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26. September 2020

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Wunderschöne Niederlande! Orgelland! Holland!

Sehr schön ist die Christian und Pieter Müller-Orgel in der Luther-Kirche Alkmaar. Die wunderschöne niederländische Orgelstadt Alkmaar bei Amsterdam (30 min mit dem IC von Amsterdam) gefällt mir sehr gut. Die zweimanualige Orgel in der Lutherse kerk hat kein eigenständiges Pedal, aber einen intensiven Anschlag und einen weißen Schwan hoch oben statt einem Engel, der für Luther stehen soll bzw. für den reformierten Glauben.

An jeder Orgel muss man neu entscheiden, mit welchen Tempi man spielt. An einer solchen Müller-Orgel ist BWV 572 natürlich bei weitem nicht so schnell zu spielen. Man kann sich viel Zeit nehmen und in Ruhe spielen.

Die holländischen Orgeln sind insgesamt ein Gedicht und ganz anders als die deutschen Orgeln. Ich bin begeistert. Noch nie habe ich solche Flügeltüren live gesehen: Was für eine Wunderorgel ist die Hagerbeer-Schnitger-Orgel von 1646 (!) in der Laurenskerk Alkmaar. Wie Engelflügel sind diese riesigen, bemalten Flügeltüren zur Seite weggeflochten, die man mit einem Seil bewegen kann. Sogar das wunderschöne Rückpositiv hat eigene Flügeltüren. Was für ein hohe, langgezogene Orgel! Wenn man oben ist und die steile Treppe geschafft hat, sitzt man wie in einem hellen Schrank, eingeschrankt vom Rückpositiv. Doch wenn man unten steht und nach oben blickt, wirkt diese Schnitger-Orgel unglaublich majestätisch. Oben spielend hat man keine Ahnung, woran man eigentlich sitzt. Letztes Mal war es dunkel. Jetzt im Licht erst habe ich erkannt, woran ich saß: An purer Schönheit.

Sehr schön ist auch die älteste Orgel Niederlandes ebenfalls in der Laurenskerk: Die kleine, alte, dunkle Van Covelens-Orgel von 1511 (!) rechts hinten, ebenfalls mit Flügeltüren, mit einem mächtigen Klang. Diese habe ich noch nicht gespielt, möchte ich aber gern.

Was mich etwas erschrocken hat, ist, dass die Laurenskerk nicht mehr als heilige Kirche verwendet wird, sondern als Museum und Konzertsaal, weil es so wenige (zahlende) Gläubige gibt. So kann man dort Wein trinken und essen und danach shoppen. In der Kirche, neben der Orgel. Das finde ich unmöglich. Und die Orgel schaut zu, mit ihm Soli Deo Gloria. Endzeit pur. Die Menschen wissen nicht, was sie tun.

Diese schöne niederländische Stadt ist windig, sonnig, mit Flüsschen überall, Möwen, wunderschönen Türen, Menschen und Fahrrädern…  alle Straßen gepflegt, mit individuellen, markanten Türen und netten Bikes … erinnert mich sehr an Schweden…  und das Meer ist immer zu riechen… Danach bin ich nach Amsterdam gefahren und habe an diesem Tag mein viertes schönes Instrument kennengelernt. Dazu morgen mehr.

25. September 2020

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Wenn man von weiblicher Logik spricht, so hält fast jeder Mann diese für zweitklassik oder überhaupt nicht existierend. Dabei bringt gerade die weibliche Logik einmalige Leistungen hervor. (Heilwig von der Mehden)

Für Männer gibt es oft nur männliche Logik. Abstrus. Diese gängigen Vorstellungen über Logik gibt es noch 2020.

Ich habe festgestellt, dass ich manchmal “schmatze”, wenn ich sehr konzentriert konzertiere.

Neues Video: Schwarzer Emu 2020

24. September 2020

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Schönheit auszudrücken ist ein Lebensinhalt. (AHS)

Meine Noten stecke ich (wenn sie Kunstwerke sind und zudem viele Kopien als Blätterhilfen aus ihnen herausstehen wie Flügel) in die “Notenpresse” – das heißt, schwere Bücher und Choralbände liegen als Beschwerer darauf, bevor ich aus ihnen weiter übe.

Kurz vor einer Prüfung habe ich einmal eine halbe gelbe RedBull-Dose getrunken. Mein Blätterer sagte etwas besorgt, er habe noch nie mit “einer offenen RedBull-Dose ein Gotteshaus betreten”.  “Ach”, antwortete ich leichthin, “ich sage da nur Coffee to go“. Er beobachtete mich noch besorgter, als ich, von der RedBull-Dose (da ich sonst so was nie trinke) sehr angeregt akrobatische Dehnübungen im Gottesdienst machte und dabei vor mich hin summte und in ein unkontrolliertes Jodeln überging. “Vielleicht war das doch keine so gute Idee mit dem RedBull”, murmelte er und nahm die Dose an sich.

Mein neues Orgelwerk: The Wave:

23. September 2020

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Yippieh!

Auf die letzten Minuten: Ein erfolgreicher Tag, wieder Note 1,0 bekommen, sehr gut gespielt und sehr nette Menschen um mich gehabt. Danach ein paar Videos aufgenommen, habe alles auf Anhieb fehlerlos gespielt. Ich merke, dass es wirklich ein Schlüssel ist, sich gut zu konzentrieren und ruhig zu spielen. Ein barockes Werk, besonders Bach, ab 10 Minuten Länge (d.h. Piece d’ Orgue fällt nicht darunter, aber auf jeden Fall die Passacaglia) braucht seine Entwicklungszeit, vor allem was das Tempo angeht: Erst ab einer gewissen Reifezeit findet man bei langen Werken das perfekte Tempo, dass man durchhalten will; nicht zu schnell, nicht zu langsam; nicht bemüht langsam, aber auch nicht zu hastig. Eben, dass es schwingt, von Anfang bis Ende. Ich glaube, dass man auch hier sich spüren und kennen muss: So dass Reife, Virtuosität und Charakter eine Einheit werden. Nicht nur der Charakter des Stückes, sondern auch der Charakter des Spielenden. Tempo ist immer eine Frage von Exzellenz.

Ich bin dann auch ein wenig spazieren gegangen in der schönen, aber ausgetrockneten Gegend um Marktheidenfeld, in der es schon lange nicht mehr geregnet hat – und ich habe alles gesegnet, was durchhält in dieser Dürre. Wie wunderschön die Schöpfung selbst in so einer kaputten, klimageschädigten, durstigen Welt und Zeit ist. Direkt neben Asphalt, Netto und Parkplätzen liegt ein kleiner Bach mit Baum und Wiesen dahinter, haben durstige Bäume dennoch Früchte und schimmernde Blätter, säuseln Insekten über dem Wasser, spiegelt sich die späte Nachmittagssonne in den Kreiseln des Baches. Neben unserer menschlichen Hässlichkeit liegt die Schönheit gerade in ihrer Schwäche und weggedrängt so verletzlich, so unendlich schön. Ich sehe darin Gottes Zartheit, seine Weiblichkei; er ist so ganz anders, als ich es von der machtgierigen Männerwelt kenne, die in vieler Hinsicht hintenrum und böse ist – auch wenn es viele ganz wundervolle Männer gibt, die mir schon sehr geholfen haben. Aber wer meint, Gott will Dominanzgehabe oder er wäre genauso oder er halte dies für gut bzw. notwendig oder habe es gar erfunden, der hat nichts verstanden. Ich sehe keine dominanten Bäume oder herrschsüchtigen Bäche oder unterdrückten Blumen. Im Gegenteil. Alles, was zart und verletzlich ist, ist besonders schön, wird geradezu gefeiert in der Schöpfung. Ich verstehe nicht, wie ein solch künstlerischer, wunderschöner, weiblicher Gott eine solche Welt zulassen kann, in der die schlimmsten Männer herrschen. Nichtsdestotrotz war es ein toller Tag, mit Entspannung am Ende und wohlbehütet und einem sehr schön gestimmten Krummhorn:

Scheidemann Choral:

22. September 2020

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Bin ich Künstlerin? Nein. Ich bin Kunst. (Lisa Eckhart)

Meine Noten von Bach, Liszt, Mozart etc. muss ich nun alle doppelt, also neu kaufen, denn meine Noten werden als Kunstwerke angesehen von vielen, also werde ich eine gerahmte Serie daraus machen und auch Reproduktionen anbieten (bald mehr im Shop). Ich überlege mir noch den Preis. Wenn ich jedoch zu lange aus den Noten weiter spiele auf Konzerten, könnten die Kunstwerke kaputt gehen. Man muss also wiederfinden, wann sie gerahmt werden sollen. Eigentlich jederzeit, aber besonders schön sind sie frisch nach ca. 3-4 Monaten Übezeit.  Sehr gefällt mir, dass es echte, lebendige Kunst ist, mit Herz-Blut geschrieben und gespielt. Die Musik-Malerei ist nun in meinem Shop zu finden: Musik-Malerei

Ich möchte gern, dass eine Malerin mich malt, ich habe eine schöne Pose gefunden, die natürlich und echt ist. 

Neulich war ich in einem Küchengerät-Geschäft und fragte, ob es auch eine Maschine zum Kochen gäbe. Die Frauen im Geschäft brachen in Gelächter aus. “Kochen müsse man schon selbst.” Aber sie hätten hier einiges, das klein schneide usw. Ich beharrte darauf, dass es doch neuerdings ein Gerät gäbe, das auch kochen kann, aber sie wollten mir nicht glauben. 

Guter Unterricht macht vor allem Folgendes aus: Dass man motiviert ist, weiter zu gehen, weiter zu üben, durchzuhalten. Und es ist Arbeit an der Persönlichkeit, aber zarte, freundliche, lobende, anerkennende, würdigende, liebevoll korrigierende, wenn nötig. 

Neues Reincken-Video:  – freue mich auf eure Kommentare 

 

21. September 2020

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Ich bin Gottes kleine Nachtmusik. Ich bin kein Engel. Ich bin zwei Engel! (Sr. Teresa Zukic)

Denn Gott hat wolkenzarte Hände.

Es macht Spaß mit meinem Clavichord.

Es stimmt, dass man im Konzert und auch kurz danach wie “seherische” Fähigkeiten hat, wie entrückt ist.

20. September 2020

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Niemand ist unvergänglich, nur Gott ist es. Versöhnt euch mit eurem Tod. (Franziskus)

Wie ihr seht, ich bin gerade auf einem “Papst-Trip”. Aber es stimmt: Gott hat viel riskiert. Warum sollte ich nicht viel riskieren?

Ich möchte sehr gern einmal nach Lateinamerika. Dahin, wo er herkommt.

Ich freue mich auf meine Konzerte in Kolbermoor bei München und Hannover.

Luigi Nono gefällt mir nicht. Die Komponistin Se-Lien Chuang gefällt mir.

Ich erinnere mich, wie Hans-Ola mir anfangs lächelnd sagte, ich sei mit meinem Pedalspiel wie “Bambi auf dem Eis”, und “wir wollen doch keine Disneyfiguren” – es stimmt, dass man vom Pedal aus spielt, also von unten nach oben (dabei immer beachtend, dass die 16-Füße langsamer sein können, vor allem, wenn die Pedaltürme hinten sind und die Akustik stark), und dass man sehr klug vorgehen muss, wenn man nervös ist oder ein neues Repertoire hat, insbesondere Bach: Tipps von Hans-Ola und mir:

  1. wenn der Puls schneller geht und das Herz klopft, dann höchstens 85 Prozent von dem eigentlichen Tempo vorstellen und wählen – dann ist man bei 100 –
  2. wenn man nervös ist, sind die 100 nicht mehr 100, sondern 130, und wenn man nicht runterbremst mit gedanklicher Kraft, kommt man in Tempi, die man nie geübt hat und fährt mit dem Porsche gegen die Wand
  3. sich nicht dazu verführen lassen, von hungrigen Wölfen gejagt zu werden – lass dich nicht auf diese Jagd ein. Halte dich genau und unterkühlt an dein Metronom-Tempo (und davon 85 Prozent)
  4. 35 Minuten vorher eine Banane essen – nur eine, nicht drei, und auch nicht 5 Minuten vorher – eine Banane beruhigt und ist eine gesegnete Frucht und gibt Kraft
  5. wenn man nervös ist und die Gedanken nicht richtig gerade sind, dann ist nicht genug Sauerstoff im Blut: tief einatmen, alles ausatmen, bis nichts mehr da ist, dann wieder einatmen – sich aufrichten –
  6. es ist viel Willenskraft gefragt: Positiv denken, kontrolliert spielen, nicht denken: Ich will da so schnell wie möglich durch oder: Ich kann das gar nicht langsam spielen oder: Hilfe, ich flüchte – nein, sich selbst spüren wollen; sich selbst alles Ruhige zutrauen; ruhig und “langweilig” spielen, dann ist es richtig; nichts beweisen, ganz simpel und demütig – nicht nüchtern, aber demütig
  7. verzichte auf alles, was zusätzlich Kraft kostet, lass Schultern und Augenbrauen und Gesicht locker
  8. denke immer an das Wort Demut und was es bedeutet – das hilft: Die Entscheidung, sich selbst zu stellen, sich zu zeigen: Dies ist eine Einstellung, die man natürlich vorher trainiert haben muss  – ein ganz wichtiger Schlüssel für Exzellenz

Was mir auch hilft, ist, zu trinken, zu lachen und zufrieden zu sein (sich an etwas Lustiges erinnern), sich hinzulegen und die Augen kurz zu schließen. Nicht kämpfen. Federe von den Füßen nach oben. Stille. Akzeptiere die Realität, auch wenn es um Kunst geht. Was mir auch wichtig ist: Nicht baden vorher. Auch nicht am Tag vorher. Bei mir erschlaffen und entspannen die Muskeln komplett. Max. kalt duschen.

Wahrscheinlich gelten diese Regeln auch für das Leben allgemein, nicht nur für Musik.

19. September 2020

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Wir können fliegen, weil wir uns selbst nicht mehr schwer nehmen. (Ratzinger)

Mir gefallen die weisen Worte des ehemaliges Papstes. Es stimmt, dass wir wieder Zeit “vertrödeln” sollen. Uns “langweilen”. Im positiven Sinn! Wieder unsere menschlichen Gesten kennenlernen. 

Nächste Woche stimme ich mit Heissler Orgelbau die Zungen in St. Laurentius Spessart Marktheidenfeld.

Ich mag Dvoraks Symphonien.

Ich finde, Großstädte wie Frankfurt sind schlimm, wenn man mit etwas Verletzlichem unterwegs ist. Dann erst zeigt sich, wie böse und kaputt Menschen sind. Alleine und stark ist kein Problem. Aber mit etwas Verletzlichem, das man beschützen muss… wie einem Instrument… Vor allem Männer sind so grob und unsensibel und jagen riesig und knochig vor sich hin, ohne sich umzusehen. Ich muss sagen, deutsche Männer schießen an unhöflichem Benehmen den Vogel ab. 

Presse Main-Post

18. September 2020

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Man soll Geschmack nicht nachlaufen, sondern Geschmack bilden. (Ratzinger)

Es stimmt, dass man uns gezeigt hat, wie man lebt und wie man stirbt. Wir können wieder zuhören und uns selbst überschreiten. Denn das Sterben ist wo wichtig wie das Leben.

Mein Zander Clavichord hat seinen Platz am Fenster gefunden. Es ist gebunden, 110 cm lang und 31 cm breit. Mal sehen, was ich darauf spielen kann.

Happy Birthday, Emilia!

17. September 2020

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Gott gab uns die Fähigkeit, nach der Wahrheit zu forschen. (Papst Franziskus)

Ein erfolgreicher Tag gestern: Note 1,0

Danke für euer Gebet.

Ich bin glücklich, aber meine Sehnen schmerzen: Ich habe durch die 2 Tage Aufnahme und Konzert am Sonntag und durch das Üben den ganzen Sommer über, während andere am Strand lagen, mich etwas überanstrengt. Nun heißt es kühlen und etwas ausruhen. Endlich hatte ich heute wieder Zeit für Friseur und Sushi und Spazierengehen und sogar mal Sekt trinken (noch vom Konzert). Im Stress jedoch spüre ich meinen Herzschlag sogar in meinem Zahnfleisch. Das, was zudem angestrengt ist, wenn ich musikalisch mein Alles gebe, sind auch meine Augen: drei Systeme. Es passiert in jedem Stück, dass ich kurz nicht weiß, wo ich bin, wenn ich fliegen will.

Aber eine wunderschöne Erstaufführung von Liszt Ad nos und Messiaen Himmelfahrt. Ach, und es ist noch so viel Potential im “Hinterzimmer”, ich spüre es.

Ich habe aus dieser Orgel eine sehr schöne Registrierung “herausgeholt”, lange getüftelt und ausprobiert, nächtelang überlegt. Und es hat Spaß gemacht. Wenn man EINE Orgel in- und auswendig kennt, dann ist es auch viel leichter, jede Orgel zu kennen. 

Empfehlen kann ich beide Papst-Filme, einmal den über Papst Franziskus von Wim Wenders (dessen Frau ich kenne) und einmal die Dokumention über den deutschen Papst aus Oberbayern (“wir sind Papst”). Was für unterschiedliche Päpste, und immer interessante Worte. Es ist natürlich eine bedrückende Männerwelt, aber beide Männer sind mir sympathisch, da sie klug sind. Und vor allem Papst Franziskus, der immer wieder betont, dass Frauen integriert werden müssen.

Morgen darf ich mir mein Leih-Clavichord aus Frankfurt abholen (Stipendium). Ich freue mich. Es ist klein und passt auf einen Tisch, so stelle ich es mir ins Schlafzimmer und kann am Fenster neben der Hängematte üben.

Nicht empfehlen kann ich das Coaching der Alumni Uni Würzburg. Es sind unreife Coache, die unsicher werden, wenn man eine andere politische Meinung vertritt als sie selbst. Es wird gefährlich, sich diesen anzuvertrauen. Sie missbrauchen das Vertrauen, das man ihnen schenkt, weil sie andere Sichtweisen nicht verkraften. Wie sollte eine solche Person beruflichen oder künstlerischen Ratschlag geben können?