Gedanken und Gedichte

Gedanke 57

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Nichts ist stumm

Jedes Wesen hat seinen Ton. Auch die Tiefsee ist voller Klänge.

“Die Musik ist eine vermischte Mathematische Wissenschaft, welche von den Ursachen, Eigenschaften und Unterschieden des Klanges handelt, woraus eine liebliche Sangweise gemacht wird, Gott zu loben und zu ehren, den Menschen zu bewegen zur Andacht, Freude, Traurigkeit und Tugend. Was ist Kunst? Eine Nachahmung der Schöpfung.” (L.C. Mizler, 1725)

Die ersten Minuten eines Konzertabends zählen, das Jetzt und Diesseitige zu verlassen, ungefähr so, als würde man das Bewusste abstreifen, ins Unbewusste gehen. Wie die Minuten vor dem Einschlafen, das Loslassen, so empfinde ich das, sofort abgeholt, eingetaucht in tiefere Ebenen. Es kommt mir vor, als würde meine Seele über meinen Wasserwogen schweben, über meine Seele. Aber nicht nur über meine Seele allein, sondern auch über die Seelen des Publikums.

Jerusalem

Gedanke 56

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Eaux natales

Ich bin eine Flügel-Zigeunerin. Meine Geige ist das Klavier. Meine Geige ist die Orgel. Die Orgel singt.

Eine Wikingerin. Musik wegzulassen kommt mir vor, als müsste ich über die Nordwand den Berg des Lebens besteigen. Ich sehe die anderen lachend an der Südwand. Aber die Nordwand hat auch Vorteile: ich spüre eine intensive Tiefe zu den Menschen, die dort aus freien Stücken unterwegs sind. Man muss die Nordwand wählen, wenn man es ernst meint.

Israel

Gedanke 55

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Kunst macht Augen

“Kunst ist nicht ein Können, sondern ein Müssen.”
(Arnold Schönberg)

Eingewickelt in die Flügeldecke wie in ein schwarzes dickes Lederkleid mit rotem Futter. Schönheit und Form ist Klang. Bachs Musik sind Blüten, Intervalle sind Blütenform.

Manila Universität, Philippinen

Gedanke 53

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Widerspiele und Akustik

“Für mich liegt die Kunst zwischen der realen Welt und Gott, der diese reale Welt ordnet.” (Johann Sebastian Bach, 1730)

Geboren werden ist ein Resultat der Liebe. Auf diesem Punkt sind Leben, Tod, Schmerz und Liebe deckungsgleich. Die Spannung ist der Kernpunkt von Kunst und wird leider oft missverstanden oder kleingehalten. Moderne, christliche Musik ist daher so oft trivial und eintönig, aus Floskeln bestehend, Spannung, Moll und Schmerz vermeidend. Doch Wahrheit hat keine Angst davor, geprüft, kritisiert, bezweifelt  hinterfragt zu werden. Zweifeln, abstrakt denken und sinnlich beobachten empfinde ich als wichtig. Ich liebe die alten Choräle und ihre Tiefe.

Ob das Universum voller Tonleiter und Intervalle sind? Ich glaube, mein Gesang ist Echo im Universum; vielleicht kennen mich die Planeten?

Litauen

Gedanke 51

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Nachschöpfer

Musik ist Wort. Ein Nach-Schöpfer schreibt mit der Tinte seiner Hände. Sicher arbeiten Künstlerinnen und Künstler meist aus der Not, aus dem Tiefpunkt heraus. Daran kann man sie erkennen. Gut, dass echte Kunst zu viel Tiefe hat, um zur Sucht zu werden. Im Gegenteil, sie heilt. The art must go on. Zeit ist Maß, Rhythmus und Zyklus und Gebärmutter. 

Los Angeles

Gedanke 50

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Güte soll wachsen und um sich greifen

“Ein Gedicht ist zur Ruhe gekommene Unruhe.” (Reiner Kunze)

Ich glaube manchmal, Kunst ist eine Person. Man kann sie kennen lernen. Man kann sie nicht ‘erwissenschaften’. Die Konzertsäle lechzen nach ihrer Person, nach echter Kunst. Sonst trifft nur das ‘grosse Professionelle’ auf das ‘große Biedere’: auf die, die das Geld für die Tickets haben.

Residenz Würzburg, Toscanasaal

Gedanke 49

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Geprägt

Musik ist ein Spiegel der Gesellschaft. Warum sollte das Künstlerische nur leicht und ohne Arbeit zugänglich sein? Ich empfinde Vergnügen darin, dem Geheimnis nachzuforschen; zu ringen, zu verstehen. Niemand sollte der Lyrik vorwerfen, nicht leicht genug zugänglich zu sein. Forschen ist eine Aufgabe für Königinnen und Könige.

Stuttgart

Gedanke 48

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Gruppensound. Wiederspiele

Musik möchte aus Angst, Enge und Verklemmtheit führen. Sie nur in Bildern zu hören: assoziativ, sie nur in der Bewegung oder in der Bewegungssuggestion zu hören, befreit noch nicht; aber wenn sie sprechen darf in die Tiefe der Seele. Im Konzert halten die Menschen Stille oder langsame Passagen oft schwer aus. Es wird dann in einer Art Gegendemonstration gehustet oder mit viel Geraschel ein Bonbon ausgepackt. Doch Musik ist durchaus auch fragil, zerbrechlich, geradezu melancholisch, spricht tief ins Herz. Manche Menschen haben Angst vor Moll. In einer Kirche bin ich einmal gebeten worden, Lieder nur in Dur zu schreiben. Bach litt in den Kirchen unter den obersten Leitern. Sie erkannte nicht, was seine Herzen-Einstellung bezüglich der Musik in der Kirche war, die er erneuern wollte. Sie wollten an alten Systemen festhalten. Eine Herzenseinstellung kann man nicht verbieten oder verkrümmen. Und wenn man durch Musik erneuern will, dann ist es nicht nur die Musik, die erneuert wird: durch die Musik wird vieles andere auch gleich mit erneuert.

Sizilien