12. Mai 2020

Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft. (Dostojewski)

Ich verstehe schon, wenn manche meinen, Liszt an der Orgel sei etwas oberflächliche, gar düstere Musik. Aber mir gefällt es schon, es hat doch etwas Wunderschönes, und ich muss sagen, das Orchestrale und die Melodieführungen ist genial: Ich übe nun Ad nos von Liszt, mein bisher längstes Orgelwerk von knapp 30 Minuten. Es ist auch historisch gesehen das erste große symphonische, experimentelles Orgelwerk. Da ist dem Franz Großes gelungen. Er hat eine neue besondere Gattung mit angestoßen und initiiert, und das in vielen Fassungen. Das Werk wird sehr unterschiedlich interpretiert, auch improvisiert. Ich vergleiche dabei oft meine neue UE-Ausgabe mit der alten Straube-Ausgabe. Schon B-A-C-H von Liszt habe ich sehr gemocht, auch wenn dieses viel kompakter ist, nicht so “redselig”.

Auch dass Liszt tutti tenuti “erfunden” hat, finde ich sehr schön. Die romantische Orgelmusik mit Reubke  und Reger, vor allem in ihrem historischen Kontext und in ihrer Zeit gesehen, hat schon etwas Faszinierendes. Und Liszt liegt mir besonders gut. Die Agogik und Dynamik und Virtuosität. Jedoch vom stundenlangen Üben tun mir manchmal wieder die Hände weh. 

Bei Bach liebe ich die Hexachorde, diese alten, heiligen Linien aus dem 17. Jhd., die er noch verwendet, vor allem in Piece, die drei Hexachorde Durum, Mollum und Naturale. Bevor er Piece schrieb, soll seine erste Frau gestorben sein. In diesem Werk ist Heiligkeit, aber auch ein Liebeslied zu hören, Zartheit, Ewigkeit, Schmerz und Glocken, als wäre bei Bach Tod und Beerdigung und Ewigkeit und Freude auf den Himmel, Aufstieg, Abstieg, Aufstieg  miteinander verwoben, als würde er vertikal und horizontal den Rahmen sprengen, so auch in der Passacaglia.

Klais-Orgel Würzburg 

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