweden.

14. Februar 2020

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Bach überwindet die Schwerkraft. (A. Schlüter)

Geburtstag 🙂

Merci an alle, die für mich und mein neues Lebensjahr beten, mich unterstützen und fördern.

Habe viele schöne neue Orgeln erhalten für meine Hauptwerk-Orgel: Ledziny, Cracov, Kdozsov, Straßburg, Erfurt, Anzio, Giubiasco, Rasczcye, Green Positiv, italienische Orgeln  und andere (3 Manuale, 2 Manuale oder eins). Ich habe nun 22 Orgeln. Es ist schön, dass auch die Akustik gesampelt wurde.

Anbei neue schöne Plakate:

Plakate Downloads Ann-Helena

13. Februar 2020

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Viel langsam üben. Dann kurz schnell üben. Dann wieder viel langsam üben. (Itzhak Perlman)

Was brauche ich eigentlich alles Schönes zum Üben? Gespitzte Bleistifte, Spitzer, Tesafilm, über den man drüber schreiben kann mit Bleistift und Buntstift, einen gemütlichen, wolligen, warmen “Hausanzug” oder Schlafanzug, Pulswärmer, Tee, Kaffee, Schere und ein Kopiergerät, wenn man Noten zurechtschneiden muss wegen Blättern etc., bequeme Orgelschuhe und Socken, Metronom, Uhr, Notizbuch, Kerze, Zeit, einen nahen Ort, wo man sich gleich kurz hinlegen und ausruhen kann, einen Plan. Und da ist ein Berg von neuem Repertoire. Waiting. Heute aber war ich etwas kränklich. Ich liebe die Trio-Sonate d-Moll, sie liegt mir, und ich freue mich, dass sie kein Buch mit sieben Siegeln ist oder eine Reihe von Dogmen, sondern wunderschöne Musik. Ich freue mich auf mein Konzert in Heilig Kreuz Würzburg am 1.März. Der Klang dort ist einfach fluffig.

Den Fim Johannes-Passion von Hugo Niebeling (ArtHaus) kann ich nicht empfehlen. Es ist für mich unerträglich, Bachs Musik (unglaublich gut interpretiert) als Hintergrundmusik zu missbrauchen. Es ist für mich Blasphemie, wenn geprobt wird, wie und wo Jesus am Kreuz hängen soll und wie er aussehen soll (mit welcher Perücke), während im Hintergrund die Chöre mit Inbrunst die Johannes-Passion singen. Noch dazu ist Jesus hier so schlecht geschauspielert, dass er fernab der Bibel wird: Cholerisch, stolz, eigensinnig, laut, glatzköpfig, nur menschlich-männlich. Damit ist der Sinn des Passion verfehlt. Bachs Musik ist so gut, dass man hierzu auch Hund und Katz filmen könnte, aber ich brauche diese Ablenkungen nicht. Ich möchte die Musik hören. Und nicht davon abgelenkt werden. Schon gar nicht von schlechten Versuchen, daraus ein Musical zu machen. Wenn es wenigstens gut gemacht gewesen wäre…

Nach dem Konzert Marktkirche Wiesbaden

12. Februar 2020

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Wer Musik hört, fühlt seine Einsamkeit bevölkert. (Robert Browning)

Die Orgelwerke von Mozart sind Spätwerke. Das spüre ich, sie sind anders als die meisten Klaviersonaten.

Im April werde ich in Darmstadt interviewt.

Ich mag das Tränenstück von Sweelinck, das Troststück, die Fantasia crommatica. Das Original. Der Niederländer Sweelinck war der Vorgänger von vielen. Ich mag seine Form, die sich immer weiterentwickelt. Ich schätze es, wie er imitatorisch arbeitet, in Augmentation, in Diminution. Wie er verdichtet, Engführung, wie er entspannt, wie er mit Chromatik umgeht, mit Tempo:

Auf der einen Seite sehr meditativ, dann plötzlich brillante Läufe und Sextolen. Er hat wichtige Musiker vor Bach inspiriert: Scheidemann, der an der Pest gestorben ist (warum machte die Pest nicht Halt vor diesen Künstlern?), Praetorius, Scheidt, Scheidemanns Nachfolger Reincken… Der Komponist aus Amsterdam hat seine norddeutschen Künstler vermutlich auf plattdeutsch unterrichtet.  

Es ist nicht so leicht, das interpretatorisch Künstlerische zeitlich gut unterzubringen mit dem wirklich Künstlerischem: dem eigenen Schaffen. Das Üben ist dringlich für die Konzerte etc. – aber das eigene künstlerische Schaffen ist wichtig. Zwischen wichtig und dringlich gibt es einen großen Unterschied: Das Dringliche aufdringlich, drängend, fordernd. Jedoch das Wichtige zart, still, wartend, nie aufdringlich. Dem Wichtigen muss ich mich hingeben.

Aber wir sind dem Dringlichkeitswahn verfallen, eine Dringlichkeits-Sucht. Ich glaube, dies ist der Grund, warum große Künstler viel geschafft haben: Sie haben das Wichtige erkannt. Und das Dringliche beiseite geschoben. 

Die Werke von Reger sind nicht unverständlich und anstrengend: Die Choräle und Fantasien und kürzeren Werke sind eigentlich sehr klar und angenehm.  

Der Bachfilm von The Great Composers wird zwar dominiert von den subjektiven Aussagen der alten, männlichen Hasen der Bachszene, jedoch jedesmal lerne ich sogar durch diese Ausschnitte über Johann Sebastian, wie er wohl gewesen sein könnte – ich lerne zwischen den Zeilen. Bach muss das Komponieren der 200 Kantaten geliebt haben. Er muss geliebt haben, dass die Werke, noch warm, direkt geprobt und aufgeführt wurden, auch wenn oder gerade weil es oft Laien waren. Ich glaube, dass dies ihn lange inspiriert und ermutigt hat, denn gerade das “gemeine Volk” schätzte seine Musik. Ob seine Musik später “galant” wurde – ich würde das so nicht sagen. Im Gegenteil. Und Bachs Stil ist so eigen. 

11. Februar 2020

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Tausend Künste kennt der Teufel, aber Singen kann er nicht. Denn Gesang ist ein Bewegen unserer Seele nach dem Licht. (Max Bewer)

Ich bin wieder zuhause, war eine Woche lang weg. Die Hyazinthe ist aufgeblüht und duftet. Ich höre Perahias Beethoven. Die ersten Geschenke sind eingetroffen. Merci! Mein Geburtstag ist am Freitag, dem Valentinstag.

Hier daheim muss ich mich erst wieder akklimatisieren und die Abenteuer verarbeiten. Orkan Sabine hat mich ziemlich in Frankfurt festgehalten, bevor ich endlich wieder heimkommen konnte. Allerdings lobe ich die Deutsche Bahn, die Kaffee, Essen und Wartezüge bereit hielt. Bahnfahren für Fortgeschrittene. Sehr nette türkische Mitarbeiter: “Willkommen zu Deutsche Bahn.”

Als der Orkan nachts in Heilbronn am Haus rüttelte und mit tausend Stimmen zischte, war das schon beunruhigend. Doch denke ich, dass uns Deutschen oft bewusst Angst gemacht wird, also übertriebene Angst geschürt: German angst. Dabei müssen wir eigentlich vor nichts Angst haben. Die meisten unserer Probleme sind Luxusprobleme.

Was passiert eigentlich nach unserem Leben? Das Himmelreich ist Hoffnung und Realität. Existenz und Hoffnung gehören zusammen, sind keine Gegensätze. Ich weiß, dass Himmel und Hölle oft dazu gebraucht wurden, Menschen zu manipulieren und ihnen Angst zu machen. Manche Menschen geben mit ihrem Glauben an. Andere wiederum analysieren Bachs Glauben und glauben selbst nicht. Kompensieren ihren Nichtglauben und ihr Misstrauen mit der Analyse des Glaubens anderer. Wie oft höre ich: “Das mit Jesus ist mir zu einfach.” Zu einfach? Auch Albert Einstein war dies nicht zu einfach. Wir sind jenseits der erdrückenden Vorstellung von Verlust. Wir sind oft böse auf Gott. Verstehen ihn nicht. Aber der Himmel ist nicht nur ein Ort. Der Himmel ist Gott. Was glauben wir? Was glauben wir nicht? Unser Herz sehnt sich. Haben wir den Himmel nicht schon längst gesehen? Wie im Himmel so auf Erden. Sterben und zurück zu Gott reisen ist der Höhepunkt des Lebens.

Ich erinnere mich gern an die Zeit in Saarbrücken, auch an den Orgeln von St. Josef Wehrden und St. Paulinus Warndtdom Lauterbach. Die unterschiedlichen Orgeln von Walcker, Walcker und Cie, Walcker und Mayer…

Empfehlen kann ich heute den Film Heaven is for real. Und meine Lieblingspflegeserie von Estee Lauder Perfectly Clean. 

10. Februar 2020

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Musik überhaupt ist für Kenner. Und es sollte jeder ein Kenner sein. (N. Harnoncourt)

Der Klavierabend im Großen Saal Petrus-Gemeindehaus Heilbronn, evangelische Kirche Böckingen (neobarocke Plum-Orgel), war sehr schön und gut besucht. Ein kleiner Bechstein. Das gläubige Kantoren-Ehepaar Astfalk ist einfach spitze, Bettina und Thomas. Super Künstlerbetreuung. Ich habe mich wohl gefühlt.

Ich spielte Chopin, viel Beethoven, Bach, meine eigenen Stücke, erzählte etwas über mein Leben und das der Komponisten, sang auch meine Lieder.

Klavierabend ev. Kirche Heilbronn-Böckingen

Böckingen ist ein wichtiger Stadtteil Heilbronns und sehr eigenständig.

Das besondere Geschenk war, dass ich morgens im Gottesdienst in Bad Wimpfen an der historischen wunderbaren Ehrlich-Orgel mit ihren 1363 Pfeifen spielen durfte. Das habe ich erst gestern Abend erfahren und war sofort Feuer und Flamme. Ich habe schon von dieser Orgel gehört und brenne für wundervolle historische Orgeln. Ich bin sofort mit der Orgel gut zurecht gekommen. Viele sollen wohl erst mal dran “baden gehen”. Aber ich hatte gleich eine gute Verbindung. Vielleicht durch Schnitger und Walcker Hoffenheim und Klosterkirche Maihingen.

Was ist das Besondere an dieser Ehrlich-Orgel von 1747/48? Sie ist sinnlich, empfindsam. Es ist zunächst der Raum. Die Akustik ist wie Samt und Seide. Die Akustik an sich besitzt schon Obertöne: Sie ist brillant im Diskant und abgefedert und gehalten in der Mitte und in den Tiefen. Mitten hinein in diese wundervolle Akustik klingt dieses Juwel, die Orgel von Johann Adam Ehrlich, niemals zu laut, selbst wenn alles gezogen ist, und sie füllt die große Stadtkirche Bad Wimpfen. Ihre Obertöne mischen sich samtig, perfekt aufeinander abgestimmte Farben, ein gemischter Klang voll kerniger und sanfter Brillanz, mit der Gambe und der Zunge im Pedal – es klingt so, als hätte die Orgel viele unsichtbare Zungen, die sie ja eben nicht hat, aber sie “kompensiert” sie mit ihren Farben. Die Kirche und auch der Ort sind ebenso wertvoll, die Wandmalereien mit den Aposteln, Altar, Gewölbe, Fresken und Decke, die weißen Musikerengel an der Orgel.

Es tönt so, als hätte das Plenum im Hauptwerk oben einen Sechzehn-Fuß im Prinzipal. Jedoch auch das wird durch Farben erwirkt, also den Eindruck geweckt. Den geschmackvollen Eindruck von vielen Zungen und Sechzehnfüßen, die gar nicht da sind. Auf diese Weise wird die kleine Ehrlich-Orgel sehr groß. Ein Klang-Wunder! Ein süddeutscher Diamant.

Vollkommen klingen hier Pachelbel, Steigleder, Muffat, Froberger, Knecht, Krebs, Böhm, Zachow, Vogler, aber auch Sweelinck und Bach. Das Pedal ist sehr angenehm, auch wenn der Umfang manchmal gerade etwas zu klein ist, beispielsweise für Bachs Trio-Sonaten.

Das Unterwerk besitzt eine warme, helle Flöte. Durch die Kälte heulte das Hauptwerk zunächst etwas, und die Tasten sind in der Mitte aufgewölbt.

Es gibt dort ein kleines Büchlein namens Störungsprotokoll, das noch ganz frisch ist, und in dieses kann man eintragen, was einem aufgefallen ist. Das um diese Jahreszeit die Zunge verstimmt ist, muss man nicht notieren, das ist normal. Man muss diese Orgel einfach liebhaben!

Auch die große, rote Ehrlich-Orgel in der katholischen Dominikanerkirche Heilig Kreuz ist eine Pracht in perfekter Akustik, vielleicht sogar noch wertvoller, noch stimmiger – wenn sie nicht lieblos kaputt-restauriert worden wäre von einer Firma, die daraufhin pleite ging. Es würde um die 600.000 € kosten, diese Orgel wiederherzustellen. Diese Summe ist nicht groß. Es muss möglich sein, dieses Geld für diese wundervolle Orgel aufzutreiben. Und dann: Orgelbau Rensch? Oder eine andere wundervolle Firma in der Nähe?

Ich bewundere, mit wieviel Sorgfalt und Liebe der Orgelverein vor Ort sich um diese beiden Orgeln kümmert gegen alle Widerstände. Im Dezember spiele ich dort ein Konzert: Ein festliches Weihnachtskonzert mit Kerzen, am 26.12. – Gott ist voller Überraschungen. Noch 24 Stunden davor wusste ich von all dem nichts.

Ich sehe schon, mein Tourblog wird manchmal zum Orgelblog. Am 11. Juni spiele ich wieder Klavier in Heilbronn, in der Harmonie (Stadthalle).

9. Februar 2020

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Sei reizend zu deinen Feinden, nichts ärgert sie mehr. (Carl Orff)

Nachdem ich das Konzert in der Marktkirche Wiesbaden gespielt habe, durfte ich die kleinere Walcker-Orgel in der wunderschönen Ringkirche Wiesbaden spielen. Die Kirche ist groß und rund mit bunten Fenstern, Gemälden an Wänden und Decke und einem leuchtenden Altar, über den direkt die Orgel thront wie in der Christuskirche Karlsruhe. Mir gefällt das Modell, dass die Orgel über dem Altar ist, also mit das erste ist, was man sieht, wenn man durch die Vordertür eintritt. Die dreimanualige, romantische Orgel original von 1894 ist apart und klangvoll, mit schön geschnitztem Schmuck, ideal für Mendelssohn, Reger, Brahms, Messiaen, Liszt, Mozart… Sie soll erweitert und umgebaut werden, auch in Verbindung mit dem kleinen Fernwerk gegenüber. Wiesbaden hat viel zu bieten, Bergkirche, Lutherkirche, die griechische Kapelle… Selbst der Hauptbahnhof sieht wie eine Kirche aus.

Und überall schießt kochend heißes Wasser aus dem Boden: die heißen, schwefelhaltigen Quellen, die gesund sein sollen zum Baden und Trinken. Ein Kollege meinte, meine Virtuosität würde Geysire generieren :). Und in den Bäumen rund um die Marktkirche zwitschert und singt es ohrenbetäubend laut, ohne dass man die Vögelchen sieht. Tritt man an den Baum, wird es kurz für Sekunden ganz still. Dann geht es von vorne los. Die Vögel können nicht anders als singen.

Ich frage mich, warum Menschen in Zeiten der Umweltkrise ihre Autos anlassen, wenn sie gar nicht fahren, sondern irgendwo halten. Sogar, wenn sie aussteigen, lassen sie ihr Auto Schadstoffe in die Luft pumpen.

Auch in Wiesbaden kennen die Menschen ihre Kirchen nicht. Als ich spazieren war, wollte ich zurück zur Kirche.

“Wie komme ich zur Marktkirche?”

“Hä?”

“Zum Markt?”

“Supermarkt?”

In Heilbronn bin ich angekommen, obwohl Züge schon mal prophylaktisch wegen Orkan Sabine ausfielen, obwohl es nirgends windet. Gleich findet das Konzert statt: Klavierabend diesmal, gestern Orgelkonzert. Genauso wie ich es wollte.

Heute Klavier, morgen Orgel.

8. Februar 2020

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Wir Musiker müssen an der Kante der Katastrophe wandeln, das ist das Risiko, das wir suchen. (Harnoncourt)

Das Konzert in der Marktkirche an der Walcker-Orgel mit ihrem majestätischen Prospekt war sehr schön und gut besucht, mind. 400 Leute. Es gab viele Bravo-Rufe und Standing Ovations. Es waren auch bekannte Gesichter darunter, die extra wegen mir gekommen sind. Mein eigenes Stück Snö (Schnee) kam sehr gut an: Es schneite in der Kirche, und die Flocken rieselten herunter. (So empfanden es die Leute.) Eine wunderschöne Walcker-Sauer-Oberlinger-Orgel, 1863 Neubau, Umbau 1900, 1929, 1938, 1970.

Bach kam auch gut an. In meine letzten leisen Liszt-Takte von B-A-C-H läuteten die melodischen Glocken.

Ich habe viele CDs verkauft. Jedes Orgelkonzert ist noch ein Abenteuer für mich. Eine Bergwanderung hoch zum Gipfelkreuz. Jedes Mal passiert Unvorhergesehenes. Ich gerate in eine Lawine, ein Sturm kommt auf. Ich genieße das Adrenalin.

Da ich Liszt nur mit der Walze gespielt habe, also ohne Setzer und allein, war die Orgel teilweise mit seinem Bombardewerk wunderschön laut, da die Walze, ganz nach unten gewalzt, an der Orgel so ziemlich alles zieht, was sie hat. Aber ich genoss das oben. Und das Publikum unten offensichtlich auch, denn alle waren sehr begeistert. Ich hatte das Gefühl, die Orgel gibt alles. Wunderschön ist auch die Doppelflöte 8, die Schwebung Unda maris mit der Gambe 8 und die Acht- und Sechzehnfüße, das Herz der Orgel. Und der 32-Fuß.

Diese vielen Achtfüße kommen mir vor wie Samt und Seide: Die Schwebung wie Samt, die Flöten wie Seide. Viele dieser Achtfüße, auch die Doppelflöte 8, sind original Walcker-Pfeifen von 1863. Ich empfinde jede Orgel an sich als etwas so Wichtiges, Künstlerisches, dass es mir beim Spielen vorkommt, als wären all die Pfeifen in meinem Bauch. Ich werde die Orgel. Die Akustik ist natürlich recht enorm in dieser großen Kirche. Die Chororgel wirkte sehr weit weg für mich. Wenn man direkt darunter steht, soll sie wohl angeblich spucken. Aber ich war wie Kilometer entfernt und habe doch Connection aufgebaut. Zu allen Werken möchte ich an der Orgel, an der ich spiele, Verbindung haben. Die Chororgel und die Walze (und der Schweller) waren meine besten Freunde. Und das Pedal ist herrlich übersichtlich und angenehm. Auch Max Reger war hier Gast!

Ich selbst weiß, das ich Potential habe, crazy gut zu spielen. Aber eine Orgel hat seine Tücken. Da ich nicht fünf Sekunden wartete, bevor ich die Chororgel nach der Hauptorgel anstellte, war ich plötzlich auf der Setzeranlage der Chororgel gelangt, die mit 99 beginnt. Das wusste ich nicht. Nur, dass ich keine Setzer mehr hatte. Daher stieg ich komplett auf die Walze um, die sehr fein und sensibel bedient werden muss und immer einen freien Fuß braucht. Mir macht die Walze viel Spaß.

Aber ich habe daraus gelernt: Habe ich das nächste Mal Probleme mit irgendeiner Setzeranlage: Die Orgel erst mal noch einmal ausstellen.

Zudem erkannte ich final: Meine Noten müssen übersichtlicher sein. Aus meinen Liszt-Noten kann nicht mal ich mehr spielen. Und das will was heißen. Sie sind im Grunde von meinen Reisen und von meinen Eintragungen und Überlegungen voll, verknickt, zerfetzt und zerlöchert. Manche Töne konnte ich heute nur noch erraten.

Es gab Registranten, die sich weigerten, bei diesen Noten Registrant zu sein. Sie sind natürlich ein Kunstwerk, aber sicher gäbe es auch Leute, die denken, ich hätte diese Noten mal eben aus dem Müll gefischt. Manche meinten, meine Noten sehen aus wie Regers handschriftliche Werke. Ob dies meine eigene Komposition sei. Ich muss also alle Noten doppelt haben. Auch einmal frisch für mich und für eventuelle Helfer. Auch meine Kopien gegen Blätterer müssen besser angeordnet sein. Ich gebe zu, ich bin gern oben allein an der Orgel, ohne Helfer. Doch so oder so: Die Kopien dürfen nicht “ins Gesicht der Noten” segeln und mich und Helfer “wahnsinnig” machen oder mir das Gefühl geben, ich muss so schief gucken, dass ich eine Nackenstarre bekomme. Dennoch genieße ich es, allein an der Orgel zu sein. So sehr, dass ich auf Blätterer, Registranten etc. verzichte und lieber alles allein mache. Mir sagte jemand, dass es absolut erforderlich ist, es auch allein zu können. Sich selbst allein zu registrieren, sich selbst zu blättern zu können. Früher wäre das wohl auch geprüft worden im Studium. Ich lasse eigentlich nur gern mir sympathische Menschen als Helfer zu (auch wenn das nicht immer geht). Ich brauche an der Orgel einfach viel Raum für mich und mag es nicht, wenn mir jemand auf die Finger starrt oder nervöser ist als ich. Heute aber hatte ich einen netten Blätterer bei Bach g-Moll 542 (auch wenn er einmal vergaß zu blättern).

7. Februar 2020

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Jeder Ton beginnt mit der Stille und kehrt zur Stille zurück. (Leopold Mozart)

Ich bin in Wiesbaden angekommen. Die Marktkirche ist groß, rot und schön, mit “zackigen” Türmen. Der Kirchenraum riesig, hoch und langgezogen. Hoch oben thront die große, viermanualige Walcker-Orgel. Das vierte Manual ist die Chororgel, sie ist wie ein Fernwerk und besitzt sehr schöne Vierfüße; besonders gut gefällt mir hier Scharff 4. Mozart klingt hier wundervoll, die Auswahl der Stimmen ist immens, ich komme mir vor wie an einem großen Buffet von Köstlichkeiten. Auch mit köstlichen zarten und glockigen Achtfüßen, selbstredend. Ich spiele morgen im Konzert Liszt, Bach, Mozart und eigene Werke. Ich kann heute die ganze Nacht spielen. Jetzt bin ich aber erst mal im Hotel in der Taunusstraße.

Mir gefallen Hotels, die noch richtige Schlüssel haben und keine Chipkarten. Wo also die Steckdosen und Lichtschalter im Zimmer normal funktionieren wie daheim.

Mein Zimmer hat sogar einen kleinen Erker und eine Badewanne. Ich mag auch, wenn dort Schokolade bereit liegt und Wasser mit Sprudel. Trotzdem kann ich es mir nicht zu gemütlich einrichten, denn ich möchte gleich noch mal los und spielen. Das Gästebuch für alle Organisten an der Walckerorgel zeigt mir, dass (zumindest laut Gästebuch) ich hier die erste deutsche Organistin bin. Zudem Komponistin. Nunja, ich bin ja eigentlich schwedisch-deutsch. Aber eben nicht aus Asien oder Russland oder USA. (80 Prozent sind natürlich ohnehin Männer.)

Auf dem Weg hierher habe ich die ganze Zugfahrt wie ein Stein geschlafen. Ich bin froh, dass ich auf Knopfdruck (ein)schlafen, entspannen und mich so wieder aufladen kann. Könnte ich das nicht, würde ich nie im Leben das Programm schaffen, dass ich mir aus Leidenschaft “auferlege”.

Denn meist gehe ich sehr spät ins Bett und stehe dennoch sehr früh auf. Obwohl ich eigentlich acht Stunden Schlaf brauche. (Leider merke ich manchmal zu spät, wenn mein Akku komplett leer ist. Dann kann ich kaum noch mehr etwas in der Hand halten, laufen oder denken. Glücklicherweise lade ich schnell wieder auf.)

Ich kann schlecht Nein sagen. Wenn man mir sagen würde, morgen wäre eine Orgelfahrt zum Mond, ich würde “Hier” rufen. Und erst später meinen Terminkalender prüfen. Und ich würde auch dann noch mit zum Mond fliegen wollen, wenn ich zeitgleich zum Jupiter fliege und umgekehrt. Das war schon immer so. Terminkalender machen einem schmerzlich bewusst, dass man nicht wie Gott an zwei Orten gleichzeitig sein kann. Wie gerne wäre ich dies.

Sehr schön für mich war gestern, eine kleine Weile in Ruhe an der tollen Schnitger-Orgel in St. Jacobi Hamburg zu spielen. Ich hatte sofort eine gute Connection zur Orgel. Das hat mich selbst gewundert. Meine erste Begegnung mit dieser Arp-Schnitger-Orgel war während der Orgelfahrt mit der HfMDK, und ich hatte Angst vor der Orgel; alles war mir fremd. Aber jetzt, alleine, hatte ich das Gefühl, dass die Orgel sehr zart, freundlich, übersichtlich, liebevoll ist. Handy.

Man muss sich auf sie einstellen, auch vom Pedal und vom Umfang her. Aber das war nicht schwer. Ich denke, hier kann man ungewöhnliche Sachen spielen, nicht immer das typische Programm (norddeutsch rauf und runter). Sie ist eben nicht mitteltönig, sondern modifiziert, 1/5 syntonisches Komma. (Mitteltönig ist 1/4.)

Auch Mozart würde hier gut gehen, nicht alles natürlich, aber das Andante, wenn man eine Oktave tiefer spielt mit Vierfüßen. Klingt spitze. (Die Kemper-Orgel eine Etage tiefer gefällt mir nicht sonderlich.)

Kerstin hat für die Schnitger-Orgel schöne, braune, kleine “Handschühchen” für die Registerknöpfe nähen lassen, mit Zahlen, damit es für die Registranten einfacher ist. Denn ohne Hilfe kann man hier manches schlecht spielen. Und verändern geht nicht, wegen Denkmalschutz. Diese Näherin war sogar an der Orgel zum Maßnehmen. Ich habe schon gehört, dass Laien zu den Registerzügen “Stöpsel” gesagt haben.

Beim Spielen hören einem die Engel an den Seiten zu. Und die plötzlich wie aus dem Nichts herausgeschossenen tollen Pedalpfeifen rechts und links.

Erschreckend ist, wenn ich nach dem Weg frage zu den Hauptkirchen, dann wissen die Leute nicht mal, wo St. Jacobi ist, oder sie schicken mich stattdessen zur Petrikirche, weil sie die Namen nicht kennen und die Kirchen verwechseln.

Orgeln sind so komplex. Leider ist es noch immer so, dass ich selbst trotz Lesen, Üben, Spielen, Reisen vieles zur Orgelwelt noch nicht weiß und Dinge verwechsle. Aber dafür sind ja tolle Lehrer da.

Und bald spiele ich in Altona.