3. Dezember 2020

Alle sind gegen mich. Sie hassen mich, klagen mich an, verabscheuen meine Musik. (Franz Liszt, 1885)

Ich lese Stegemanns Buch Franz Liszt. Dieser beklagt den Ruf des Genies. Jedoch ist Stegemann mit seinen wiederholten Aussagen, dass “Liszt ein Popstar der Klassik sei, ein Frauenschwarm” nicht hilfreich, Liszts Ruf zu ändern. Für mich ist Liszt kein Popstar und Frauenschwarm. Er ist ein Künstler, der revolutionäre Musik geschrieben hat und Musikgeschichte. Erstaunlich ist, dass selbst er unter einer systematischen Demontage, unter Verriss und Spott von Neidern und Konkurrenten gelitten hat. Es scheint also so zu sein: Ist man genial begabt, auf der Suche nach der eigenen musikalischen Ästhetik, wird Demontage kommen. Das gehört zusammen, wenn man anders ist, dann hat man Gegner. Die wirklich entscheidenen Dinge, warum Liszt ein Genie ist, wird in Stegemanns Buch gar nicht angesprochen: Liszts Poesie, seine Programmmusik, sein Ad nos, was er schuf, was er einläutete, seine symphonischen Dichtungen. Oberflächlichkeiten über das Pariser Haifischbecken der Virtuosen, Tratsch und Klatsch, Politik und menschliche Beziehungen werden in den Vordergrund gestellt. Es ist mir nicht so wichtig, ob und wie Liszt mit Wagner Umgang hatte, wie oft er seine Tochter sah, ob er mit Schumann in Konkurrenz stand, ob er bei der Presse scheiterte. Liszt hat Zukunftsmusik geschrieben. Das macht ihn genial. Dass er dabei Protest erlebte, ist leider… normal. Dass er selbst auf der Suche nach Gott war, ein Doppelleben lebte, ein verletzter Künstler war – normal. Dennoch sollte man das Besondere seiner Werke in den Vordergrund stellen.

Empfehlen kann ich den Film: That Sugar Film. Voll verzuckert. Es stimmt: Wir essen viel zu viel Zucker. Es ist eben nicht egal, woher Kalorien kommen, sondern der Ursprung ist sehr wichtig. Ich glaube, dass der hohe Zuckergehalt vor allem etwas mit dem Gehirn macht. Ich glaube: Menschen, die viel Zucker essen, werden viel weniger nach Gott fragen.

Oft gibt es heute Bücher oder Filme, sogar Spiegel-Bestseller, in denen es heißt, das Universum würde uns helfen, uns vorwärts zu bringen oder uns zu heilen. Man könnte auch sagen, Bäume oder die Sonne oder Sterne oder Wolken würden uns helfen. Das ist die neue Art, von Gott zu sprechen. Teile seiner Schöpfung werden hierbei als Gottheiten ausgegeben.

Das war der verzuckerte Mitternachtsblog.

Hier findet ihr meine Lyrik:

Lyrik Ann-Helena 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.