22. Januar 2021

Es kostet Kraft, ein Gesamtkunstwerk zu sein. Schreibe ich an meinem Roman, so verändere ich mich; so wie ich mich verändere, so verändert sich meine Kunst.” (AHS, 22. Januar 2010)

So ist es heute immer noch. Ich liebe es, eigenschöpferisch zu sein.

Es war heute recht windig-sonnig-kalt in Hamburg. Ich übte heute sieben Stunden in St. Katharinen (ich nenne es immer Katharine) ab acht Uhr, Menschen hörten unten zu, freuten sich und klatschen. Ich hatte Unterricht, habe diesen vor- und nachbereitet, mich eingespielt, schrieb alles auf, nahm auf. Sonne kam heraus. Auf dem Weg zurück habe ich mich verfahren. Später holte ich mir bei einem Italiener Spaghetti Bolognese, und es war fast wie eine Art Zurückholen von Normalität (Spielen und Spaghetti essen hinterher), obwohl ich es auf einer sonnigen Brücke im Stehen aß (und die Leute mich freundlich anlächelten).

Später habe ich mit Katelyn Emerson aus den USA gesprochen, eine phantastische Organistin. Es war ein sehr ermutigendes, fröhliches Gespräch. Wir sprachen u.a. über Frauen an der Orgel und unser gegenseitiges Erleben in der Orgelwelt.

Wir überlegten, dass die Orgelwelt eine andere Kultur sei als die Welt der Pianisten oder anderer Instrumente. Meine extrovertierte Art voller Ziele wäre zudem noch mal eine ganz eigene Kultur. Jeder Mensch ist eine eigene extra Kultur. Das ist gut, darüber nachzudenken.

In der Pianistenwelt denkt jeder von sich: I am the best. Und das ist ok. Muss so sein. Doch wehe, man überträgt dieses Mindset in die Orgelwelt. Dann ist man arrogant. Kulturschock.

Hater sollte man generell ignorieren, meinte sie.

Ausländer haben es oft leichter, da sie als faszinierend gelten für Deutsche. (Die Deutschen mögen Deutsche oft nicht. Egal, wo.) Umgekehrt auch, als ich in den USA war, war ich die faszinierende Europäerin. Außerdem gehen Ausländer oft wieder zurück. Warum sie also als Konkurrenz wahrnehmen?

Und überhaupt, wie geht man mit weiblicher Konkurrenz um? Viele Männer können ohnehin schon mit Frauen nicht normal umgehen, geschweige denn, wenn sie Konkurrenz sind oder sein könnten. Das ist noch eine Stufe schwieriger / höher.

Der Punkt, dass, sobald man über Frauenfeindlichkeit spricht, viele Männer panisch dicht machen und nicht mehr zuhören, fand ich einen wichtigen Punkt. Man muss diplomatisch um die Sache herum reden. Denn wenn sich Männer unwohl fühlen, ist es schwer, sie für Verständnis zu gewinnen.

Ich spazierte dabei durch die Innenstadt. Katelyn ist mit einem australischen Orgelbauer verheiratet. Sie meinte, ich solle unbedingt ein Buch über meine Erlebnisse in der Kirchenmusik schreiben. Sie findet das spannend. Ich nenne das Buch Kulturschock Kirchenmusik. 

Spannend war in Katharine, den extra stehenden Cornet-Baß 2 im Pedal zusätzlich im Scheidemann-Choral zu ziehen. Wow! Das ist etwas Besonderes. Es wird dadurch ein vierstimmiges Werk, als käme zum Bass noch ein imitierender und vorimitierender Sopran in Otavparallelen hinzu. Man muss jedoch zweimal oktavieren und den Cornet-Baß 2 am Ende herausnehmen. Ich liebe die melodiösen Durchgangsviertel, das Dichte. Die Zinke war kältemäßig verstimmt, eine Coronazinke. Ich finde Registrierung so interessant. Ich könnte da stundenlang tüfteln. Ganz am Anfang hatte ich Angst vor Registrierung. So vor drei Jahren. Am schönsten ist, wenn man dann wirklich eine hat, die dann final ist und die man durchgehend und immer gut findet.

Wenn man koppelt, muss man das jeweilige Keyboard nach hinten ziehen.

Wichtig ist im Pedal, dass es trotz Artikulation dicht und flächig und singend bleibt. Da ich meine Orgelschuhe vergaß, habe ich mit Socken gespielt.

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