24. Juni 2020

Wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um. (Richard Precht)

Na, Brecht war er jedenfalls nicht. Aber sicher ist doch etwas dran.

Ach, ich liebe sonnendurchfluteten Wald. Es war so schön heute nach dem Üben. Es tut so gut. Dass es heutzutage noch echte europäische Wälder gibt. Mit Nacktschnecken am Boden nach dem Regen, die man vorsichtig umgehen muss, mit Pfauenauge-Schmetterlingen, die in der Sonne baden, mit Spechten und Krähen und Käfern und Hummeln und Summen und Stechmücken und Heuduft und Schattenspiel auf den Wiesen, mit Waldboden, der unten einem federt, ein Sportboden, den kein Mensch nachmachen kann, ja, die Natur an sich, die kein Mensch nachmachen kann – mit Stille, Insekten, mit Vögelchen, die herumsausen, mit gelbem Grün und wilden Orchideen und Butterblumen, mit Blöken von Schafen in der Luft – Himmel! Was haben wir (oder besser Männer) aus der Welt gemacht, dass so etwas eine Seltenheit geworden ist. Wo sind die Schmetterlinge und Amseln geblieben? Dass Menschen sich in Städten ballen, auf Schnecken treten, die es nicht mehr gibt, Müll liegen lassen, Fleisch fressen, Fastfood essen und überall Autos und Lärm zu hören sind: Eigentlich widerlich. Ich habe genug von solchen Städten. Ich mag Friedhöfe gern, die in der Sonne liegen, von Kühen umgeben sind, gepflegt und liebevoll gemäht, mit einer Kirche inmitten. Ist dies nicht eher ein Ort, über den Sinn des Lebens nachzudenken als Netflix und Co? 

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