Gedanken und Gedichte

Gedanke 46

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Flügel-Lyrik und Kinder

Lyrik überträgt Musik symbolisch auf das Leben. Lyrik empfinde ich als bedingungslose Kreativität, intuitives Denken. Poesie ist wie Musik und berührt sprachlos das Herz. Lyrik ist ursprünglich gesungen, daher ist in Gedichten Klang zu hören: Klanggedichte, lyrische Sonaten. Sie sind Musik.

 

Peterhof, Moskau, Baltisches Meer

Man kann Dissonanzen in den Metaphern, im Bildbereich hören, die sich auflösen. Ich liebe die deutsche Sprache; am Flügel bin ich Lyrikerin; wenn ich schreibe, Musikerin. Lyrik ist von jeder Form des sprachlichen Ausdrucks die, die der Musik am nächsten ist, da sie über klare Begrifflichkeit hinausgeht. Manchmal ist Lyrik ein Songtext. Lyrik ist nicht nur weich und rund, sie kann auch anecken, provozieren, dramatisch, wild, aggressiv sein. Symbolische Stränge ineinander laufend, manchmal heimlich, persönlich, zweideutig, dann wieder in einem balladenhaften, singenden Deutsch mit Rhythmen aus der zeitgenössischen Musik. Nicht immer harmonisch, mal aus der Alltagssprache, manchmal bewusst a-rhythmisch. Ich schreibe am liebsten beim Klavierspielen, um dort neue Wörter, Zusammenhänge und Sinn hinter Wort zu finden.

Ägypten

Gedanke 45

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Gedankenklang

Gedanken sind Bekenntnisse. Diese sind in einem inneren Dialog weiterzudenken. Kunst ist Herkunft und Heimat.

Ich genieße Musik, als würde meine Seele an der Zeltwand hängen, als würde mein Geist auf meinem Herz liegend die luftigen Zeltwände berühren.

 
  

 

Korsika

Gedanke 43

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Tastenkunst

Freiheit ist weder Chaos noch Zufall. Bekenntnis und Plan gehören zur Freiheit. Beschreibungen sind in der Musik wie auch in der Literatur eine Form von Bekenntnis, eine noch anfängliche, sei es die Beschreibung des Meeres oder des Universums, und führen zu größeren, tieferen. Beschreibende Musik wie Debussys, Ravels, Strawinskys sind keine bekenntnislose Musik.

Auch die Geburtsstunde der ‘seriellen oder vororganisierten’ Musik, zum Beispiel Stockhausen, ist nicht Anti-Bekenntnis. Musik von Messiaen geht weit über Reihenmusik hinaus, weit über die Organisationen von Skalen. Atonalität, fixierte musikalische Punkte und Konzepte und absolute Musik tropfen und tränen vor Bekenntnis. Konzepte allein sind keine Kunst. Selbst Stockhausen bewegte sich aus seiner fatalistischen, dogmatischen Gruppe der elektronisch und seriell determinierten Musik, in der nicht anders komponiert werden durfte und die viele begabte Menschen vertrieben hatte (heute nicht viel anders), fort und heraus.

Gedanke 42

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Energie in Zärtlichkeit

Gedichte von Eichendorff, Rückert, Keller, Celan, Fried, Augustinus, Rilke und vor allem Georg Trakl — zärtliche, dunkle Literatur, die etwas Ruhiges, Zynisches, Suchendes hat — genauso Thomas Bernhard, oder Musik Hindemiths.
Bachs Musik aber spricht rund und frei von Trost, von Liebe, als könnte ich mitschreiben, jeden Tag etwas anders, tröstend, doch immer im Niedergehen die große Kraft, im Beugen die größte Spannung und Ermutigung. Seine Musik ist eine Einladung zur Ewigkeit, zum Loslassen, Vertrauen, Glauben.

Der Quintenzirkel ist für mich eine Art Gottesbeweis. An Gott zu glauben ist nicht intellektuell anspruchslos. Die Wissenschaft ist nicht der Feind oder Gegner des Glaubens und der Literatur. Genauso wenig wie Musikwissenschaft Gegner der Musik ist, auch wenn es oft so scheint. Bach war ein großer Dichter und Denker; viele andere, die unser Land beeinflusst haben. Sie arbeiteten oft auch mit verborgener Symbolik. Symbolik addiert sich in meinen Gedanken wie verselbständigte Kunst, um auf den rechten Zeitpunkt zu warten.

 

Calvi, Rotterdam, Stuttgart, Kampala, Oberösterreich, Schwäbisch Gmünd mit Heidi Bieber (xpand), Saal Schönblick

Gedanke 41

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Formeln

Seinen Kelch des Lebens muss man erst ein wenig kennen, das heißt, sich selbst ein wenig kennen, bevor man ihn halten, erheben und trinken kann.

Toskana

Leonard Bernstein behauptet, dass ein Komponist immer dasselbe Stück schreibt, immer mehr sich annähert seinem wirklichen, einzigen Anliegen. Das bedeutet für mich, dass Kunst dann stattfindet, wenn der Komponist in diesem Anliegen und die Interpretin, wie sie die Musik des Komponisten versteht, in eine musikalische Verbindung, in eine ‘Ehe der Gaben’ zusammen fließen, die das Notenpapier verwandelt in Leben.

Würzburg

Gedanke 38

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Symbol und Sinnbild

„Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen, sondern das, was wir dadurch werden.“ (John Ruskin)

Köln

Leben und Werden gehören zusammen. Aber Leben und Überleben sind zwei verschiedene Dinge. Ich glaube, dass all diese Dinge, die wir tun müssen, um wirklich zu leben, symbolisch sind für eine viel größere Dimension: Symbole für unsere Rettung. Verstoßen wir gegen diese Symbole, verstoßen wir nicht nur gegen Regeln.

Ruhe, Nahrung, Stillung, all das weist auf unsere Erlösung hin. Es gibt nichts, was uns nicht darauf hinweist, auch das Älterwerden, Verwelken, Verblassen, Verlieren, Sterben. Wir verlieren unsere Farbpigmente und unsere Kraft. Dass wir Rettung brauchen, ist nicht zu übersehen. Unsere Rettung ist nicht zu übersehen. Jedes Gefühl von Hunger und Durst und der Wunsch nach Geborgenheit und Liebe sprechen Bände, erzählen von dem, was auf uns zukommt, was Sinn macht, warum wir sind, wofür bestimmt. Unsere Bedürfnisse und Ängste erzählen von dem, wer wir sind, wohin wir gehören.